Die Spondylose, eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule, kann zu einer Kompression von Nervenwurzeln und des Plexus führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsansätze, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Problematik zu ermöglichen.
Einführung
Die Kompression von Nervenwurzeln und des Plexus, oft im Zusammenhang mit Spondylose auftretend, kann erhebliche Schmerzen und neurologische Beschwerden verursachen. Es ist wichtig, die zugrunde liegenden Mechanismen und verfügbaren Behandlungsoptionen zu verstehen, um eine effektive Versorgung zu gewährleisten.
Ursachen der Nervenwurzelkompression und Plexuskompression bei Spondylose
Die Ursachen für Nervenwurzelkompression und Plexuskompression bei Spondylose sind vielfältig und oft miteinander verbunden.
Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule unterliegt einem natürlichen Verschleißprozess, der mit dem Alter fortschreitet. Diese degenerativen Veränderungen können zu einer Reihe von Problemen führen, die Nervenwurzeln und den Plexus beeinträchtigen.
- Bandscheibenvorwölbung und Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern dienen als Puffer und ermöglichen Beweglichkeit. Im Laufe der Zeit können sie jedoch an Elastizität verlieren und sich vorwölben (Bandscheibenprotrusion) oder sogar reißen (Bandscheibenvorfall). In der Folge kann der Faserring, der den Bandscheibenkern umfasst, platzen und der Austritt der gallertartige Masse droht. Das austretende Material kann dann auf die Nervenwurzeln drücken und Reizungen verursachen. Bei Rückenschmerzen mit neurologischen Symptomen ist es wahrscheinlich, dass ein Prolaps der Bandscheibe dahinter steckt.
- Osteochondrose und Spondylarthrose: Knöcherne Veränderungen der Wirbelkörper (Osteochondrose) und Wirbelgelenke (Spondylarthrose) können ebenfalls zu einer Verengung des Spinalkanals und der Foramina intervertebralia führen, durch die die Nervenwurzeln austreten.
- Spondylolisthesis (Wirbelgleiten): Beim Wirbelgleiten verschieben sich ein oder mehrere Wirbelkörper langsam gegeneinander, meist im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Dadurch gerät das natürliche „Gleichgewicht“ der Wirbelsäule aus der Balance: Gelenke, Bandscheiben und Bänder müssen mehr Haltarbeit leisten, Nerven können eingeengt oder gereizt werden. Häufig liegt zuvor eine Spondylolyse vor - ein feiner Spalt im Wirbelbogen, der durch wiederholte Überlastung oder starke Streckbewegungen entstehen kann.
- Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose) kann ebenfalls Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben.
Weitere Faktoren
Neben den degenerativen Veränderungen können auch andere Faktoren zur Nervenwurzelkompression und Plexuskompression beitragen:
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- Einseitige Belastungen: Einseitige Belastungen, die zu hohen Spannungen in Muskeln und Faszien führen, können Schmerzen begünstigen und die Entstehung von Nervenwurzelkompressionen fördern.
- Bewegungsmangel: Bewegungsmangel und einseitige Bewegungen, wie langes Sitzen, können zu Muskelverspannungen und -verkürzungen führen, die wiederum die Wirbelsäule belasten und Nervenwurzeln komprimieren können.
- Haltungsschäden: Eine schlechte Körperhaltung kann ebenfalls zu einer ungleichmäßigen Belastung der Wirbelsäule führen und das Risiko einer Nervenwurzelkompression erhöhen.
- Stress und Ernährung: Stress und eine ungesunde Ernährung können indirekt zu Muskelverspannungen beitragen und somit Schmerzen am Bewegungsapparat verursachen.
- Genetische Veranlagung: Bei manchen Menschen ist der Knochenaufbau im Bereich des Wirbelbogens von Natur aus etwas dünner oder anders geformt.
