Warum Wadenkrämpfe auftreten: Ursachen, Symptome und Linderung

Wadenkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie zeichnen sich durch plötzliche, schmerzhafte Kontraktionen der Wadenmuskulatur aus, die oft in der Nacht auftreten. Obwohl sie in den meisten Fällen harmlos sind, können sie sehr unangenehm sein und die Schlafqualität beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Wadenkrämpfen, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis und wirksame Lösungsansätze zu bieten.

Definition und Symptome von Wadenkrämpfen

Ein Wadenkrampf ist definiert als eine ungewollte, schmerzhafte Anspannung (Kontraktion) der Beinmuskulatur. Diese Krämpfe treten häufig nachts auf und können einige Sekunden bis mehrere Minuten andauern. Neben den Waden können auch Krämpfe im Fuß oder im Oberschenkel auftreten. In den meisten Fällen ist dies ein relativ harmloses Phänomen, das von selbst vorübergeht. Wiederkehrende, nächtliche Wadenkrämpfe können jedoch im Rahmen anderer Erkrankungen oder auslösender Faktoren entstehen. Es ist wichtig, das Restless-Legs-Syndrom zu unterscheiden, bei dem Betroffene unter störenden nächtlichen Missempfindungen in den Beinen leiden.

Die typischen Symptome nächtlicher Beinkrämpfe sind plötzlich auftretende, oft sehr schmerzhafte Kontraktionen der Wadenmuskulatur, die mit einer tastbaren Verhärtung einhergehen. Sie treten am häufigsten im Fuß, Unterschenkel oder Oberschenkel auf und dauern meist einige Sekunden bis mehrere Minuten. Durch Dehnen der Muskeln können die Schmerzen oft gelindert werden. Nach dem Abklingen des Krampfes bleibt oft ein Muskelschmerz zurück, der sich wie ein starker Muskelkater anfühlt und manchmal einige Tage andauern kann.

Ursachen von Wadenkrämpfen

In den meisten Fällen lässt sich keine klare Ursache für Wadenkrämpfe feststellen. Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren und Erkrankungen, die das Auftreten von Wadenkrämpfen wahrscheinlicher machen:

  • Verkürzung des Muskels: Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur kann das Risiko von Krämpfen erhöhen.
  • Höheres Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelmasse ab und die Muskeln werden weniger flexibel, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krämpfe führen kann.
  • Bewegungsmangel: Mangelnde Bewegung kann zu einer Schwächung und Verkürzung der Muskeln führen, was das Risiko von Krämpfen erhöht.
  • Starke körperliche Anstrengung: Insbesondere bei großer Hitze kann starke körperliche Anstrengung zu einem Elektrolytverlust und Dehydration führen, was Krämpfe begünstigen kann. Sportler wirken dem üblicherweise entgegen, indem sie Dehnungsübungen in das Training integrieren.
  • Schwangerschaft: Schwangere Frauen haben aufgrund hormoneller Veränderungen und des erhöhten Bedarfs an Mineralstoffen ein erhöhtes Risiko für Wadenkrämpfe. Zum einen erhöht die veränderte Körperhaltung durch das nach vorne verschobene Gewicht die Belastung der Wadenmuskulatur. Zudem haben Schwangere einen gesteigerten Bedarf an Mineralstoffen wie Magnesium, Natrium oder Kalium. Kommen die Frauen mit der Aufnahme nicht hinterher, droht ein Elektrolytmangel, der einen Wadenkrampf begünstigt. Ein weiterer Grund für Wadenkrämpfe bei schwangeren Frauen ist die veränderte Durchblutungssituation.
  • Flüssigkeitsmangel: Ein Mangel an Flüssigkeit, beispielsweise durch wassertreibende Medikamente oder starkes Schwitzen, kann zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte führen und Krämpfe auslösen.
  • Mineralstoffmangel: Ein Mangel an Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Kalzium oder Natrium kann die Erregbarkeit der Muskelfasern stören und zu unkontrollierbaren Verkrampfungen führen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen wie Hypoparathyreoidismus, Morbus Addison oder Schilddrüsenunterfunktion können den Elektrolythaushalt beeinflussen und Krämpfe verursachen.
  • Neurologische Krankheiten: Neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathie oder ALS können die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Muskelkrämpfen führen.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente, wie z.B. Cholesterinsenker (Statine), bestimmte Blutdrucksenker (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, manche Betablocker) oder Entwässerungsmittel (Diuretika), können als Nebenwirkung Wadenkrämpfe auslösen. Auch Asthmamedikamente und die Antibabypille fördern Muskelkrämpfe. Nicht nur die Einnahme, auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen.
  • Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Elektrolythaushalt stören und Krämpfe begünstigen. Hören Alkoholabhängige plötzlich mit dem Trinken auf, steigt ebenfalls das Risiko für Muskelkrämpfe.
  • Krampfadern und Venenschwäche: Diese können ebenfalls zu Wadenkrämpfen führen.
  • Diabetes mellitus: Zum Krampf in der Wade kommt es anfangs oft durch Elektrolytstörungen aufgrund häufigen Wasserlassens. Später können die Wadenkrämpfe Folge von Nervenschäden (Polyneuropathie) sein.
  • Chronische Nierenschwäche: Da die Nieren für die Regulation des Flüssigkeitshaushaltes sehr wichtig sind, kann eine Nierenschwäche oder ein Versagen der Nieren zu Krämpfen führen.
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse: Auch diese kann Wadenkrämpfe verursachen.

