Die Verbindung zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit ist ein Thema, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Forscher haben herausgefunden, dass eine Wechselwirkung zwischen unseren Zähnen und unseren Organen besteht. Es wird immer deutlicher, dass Entzündungen und bakterielle Infektionen im Mundraum nicht nur lokale Probleme verursachen, sondern auch Auswirkungen auf andere Teile des Körpers haben können. In diesem Artikel werden wir uns mit einem spezifischen Aspekt dieser Verbindung befassen: dem möglichen Zusammenhang zwischen Nervenschmerzen in den Beinen und Bakterien in Zahnfleischtaschen.
Die Bedeutung der Mundgesundheit für den gesamten Körper
„Gesund beginnt im Mund“ - dieses Sprichwort hat seine Berechtigung. Der Mundraum ist ein komplexes Ökosystem, in dem sich Billionen von Bakterien ansiedeln. Bei mangelnder Mundhygiene können sich diese Bakterien massiv vermehren und zu einer dichten Belagbildung auf Zähnen und Zunge führen. Diese Beläge, auch Plaque genannt, produzieren gefährliche Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und zu Zahnsteinbildung, Karies, Zahnfleischentzündungen und Entzündungen des Zahnhalteapparates führen können.
Ein kranker Zahn verursacht Schäden im ganzen Körper.Entzündungen in der Zahnwurzel oder im Kieferknochen können unbemerkt entstehen. Es treten keine Beschwerden auf und die Entzündungen bleiben unerkannt. Doch tatsächlich werden viele Krankheiten, darunter auch chronische und psychische, durch diese unerkannten Entzündungen im Mund- und Kieferbereich ausgelöst.
Parodontitis: Eine häufige Ursache für bakterielle Infektionen im Mundraum
Der Übeltäter ist meist eine unbehandelte, tiefgreifende Parodontitis. Durch sie entsteht totes Nervengewebe und es sammeln sich Bakterien an. Da der Zahn in direktem Kontakt zum umliegenden Gewebe steht, erfolgt ein Austausch mit dem Blutsystem und unser gesamter Organismus wird von den Bakterien angegriffen. Die schädlichen Bakterien und Gifte können Krankheiten jeglicher Art auslösen.
Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, die durch bakterielle Beläge auf den Zahnoberflächen und am Zahnfleischrand ausgelöst wird. Diese Beläge, auch Plaque genannt, bestehen aus vielen Bakterien und deren Stoffwechselprodukten, die Entzündungen auslösen können. Zunächst sind die Beläge weich, doch mit der Zeit verhärten sie sich und werden zu Zahnstein, der die Zahnoberfläche rau macht und die Ansiedelung von Bakterien begünstigt. Um die Keime abzuwehren, reagiert das Zahnfleisch mit einer Entzündung, Zahnfleischbluten und Mundgeruch. Bleibt die Entzündung unbehandelt, erfasst sie tiefere Gewebe, bildet Zahnfleischtaschen und schädigt den Zahnhalteapparat. Eine fortgeschrittene Parodontitis kann sogar dazu führen, dass sich die Zähne lockern und schließlich ausfallen.
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Die Auswirkungen einer Parodontitis reichen aber noch weiter: Parodontitis-Bakterien gelangen zusammen mit verschiedenen Entzündungsstoffen in den Blutkreislauf und können auf diese Weise Unheil im ganzen Körper anrichten. Falls Sie bei sich Zeichen einer Parodontitis feststellen, sollten Sie unbedingt einen Zahnarzttermin vereinbaren und sich ggf. behandeln lassen, damit die Erkrankung nicht weiter fortschreitet.
Wie Bakterien aus dem Mundraum in den Körper gelangen
Unsere Zähne sind über Nerven und Blutgefäße mit dem Körper verbunden. Ist eine Zahnwurzel entzündet, können Gifte aus Bakterien über die Zahnwurzelspitze in die Blutbahn eindringen und unsere Organe angreifen. Vor allem, wenn die Immunabwehr geschwächt ist, haben unerwünschte Eindringlinge aus dem Mundraum leichtes Spiel.
Bei einer chronischen Parodontitis gelangen Bakterien in den Blutkreislauf. Bleiben akute Zahnfleischentzündungen unbehandelt, verschleppt der Betroffene die Entzündung. Die Erreger erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen Schlaganfall. Die ständig im Körper kreisenden Entzündungsstoffe bewirken ein Verhärten der Gefäßwände.
