Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Bewegungsstörungen, von der viele Menschen betroffen sind. Das Klinikum Vest bietet im Parkinson-Zentrum eine umfassende Komplexbehandlung an, um Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien bestmöglich zu unterstützen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Behandlung im Klinikum Vest und stellt innovative Therapieansätze vor.
Das Parkinson-Zentrum MoveVest: Ein Überblick
Das Parkinson-Zentrum MoveVest hat sich auf die Diagnose und Behandlung von Menschen mit Parkinson spezialisiert. Ein erfahrenes Behandlungsteam kennt die Bedürfnisse der Patienten in den verschiedenen Krankheitsstadien und kann diese entsprechend behandeln. Entscheidend für den Therapieerfolg ist ein erfahrenes Behandlungsteam, das die Bedürfnisse der Patienten in den verschiedenen Krankheitsstadien kennt und entsprechend behandeln kann. Neben den typischen Störungen der Bewegungskontrolle ist die Krankheit durch eine Vielzahl anderer Beschwerden im Bereich des vegetativen Nervensystems und der Psyche gekennzeichnet. Enorme Fortschritte der Therapie ermöglichen heutzutage bei den meisten Patienten eine weitgehend normale Lebenserwartung und eine über viele Jahre erhaltene Lebensqualität.
Diagnostik
Das Zentrum bietet sichere Parkinson-Diagnostik mit modernsten Verfahren.
Multimodale Komplexbehandlung
Die multimodale Komplexbehandlung der Parkinson-Krankheit ermöglicht eine umfassende und individuell für jeden Patienten angepasste Therapie. Sie kombiniert die medizinischen und aktivierenden Therapieansätze zu einer intensiven, ganzheitlichen Behandlung durch ein speziell geschultes Team. Die stationäre Behandlungsdauer beträgt dabei mindestens 14 Tage. Die Therapiebereiche kommen in individuell unterschiedlichen Kombinationen von mindestens 7,5 Stunden pro Woche zum Einsatz, davon 5 Stunden in Einzeltherapie. Das Behandlungsteam steht unter fachärztlicher neurologischer Leitung.
Ambulante Video-unterstützte Parkinson-Therapie
Unsere Klinik bietet die Ambulante Video-unterstützte Parkinson-Therapie im Rahmen eines Vertrages zur Integrierten Versorgung gemeinsam mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen an. Über insgesamt 30 Tage passen wir dabei die Medikation und ggf. andere Therapieoptionen (Medikamentenpumpen, Tiefe Hirnstimulation) auf die individuelle Situation des Patienten an. Das Kernstück der Behandlung ist die vorübergehende Installation eines Video-Systems im häuslichen Umfeld, über das der Patient den behandelnden Ärzten mehrmals täglich kurze Videosequenzen seines Bewegungszustandes übermitteln kann.
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Therapieansätze im Parkinson-Zentrum MoveVest
Im Mittelpunkt des individuell auf den Betroffenen abgestimmten Behandlungsplans steht die Gabe von Medikamenten. Diese zielen darauf ab, das gestörte Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn positiv zu beeinflussen. Insbesondere kann so die Konzentration des Botenstoffs Dopamin normalisiert werden. Dafür werden im medikamentösen Bereich alle gängigen Präparate eingesetzt. Auf Wunsch ist die Teilnahme an Studien zur Erprobung neuer, innovativer Substanzen möglich.
Medikamentöse Therapie
Im Mittelpunkt des individuell auf den Betroffenen abgestimmten Behandlungsplans steht die Gabe von Medikamenten. Diese zielen darauf ab, das gestörte Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn positiv zu beeinflussen. Insbesondere kann so die Konzentration des Botenstoffs Dopamin normalisiert werden.
Medikamentenpumpen
Bei Patienten mit starken Wirkschwankungen der Tabletten kann eine gleichmäßigere Beweglichkeit durch außen am Körper getragene Medikamentenpumpen erzielt werden. Welches System zum Einsatz kommt, muss bei jedem Patienten im Einzelfall entschieden werden. Die Einstellung auf eine Medikamentenpumpe muss stationär vorgenommen werden.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation (THS), auch „Hirnschrittmacher“ genannt, hat in den letzten Jahren zu großen therapeutischen Fortschritten bei der Behandlung der schweren Parkinson-Krankheit geführt. Bei der THS werden operativ dünne Elektroden durch die Schädeldecke in eine oder beide Gehirnhälften eingeführt und dort dauerhaft implantiert. Die Elektroden werden über ein unter der Haut verlegtes Kabel an einen Impulsgenerator angeschlossen, der zumeist wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein eingesetzt wird. Der Arzt kann die Einstellung des Schrittmachers von außen durch die Haut steuern und bei jedem Patienten individuell einstellen. Das Parkinson-Zentrum MoveVest verfügt über breite Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit THS.
