Bis zu zwanzig Prozent der Patienten, die mit einem künstlichen Kniegelenk leben, sind laut Studienlage mit ihrer Knie-Prothese nicht zufrieden. Lockerungen, Infektionen, aber auch Bewegungseinschränkungen und Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen. Im Jahr 2016 haben etwa 187.000 Patienten in Deutschland ein künstliches Kniegelenk erhalten. Obwohl über 96 Prozent der Implantate länger als 15 Jahre ihren Dienst leisten und Aktivität auch im höheren Alter ermöglichen, ist es wichtig, die individuellen Risiken und Vorteile eines solchen Eingriffs abzuwägen, insbesondere bei Vorliegen von Begleiterkrankungen wie Parkinson.
Das Kniegelenk: Ein komplexes System
Das Knie ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und fungiert als Verbindung aus Dreh- und Scharniergelenk. Es ermöglicht Roll- und Gleitbewegungen durch die beteiligten Gelenkkörper:
- Oberschenkelrolle
- Schienbeinplateau
- Kniescheibe, die in einer Rinne auf der Oberschenkelrolle gleitet.
Die Kniescheibe wird durch eine Sehne fixiert und geführt, die aus der Oberschenkelmuskulatur entspringt und am Schienbein endet. Knorpelschichten überziehen die Oberschenkelrolle und das Schienbeinplateau. Zwischen diesen liegt die Menisken, die halbmondförmig angeordnet sind und die Kraft der Oberschenkelrolle dämpfen und verteilen. Die Stabilität des Kniegelenks wird durch Bänder gewährleistet:
- Vorderes und hinteres Kreuzband für die vordere und hintere Stabilität.
- Inneres und äußeres Seitenband für die seitliche Stabilität.
Ursachen und Symptome von Knieproblemen
Ein Gelenkverschleiß (Gonarthrose) führt zur Zerstörung der Knorpelüberzüge, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Man unterscheidet:
- Primäre Kniearthrose: Ursache unklar, tritt im höheren Lebensalter auf.
- Sekundäre Kniearthrose: Verursacht durch Fehlbildungen, Verletzungen oder Grunderkrankungen wie Rheuma oder Gicht.
Symptome sind oft starke, zyklisch auftretende Schmerzen, Instabilität des Bandapparates und dauerhafte Bewegungseinschränkung.
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Wann ist ein künstliches Kniegelenk die richtige Wahl?
Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) fordert eine bessere Aufklärung der Patienten vor der Entscheidung für den Eingriff. Es gilt, realistische Erwartungen an das Implantat zu formulieren und alle anderen Therapieoptionen auszuschöpfen. Prof. Henning Windhagen, Präsident der AE, betont, dass die moderne Indikationsstellung eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient ist, bei der auch Alternativen zur Operation genannt werden.
Risikofaktoren und Begleiterkrankungen
Starkes Übergewicht und Begleiterkrankungen wie Gicht, Diabetes, Rheuma und neurologische Erkrankungen wie Parkinson stellen ein erhöhtes Risiko für ein Implantatversagen dar. Auch chronische Entzündungen sollten vor dem Eingriff ausheilen. Die psychische Verfassung hat ebenfalls einen Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Prothese.
Parkinson als Risikofaktor
Neurologische Erkrankungen wie Parkinson können den Erfolg eines Kniegelenkersatzes beeinträchtigen. Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Hirnzellen absterben, was zu Störungen der Motorik führt. Symptome sind Verlangsamung, Versteifung, Zittern und allgemeine Beeinträchtigung der Körperbewegungen. Die Krankheit kann auch nicht-motorische Symptome wie Depressionen und Darmprobleme verursachen.
Auswirkungen von Parkinson auf den Kniegelenkersatz
- Erhöhtes Risiko für Komplikationen: Parkinson-Patienten haben möglicherweise ein höheres Risiko für Komplikationen wie Infektionen, Lockerungen und Bewegungseinschränkungen nach dem Eingriff.