Möglicher Zusammenhang zwischen Parodontitis und Nervenschmerzen in den Beinen
Obwohl der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Nervenschmerzen in den Beinen noch nicht vollständig erforscht ist, gibt es mehrere mögliche Erklärungen für diese Verbindung:
Entzündungsreaktionen: Parodontitis ist eine chronische Entzündung, die zu einer erhöhten Produktion von Entzündungsstoffen im Körper führt. Diese Entzündungsstoffe können Nerven schädigen und zu Nervenschmerzen in verschiedenen Körperregionen, einschließlich der Beine, führen.
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Bakterielle Toxine: Bakterien in Zahnfleischtaschen produzieren Toxine, die über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden können. Diese Toxine können Nerven reizen und Entzündungen verursachen, was zu Nervenschmerzen führen kann.
Autoimmunreaktionen: In einigen Fällen kann eine Parodontitis Autoimmunreaktionen auslösen, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift, einschließlich Nervenzellen. Dies kann zu Nervenschäden und Nervenschmerzen führen.
Vaskuläre Probleme: Parodontitis kann die Blutgefäße schädigen und zu Durchblutungsstörungen führen. Eine schlechte Durchblutung der Nerven in den Beinen kann zu Nervenschmerzen führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Nervenschmerzen in den Beinen viele verschiedene Ursachen haben können, und Parodontitis ist nur eine mögliche Ursache. Wenn Sie unter Nervenschmerzen in den Beinen leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
Weitere Krankheiten, die durch schlechte Zähne entstehen können
Dauerhafte Entzündungen im Mund machen den Körper krank. Vor allem im dentalen Bereich sind etwa eine Billion Bakterien angesiedelt. Sie bevölkern Zunge, Zähne und Mundhöhle und vermehren sich massiv bei mangelnder Mundhygiene. Die Folge zeigt sich in der Entwicklung von dichtem Belag auf Zahn und Zunge. Die Bakterien bilden eine gefährliche Säure, die den Zahnschmelz langsam aber sicher zerfrisst. Die Ablagerungen, auch Plaque genannt, erzeugen Zahnstein und in der Folge Zahnfäule, Entzündungen des Zahnfleisches und Entzündungen des Zahn-Halte-Apparates. Im schlimmsten Fall kommt es zu Erkrankungen wie Karies, Parodontitis oder dem Absterben der Zähne. Vor allem Karies betrifft vermehrt auch Kinder und Jugendliche, weshalb eine Zahnzusatzversicherung für Kinder empfehlenswert ist.
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Neben Nervenschmerzen in den Beinen können schlechte Zähne und unbehandelte Parodontitis auch zu einer Reihe anderer Gesundheitsprobleme führen, darunter:
- Herzinfarkt und Schlaganfall: Bei einer chronischen Parodontitis gelangen Bakterien in den Blutkreislauf. Bleiben akute Zahnfleischentzündungen unbehandelt, verschleppt der Betroffene die Entzündung. Die Erreger erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen Schlaganfall. Die ständig im Körper kreisenden Entzündungsstoffe bewirken ein Verhärten der Gefäßwände.
- Erektionsstörungen: Eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats schädigt die Endothelzellen. Diese sind verantwortlich für den Blutfluss im Penis. Erkrankte Zähne hemmen die Potenz.
- Lungen- und Herzentzündungen: Erreger einer verschleppten Parodontitis können Lungen- und Herzentzündungen auslösen. Auch diese Krankheiten stehen in Zusammenhang mit einer Verhärtung der Gefäßwände.
- Depressionen: Das Immunsystem kann unsere Gefühlslage steuern. Zahnwurzelentzündungen können die menschliche Psyche beeinflussen, so dass Betroffene depressiv werden. Bakterien greifen auch den Stoffwechsel des Gehirns an.
- Frühgeburten: Es besteht eine Verbindung zwischen sogenannten Vaginalentzündungen und Entzündungen des Zahnfleischs. In beiden Fällen entstehen die gleichen, für das ungeborene Kind schädlichen Stoffe im Immunsystem der Mutter. Frauen, die eine Frühgeburt erleben, leiden in vielen Fällen unter starken Zahnfleischerkrankungen.