Das Zentrum bietet:
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- Beratung über mögliche Alternativen zur Operation
- Durchführung der Operation mit neurochirurgischen Kooperationspartnern (www.ruhrstim.de ; Klinik für Stereotaktische Neurochirurgie St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen, Chefarzt Dr. med. Ralph E.
Botulinumtoxin-Therapie (BTX)
Botulinumtoxine (BTX) sind Eiweiße, welche die Übertragung krankhafter Impulse von übererregten Nerven auf die Muskulatur blockieren. Damit können heute Erkrankungen aus dem Bereich der sogenannten Dystonien wie Lidkrampf (Blepharospamus), Schiefhals (Torticollis) oder Schreibkrampf (Graphospasmus) erfolgreich behandelt werden. Auch Patienten mit spastischer Muskelüberaktivität, wie z.B. nach Schlaganfall, werden mit BTX behandelt. Bei Parkinson-Patienten eignet sich BTX gut zur Linderung des übermäßigen Speichelflusses, wenn dieser die Lebensqualität deutlich einschränkt. Die BTX-Therapie erfordert ein hohes Maß an Erfahrung des Behandlers. Unser Zentrum ist im Besitz des Zertifikates „Qualifizierte Botulinumtoxintherapie“ des Arbeitskreises Botulinumtoxin e.V.
Weitere Therapieansätze
Die Parkinson-Therapie in unserem Zentrum hat das Ziel, die Lebensqualität unserer Patienten akut zu verbessern und langfristig zu erhalten.
- Physiotherapie: Die physiotherapeutische Behandlung nach neurophysiologischen Konzepten umfasst Einzelsitzungen sowie die Gruppentherapie. Besonders die Parkinson-typischen Gang- und Gleichgewichtsstörungen werden mit spezifischem Amplitudentraining, Balancetraining sowie Haltungsschulung verbessert. Starthemmung sowie plötzliches „Einfrieren“ der Bewegungen (Freezing) können ebenfalls mit spezifischen Maßnahmen behandelt werden (sogenanntes Cueing).
- Sporttherapie: Die Sporttherapie für Parkinsonkranke zielt auf die Verbesserung von Körperwahrnehmung, Koordination, Gleichgewicht, Muskelkraft und Kondition. Dafür setzen wir bei geeigneten Patienten die fernöstliche Bewegungskunst Tai Chi Chuan ein. Spezielle Übungssegmente des Tai Chi bilden eine harmonische Bewegungsfolge mit Schrittsequenzen, Richtungswechseln, Verlagerungen des Körperschwerpunktes sowie koordinierten Arm- und Rumpfbewegungen.
- Ergotherapie: Ziel der Ergotherapie ist es, die Betroffenen bei der Verrichtung von Alltagstätigkeiten zu stärken. Die Ergotherapie nutzt spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung, um Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen.
- Logopädie: Bei Parkinson-Patienten bestehen häufig Schwierigkeiten des Sprechens, des Schluckens sowie eine Minderbeweglichkeit der Gesichtsmuskulatur.
- Neuropsychologie: Bei einer neuropsychologischen Untersuchung von Parkinson-Patienten können Veränderungen von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis festgestellt werden. Bei Bedarf werden dann an die jeweiligen Defizite angepasste alltagsnahe Übungs- und Kompensationsstrategien vermittelt.
Das Netzwerk "RuhrSTIM"
Im Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum wurde das Netzwerk „RuhrSTIM - Zentrum für Tiefe Hirnstimulation und Neuromodulation“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aller Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet, die sich dafür einsetzen, Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen (z.B. Morbus Parkinson, Tremor, Dystonie) und chronischen Schmerzen durch eine dauerhafte elektrische Stimulation von Nervengewebe erfolgreich zu therapieren. Durch die klinik- und disziplinübergreifende Zusammenarbeit ist es fortan möglich, den Patienten von der Voruntersuchung und Indikationsstellung über die Implantation bis hin zur Nachsorge eine kompetente Versorgung aus einer Hand anzubieten.
