Kompressionssyndrome des Plexus Brachialis: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Plexusparese, auch bekannt als Plexuslähmung, ist eine Schädigung des Plexus brachialis - eines komplexen Nervengeflechts, das für die Steuerung des Arms und der Hand verantwortlich ist. Diese Verletzung kann zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und einer Armlähmung führen. Der Plexus brachialis ist ein Geflecht aus Nervenfasern, das die gesamte motorische und sensible Versorgung des Arms, der Schulter und der Hand steuert.

Anatomie und Funktion des Plexus Brachialis

Der Plexus brachialis wird aus den Nervenwurzeln C5 bis C8 und Th1 gebildet, die aus dem Rückenmark austreten. Er spielt eine entscheidende Rolle bei:

  • Steuerung der Muskeln im Arm, in der Schulter und in der Hand: Der Plexus brachialis ermöglicht Bewegungen von der Schulter bis zu den Fingern.
  • Übermittlung von Gefühlswahrnehmungen: Sensorische Fasern des Plexus brachialis übertragen Tastsinn, Temperatur- und Schmerzempfindungen von der Haut des Arms.

Ursachen einer Plexusparese

Eine Plexusparese entsteht durch eine Schädigung oder Verletzung des Plexus brachialis, dem Nervenbündel, das für die Bewegungen und das Gefühl im Arm, in der Schulter und in der Hand verantwortlich ist. Die Ursachen können vielfältig sein:

  1. Geburtstrauma: Bei schwierigen Geburten kann es durch eine starke Überdehnung oder einen zu starken Zug an der Schulter des Neugeborenen zu einer Plexusschädigung kommen. Diese Form wird als „Obstetric Brachial Plexus Palsy“ (OBPP) bezeichnet. Tatjana erhielt die Diagnose Plexusparese, die durch ein Geburtstrauma verursacht wurde. Die Nerven in ihrer linken Schulter wurden während der Geburt so stark verletzt, dass sie diesen Arm nicht vollständig bewegen kann. In ihrem Video spricht Tatjana darüber, wie sie gelernt hat, mit ihrer Armplexusparese umzugehen, sich nicht von ihren Einschränkungen definieren zu lassen und ihren Alltag trotz der Plexuslähmung mit Hilfe einer Handorthese selbstständig zu bewältigen.
  2. Traumatische Verletzungen: Brachial Plexus Injuries (BPI) umfasst alle traumatischen Verletzungen des Plexus brachialis, zum Beispiel durch Stürze oder andere schwere Traumata. Helmut erlitt nach einem schweren Motorradunfall eine Plexusläsion, die seine Arm- und Schulterfunktion stark einschränkte. Mit dieser Diagnose stand zunächst die Amputation der Hand im Raum, denn die Nervenverletzung verursachte erhebliche Herausforderungen im Alltag. Stattdessen hat Helmut jedoch von den Möglichkeiten einer bionische Handorthese erfahren. Dank der Handorthese hat er nun die Möglichkeit beidhändige Tätigkeiten wieder auszuführen. Sein Video zeigt, wie er sich an seine neue Lebenssituation angepasst hat und zum Beispiel wieder in der Lage ist, handwerkliche Tätigkeiten auszuführen.
  3. Kompressionssyndrome: Unter dem Begriff Kompressionssyndrome oder Engpasssyndrome werden seltene Krankheiten zusammengefasst, bei denen Nerven und Gefäße eingeklemmt werden. Sie treten an unterschiedlichen Stellen des Körpers auf. Dabei reichen die Symptome von Schmerzen und Taubheitsgefühlen bis hin zu Durchblutungsstörungen. Zu den häufiger auftretenden Kompressionssyndromen zählt das Thoracic Outlet-Syndrom (TOS). Ein Engpass im Bereich des Schultergürtels führt dazu, dass bei erhobenem Arm die Schlagader (Arterie) und die dort verlaufenden Nervenbündel (Plexus) eingeklemmt werden. Die Venen, die das Blut zum Herzen transportieren, können ebenfalls abgeknickt werden. Dann sprechen Mediziner:innen von einem venösen TOS oder Thoracic Inlet Syndrom (TIS). Die eingeklemmten Strukturen verursachen typische Symptome. Je nachdem, ob Arterie, Vene oder Nerven betroffen sind, können die Beschwerden jedoch erheblich variieren. Manchmal betreffen sie nur eine Körperseite, sie können aber auch beidseitig vorliegen.

