Kliniken in Thüringen: Behandlung von Polyneuropathie

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt sind. In Thüringen gibt es verschiedene Kliniken, die sich auf die Behandlung dieser Erkrankung spezialisiert haben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Polyneuropathie, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere im Kontext der Kliniken in Thüringen.

Was ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie betrifft das periphere Nervensystem, also alle Nerven außerhalb des Rückenmarks und des Gehirns. Sind mehrere Nervenstrukturen geschädigt, spricht man von einer Polyneuropathie. Durch die Schädigung der Nervenbahnen wird die Reizweiterleitung gestört.

Ursachen von Polyneuropathie

Polyneuropathien sind meist erworben, können aber auch erblich bedingt sein. Es gibt über 2000 Auslöser, wobei Stoffwechselerkrankungen häufig zugrunde liegen. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Zytostatika)
  • Krebserkrankungen
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Toxine
  • Genetische Ursachen
  • Entzündliche Ursachen
  • Autoimmunologische Ursachen
  • Infektiöse Ursachen

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen.

Symptome von Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind. Hier ein Überblick über die häufigsten Symptome:

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Sensorische Symptome (Schädigung der Nerven, welche Reizempfindung steuern):

  • Missempfindungen wie Kribbeln, "Ameisenlaufen" oder Nadelstechen
  • Jucken, Taubheitsgefühle
  • Glühend-brennende Schmerzen
  • Gefühl der Enge, unangenehmes Druckgefühl oder das Gefühl, wie auf Watte zu gehen
  • Vermindertes oder kein Temperaturempfinden
  • Unsicherer Gang, insbesondere bei Dunkelheit
  • Schmerzlose Wunden

Motorische Symptome (Nerven, welche für Bewegung zuständig sind):

  • Muskelschwäche und -schmerzen
  • Muskelzucken und -krämpfe

Vegetative Symptome (Koordination automatischer Körperfunktionen, wie Verdauung und Atmung):

  • Schwindel
  • Blasenschwäche
  • Verdauungsprobleme
  • Verstärktes Schwitzen
  • Kreislaufprobleme
  • Sexuelle Störungen

Durch Lähmungserscheinungen in Verbindung mit Störungen der Sensibilität klagen die Patienten häufig über Gang- und Gleichgewichtsprobleme. Es kommt zu gehäuften Stürzen; die Mobilität ist aufgrund des gestörten Gangbildes und der Gefühlsstörungen in Füßen und Beinen meist deutlich eingeschränkt. Sind Arme und Hände davon betroffen, resultieren eine zunehmende Kraftlosigkeit und Ungeschicklichkeit bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens, z. B. beim Waschen, Anziehen und Essen. Die manchmal sehr quälenden sensiblen Reizerscheinungen können zu Schlafstörungen und einer allgemeinen Einschränkung der Lebensqualität führen. Sind Hirnnerven mit betroffen, können Sprech- und Schluckstörungen daraus resultieren.

Diagnose von Polyneuropathie

Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch und einer körperlichen Untersuchung wird die Diagnose mittels apparativer Diagnostik gestellt. Zu den üblichen Untersuchungen gehören:

  • Elektroneurografie (ENG): Mit dieser Methode lässt sich die Geschwindigkeit von Nervenleitungen bestimmen. Der Arzt erkennt, ob ein Nerv beschädigt ist.
  • Elektromyografie (EMG): Analyse der Muskelaktivität.
  • Liquoruntersuchung (Nervenwasseruntersuchung): Eine Lumbalpunktion („Nervenwasseruntersuchung“)
  • Sonografie: In der Neurologie untersucht der Arzt die Gefäße des Gehirns. Hierbei nutzt er Dopplerultraschall und Duplexsonografie. Dopplerultraschall misst die Geschwindigkeit des Blutflusses. So lassen sich beispielsweise Verengungen oder Verschlüsse erkennen. Eine Duplexsonografie zeigt nicht nur die Blutströme, sondern auch die Gefäßwand oder den Verlauf des Gefäßes an.
  • Elektroenzephalografie (EEG): Bei der EEG erfasst der Arzt die elektrischen Ströme des Gehirns. Damit lassen sich Funktionsstörungen des Gehirns erkennen.
  • Blinkreflex: Der Arzt stellt fest, ob der Schutzreflex des Auges funktioniert.
  • Sympathische Hautantwort (SHA): Der Arzt misst, wie sich der Hautwiderstand nach einem Stromimpuls verändert. Über so genannte evozierte Potentiale bestimmt der Arzt die Leitfähigkeit von Nervenbahnen.
  • Diagnostik von Sprach- und Sprechstörungen
  • Klinisch-chemisches Labor
  • Neuropsychologische Testverfahren zur Untersuchung von Hirnleistungsstörungen
  • Biopsie von Haut, Nerven oder Muskeln: Wir arbeiten eng mit dem neuropathologischen Labor der Universitätsklinik Jena zusammen, wo die ausführliche Gewebsuntersuchung dann folgt.

Behandlung von Polyneuropathie in Thüringen

Im Vordergrund der Behandlung steht die Therapie der Grundursache. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind z.B.

Reha-Klinik am Rennsteig

Die Reha-Klinik am Rennsteig ist eine Fachklinik für Neurologie, die Patienten mit Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems behandelt, einschließlich Polyneuropathien. Ziel ist es, die Folgen der Erkrankung zu lindern und die Selbstständigkeit im Alltag möglichst weitgehend wiederherzustellen.