- Verlängerte Rehabilitationszeit: Die Rehabilitation kann länger dauern und schwieriger sein, da Parkinson die Muskelkraft und Koordination beeinträchtigen kann.
- Eingeschränkte Funktionalität: Die Funktionalität des künstlichen Kniegelenks kann durch die Parkinson-Symptome eingeschränkt sein.
Alternativen zum Kniegelenkersatz
Vor einer Prothesenimplantation sollten alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft werden. Dazu gehören:
- Konservative Behandlungsmethoden: Physiotherapie, Schmerzmittel, Injektionen, Gewichtsreduktion.
- Operative Behandlungsmethoden: Achsenkorrektur bei Fehlstellungen, Knorpeltherapie.
Der Eingriff: Ablauf und Nachbehandlung
Wurde die Entscheidung für einen Kniegelenkersatz getroffen, erfolgt eine sorgfältige Planung und Vorbereitung.
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Vorbereitung auf die Operation
- Hautvorbereitung: Waschung der Haut im Operationsgebiet mit einer medizinischen Waschlösung.
- Medikamente: Blutverdünnende Medikamente sollten pausiert werden. Cortison-Präparate sollten ebenfalls pausiert werden, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden.
- Individuelle Planung: Planung der Operation mit einem Computerprogramm, in dem Größe und Prothesenart individuell festgelegt werden.
Der operative Eingriff
- Hautschnitt: Ca. 20 cm langer Hautschnitt vom Oberschenkel über die Kniescheibe bis zum Schienbeinvorsprung.
- Entfernung der geschädigten Knorpeloberflächen: Mittels einer Schnittlehre werden die verschlissenen Knorpeloberflächen am Oberschenkel und Schienbein abgesägt.
- Einsetzen der Prothesen: Probeprothesen werden aufgesteckt, um die Passform zu überprüfen. Anschließend werden die Originalprothesen mit Knochenzement fixiert.
- Wundverschluss: Schichtweiser Wundverschluss und Einlegen von Drainageschläuchen.
Die gesamte Operation dauert ca. 90-120 Minuten.
Nachbehandlung und Rehabilitation
- Mobilisation: Bereits am nächsten Tag erfolgt die Mobilisation mit Unterstützung der Krankenschwestern.
- Physiotherapie: Training im Umgang mit Gehstützen und Erlernen des richtigen Laufens.
- Schmerzmanagement: Kontrolle des Schmerzkatheters und Anpassung der Schmerzmedikation.
- Rehabilitation: Stationäre oder ambulante Rehabilitation zur Förderung der Funktion und Beweglichkeit des neuen Kniegelenks.
Die vollständige Rehabilitation kann bis zu zwei Jahre dauern.
Verhalten nach der Operation
- Vermeidung von Extremsportarten: Um frühzeitige Abnutzung und Lockerung des Implantates zu vermeiden.
- Wachsamkeit bei Infekten: Infekte wie Wunden, Abszesse oder Zahnentzündungen können die Haltbarkeit der Prothese beeinträchtigen.
Formen der Knieprothesen
Es gibt verschiedene Arten von Knieprothesen, die je nach Ausmaß der Schädigung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden:
- Hemi-Schlittenprothese (unikondyläre Teilprothese): Ersetzt nur einen Teil des Kniegelenks.
- Ungekoppelte Knie-TEP (Doppelschlitten, bikondylärer Oberflächenersatz): Ersetzt die Oberflächen von Oberschenkel und Schienbein.
- Gekoppelte Knie-TEP (vollgekoppelte achsgeführte Knieendoprothese): Bietet zusätzliche Stabilität und Führung.
Vorteile eines Kniegelenkersatzes
- Schmerzlinderung: Der Großteil der Patienten kann nach der Operation schmerzfrei leben.
- Verbesserte Mobilität: Die Patienten gewinnen eine gute Mobilität und Sportfähigkeit zurück.
- Erhöhte Lebensqualität: Die Patienten können ihren Alltag wieder aktiver gestalten.
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