Umfassende neurologische Parkinson-Behandlung im Knappschaftskrankenhaus

Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurologischen Bewegungsstörungen. Neben den typischen Störungen der Bewegungskontrolle ist die Krankheit durch eine Vielzahl anderer Beschwerden im Bereich des vegetativen Nervensystems und der Psyche gekennzeichnet. Enorme Fortschritte der Therapie ermöglichen heutzutage bei den meisten Patienten eine weitgehend normale Lebenserwartung und eine über viele Jahre erhaltene Lebensqualität. Entscheidend für den Therapieerfolg ist ein erfahrenes Behandlungsteam, das die Bedürfnisse der Patienten in den verschiedenen Krankheitsstadien kennt und entsprechend behandeln kann. Das Knappschaftskrankenhaus bietet ein breites Spektrum an Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für Parkinson-Patienten an, von der Früherkennung bis zur Therapie fortgeschrittener Stadien.

Diagnostik und Behandlungsschwerpunkte

Das Knappschaftskrankenhaus legt großen Wert auf eine sichere Parkinson-Diagnostik mit modernsten Verfahren. Die Parkinson-Spezialambulanz richtet sich an Patienten mit der Verdachts- oder bereits gesicherten Diagnose eines Morbus Parkinson oder anderer extrapyramidal-motorischer Erkrankungen (Dystonie, Multisystematrophie u.a.). Bei Patienten in frühen Stadien der Erkrankung werden eine differenzierte Initialbehandlung mit Medikamenten und zusätzliche Therapieverfahren eingeleitet. Die Parkinson-Ambulanz ist in besonderem Maße an der Erforschung der Ursachen des Morbus Parkinson und an der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten beteiligt. Mit interessierten Patienten werden wissenschaftliche Studien und die Bedingungen einer Teilnahme ebenso besprochen, wie der aktuelle Stand der Forschung.

Besonderes Augenmerk wird auf Beschwerden gerichtet, die über die „typischen“ Bewegungssymptome wie Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit (Rigor) und Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) hinausgehen. Denn viele Patientinnen und Patienten berichten z. B. über Schlafstörungen, Probleme beim Wasserlassen, Vergesslichkeit oder depressive Verstimmung.

Medikamentöse Therapie

Im Mittelpunkt des individuell auf den Betroffenen abgestimmten Behandlungsplans steht die Gabe von Medikamenten. Diese zielen darauf ab, das gestörte Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn positiv zu beeinflussen. Insbesondere kann so die Konzentration des Botenstoffs Dopamin normalisiert werden. Dafür werden im medikamentösen Bereich alle gängigen Präparate eingesetzt. Auf Wunsch ist die Teilnahme an Studien zur Erprobung neuer, innovativer Substanzen möglich. Bei Patienten mit starken Wirkschwankungen der Tabletten kann eine gleichmäßigere Beweglichkeit durch außen am Körper getragene Medikamentenpumpen erzielt werden. Welches System zum Einsatz kommt, muss bei jedem Patienten im Einzelfall entschieden werden. Die Einstellung auf eine Medikamentenpumpe muss stationär vorgenommen werden.

Tiefe Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation (THS), auch „Hirnschrittmacher“ genannt, hat in den letzten Jahren zu großen therapeutischen Fortschritten bei der Behandlung der schweren Parkinson-Krankheit geführt. Bei der THS werden operativ dünne Elektroden durch die Schädeldecke in eine oder beide Gehirnhälften eingeführt und dort dauerhaft implantiert. Die Elektroden werden über ein unter der Haut verlegtes Kabel an einen Impulsgenerator angeschlossen, der zumeist wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein eingesetzt wird. Der Arzt kann die Einstellung des Schrittmachers von außen durch die Haut steuern und bei jedem Patienten individuell einstellen. Das Parkinson-Zentrum MoveVest verfügt über breite Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit THS. Es bietet:

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  • Beratung über mögliche Alternativen zur Operation
  • Durchführung der Operation mit neurochirurgischen Kooperationspartnern (www.ruhrstim.de ; Klinik für Stereotaktische Neurochirurgie St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen, Chefarzt Dr. med. Ralph E. Botulinumtoxine (BTX) sind Eiweiße, welche die Übertragung krankhafter Impulse von übererregten Nerven auf die Muskulatur blockieren. Damit können heute Erkrankungen aus dem Bereich der sogenannten Dystonien wie Lidkrampf (Blepharospamus), Schiefhals (Torticollis) oder Schreibkrampf (Graphospasmus) erfolgreich behandelt werden.