Symptome einer Plexusparese

Die Symptome einer Plexusparese variieren je nach Schwere und Lokalisation der Nervenverletzung. Die Auswirkungen einer Plexusparese reichen von leichten Bewegungseinschränkungen bis hin zu einer kompletten Armlähmung. Betroffene können folgende Beschwerden haben:

  • Schmerzen und Müdigkeit der Arme: Betroffene haben Schmerzen, wenn sie ihren Arm anheben und Überkopfarbeiten durchführen.
  • Ruheschmerzen: Bilden sich Gerinnsel, die die Hand- und Armgefäße verschließen, macht sich das durch dauerhafte Schmerzen in den Fingern bemerkbar.
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Druck auf die Nervenbahnen und Durchblutungsstörungen können Missempfindungen im Arm auslösen.
  • Lähmungserscheinungen: Wenn die Nervenbahnen und Gefäße über einen längeren Zeitraum unbemerkt abgedrückt werden, können Lähmungen auftreten. Dies geschieht beispielsweise durch eine ungünstige Armposition im Schlaf.
  • Armschwellung: Eine abgedrückte Armvene kann zu einem Blutaufstau führen, der sich durch eine Schwellung und bläuliche Verfärbung des Armes zeigt. Allerdings können das auch Anzeichen für eine tiefe Venenthrombose sein - eine mögliche Komplikation bei TIS.

Es ist wichtig zu beachten, dass die genannten Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Sehr häufig werden die Beschwerden fehlinterpretiert. So wird die Ursache für die typischen Symptome bei einem Thoracic outlet-/inlet-Syndrom oft im Bereich der Wirbelsäule, der Schulter und der Muskulatur des Schultergürtels gesucht. Auch für die Beschwerden bei einem Poplitealen Entrapment Syndrom vermuten viele orthopädische Ursachen, vor allem im Bereich des Kniegelenkes und der Unterschenkelmuskulatur. Typischerweise tritt die Erkrankung bei älteren Patient:innen auf, so dass bei jüngeren oft nicht daran gedacht wird.

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Diagnose einer Plexusparese

Die Diagnose einer Plexusparese ist ein komplexer Prozess, der eine genaue Analyse der motorischen, sensorischen und reflektorischen Funktionen des betroffenen Arms erfordert. Die Diagnostik kombiniert in der Regel Anamnese (Aufnahme der Krankengeschichte), körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren.

  1. Anamnese: Bei der Anamnese findet die Erhebung der Vorgeschichte (zum Beispiel eines Geburtstraumas, Unfallhergang, Symptome) statt. Hierbei bespricht die untersuchende Ärztin oder der Arzt die aktuellen Beschwerden und die Krankheitsgeschichte mit der Patientin oder dem Patienten. Symptome, die auf ein Kompressionssyndrom hindeuten könnten, sind beispielsweise Schmerzen, Taubheitsgefühle und eine Schwäche in den Armen oder Händen.
  2. Körperliche Untersuchung: Um die betroffenen Nerven und Gefäße zu beurteilen, führen Ärzt:innen verschiedene Tests durch. Bei Verdacht auf ein Thoracic outlet-/inlet-Syndrom gehören dazu beispielsweise der Adson-Test, der Roos-Test und das Halstead-Manöver. Mit diesen Untersuchungen überprüfen die Spezialist:innen die Durchblutung und Nervenfunktion bei bestimmten Arm- und Kopfpositionen beziehungsweise Bewegungen.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen: ggf. Diese dienen dazu, die Funktion der Nerven zu bewerten. Dabei wird die elektrische Aktivität der Muskeln mithilfe eines Elektromyogramms (EMG) gemessen und die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) überprüft.
  4. Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschall (Duplexsonografie): Diese Untersuchung dient der Beurteilung der Blutflussgeschwindigkeit und kann Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße aufzeigen.
    • Angiografie: Mithilfe von Kontrastmittel ist eine deutliche Darstellung der Kniekehlenarterie möglich. Bei einem Thoracic outlet-/inlet-Syndrom führen unsere Ärzt:innen teilweise auch neurologische Tests wie Elektromyografie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen (NLG) durch.

Die genaue Diagnosestellung bildet die Basis für eine gezielte Linderung Ihrer Beschwerden.

Behandlung einer Plexusparese

Die Wahl der Therapie bei einer Plexusparese hängt von der Ursache, dem Schweregrad und der betroffenen Nervenregion ab. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und hängen stark vom individuellen Schweregrad der Verletzung ab. Während leichte Fälle durch Physio- und Ergotherapie gut behandelt werden können, erfordern schwerere Verletzungen oft eine chirurgische Intervention.

  1. Konservative Therapie:

    • Physiotherapie: Ziel ist, Muskelabbau zu verhindern und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Gezielte physikalische Therapie (Krankengymnastik) kann durch Dehnungs-, Kräftigungs- und Haltungsübungen den Brustkorb weiten und Platz für Nerven und Gefäße schaffen. Zum Beispiel werden die Muskulatur im Schultergürtel gestärkt und Haltungskorrekturen geübt, sodass die Schultern nach hinten unten gebracht werden und der costoclaviculäre Raum (zwischen erster Rippe und Schlüsselbein) entlastet wird. Auch Entspannungsübungen und Ergotherapie zur Anpassung von Alltagsbewegungen können helfen. Wichtig ist, dass solche Übungen von spezialisiertem Personal angeleitet werden - unsachgemäße oder übertriebene Dehnübungen könnten die Beschwerden sonst verschlimmern.
    • Schmerzmanagement: Anhaltende Schmerzen können mit Medikamenten, physikalischen Maßnahmen behandelt werden.
  2. Operative Therapie:

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    • Nervenrekonstruktion: Gesunde Nerven aus anderen Körperregionen werden mit den geschädigten Plexusnerven verbunden. Sind die Gefäße betroffen und gegebenenfalls verengt, sollte in jedem Fall eine Operation in Erwägung gezogen werden, um dauerhafte Gefäßverschlüsse zu vermeiden. Während des Eingriffs entfernen die Fachärzt:innen die komprimierenden Strukturen und verringern somit den Druck auf die Nerven und Gefäße. Häufig erfolgt dazu eine Resektion (Entfernung) der ersten Rippe. Wurde bei der Patientin oder dem Patienten eine zusätzliche Halsrippe entdeckt, wird auch diese entfernt. Das Fehlen der Rippe hat für die Betroffenen keine Nachteile. Unsere Fachkräfte bei Asklepios sind in der Durchführung dieser komplexen Eingriffe erfahren und nutzen modernste Techniken. Beim Poplitealen Entrapement Syndrom ist ebenfalls häufig eine Operation unumgänglich. Die chirurgische Behandlung besteht in der Regel aus einer Dekompression der betroffenen Gefäße, die den Blutfluss wiederherstellt. Fortgeschrittene Fälle, in denen es bereits zu einem Verschluss der Arterie gekommen ist, erfordern meist eine Bypass-Operation.

Moderne Handorthesen als Unterstützung

Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Handorthesen sind speziell entwickelte Hilfsmittel, die Menschen mit eingeschränkter Hand- und Fingerfunktion dabei unterstützen, alltägliche Bewegungen wieder auszuführen. Sie können Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen übernehmen und erleichtern, die aufgrund einer Plexusparese oder anderer neurologischer Erkrankungen beeinträchtigt sind. Ein führendes Unternehmen in diesem Bereich ist HKK Bionics, das innovative bionische Handorthesen entwickelt. HKK Bionics ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen, das sich auf die Entwicklung hochmoderner bionischer Handorthesen spezialisiert hat.

Was tun bei akuten Symptomen eines Kompressionssyndroms?

Wenn jemand in Ihrer Umgebung plötzlich akute Symptome eines Kompressionssyndroms zeigt, ist schnelles Handeln gefragt. Zu den Warnzeichen gehören starke Schmerzen im Bereich des Armes oder Unterschenkels, verbunden mit kühler oder blasser Haut. Möglicherweise treten auch Gefühlsstörungen und motorische Einschränkungen auf. Bei einer akuten Einflussstörung durch Verschluss der tiefen Armvene (tiefe Venenthrombose) kann der Arm schmerzhaft geschwollen, überwärmt und bläulich verfärbt sein. Wurde ein Blutgerinnsel in die Lunge verschleppt (Lungenembolie) kann eine akute Atemnot auftreten.

In solchen Fällen sollten Sie unverzüglich den Notruf 112 wählen. Bitte beschreiben Sie den Zustand der betroffenen Person so genau wie möglich. Um Erste Hilfe zu leisten, brauchen Sie kein medizinisches Fachwissen. Das Wichtigste ist, dass Sie bei der Person bleiben und versuchen, sie zu beruhigen. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollten Sie die Patientin oder den Patienten beobachten und gegebenenfalls weitere Anweisungen der Notrufzentrale befolgen. Ihre Unterstützung kann in einer solchen Situation lebensrettend sein.

Prävention von Kompressionssyndromen

Eine Einklemmung der Kniekehlenschlagader ist meist auf angeborene Anomalien der Wadenmuskulatur oder des Gefäßverlaufes zurückzuführen. In seltenen Fällen wird sie durch eine sehr kräftige Wadenmuskulatur verursacht. Das Risiko für Kompressionssyndrome wie das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) lässt sich hingegen effektiv senken. Die Maßnahmen eignen sich auch, um bereits bestehende Beschwerden zu lindern.

  • Monitorpositionierung: Die Oberkante des Bildschirms sollte sich auf Augenhöhe befinden.
  • Tastatur und Maus: Beim Schreiben in aufrechter Haltung sollten die Arme einen 90-Grad-Winkel bilden.
  • Regelmäßige Pausen: Legen Sie bei der Arbeit alle 30 bis 60 Minuten eine kurze Pause ein.
  • Bewusste Haltung: Achten Sie beim Sitzen und im Stehen auf eine gerade Körperhaltung.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse.
  • Repetitive Bewegungen reduzieren: Immer wiederkehrende Bewegungen können zu einer Überbeanspruchung führen.
  • Schweres Heben vermeiden: Schwere Gegenstände sollten Sie nicht über Kopfhöhe heben.
  • Rauchstopp: Tabakkonsum kann die Blutzirkulation beeinträchtigen und das Risiko für Kompressionssyndrome erhöhen.

Wenn Sie diese Maßnahmen in Ihren Alltag integrieren, tragen Sie aktiv zur Prävention von Kompressionssyndromen bei.

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