Nach einer Krebsdiagnose beschäftigen sich viele Betroffene intensiv mit ihrer Ernährung. Oftmals steckt dahinter die Hoffnung, durch bestimmte Lebensmittel oder den Verzicht auf andere, das Wiederauftreten oder die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Doch welche Rolle spielt Zucker wirklich bei Hirntumoren, und welche Ernährungsweisen sind empfehlenswert?
Zucker und Krebszellen: Ein komplexes Verhältnis
Krebszellen haben einen veränderten Energiestoffwechsel im Vergleich zu normalen Zellen. Sie verbrauchen enorme Mengen Zucker, um sich schnell vermehren zu können. Gelangt viel Glukose ins Blut, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, das den Zucker in die Körperzellen einschleust. Tumorzellen besitzen Insulin-Rezeptoren, und dockt das Hormon an, kann dies in den bösartigen Zellen eine Signalkette anstoßen, die das Tumorwachstum fördert.
Allerdings gilt dies nicht für alle Krebsarten und Krankheitssituationen. Ein vollständiger Verzicht auf Zucker ist daher nicht unbedingt notwendig. Die aktuellen Leitlinien zur Ernährung von Krebspatienten belegen den Nutzen einer Ernährungsweise, bei der man völlig auf Zucker und womöglich noch alle anderen Kohlenhydrate verzichtet bisher nicht.
"Aushungern" des Tumors? Die Grenzen der Machbarkeit
Einige Krebspatienten versuchen, den Tumor durch den Verzicht auf Kohlenhydrate oder Fasten "auszuhungern". Dies ist jedoch kritisch zu bewerten. Der Körper kann Zucker aus Fettsäuren und Eiweißen selbst herstellen, wenn er nicht ausreichend mit der Nahrung aufgenommen wird. Es ist also nicht möglich, den Zucker im Körper so weit zu reduzieren, dass der Tumor tatsächlich "verhungert".
Zudem kann eine solche radikale Ernährungsumstellung zu Gewichtsverlust und Mangelernährung führen, was sich negativ auf den Verlauf der Krebstherapie auswirken kann. Viele Erkrankte haben weniger Appetit, und ihre Verdauung funktioniert nur eingeschränkt.
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Kaffee, "Entgiftung" und Superfoods: Was ist zu beachten?
Auch andere Ernährungsweisen und Lebensmittel werden im Zusammenhang mit Krebs diskutiert. Kaffee steht oft im Verdacht, Krebs zu begünstigen, doch Studien deuten eher auf einen schützenden Effekt hin. Während einer Krebstherapie sollte man jedoch die Ärzte fragen, ob sie eine Wechselwirkung zwischen Kaffee und den einzunehmenden Arzneimitteln erwarten.
Konzepte wie "Entsäuern" durch basische Lebensmittel oder "Entgiften" mit Detox-Smoothies sind wissenschaftlich nicht belegt. Der Körper ist in der Lage, Entgiftungsleistungen selbst zu erbringen.
Auch die sogenannten Superfoods sollten differenziert betrachtet werden. Statt auf bestimmte Diäten oder Superfoods zu setzen, sollte man sich besser so abwechslungsreich und ausgewogen wie möglich ernähren.
Spezielle Krebsdiäten: Vorsicht vor Einseitigkeit
Studien, die die Wirkung spezieller Krebsdiäten eindeutig belegen, fehlen. Jede sehr einseitige Form der Ernährung schadet eher, als dass sie etwas nutzt.
Einige Patienten ernähren sich ketogen, verzichten also weitgehend auf Kohlenhydrate und nehmen stattdessen vermehrt fettige Speisen zu sich. Die ketogene Ernährung fußt auf dem Warburg-Effekt: Krebszellen benötigen ungleich mehr Glukose als gesunde Körperzellen, denn ihr Zuckerstoffwechsel ist höchst ineffizient.
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Allerdings lässt sich die aus dem Warburg-Effekt abgeleitete Schlussfolgerung, dem Körper Zucker zu entziehen, im menschlichen Körper so nicht umsetzen. Solange der Organismus lebt, können wir die Tumorzellen nicht von der Zuckerzufuhr in unserem Körper abschneiden. Zudem ernähre sich auch der Tumor gerne von den Ketonkörpern und verhungere daher nicht so leicht.
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und ärztlicher Beratung
Statt auf fragwürdige Diäten zu setzen, ist es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge enthält. Bei krankheitsbedingter Mangelernährung ist eine ärztlich angeleitete Ernährungstherapie notwendig.