- Diabetes: Diabetiker leiden häufiger unter Parodontitis als Nicht-Diabetiker. Die hohen Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Blutgefäße. Die Widerstandskraft des Zahnhalteapparats wird geschwächt und es kommt zu Infektionen.
- Rücken-, Knie- und Nackenschmerzen: Fehlstellungen des Kiefers erzeugen Schmerzen im gesamten Körper. Diese setzen sich von oben nach unten fort und führen zu Verspannungen und Fehlhaltungen.
- Kopfschmerzen und Migräne: Die Störung des Gleichgewichts im Kausystem hat Einfluss auf die Körperhaltung und Bewegung und kann für Kopfschmerzen unterschiedlicher Art ursächlich sein. Oftmals ist eine Funktionsstörung im Bereich der Kiefer und Mundmuskulatur Grund für die Schmerzen.
- Blasen- und Prostataprobleme: Bakterien aus dentalen Erkrankungen können über die Blutbahn in Prostata und Blase gelangen und dort zu akuten Entzündungen führen.
Vorbeugung und Behandlung von Parodontitis
Die gute Nachricht ist, dass Parodontitis in den meisten Fällen durch gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen verhindert werden kann. Hier sind einige Tipps zur Vorbeugung von Parodontitis:
- Regelmäßiges Zähneputzen: Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich, idealerweise nach jeder Mahlzeit. Verwenden Sie eine fluoridhaltige Zahnpasta und eine weiche Zahnbürste.
- Verwendung von Zahnseide: Verwenden Sie täglich Zahnseide, um Plaque und Speisereste zwischen den Zähnen zu entfernen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt.
- Mundspülungen: Verwenden Sie eine antibakterielle Mundspülung, um Bakterien im Mundraum abzutöten.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Gehen Sie mindestens zweimal jährlich zur zahnärztlichen Kontrolle und lassen Sie eine professionelle Zahnreinigung durchführen.
- Gesunde Ernährung: Essen Sie eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Vermeiden Sie zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke, da diese das Wachstum von Bakterien im Mundraum fördern.
- Nicht rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Parodontitis erheblich. Wenn Sie rauchen, sollten Sie versuchen, damit aufzuhören.
Wenn Sie bereits an Parodontitis erkrankt sind, ist es wichtig, sich so schnell wie möglich behandeln zu lassen. Die Behandlung von Parodontitis umfasst in der Regel eine professionelle Zahnreinigung, bei der Plaque und Zahnstein von den Zähnen und Zahnfleischtaschen entfernt werden. In schwereren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das beschädigte Gewebe zu entfernen und den Knochen wieder aufzubauen.
Die Rolle der Ernährung bei der Vorbeugung und Behandlung von Parodontitis
Viele Studien belegen, dass eine ausgewogene Ernährung einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Zähne haben kann. Daher sollten eine gesunde und vollwertige Ernährung mit viel Obst und Gemüse angestrebt werden. Bei Zahnfleischentzündungen können sich Lebensmittel, die besonders nitratreich sind positiv auswirken. Darunter fallen u.a. Blatt- und Wurzelgemüse, wie Kopf- und Feldsalat, Spinat, Rettich, rote Beete oder Radieschen. Eine wichtige Rolle spielen auch Antioxidantien, wie Vitamine C und E und ebenso Omega-3-Fettsäuren. Zudem werden probiotische Milchprodukte empfohlen, da diese zur Stärkung des Immunsystems beitragen und den Körper bei der Bekämpfung schädlicher Bakterien unterstützen soll.
Die richtige Zahnpasta für gesunde Zähne und Zahnfleisch
Erkrankten Patienten wird der Einsatz von sanften Zahncremes empfohlen, da der Anteil an Putzkörpern zur Zahnbelagsentfernung sehr gering ausfällt. Sanfte Zahncremes schonen somit das freiliegende Zahnbein. Zudem können geeignete Zahncremes die Behandlung unterstützen, obwohl sie keinen direkten Einfluss auf die Bekämpfung der Erkrankung haben. Bei einer zusätzlichen Zahnfleischentzündung bieten sich zudem Zahncremes mit entzündungshemmender und adstringierender Wirkung an.