Liebe, ein Gefühl, das Dichter und Denker seit Jahrhunderten beschäftigt, ist aus rein biochemischer Sicht ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen und Neurotransmittern. Insbesondere Dopamin spielt eine entscheidende Rolle in den verschiedenen Phasen der Liebe, von der anfänglichen Verliebtheit bis hin zur langfristigen Bindung. Doch was passiert, wenn ein Dopaminmangel auftritt und wie beeinflusst dies unsere Beziehungen? Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtige Beziehung zwischen Dopamin, Liebe und den Herausforderungen, die ein Ungleichgewicht dieses wichtigen Botenstoffs mit sich bringen kann.
Die Chemie der Liebe: Dopamin als Schlüsselspieler
Wenn wir uns verlieben, schüttet unser Körper einen wahren Hormoncocktail aus, in dem Dopamin eine zentrale Rolle spielt. "Dort kann man sie nicht durch Blut abnehmen messen", bedauert der Bochumer Forscher Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Liebe lässt sich zwar nicht messen. Aber wissenschaftlich nachvollziehen lassen sich die Auswirkungen des Hormonmixes dennoch. Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch - dahinter stecken Dopamin und das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin. Es sorgt dafür, dass eine erotische Anziehungskraft zwischen Menschen entsteht. Zusätzlich macht Dopamin uns offen gegenüber anderen.
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn das Belohnungszentrum anregt. Wissenschaftler machen für diese quälende Sehnsucht insbesondere die Substanz Dopamin verantwortlich. Der Partnerkontakt flutet das Belohnungszentrum mit Dopamin und sorgt so für das motivierende Glücksgefühl der Liebe. Das Hormon Dopamin steuert zahlreiche Prozesse in unserem Körper. Unter anderem löst es das Begehren nach Wasser, Zucker, Nikotin und Kokain aus, wie frühere Studien belegen. Dabei wirkt es auf das Belohnungszentrum in unserem Gehirn. Derselbe Mechanismus steuert auch die Sehnsucht nach Liebe.
Dopamin und sexuelle Anziehung
Dopamin wird in verschiedenen Situationen freigesetzt, darunter auch bei sexueller Erregung und Intimität. Dieses Hormon aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und sorgt für das intensive Kribbeln und die Euphorie, die mit romantischer und sexueller Anziehung einhergehen. Wenn wir jemanden anziehend finden, schüttet unser Gehirn Dopamin aus, wurde unser Interesse an dieser Person verstärkt und uns motiviert, sie näher kennenzulernen. Dopamin sorgt bei der sexuellen Anziehung dafür, dass wir intensive Freude und Aufregung empfinden, wenn wir Zeit mit der Person verbringen, die uns fasziniert. Dieses Gefühl des „Highs“ ist vergleichbar mit der Wirkung, die Dopamin in anderen Belohnungskontexten erzeugt. Sobald Dopamin ausgeschüttet wird, steigert es unsere Lust und fördert das Verlangen, die Nähe des anderen zu suchen. Dies erklärt, warum die ersten Phasen einer romantischen Beziehung oft von Leidenschaft und Euphorie geprägt sind.
Dopamin und langfristige Bindung
Für Treue in Langzeitbeziehungen ist im Übrigen ein anderes Hormon verantwortlich, das Oxytocin, wie frühere Studien an Präriewühlmäusen ergeben haben. Ob Oxytocin oder andere Hormone beim Begehren mit Dopamin zusammenwirken, bleibt unklar und muss weiter erforscht werden, betonen Pierce und ihre Kollegen.
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Während Dopamin für den anfänglichen „Liebesrausch“ sorgt, sinkt der Dopaminspiegel mit der Zeit allmählich ab, was oft als das Ende der „Flitterwochen-Phase“ empfunden wird. Doch Intimität und eine tiefe emotionale Bindung entstehen, wenn das Gehirn zu einem Gleichgewicht zwischen Dopamin und anderen Hormonen findet, die langfristigen Beziehungen stärken. Mit der Zeit werden Endorphine - die „Wohlfühlhormone“ - wichtiger für die Attraktivität in der Beziehung. Sie fördern das Gefühl der Zufriedenheit und des Wohlbefindens, das von einer sicheren und stabilen Bindung ausgeht. Endorphine helfen, die emotionale Nähe zu festigen und das Bedürfnis nach intensiven Dopaminschüben auszugleichen.
Die dunkle Seite: Dopaminmangel und seine Auswirkungen auf die Liebe
Ein Dopaminmangel kann sich auf vielfältige Weise auf unser Liebesleben auswirken. Er kann die Fähigkeit, Freude und Befriedigung in Beziehungen zu finden, beeinträchtigen, die Motivation, in die Beziehung zu investieren, reduzieren und zu Gefühlen der Leere und Unzufriedenheit führen.