Botulinumtoxin-Therapie

Auch Patienten mit spastischer Muskelüberaktivität, wie z.B. nach Schlaganfall, werden mit BTX behandelt. Bei Parkinson-Patienten eignet sich BTX gut zur Linderung des übermäßigen Speichelflusses, wenn dieser die Lebensqualität deutlich einschränkt. Die BTX-Therapie erfordert ein hohes Maß an Erfahrung des Behandlers. Das Zentrum ist im Besitz des Zertifikates „Qualifizierte Botulinumtoxintherapie“ des Arbeitskreises Botulinumtoxin e.V.

Multimodale Komplexbehandlung

Die multimodale Komplexbehandlung der Parkinson-Krankheit ermöglicht eine umfassende und individuell für jeden Patienten angepasste Therapie. Sie kombiniert die medizinischen und aktivierenden Therapieansätze zu einer intensiven, ganzheitlichen Behandlung durch ein speziell geschultes Team. Die stationäre Behandlungsdauer beträgt dabei mindestens 14 Tage. Die Therapiebereiche kommen in individuell unterschiedlichen Kombinationen von mindestens 7,5 Stunden pro Woche zum Einsatz, davon 5 Stunden in Einzeltherapie. Das Behandlungsteam steht unter fachärztlicher neurologischer Leitung.

Ein besonderes Angebot ist seit 2017 die multimodale Parkinson-Komplexbehandlung. Während des mindestens 16-tägigen stationären Aufenthaltes erfolgt eine umfassende ärztliche Betreuung inklusive schrittweise Optimierung der medikamentösen Therapie, in Kombination mit intensiven (Minimum 7,5 Stunden pro Woche), speziell auf die Bedürfnsse von Parkinson-Patienten ausgerichteten logopädischen, ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen.

In einem multidisziplinären Team, bestehend aus kompetenten Ärzten sowie engagierten und erfahrenen Therapeuten, werden individuelle Therapieziele und ein Behandlungsplan erarbeitet, der zu einer Verbesserung der gesamten Beweglichkeit, des Gangbildes, der Sprachproduktion, der Schlafqualität und der alltäglichen Selbständigkeit führen sollte. Die Parkinson-Komplexbehandlung eignet sich für Patienten, bei denen trotz ambulanter Bemühungen die Lebensqualität eingeschränkt bleibt und eine optimale medikamentöse Einstellung ambulant nicht möglich ist.

Physiotherapie

Die physiotherapeutische Behandlung nach neurophysiologischen Konzepten umfasst Einzelsitzungen sowie die Gruppentherapie. Besonders die Parkinson-typischen Gang- und Gleichgewichtsstörungen werden mit spezifischem Amplitudentraining, Balancetraining sowie Haltungsschulung verbessert. Starthemmung sowie plötzliches „Einfrieren“ der Bewegungen (Freezing) können ebenfalls mit spezifischen Maßnahmen behandelt werden (sogenanntes Cueing). Die Sporttherapie für Parkinsonkranke zielt auf die Verbesserung von Körperwahrnehmung, Koordination, Gleichgewicht, Muskelkraft und Kondition. Dafür setzen wir bei geeigneten Patienten die fernöstliche Bewegungskunst Tai Chi Chuan ein. Spezielle Übungssegmente des Tai Chi bilden eine harmonische Bewegungsfolge mit Schrittsequenzen, Richtungswechseln, Verlagerungen des Körperschwerpunktes sowie koordinierten Arm- und Rumpfbewegungen.

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Hierbei liegt der besondere Fokus auf dem Gangtraining, der Gleichgewichtsübung und der Sturzprophylaxe. Es werden dabei neue wissenschaftliche Erkenntnisse und das Konzept des LSVT-BIG-Programms in das Trainingsprogramm integriert. Insgesamt werden die posturale Stabilität und das Körpergefühl verbessert und die Fallneigung reduziert. Je früher die LSVT-BIG-Methode zum Einsatz kommt, desto effektiver kann das Fortschreiten der Bewegungseinschränkung verzögert werden.