Wenn Medikamente oder andere Behandlungsmethoden keine ausreichende Wirkung mehr zeigen, kann die elektrische Stimulation von Nervengewebe (sogenannte Neuromodulation) häufig weiterhelfen und eine deutliche und dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität selbst bei fortgeschrittenen und schwer behandelbaren Erkrankungen ermöglichen. Allerdings kommt es darauf an, die für diese Therapie geeigneten Patienten sorgsam auszuwählen, sie entsprechend zu beraten und auf die dafür notwendige Operation optimal vorzubereiten.
Ein Beispiel dafür ist Gerd Loose. Nachdem der Parkinsonpatient trotz seiner immer höher dosierten Medikamente mehr und mehr abbaute und nicht einmal mehr allein wohnen konnte, entschied er sich auf Anraten des Ärzteteams am UK Knappschaftskrankenhaus Bochum für die Tiefe Hirnstimulation, also der Implantation eines sogenannten Hirnschrittmachers. Dabei werden feine Elektroden in einer mehrstündigen Operation in das Gehirn eingesetzt, die in der Folge dauerhaft elektrische Impulse in bestimmte Regionen des Gehirns übertragen und die Funktion von erkrankten Hirnstrukturen wieder ins Gleichgewicht bringen. Bei Gerd Loose schlug die Therapie so gut an, dass er derzeit nur knapp ein Zehntel der vorher notwendigen Medikamente benötigt, wieder alleine leben und sogar Auto fahren kann.
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Neben Parkinson-Betroffenen kann die Tiefe Hirnstimulation auch geeigneten Patienten mit Tremor (unkontrolliertes Zittern) und Dystonie (unwillkürliche Verkrampfungen und Fehlhaltungen) helfen. Da zum Behandlungsspektrum des Zentrums „RuhrSTIM“ die gesamte Palette von funktionell-neurochirurgischen Eingriffen gehört, wird auch die Neuromodulation angeboten. Damit kann bei Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen eine wirksame und dauerhafte Schmerzlinderung durch die Stimulation von peripheren Nerven, Rückenmark oder Gehirn erreicht werden. Die langfristige Betreuung von Schmerz-Patienten erfolgt vor und nach der Operation durch Fachärzte für Anästhesiologie (Bottrop: Dr. Rainer Michels, Bochum: Dr. Günther Oprea, Dortmund: Dr. Thomas Hofmann, Recklinghausen/Marl: Prof. Dr. Hans-Georg Bone).
„RuhrSTIM“ besteht aus dem Kerntherapiezentrum mit den Knappschaftskrankenhäusern an den benachbarten Standorten in Bochum und Recklinghausen. Letzteres Haus bildet gemeinsam mit der Paracelsus-Klinik in Marl das Klinikum Vest. „Wir freuen uns, den Betroffenen in unserer Region nun die kompetente Behandlung mit der Tiefen Hirnstimulation noch besser und umfassender anbieten zu können“, so Prof. Rüdiger Hilker-Roggendorf, Sprecher des Netzwerks „RuhrSTIM“ und Leitender Arzt der Klinik für Neurologie am Behandlungszentrum Paracelsus-Klinik Marl.
Während die Indikationsstellung in allen Kliniken (Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Knappschaftskrankenhaus Bottrop, Klinikum Vest, Klinikum Westfalen) erfolgt, werden die Operationen am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum von Oberarzt Dr. Yaroslav Parpaley und weiteren Kollegen der Neurochirurgischen Klinik sowie in der Klinik für Neurochirurgie in Recklinghausen (Priv.-Doz. Dr. Maximilian Puchner) vorgenommen. Die postoperative Rehabilitation wird in Bottrop angeboten. Um die operative Nachsorge kümmern sich wieder alle Kliniken. Dank des Zentrums profitiert der Patient von einer einfachen und kurzfristigen Terminvergabe innerhalb der Netzwerkpartner und wird während des gesamten Behandlungszeitraums von festen Ansprechpartner betreut. Der Schwerpunkt der Parkinson-Behandlung wird in Bochum durch Priv.-Doz. Dr. Sabine Skodda, Leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik, geführt. Die Kliniken für Neurologie und für Anästhesie/Schmerztherapie an den Knappschaftskrankenhäusern in Bottrop und Dortmund (Klinikum Westfalen) nehmen ebenfalls am „RuhrSTIM“-Netzwerk teil. Schwerpunkte sind dort vor allem die Behandlung von Bewegungsstörungen bei Patienten mit Multipler Sklerose (Klinik für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus Dortmund, Dr. Ulrich Hofstadt-van-Oy) sowie die Neurologische Rehabilitation (Klinik für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus Bottrop, Dr.