Kompressionssocken bei Neuropathie: Erfahrungen, Anwendung und wichtige Hinweise

Die Anwendung von Kompressionssocken bei Neuropathie ist ein viel diskutiertes Thema. Während die Kompressionstherapie bei verschiedenen Erkrankungen der unteren Extremitäten eine wichtige Rolle spielt, erfordert die Anwendung bei Patienten mit Neuropathie besondere Sorgfalt. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Kompressionssocken bei Neuropathie, gibt Hinweise zur richtigen Anwendung und berücksichtigt wichtige Kontraindikationen und Risiken.

Grundlagen der Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist eine konservative Behandlungsmethode, die seit vielen Jahren bei chronischen Wunden und Ödemen der unteren Extremitäten eingesetzt wird. Sie verbessert die Hämodynamik, indem sie die Venen im Stehen und Gehen einengt und somit den venösen Rückfluss unterstützt. Zudem wirkt sie ödemreduzierend, indem sie den Flüssigkeitsaustritt aus den Gefäßen ins Gewebe verringert.

Neuropathie und ihre Auswirkungen

Diabetes mellitus ist eine häufige Ursache für Polyneuropathie (PNP), eine Schädigung des peripheren Nervensystems. Diese kann zu Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühl, Kribbeln und einer verminderten Wahrnehmung von Druck und Schmerz führen. Betroffene spüren möglicherweise Fremdkörper im Schuh oder Falten im Strumpf nicht mehr, was das Risiko für Druckstellen und Wunden erhöht.

Kompressionssocken bei Neuropathie: Eine differenzierte Betrachtung

Die gängige Lehrmeinung, dass ein hoher Kompressionsdruck immer besser ist, gilt es bei Neuropathiepatienten zu hinterfragen. Wichtiger als die Kompressionsklasse ist die richtige Wahl des Strumpfmaterials und eine gute Passform. Der Strumpf sollte nicht rutschen, einschnüren oder Juckreiz verursachen.

Kontraindikationen und Risikofaktoren

Eine fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) stellt eine klassische Kontraindikation für die Kompressionstherapie dar. Druck von außen kann die mangelnde arterielle Durchblutung zusätzlich beeinträchtigen.

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Absolute Kontraindikationen sind:

  • ABI < 0,5 (Ankle-Brachial-Index)
  • Knöchelarteriendruck < 60 mmHg
  • Zehendruck < 30 mmHg
  • TcPO2 < 20 mmHg am Fußrücken

Bei leichter bis mittelschwerer pAVK (ABI < 0,9 und > 0,5) ist eine Nutzen-Risiko-Analyse erforderlich. Die Kompression kann durchgeführt werden, wenn der erwartete Nutzen den möglichen Schaden überwiegt.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Fortgeschrittene Mikroangiopathie (häufig bei Diabetes mellitus)
  • Schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität

Empfehlungen für die Anwendung bei Neuropathie

Bei Patienten mit Polyneuropathie oder Sensibilitätsverlust sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Abpolstern knöchern prominenter Strukturen: Druckgefährdete Bereiche sollten zusätzlich geschützt werden.
  • Überprüfung der Passform: Der Strumpf muss faltenfrei sitzen und darf keine Druckstellen verursachen.
  • Wahl einer niedrigen Kompressionsklasse: Ein geringerer Druck ist oft ausreichend und reduziert das Risiko von Komplikationen.
  • Engmaschige Kontrollen: Regelmäßige Überprüfungen durch Arzt oder Pflegepersonal sind wichtig, um frühzeitig Probleme zu erkennen.
  • Aufklärung des Patienten: Der Patient muss über die Risiken aufgeklärt werden und lernen, seine Beine selbstständig auf Druckstellen und Einschnürungen zu kontrollieren.

Auswahl des richtigen Kompressionsstrumpfes

Die Wahl des richtigen Kompressionsstrumpfes ist entscheidend für den Therapieerfolg und die Akzeptanz des Patienten. Wichtige Kriterien sind:

  • Material: Hautverträgliche Materialien, die keine Allergien auslösen oder die Haut austrocknen.
  • Anziehbarkeit: Besonders bei Patienten mit eingeschränkter Motorik ist ein leicht anziehbarer Strumpf oder eine Anziehhilfe wichtig.
  • Passform: Der Strumpf muss richtig sitzen und darf nicht rutschen oder einschnüren.

Der mediven angio Kompressionsstrumpf hat sich in Studien als sicher und gut verträglich bei Patienten mit chronischen Venenerkrankungen und leichter bis mittelschwerer pAVK und/oder Diabetes mellitus erwiesen.

Weitere Therapieansätze bei Neuropathie

Neben der Kompressionstherapie gibt es weitere Ansätze zur Behandlung von Neuropathie:

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  • Kryotherapie: Kälteanwendungen an Händen und Füßen können die Aufnahme von Chemotherapeutika in die Nervenendigungen verringern und so neuropathischen Beschwerden vorbeugen.
  • Funktionstraining: Gezielte Übungen können die Beweglichkeit und Koordination verbessern.
  • Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.

Die Rolle des Arztes und des Patienten

Eine erfolgreiche Kompressionstherapie bei Neuropathie erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Der Arzt muss die Indikation sorgfältig prüfen, den Patienten umfassend aufklären und die Therapie engmaschig kontrollieren. Der Patient muss die Anweisungen des Arztes befolgen, den Strumpf korrekt anziehen und seine Beine regelmäßig auf Veränderungen untersuchen.

Motivation und Therapietreue

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Kompressionstherapie ist die Motivation des Patienten. Viele Diabetiker haben bereits zahlreiche Anforderungen zu erfüllen (Blutzuckerkontrolle, Medikamenteneinnahme, spezielle Schuhe), so dass die Kompressionstherapie eine zusätzliche Belastung darstellen kann. Eine positive Erfahrung mit dem Strumpf, beispielsweise durch die Verwendung eines leicht anziehbaren Modells wie dem VenoTrain ulcertec, kann die Therapietreue erhöhen.

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