Es gibt verschiedene Vermutungen, warum Wadenkrämpfe besonders gerne nachts auftreten:

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  • Ungünstige Bewegung im Schlaf: Manchmal reicht schon eine ungute Bewegung beim Wälzen im Bett, um die Muskelkontraktion auszulösen.
  • Anzeichen bleiben unbemerkt: Im Schlaf bemerken wir nicht, wenn sich ein Krampf ankündigt. Spüren wir tagsüber eine leichte Kontraktion der Wade, dehnen wir sie automatisch, bevor der Krampf richtig zuzuschlagen kann. Nachts fehlt diese intuitive Gegenbewegung und wir wachen erst auf, wenn die Wade bereits höllisch schmerzt.
  • Sinkender Magnesiumspiegel: Eine weitere Erklärung könnte sein, dass der Magnesiumspiegel nachts absinkt und die Muskeln verkrampfen.

Diagnose von Wadenkrämpfen

Die Diagnose von Wadenkrämpfen basiert im Wesentlichen auf der Beschreibung der Schmerzen und deren Verlauf. Der Arzt wird Fragen stellen wie:

  • In welchen Situationen treten die Krämpfe auf?
  • Sind enge Familienmitglieder ebenfalls häufig betroffen?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Eine allgemeine körperliche Untersuchung wird durchgeführt, um nach Zeichen eines Flüssigkeitsmangels oder anderer hormoneller Erkrankungen zu suchen. Die Nervenfunktionen der betroffenen Gliedmaßen werden untersucht, um Krämpfe aufgrund anderer Ursachen auszuschließen.

Eine Laboruntersuchung des Blutes kann Hinweise auf zugrunde liegende Krankheiten geben. Treten die Muskelkrämpfe ungewöhnlich häufig oder über einen sehr langen Zeitraum auf, sind womöglich weitere spezielle Blutuntersuchungen, Muskel-/Nervenuntersuchungen und Funktionstests notwendig.

Untersuchung mittels bildgebender Verfahren

Zur Abklärung von Muskelkrämpfen wird oft eine Elektromyografie, eine Messung der elektrischen Muskelaktivität, durchgeführt. Sie lässt erkennen, ob eine Muskelerkrankung oder eine Nervenstörung vorliegt. Eine Elektroneurografie misst die Leitfähigkeit der Nerven. So kann die Funktionstüchtigkeit peripherer Nerven getestet werden. Außerdem ist es damit möglich, Nervenschädigungen zu erkennen. Ein Ischämietest stellt die Leistungsfähigkeit von Muskeln und Enzymen dar. Um beispielsweise Thrombosen nachzuweisen, kann eine Dopplersonografie sinnvoll sein. Werden die Wadenkrämpfe auf bestehende Rückenbeschwerden zurückgeführt, können eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie Aufschluss über die Ursache geben.

Behandlung von Wadenkrämpfen

Das Ziel der Therapie ist es, während der Muskelkrämpfe die Schmerzen zu lindern und langfristig die Häufigkeit der Anfälle zu senken, um die Schlaf- und Lebensqualität zu verbessern.

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Akutbehandlung

Während eines akuten Anfalls wird empfohlen, die Beinmuskeln zu dehnen. Versuchen Sie, so schmerzhaft es auch sein mag, die Ferse nach vorne zu schieben und die Zehen Richtung Knie zu ziehen. Nach wenigen Sekunden, spätestens nach einigen Minuten sollte der Schmerz nachlassen und der Muskel sich wieder entspannen. Manche empfinden es als angenehm, die Wade sanft zu massieren und Druck auf die Muskulatur auszuüben. Auch Bewegung kann den Krampf lösen: ein paar Schritte durchs Schlafzimmer oder lockeres Ausschütteln des Beines.