- Verletzungen, Entzündungen, Tumore: In Einzelfällen können Unfälle (zum Beispiel Stürze oder Verkehrsunfälle), entzündliche Erkrankungen oder tumoröse Veränderungen den Knochen so schwächen, dass ein Wirbel seine Stabilität verliert.
Symptome der Nervenwurzelkompression und Plexuskompression
Die Symptome einer Nervenwurzelkompression und Plexuskompression können je nach betroffenem Nerv und Ausmaß der Kompression variieren. Typische Symptome sind:
- Schmerzen: Einschießende Schmerzen oder Kribbelmissempfindungen im Ausbreitungsgebiet einer Nervenwurzel. Die Schmerzen können in den Arm (bei Kompression im Halsbereich) oder ins Bein (bei Kompression im Lendenbereich) ausstrahlen.
- Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen im entsprechenden Dermatom, d.h. dem Hautbereich, der von der betroffenen Nervenwurzel versorgt wird. Dies kann sich als Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen äußern.
- Motorische Ausfälle: Motorische Ausfälle der Kennmuskeln, d.h. der Muskeln, die von der betroffenen Nervenwurzel gesteuert werden. Dies kann sich als Schwäche oder Lähmung äußern.
- Reflexausfälle: Reflexausfälle können je nach Schweregrad hinzukommen.
- Lumboischialgie: Ein unterer Rückenschmerz, der auch den Ischiasnerv betrifft (Lumboischialgie), ist ein häufiges Symptom. Gemeint ist also eine Kombination der Beschwerdebilder Lumbago (Hexenschuss) sowie Ischialgie (Ischiasschmerzen).
- Ischialgie: Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Die Schmerzen betreffen den unteren Rücken und können in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt und die Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, bei der das Bein leicht angewinkelt und nach außen gedreht ist.
- Claudicatio caudae equinae: Ein Sonderfall ist die Claudicatio caudae equinae bei einem primär oder sekundär engen Spinalkanal mit gehstreckenabhängigen ein- oder beidseitigen Schmerzen und gegebenenfalls zusätzlichen sensomotorischen Ausfällen.
Diagnose
Die Diagnose einer Nervenwurzelkompression und Plexuskompression basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
- Anamnese: Der Arzt wird zunächst Fragen zu den Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumständen stellen.
- Körperliche Untersuchung: Im Rahmen einer klinischen Untersuchung wird der Patient auf orthopädische und neurologische Auffälligkeiten untersucht. Dazu gehören Tests der Sensibilität, Motorik und Reflexe. Wichtige Tests sind das Lasègue-Zeichen und das umgekehrte Lasègue-Zeichen.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen werden bei unklaren Befunden häufig als primäre bildgebende Diagnostik eingesetzt. Hiermit können knöcherne Veränderungen, zum Beispiel arthrotische Veränderungen beurteilt werden.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ist die Untersuchung der Wahl, wenn es um die Untersuchung von Weichteil- und Nervengewebe geht. Bei einem Bandscheibenvorfall kann mit dem MRT das Krankheitsausmaß genau dargestellt werden.
- Computertomographie (CT): Das CT kann in manchen Fällen zusätzlich zur MRT eingesetzt werden, um die knöchernen Strukturen besser beurteilen zu können.
- Elektromyographie (EMG): Bei der Elektromyographie, EMG, handelt es sich um ein Untersuchungsverfahren, dass der Messung der Muskelaktivität dient.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Funktion der betroffenen Nerven wiederherzustellen.
- Schmerztherapie:
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Opioide: Bei starken Schmerzen können kurzfristig retardierte Opioide eingesetzt werden.
- Muskelrelaxanzien: Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) können bei Muskelverspannungen helfen.
- Cortison: Cortison kann im Rahmen einer periradikulären Therapie eingesetzt werden, um bei gereizten Nervenwurzeln entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken und somit die Beschwerden zu lindern.