Dopaminmangel und Bindungsangst
Menschen mit Bindungsangst erleben Dopamin auf eine besonders verwirrende Weise. Das Muster, das sich dabei zeigt, erklärt viele der quälenden Widersprüche, die Betroffene in ihren Beziehungen erleben. In der Anfangsphase einer Beziehung, wenn noch alles neu und aufregend ist, funktioniert das Dopaminsystem oft überschießend gut. Die Ungewissheit, ob die andere Person uns mag, die Spannung des Eroberns, die Neuheit jeder Begegnung - all das sind starke Dopamin-Trigger. Betroffene berichten von einer intensiven, fast rauschhaften Verliebtheit. Sie können an nichts anderes denken, fühlen sich wie auf Wolken, sind voller Energie und Begeisterung.
Doch dann geschieht etwas Seltsames. Sobald die Beziehung sicherer wird, sobald die andere Person ihre Zuneigung deutlich zeigt, sobald Verbindlichkeit greifbar wird - bricht der Dopaminspiegel ein. Genau in dem Moment, in dem eigentlich alles gut sein sollte, fühlt sich plötzlich alles falsch an. Die Begeisterung weicht einer diffusen Unruhe. Zweifel keimen auf: Ist das wirklich der richtige Mensch? Empfinde ich genug? Warum fühle ich mich so leer? Was hier geschieht, ist ein neurobiologischer Kurzschluss. Das Gehirn hat gelernt, dass Nähe gefährlich ist. Sobald echte Intimität droht, schlägt das Alarmsystem an. Cortisol und Adrenalin fluten das System, während die Dopaminproduktion gehemmt wird. Das Ergebnis ist ein Gefühlszustand, der dem Gegenteil von Verliebtheit entspricht: Leere, Unruhe, der Drang zu fliehen.
Liebeskummer und Dopamin
Aus rein biochemischer Sicht ist der Hormonhaushalt bei Liebeskummer weit entfernt vom Normalzustand. So sehr das Dopamin bei frisch verliebten Paaren in die Höhe schießt, so tief sinkt die Konzentration nach der Trennung. Studien konnten nachweisen, dass herkömmliche Schmerzmittel wie Paracetamol tatsächlich die Intensität von Liebeskummer senken können. Genauso scheint zu gelten, dass Essen die Konzentration vom Stresshormon Cortisol senkt. Die klischeebehafteten Bilder von Eiscreme im Bett und tafelweise Schokolade fußen somit auf einem wahren Kern. Aber Vorsicht: Dieses “emotional eating” kann auch einer schlechten Angewohnheit werden.
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Wege aus dem Dopamin-Tief: Strategien für mehr Liebe und Lebensfreude
Glücksmomente und Lebensfreude sind wichtig, um wieder einen eigenen Antrieb zu entwickeln. Manchen hilft es, klare Kante zu zeigen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ein Neuanfang kann ganz unterschiedlich aussehen. Man kann aufräumen und ausmisten, alte Erinnerungsstücke aussortieren und (vorerst) aus dem Sichtfeld verbannen. Auch ein verändertes Äußeres, etwa neue Kleidung oder eine neue Frisur, kann helfen, sich wieder etwas befreiter zu fühlen.
Natürliche Dopamin-Booster
- Bewegung und Sport: Untersuchungen von Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zeigen, dass Sport und Bewegung gegen psychischen Stress helfen und sowohl Ängste als auch Depressionen mildern können. Der Serotoninspiegel steigt und der Hormonhaushalt normalisiert sich. Joggen und mehr Bewegung ist optimal.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Tyrosin, Eisen, Zink, Vitamin B6 und Magnesium kann die Dopaminproduktion unterstützen.
- Meditation und Achtsamkeit: Studien haben gezeigt, dass Meditation und Achtsamkeitspraktiken den Dopaminspiegel erhöhen und Stress reduzieren können.
Strategien für Beziehungen
- Neue Erfahrungen schaffen: Gemeinsam unbekannte Orte erkunden oder neue Hobbys ausprobieren kann den Dopaminspiegel anregen und die Beziehung intensivieren.
- Spannung und Romantik erhalten: Überraschungen, spontane Dates oder kleine Botschaften zwischendurch lassen das Herz höher schlagen und fördern den Dopamin-Ausstoß.
- Sich bewusst auf den Partner konzentrieren: Intensiver Blickkontakt und echtes Interesse an den Erlebnissen des anderen verstärken die Ausschüttung von Dopamin und fördern das Gefühl der Nähe.
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