Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt sind und die Reizweiterleitung gestört ist. Die Beschwerden sind vielfältig, und die genaue Abklärung der Auslöser gestaltet sich üblicherweise sehr schwierig. Am Klinikum rechts der Isar wird ein umfassender Ansatz zur Diagnose und Behandlung von Polyneuropathien verfolgt, der darauf abzielt, die Ursachen zu identifizieren und die Symptome zu lindern.
Ursachenforschung und Diagnostik
Die Polyneuropathie ist in den meisten Fällen Folge oder Anzeichen einer anderen Krankheit (zum Beispiel Diabetes mellitus). Daher ist es wichtig, behandelbare Ursachen bestmöglich zu identifizieren, um eine konsequente Therapie der Grunderkrankung einleiten zu können.
Die Ursachen für eine Polyneuropathie können ganz unterschiedlich sein:
- Diabetes mellitus (diabetesbedingte Form)
- Langjähriger Alkoholmissbrauch
- Kontakt mit giftigen Schwermetallen (z.B. Blei, Cadmium)
- Einnahme von bestimmten Medikamenten
- Genetisch bedingte Formen
Um die Ursache der Polyneuropathie zu ermitteln, werden am Klinikum rechts der Isar verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt:
- Neurologische Untersuchung: Hierbei wird der Leistungszustand des Nervensystems sowie die Funktion geprüft.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektroneurographie (ENG) einschließlich repetitiver Stimulation, Elektromyographie (EMG), Evozierte Potentiale (EP).
- Laboruntersuchungen: Analysen des Blutes und ggf. des Nervenwassers.
- Bildgebende Verfahren: MRT/CT zur Darstellung der Nerven und umliegenden Strukturen.
- Nerven- und Muskelbiopsie: In manchen Fällen ist eine Muskelbiopsie (Muskelprobe) notwendig (gerade bei Verdacht auf eine Myositis), die im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in unserer Klinik entnommen wird. Die Untersuchung der Probe erfolgt in Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
- Molekulargenetische Untersuchungen: Gezielte molekulargenetische Untersuchungen einer Blutprobe können im Rahmen der Ursachenfindung erforderlich sein.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der Polyneuropathie am Klinikum rechts der Isar umfasst in erster Linie die Therapie der Grunderkrankung, falls eine solche identifiziert werden kann. Darüber hinaus werden verschiedene symptomatische Behandlungen eingesetzt, um die Beschwerden der Patienten zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Lesen Sie auch: Tagesklinik für Neurologie
Therapie der Grunderkrankung
- Diabetes mellitus: Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um die Nervenschäden bei diabetischer Polyneuropathie zu reduzieren.
- Alkoholmissbrauch: Ein Verzicht auf Alkohol kann die Nervenschäden stoppen oder sogar rückgängig machen.
- Medikamente: Wenn Medikamente die Ursache für die Polyneuropathie sind, sollten diese nach Möglichkeit abgesetzt oder durch andere Medikamente ersetzt werden.
- Entzündungen: Bei entzündlichen Polyneuropathien können Immuntherapien eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren.
Symptomatische Behandlung
- Schmerztherapie: Bei neuropathischen Schmerzen, die durch die Polyneuropathie verursacht werden, können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden, wie z.B. Antidepressiva oder Antikonvulsiva. Ein spezieller Schmerzphänotyp geht mit einer erfolgreicheren Behandlung mit dem „Chili-Pflaster“ (Capsaicin 8%) einher.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Logopädie kann bei Schluck- und Sprechstörungen helfen, die durch die Polyneuropathie verursacht werden.
- Hilfsmittel: Je nach Bedarf können verschiedene Hilfsmittel eingesetzt werden, wie z.B. Rollstühle, Kommunikationshilfen oder Hustenassistenten.
Spezielle Schmerztherapie
Die Spezielle Schmerztherapie ist eine zusätzliche ärztliche Qualifikation für die Behandlung komplexer Schmerzerkrankungen. Im Unterschied zu einer rein symptomorientierten Behandlung geht es in der Speziellen Schmerztherapie darum, Schmerzursachen zu verstehen, Mechanismen zu erkennen und einen langfristigen Behandlungsplan zu entwickeln - individuell abgestimmt auf Ihre Situation und Ihre Ziele.
Die Spezielle Schmerztherapie am Klinikum rechts der Isar umfasst:
- Umfassende Anamnese und Untersuchung: Körperliche Untersuchung und Sichtung mitgebrachter Befunde (Arztbriefe, Bildgebung, Labor).
- Individueller Behandlungsplan: Auf Basis aller Informationen erarbeiten wir mit Ihnen gemeinsam einen individuellen Behandlungsplan. Dieser kann u. a. begleitende psychotherapeutische oder entspannungsorientierte MaßnahmenBewegungs- und Trainingsprogramme, ggf. medikamentöse Anpassung oder invasive Verfahren beinhalten.
- Multimodaler Ansatz: Schmerz ist selten nur „körperlich“ oder nur „seelisch“. In der Speziellen Schmerztherapie kommt das bio-psycho-soziale Modell zum Einsatz. Hier werden körperliche, psychische und soziale Faktoren berücksichtigt, die zur Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung beitragen.
- Eigenaktivität: Ein zentraler Baustein der Speziellen Schmerztherapie ist Ihre Eigenaktivität.
Forschung
Unsere Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. So umfassen unsere Forschungsaktivitäten sowohl Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung als auch im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden.
Spezialambulanzen und Zentren am Klinikum rechts der Isar
Das Klinikum rechts der Isar bietet verschiedene Spezialambulanzen und Zentren für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen, die auch für Patienten mit Polyneuropathie relevant sein können:
- Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen: Hier werden Patienten mit Verdacht auf eine erbliche Polyneuropathie betreut.
- Zentrum für seltene neurologische Erkrankungen (ZSE-Neurologie): Dieses Zentrum ist auf die Diagnostik und Betreuung von Patienten mit seltenen neurologischen Erkrankungen spezialisiert, zu denen auch bestimmte Formen der Polyneuropathie gehören.
- Neuromuskuläres Zentrum: Hier werden Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen betreut, zu denen auch Polyneuropathien gehören.
- Neurovaskuläre Ambulanz: In dieser Ambulanz werden Patienten mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen betreut, die im Zusammenhang mit einer Polyneuropathie stehen können.
- Spezialsprechstunden für Motoneuronerkrankungen: Hier werden Patienten mit Motoneuronerkrankungen wie ALS betreut, die auch Polyneuropathien verursachen können.
- Schmerzambulanz: Hier werden Patienten mit chronischen Schmerzen behandelt, die durch die Polyneuropathie verursacht werden.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Für eine optimale Behandlung von Patienten mit Polyneuropathie ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachabteilungen des Klinikums rechts der Isar erforderlich. Dazu gehören insbesondere die Neurologie, die Innere Medizin, die Radiologie, die Physiotherapie, die Ergotherapie und die Schmerztherapie.
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
Lesen Sie auch: Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide als Zentrum für Neurologie.
tags: #klinikum #rechts #der #isar #polyneuropathie