Behandlungsschwerpunkte:

  • Ischämische Schlaganfälle
  • Intrazerebrale Blutungen
  • Entzündliche Krankheiten des Zentralnervensystems
  • Polyneuropathien
  • Krankheiten von Nerven, Nervenwurzeln und Nervenplexus
  • Multiple Sklerose

Therapieansatz:

Die Klinik verfolgt einen biopsychosozialen Behandlungsansatz, der körperliche Einschränkungen, psychische und seelische Probleme sowie das soziale Umfeld berücksichtigt. Es werden ausschließlich nachgewiesen wirksame Therapien eingesetzt, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden.

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Therapieangebote:

  • Ergotherapie
  • Arbeitstherapie
  • Physiotherapie
  • Logopädie
  • Neuropsychologie
  • Klinische Psychologie
  • Sozialarbeit
  • Physikalische Therapie (Wärme-, Kälteanwendungen, Massagen, Lymphdrainage)
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Psychotherapie
  • Reha-Pflege

Schlaganfall-Rehabilitation:

Ein wichtiger Schwerpunkt der Klinik ist die Rehabilitation nach Schlaganfall. Ziel ist es, die Patienten körperlich, kognitiv und emotional zu stabilisieren und ihre Fähigkeiten zu verbessern.

Besondere Therapieformen:

  • Spiegeltherapie zur Verbesserung der Bewegung und Wahrnehmung
  • Selbsthilfegruppe für Aphasie und Schlaganfall

MEDIAN Kliniken

Die MEDIAN Kliniken bieten einen multimodalen Behandlungsansatz für Polyneuropathien an. Ziel ist es, die Ursache der Erkrankung optimal zu behandeln und die spezifischen Symptome zu lindern.

Behandlungsschwerpunkte:

  • Optimale Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch)
  • Intensive Schulung für Diabetes-Patienten
  • Individuelle Ernährungsberatung
  • Modifikation von Lebensumständen, die die Erkrankung ungünstig beeinflussen
  • Engmaschige Kontrolle und Optimierung der medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlung des Diabetes
  • Behandlung von Lähmungserscheinungen, Gang- und Gleichgewichtsstörungen
  • Therapien aus den Bereichen Ergotherapie und physikalische Therapie
  • Spezielle medikamentöse Schmerzbehandlung zur Linderung von quälenden sensiblen Reizerscheinungen
  • Logopädische Therapie bei Sprech- und/oder Schluckstörungen
  • Psychologische Betreuung und medikamentöse Behandlung von Depressionen

Asklepios Fachklinikum Stadtroda

Das Asklepios Fachklinikum Stadtroda bietet in seiner Klinik für Neurologie und Schmerztherapie ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit Polyneuropathie.

Leistungsspektrum:

  • Neurologische Ambulanz (Pflichtversorgungsgebiet Ostthüringen)
  • Zertifizierte Parkinson-Fachklinik
  • MS-Zentrum für Ostthüringen
  • Behandlung von Demenzen
  • Behandlung von Polyneuropathie und Guillain-Barré-Syndrom
  • Behandlung von Amyotropher Lateralsklerose (ALS)
  • Behandlung von Myasthenia Gravis
  • Behandlung von Myopathien
  • Behandlung von Epilepsien
  • Behandlung von Neurologischen Schlafstörungen
  • Behandlung von Funktionellen neurologischen Störungen
  • Behandlung von Chronischem regionalem Schmerzsyndrom (CRPS, Morbus Sudeck)
  • Behandlung von Kopf- und Gesichtsschmerzen
  • Behandlung von Nervenengpasssyndromen
  • Ultraschall-Diagnostik
  • Behandlung von Schwindel
  • Behandlung von Schluckstörungen im Alter
  • Behandlung von Fibromyalgie
  • Behandlung von Schlaganfall
  • Behandlung von Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Frührehabilitation bei schwerer Spastik
  • Behandlung von Entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis, Hirnabszess)

Diagnostik:

Die Klinik verfügt über eine sehr gut ausgestattete neurologische Funktionsabteilung.

Besonderheiten:

Die Klinik bietet moderne Arbeitsplätze in einer fachlich sehr engagierten Umgebung.

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Weitere Kliniken und Ambulanzen

Neben den genannten Kliniken gibt es in Thüringen weitere Einrichtungen, die sich mit der Behandlung von Polyneuropathie befassen:

  • Neuromuskuläre Spezialambulanz (Universitätsklinikum Jena): Diagnostik und Therapie von Myositiden (entzündlichen Muskelerkranken) und neuromuskulären Übertragungsstörungen (z.B. Myasthenia Gravis).
  • Hochschulambulanz für Neuromuskuläre Erkrankungen (Universitätsklinikum Jena): Ausrichtung der Behandlung krankheitsspezifisch. Bei den häufigen erworbenen neuromuskulären Erkrankungen wie diabetischer- oder alkoholtoxischer Neuro- bzw. Myopathien stehen das Auffinden bzw. Bei autoimmunbedingten Nerven- und Muskelerkrankungen kommen Immuntherapeutika zum Einsatz, bei erregerbedingten Entzündungen Antibiotika.

Prävention und Selbsthilfe

Häufig kann durch die optimale Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung der Verlauf der Polyneuropathie günstig beeinflusst werden. Die optimale Behandlung eines Diabetes mellitus, Alkoholkarenz und die Substitution von fehlenden Vitaminen sind z. B. wichtige Basismaßnahmen.

Begleiterkrankungen

Häufig kommt es aufgrund der konstanten Schmerzen einer Polyneuropathie zu Depressionen und Gewichtsabnahmen.

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