Koffein: Wirkung auf Gehirn und Durchblutung – Ein umfassender Überblick

Kaffee ist für viele Menschen ein fester Bestandteil des Alltags. Er wird nicht nur wegen seines Geschmacks geschätzt, sondern vor allem wegen des darin enthaltenen Koffeins, das uns wacher und konzentrierter fühlen lässt. Doch welche Auswirkungen hat Koffein tatsächlich auf unser Gehirn und unseren Körper? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Effekte von Koffein, von der Beeinflussung der Hirnstruktur bis hin zu potenziellen gesundheitlichen Vorteilen.

Koffein und seine Wirkung auf den Körper

Koffein wirkt anregend auf den Körper. Es erhöht den Herzschlag, regt die Darmfunktion an und erweitert die Blutgefäße, was zu einer besseren Durchblutung aller Organe führt. Diese Effekte sind auf die chemische Ähnlichkeit von Koffein mit dem Botenstoff Adenosin zurückzuführen, der Müdigkeit verursacht. Koffein blockiert die Andockstellen von Adenosin im Gehirn, wodurch die wachmachende Wirkung eintritt und die Konzentrationsfähigkeit verbessert wird. Dieser Zustand hält im Durchschnitt etwa vier Stunden an.

Auswirkungen auf die Hirnstruktur

Eine Studie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel und der Universität Basel untersuchte die Auswirkungen regelmäßigen Kaffeekonsums auf die Hirnstruktur. Dabei wurden 20 junge, gesunde Personen untersucht, die regelmäßig Kaffee konsumierten. Die Teilnehmer erhielten über zwei Zeiträume von jeweils zehn Tagen Tabletten, die entweder Koffein oder keinen Wirkstoff enthielten. Während der Studie sollten sie auf jegliche Koffeinzufuhr außerhalb der Studie verzichten.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Koffeinkonsum keine Auswirkungen auf die Schlafqualität hatte. Allerdings wurde festgestellt, dass nach zehn Tagen Koffeinentzug das Volumen der grauen Substanz im Gehirn größer war als nach der gleichen Zeitspanne mit Koffeintabletten. Besonders deutlich war die Veränderung in dem Bereich des Gehirns, der zentral für die Gedächtnisfunktion ist.

Dr. Carolin Reichert, Co-Leiterin des Forschungsteams der UPK Basel, betonte jedoch, dass diese Ergebnisse nicht zwangsläufig bedeuten, dass Koffeinkonsum negative Auswirkungen auf das Gehirn hat. Sie wies darauf hin, dass sich die graue Substanz nach bereits zehn Tagen Koffeinentzug wieder deutlich regenerierte.

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Gehirndurchblutung und Koffein

Eine Studie von Aaron Field von der University of Wisconsin zeigte, dass Koffein den Blutfluss zum Gehirn vorübergehend verlangsamen kann. Mittels funktioneller Kernspinresonanztomographie (fMRI) wurde der Blutfluss im Gehirn von gesunden Erwachsenen mit unterschiedlichem Kaffeekonsum gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass der Blutstrom im Gehirn bei allen Testpersonen, die Koffein bekommen hatten, im Durchschnitt um etwa 20 Prozent reduziert war. Bei Viel-Kaffeetrinkern war dieser Effekt jedoch geringer als bei Personen, die normalerweise wenig Kaffee konsumierten.

S. Ausim Azizi, Vorsitzender der Abteilung Neurologie an der School of Medicine am Temple University Hospital in Philadelphia, betonte, dass Kaffeetrinker ihren Kaffee nicht gleich wegschütten müssen, da sich das Gehirn bei regelmäßigem Kaffeekonsum anpasst.

Weitere positive Effekte von Kaffee

Neben den Auswirkungen auf Gehirn und Durchblutung hat Kaffee auch eine Reihe weiterer positiver Effekte auf den Körper. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum das Risiko für chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten reduzieren kann. So konnte beispielsweise in einer chinesischen Studie nachgewiesen werden, dass moderater Kaffeekonsum (drei Tassen täglich) das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit senkt.

Darüber hinaus fördert regelmäßiger Kaffeekonsum die Vielfalt und Stabilität des Darmmikrobioms. Kaffeetrinkende weisen eine erhöhte Anzahl nützlicher Bakterienstämme auf, die in einem Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen stehen. Kaffee erhöht zudem die Konzentration von Bifidobacterium, das die Verdauung unterstützt und Infektionen vorbeugen kann.

Eine Harvard-Studie, die über einen Zeitraum von 30 Jahren durchgeführt wurde, ergab, dass Frauen, die regelmäßig Kaffee trinken (etwa drei kleine Tassen täglich), mit größerer Wahrscheinlichkeit gesund altern, also körperlich aktiver bleiben und weniger chronische Erkrankungen haben. Dieser Schutz wird auf die entzündungshemmenden Substanzen wie die Chlorogensäuren im Kaffee zurückgeführt.

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Entkoffeinierter Kaffee

Entkoffeinierter Kaffee bietet nahezu dieselben gesundheitlichen Vorteile wie koffeinhaltiger Kaffee, da die meisten Antioxidantien erhalten bleiben. Einer Untersuchung zufolge senkt entkoffeinierter Kaffee das Risiko für Typ-2-Diabetes, Lebererkrankungen und bestimmte Krebsarten ähnlich wie normaler Kaffee.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Trotz der vielen positiven Effekte gibt es auch mögliche Nebenwirkungen und Risiken, die mit dem Kaffeekonsum verbunden sind. Koffein kann die Säureproduktion im Magen anregen und bei empfindlichen Menschen Sodbrennen oder Reflux verschlimmern. Manche Personen bekommen nach dem Genuss von Kaffee Magenschmerzen, Herzrasen oder Schweißausbrüche.

Nach dem Konsum von Kaffee kann es zu einem vorübergehenden Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks kommen. Regelmäßiger Kaffeekonsum führt jedoch zu einer Gewöhnung, wodurch die blutdrucksteigernde Wirkung abnimmt oder vollständig verschwindet.

Übermäßiger Kaffeekonsum kann zu Schlafstörungen, Unruhe, Herzrasen sowie zu Kopfschmerzen nach plötzlichem Absetzen führen. Koffein kann auch die Wirkung anderer Medikamente wie Blutdrucksenker, Antidepressiva, Magensäurehemmer oder Schilddrüsentabletten beeinflussen.

Empfehlungen für den Kaffeekonsum

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) und der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind 400 Milligramm Koffein am Tag in der Regel kein Problem. Für Schwangere gilt ein maximaler Koffeinkonsum von 200 Milligramm pro Tag als unbedenklich. Besser ist jedoch entkoffeinierter Kaffee, da das Koffein die Plazenta passiert und beim Kind zu Schlafproblemen und Wachstumsverzögerungen führen kann.

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Generell gilt: Kaffee sollte in Maßen genossen werden, erst recht von Personen mit Bluthochdruck. Menge, Zubereitung und Zeitpunkt des Kaffeekonsums sind entscheidend.

Die richtige Zubereitung

Die Art der Kaffeezubereitung hat nur geringen Einfluss auf den gesundheitlichen Wert. Filterkaffee schneidet jedoch am besten ab, da er Diterpene wie Cafestol und Kahweol herausfiltert, die das LDL-Cholesterin ("schlechtes" Cholesterin) ansteigen lassen.

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