- Physiotherapie: Eine Physiotherapie steuert mit speziellen Übungen die Stabilisierung des betroffenen Körperbereichs und Wiederherstellung der vollen Beweglichkeit an, auch in dem der Muskeltonus reguliert wird. In der Physiotherapie lernen Sie Übungen, die gezielt die tief liegende, stabilisierende Muskulatur an Lenden- und Beckenbereich aktivieren - häufig auch als „Muskelkorsett“ bezeichnet. Dadurch wird die Wirbelsäule entlastet, die Belastung der Bandscheiben reduziert und die Bewegung insgesamt sicherer.
- Bewegung: Bewegung gilt als ein wesentlicher und zentraler Faktor in der Behandlung bandscheibenbedingter Beschwerden. Ziel ist es, gesundheitsförderndes Verhalten zu vermitteln sowie die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Körpers wiederherzustellen.
- Liebscher & Bracht Übungen®: Einen konservativen Ansatz verfolgen wir auch mit den Liebscher & Bracht Übungen®, die du als Hilfe zur Selbsthilfe zuhause anwendest. Mit ihnen fokussierst du dich auf den muskulär-faszialen Anteil von Schmerzen. An erster Stelle stehen Dehnübungen, um zu hohe Spannungen in den Muskeln zu senken sowie Kräftigungsimpulse in passiver Form zu setzen. In einem nächsten Schritt setzt die Faszien-Rollmassage an spröden Stellen des Bindegewebes an.
- Periradikuläre Therapie (PRT): Eine periradikuläre Therapie, kurz PRT, ist eine schmerzlindernde Behandlungsmethode bei chronischen chronischen Rückenschmerzen, die durch eine Irritation einer Nervenwurzel entstehen. Die mit Abstand häufigste Indikation zur Durchführung einer PRT ist ein Bandscheibenvorfall. Eine periradikuläre Therapie wird MRT-gesteuert durchgeführt. Das bedeutet, dass die kranke Nervenwurzel unter radiologischer Sicht mit dem MRT-Gerät dargestellt und die Punktionsnadel gezielt platziert werden kann.
- Weitere Maßnahmen:
- Stufenlagerung: Bei sehr starken Schmerzen kannst du mit der Stufenlagerung die Bandscheiben deiner unteren Wirbelsäule entlasten, indem du die Hüfte und Knie anwinkelst. Allerdings sind Schonhaltungen wie die Stufenlagerung nur vorübergehende Optionen, nur solange Bewegung aufgrund starker Schmerzen nicht möglich ist.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme- und Kälteanwendungen können zur Schmerzlinderung und Muskelentspannung eingesetzt werden.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann zur Lösung von Blockaden und Verspannungen eingesetzt werden.
Operative Therapie
Eine operative Therapie kommt in Betracht, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend wirken oder neurologische Ausfälle auftreten.
- Indikationen:
- Kauda-Symptomatik mit Blasen-Mastdarm-Störung
- Paresen mit KG < 3/5
- Erfolglose konservative ambulante und/oder stationäre Therapie bei gesicherter morphologischer Ursache der Schmerzsymptomatik
- Operative Verfahren:
- Dekompression: Bei der Dekompression wird der Druck auf die Nervenwurzeln beseitigt, indem z.B. Knochenanbauten oder Bandscheibengewebe entfernt werden.
- Stabilisierung: Bei Instabilität der Wirbelsäule kann eine Stabilisierung durch Versteifung einzelner Wirbelkörper erforderlich sein (Spondylodese).
Prävention
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Nervenwurzelkompressionen und Plexuskompressionen beitragen können:
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- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sportarten, die die Rückenmuskulatur stärken, sind wichtig für die Stabilität der Wirbelsäule.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kann helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden.
- Gesunde Körperhaltung: Achten Sie auf eine gesunde Körperhaltung im Alltag.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
- Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen. Entspannungsübungen und Stressmanagement können helfen, Verspannungen zu reduzieren.
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