Präventive Maßnahmen

Auch um Krämpfen vorzubeugen, wird empfohlen, die Muskulatur regelmäßig zu dehnen und mit Training zu stärken. Beispiele für Dehnübungen finden Sie in der Informationsbroschüre Unterschätztes Leiden - Wadenkrampf der Deutschen Schmerzliga.

Weitere präventive Maßnahmen sind:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Empfohlen werden mindestens anderthalb bis zwei Liter pro Tag - insbesondere nach dem Sport, nach körperlicher Arbeit und an warmen Tagen. Am besten eignen sich stilles Wasser oder Saftschorlen mit etwa einem Drittel Saftanteil.
  • Regelmäßige Bewegung: Moderate sportliche Betätigung, wie z.B. Walking, Radfahren oder Schwimmen, kann helfen, die Muskeln zu stärken und Krämpfen vorzubeugen.
  • Waden-Stretching vor dem Schlafengehen: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur vor dem Schlafengehen kann die Frequenz und Schwere der nächtlichen Wadenkrämpfe vermutlich reduzieren.
  • Vermeidung von Schuhen mit hohen Absätzen: Ein Verzicht auf Schuhe mit hohen Absätzen kann das Auftreten nächtlicher Wadenkrämpfe vermindern.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um einem Entgleisen des Elektrolythaushaltes entgegenzuwirken. Eine ausgewogene Ernährung sollte aus frischen Produkten und einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Obst und Gemüse bestehen. Setzen Sie magnesiumreiche Lebensmittel auf den täglichen Speiseplan. Reich an Magnesium sind grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen sowie Fisch und Meeresfrüchte. Geringere Mengen an Magnesium stecken in Bananen, Kartoffeln, Milch- und Milchprodukten und in Fleisch.
  • Mineralstoffe: Die Einnahme von Magnesium-Präparaten kann versucht werden, die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend belegt. Bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft hat sich Magnesium dagegen vielfach bewährt, zumal der Magnesiumbedarf vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel ansteigt. Organische Verbindungen wie Magnesium-Aspartat, -Orotat oder -Citrat werden vom Körper besonders gut aufgenommen. Die Einnahme von Magnesium-Präparaten sollte nur nach Anweisung des Arztes erfolgen, da eine falsche Dosierung Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann.
  • Vermeidung von Alkohol und Koffein: Diese Substanzen können den Elektrolythaushalt stören und Krämpfe begünstigen.
  • Wärmebehandlungen: Wärmebehandlungen wie ein warmes Bad oder eine Wärmflasche können helfen, die Muskeln zu entspannen und Krämpfen vorzubeugen.

Medikamentöse Therapie

In schweren Fällen und bei erfolgloser nichtmedikamentöser Behandlung können Chininpräparate zum Einsatz kommen, die jedoch teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen haben und in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei bestimmten Krankheiten nicht verwendet werden können.

Behandlung von Grunderkrankungen

Liegen Grunderkrankungen als Ursache vor, werden diese behandelt. Ebenso wird versucht, die Einnahme möglicherweise auslösender Medikamente zu beenden.

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Was tun bei starken Wadenkrämpfen in der Nacht?

Hat Sie der Wadenkrampf gerade unsanft aus dem Schlaf gerissen, hilft meist nur eins: Dehnen. Versuchen Sie, so schmerzhaft es auch sein mag, die Ferse nach vorne zu schieben und die Zehen Richtung Knie zu ziehen. Nach wenigen Sekunden, spätestens nach einigen Minuten sollte der Schmerz nachlassen und der Muskel sich wieder entspannen. Manche empfinden es als angenehm, die Wade sanft zu massieren und Druck auf die Muskulatur auszuüben. Auch Bewegung kann den Krampf lösen: ein paar Schritte durchs Schlafzimmer oder lockeres Ausschütteln des Beines.

Treten die Muskelkrämpfe regelmäßig immer wieder auf, gibt es je nach Ursache folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Viel trinken, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen
  • Regelmäßige Bewegung, moderater Sport
  • Waden-Stretching vor dem Schlafengehen
  • Mineralstoffe über eine ausgewogene Ernährung oder gegebenenfalls Präparate zuführen, z.B. Magnesium oder Kalium

Sind nächtliche Wadenkrämpfe gefährlich?

Ein Wadenkrampf ist in der Regel harmlos. Allerdings sollten Sie beobachten, ob noch weitere Symptome auftreten. Sie können jedoch ein erstes Symptom einer Venenerkrankung sein. Was harmlos klingt, kann jedoch ernstzunehmende Ursachen haben.

Sobald die Wadenkrämpfe die Qualität des Schlafes einschränken, kann dies Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität haben. In sehr schweren Fällen sind auch Muskelfaserrisse möglich.

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