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist es, die Betroffenen bei der Verrichtung von Alltagstätigkeiten zu stärken. Die Ergotherapie nutzt spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung, um Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen. Bei Parkinson-Patienten bestehen häufig Schwierigkeiten des Sprechens, des Schluckens sowie eine Minderbeweglichkeit der Gesichtsmuskulatur.

Hierbei werden die Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. An- und Auskleiden, Körperpflege, feinmotorische Tätigkeiten etc.) sowie die Wahrnehmung, das Gedächtnis und der Umgang mit Hilfsmitteln geübt.

Logopädie

Bei Parkinson-Patienten bestehen häufig Schwierigkeiten des Sprechens, des Schluckens sowie eine Minderbeweglichkeit der Gesichtsmuskulatur. Bei einer neuropsychologischen Untersuchung von Parkinson-Patienten können Veränderungen von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis festgestellt werden. Bei Bedarf werden dann an die jeweiligen Defizite angepasste alltagsnahe Übungs- und Kompensationsstrategien vermittelt.

Durch eine intensive Sprachtherapie können im Rahmen eines stationären Aufenthaltes Verbesserungen des Sprechtempos, der Lautstärke und der Sprachverständlichkeit erzielt werden. Daneben werden Parkinson-typische Schluckstörungen, die unter anderem mit häufigem Verschlucken und unkontroliertem Speichelfluss resultieren, behandelt.

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Parkinson-Tagesklinik

Durch die Parkinson-Tagesklinik soll die Behandlungslücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung geschlossen werden. Eine ambulante Behandlung ist häufig nicht ausreichend, ein stationärer Aufenthalt ist in vielen Fällen medizinisch suboptimal, da eine medikamentöse Einstellung bei fehlender Alltagsbelastung erfolgt. Weiterhin können sich viele Patienten keiner stationären Behandlung unterziehen, z.B. bedingt durch die Situation am Arbeitsplatz, Pflege von Angehörigen oder Versorgung von Haustieren. Die Parkinson-Tagesklinik richtet sich insbesondere an Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung und z. B. der Notwendigkeit von Medikationsanpassung, Mobilitätstraining oder Bewegungsschule.

Ziel der Behandlung in der Parkinson-Tagesklinik ist die Erfassung individueller Defizite und Ressourcen der Patienten, das Erstellen, Erläutern und Etablieren eines individuellen, medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiekonzeptes, die psychosoziale Einbindung der Angehörigen und das Erstellen schriftlicher gezielter Therapieempfehlungen für weitere ambulante ärztliche und unterstützende Therapien.

Die Behandlung findet als teilstationäre rehabilitative neurologische Behandlung im Reha-Zentrum prosper statt. Die Antragstellung für die neurologische Rehabilitationsmaßnahme erfolgt im Rahmen eines obligaten Beratungstermins vor dem Therapiestart. In Ihrem ersten Termin lernen wir Sie besser kennen und entscheiden anschließend gemeinsam über ein passendes Therapieangebot. Dazu erhalten Sie von uns einen persönlichen Therapieplan, der regelmäßig aktualisiert wird.

Die Behandlung durch das Team der Parkinson-Tagesklinik findet innerhalb des Behandlungszeitraums innerhalb von drei bis vier Wochen an fünf Tagen mit mindestens fünf Stunden Therapie pro Tag statt. Die Patienten sind 7-8 Stunden pro Tag anwesend. Sie erhalten einen individuellen Stundenplan zur Übersicht über die Therapietage. Die Aufteilung kann sich individuell nach Bedürfnissen und Anforderungen unterscheiden und wird patientenbezogen festgelegt.

In der Parkinson-Tagesklinik kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz, die wir Ihnen im Detail in der Broschüre der Parkinson-Tagesklinik vorstellen.

Die Therapien finden wochentags zwischen 08:30 und 16:00 Uhr statt. Im Einzelfall werden die tägliche Therapiezeit und die wöchentliche Frequenz reduziert und an die persönliche Belastbarkeit angepasst. Für die An- und Abreise kann je nach Bedarf ein Taxifahrdienst zur Verfügung gestellt werden. Ein freundlicher Umgang miteinander und eine nette Atmosphäre sehen wir als wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Therapie und schnelle Genesung an. Wir möchten, dass Sie sich über den Tag hinweg bei uns wohlfühlen. Daher stehen Ihnen für die freie Zeit zwischen den Therapien Aufenthalts- und Ruheräume zur Verfügung. Über das hauseigene WLAN-Netz können Sie auf Anfrage einen Zugang zum Internet erhalten. In der Mittagszeit bietet die Reha-Klinik ein abwechslungsreiches Mittagessen an. Symptome und Schwankungen werden reduziert bis hin zu einer normalen Beweglichkeit. Die Therapie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit einer diagnostizierten Parkinson-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium.