Es ist ratsam, sich von Ärzten und Ernährungsberatern individuell beraten zu lassen, um die bestmögliche Ernährungsstrategie für die jeweilige Situation zu entwickeln. Auch während einer Krebstherapie sind ausreichend Kalorien und Nährstoffe wichtig, um Mangelernährung vorzubeugen. Das gelingt nur mit einer ausreichenden Kalorienzufuhr durch Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette.
Energydrinks: Keine empfehlenswerte Option
Energydrinks werden häufig im Zusammenhang mit Extremsportarten beworben und sollen leistungsstärkend wirken. Sie enthalten jedoch viel Zucker und Koffein und sind daher keine empfehlenswerte Option für Krebspatienten.
Der Koffeingehalt von Energydrinks ist auf 320 Milligramm Koffein pro Liter begrenzt. Die Substanz regt das zentrale Nervensystem an, erhöht die Durchblutung im Körper und fördert die Darm- und Nierentätigkeit. Negativ auf das Herz-Kreislauf-System wirkt insbesondere die Kombination hoher Mengen Energydrinks bei gleichzeitigem Alkoholkonsum oder körperlicher Anstrengung.
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Energydrinks gleichen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust durch Schwitzen nicht aus. Das enthaltene Koffein wirkt zudem harntreibend.
Kohlenhydrate: Wichtige Energielieferanten
Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten und gehören zu einer ausgewogenen Ernährung - auch für Krebspatienten. Haushaltszucker gehört zu den Kohlenhydraten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.
Patientinnen und Patienten verlieren häufig an Muskelmasse und benötigen mehr Protein in der Nahrung, um diesen Verlust aufzufangen. Daher haben Krebspatienten teilweise einen deutlich höheren Eiweißbedarf als gesunde Menschen. Neben einer ausreichenden Eiweißzufuhr können Krebspatientinnen und Krebspatienten auch selbst aktiv werden, um einen Muskelabbau zu verhindern: Mit angepasster körperlicher Bewegung stärken sie ihre Muskulatur.
Die Rolle von Sport und Bewegung
Sport und Bewegung können das Risiko für einen Muskelabbau reduzieren und mögliche Krankheitsfolgen verringern. Neben einer ausreichenden Eiweißzufuhr können Krebspatientinnen und Krebspatienten auch selbst aktiv werden, um einen Muskelabbau zu verhindern: Mit angepasster körperlicher Bewegung stärken sie ihre Muskulatur.
Experten empfehlen Patienten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten körperlich aktiv zu sein - in jeder Phase ihrer Krebserkrankung. Das hilft nicht nur, die Muskelkraft zu erhalten. Bewegung, wenn möglich an der frischen Luft, stärkt auch das Immunsystem und hat insgesamt einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität.
Erfahrungen mit zuckerfreier Ernährung: Ein persönlicher Bericht
Nuno Alves, Editorial Director von FITBOOK, ernährt sich seit dem Hirntumor seines Vaters zuckerfrei. Er berichtet von den Herausforderungen und Erfolgen dieser Umstellung.
Er selbst war früher ein "Zuckerjunkie", aß täglich Süßes. Der Einschnitt kam mit der Diagnose seines Vaters. Er las sich in Studien ein und sprach mit Ärzten. Ein Neurochirurg empfahl eine Ernährungsumstellung, um den Tumor "auszuhungern".
Alves schloss sich seinem Vater an und verzichtete ebenfalls auf Zucker. Er beschreibt dies als eine Art "Ablasshandel", um die Entbehrung seines Vaters erträglicher zu machen.
Die Zuckersucht der Krebszellen als Ansatzpunkt für neue Therapien
Die Forschung sucht nach Wegen, die Zuckersucht der Krebszellen auszunutzen, um sie zu bekämpfen. Wissenschaftler haben Substanzen entdeckt, die den Glukosetransport in die Zellen unterbinden und so das Wachstum von Krebszellen verlangsamen können.
In Experimenten mit Zellkulturen zeigten diese Substanzen den erwünschten Effekt: der durch den Wirkstoff (GLUT-Inhibitor) hervorgerufene Glukoseentzug verlangsamte das Wachstum von Krebszellen - schlussendlich starben diese. Dabei stellten wir fest, dass zwar verschiedenartige Krebszellen angegriffen wurden, gesunde Zellen aber verschont blieben.
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