Unter fachärztlicher Leitung werden verschiedene therapeutische Bereiche integriert, wodurch eine intensive und ganzheitliche Behandlung erfolgen kann. Dabei werden die diagnostischen und medikamentös-therapeutischen Möglichkeiten eines Akutkrankenhauses mit einem intensiven nichtmedikamentösen Behandlungskonzept verbunden.

Das speziell geschulte Team passt die Behandlung speziell auf das Beschwerdebild der Erkrankten an, so dass sich unterschiedliche Schwerpunkte ergeben. Eine Überprüfung der Medikamente gehört auf jeden Fall dazu, mit dem Vorteil, dass eine Anpassung unter Beobachtung erfolgt. Neben Gruppentherapie findet regelmäßige Einzeltherapie statt.

Telemedizinische Angebote

Die "Virtuelle Parkinson-Klinik" ermöglicht es Patientinenn und Patienten, in ihrem vertrauten Umfeld behandelt zu werden. Der Krankenhausaufenthalt wird durch eine digitale medizinische Rundum-Versorgung ersetzt. Betroffene können sich auf diese Weise ein Stück Unabhängigkeit bewahren. Der vierwöchigen virtuellen Intensivbehandlung folgt im Regelfall eine optionale einwöchige Nachbehandlung. Arztgespräche, Gespräche mit einer Parkinson-Pflegefachkraft und Anwendungen wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie können Erkrankte in ihrer vertrauten Umgebung in digitaler Form durchführen. Die Behandlung wird durch Online-Trainingseinheiten ergänzt. Die Versorgung beginnt mit einem persönlichen Erstgespräch, das vor Ort in unserer Klinik stattfindet.

Das Knappschaftskrankenhaus bietet die Ambulante Video-unterstützte Parkinson-Therapie im Rahmen eines Vertrages zur Integrierten Versorgung gemeinsam mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen an. Über insgesamt 30 Tage passen wir dabei die Medikation und ggf. andere Therapieoptionen (Medikamentenpumpen, Tiefe Hirnstimulation) auf die individuelle Situation des Patienten an. Das Kernstück der Behandlung ist die vorübergehende Installation eines Video-Systems im häuslichen Umfeld, über das der Patient den behandelnden Ärzten mehrmals täglich kurze Videosequenzen seines Bewegungszustandes übermitteln kann.

Für ambulante Patienten besteht die Möglichkeit, eine Videosprechstunde zu nutzen und sich z. B. von zu Hause oder am Arbeitsplatz beraten zu lassen. Die Medizinische Videobeobachtung ist ein langjährig etabliertes Videotherapieverfahren: es werden mehrmals tägliche Videosequenzen aufgenommen, anhand derer einer qualifizierte Parkinson-Nurse sowie der behandelnde Arzt beurteilt, wie der aktuelle Zustand ist und welche Maßnahmen ergriffen werden können.

Weitere Therapieansätze und Kooperationen

  • DuoDopa®-Therapie: Eine neue Therapiemöglichkeit stellt die kontinuierliche Behandlung mit Dopamin (DuoDopa®) über eine durch die Bauchdecke implantierte Dünndarmsonde dar. Diese Behandlungsform wird bei Patienten mit schweren Wirkungsschwankungen und sogenannten Fluktuationen der Beweglichkeit seit einiger Zeit erfolgreich durchgeführt. Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes wird, nach einem Wirksamkeitstest, eine solche Pumpensonde implantiert und die Ersteinstellung vorgenommen.
  • Studien: Ein weiteres wissenschaftliches Ziel ist die klinische Erprobung neuer Medikamente insbesondere mit potentiell neuroprotektiver Wirkung.
  • Kooperationen: Es bestehen enge Kooperationen mit Regionalgruppen der Deutschen Parkinson-Vereinigung. In Kooperation mit der Neurochirurgischen Klinik im Knappschafts­krankenhaus Langendreer wird für Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson die Therapie mittels Tiefenhirnstimulation ("Hirnschrittmacher") des Nucleus subthalamicus angeboten.

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