Meningitis nach Impfung: Kontraindikation, Risiken und Prävention

Impfungen sind ein Eckpfeiler der modernen Medizin und das wirksamste Mittel, um vor Infektionskrankheiten zu schützen. Dank dieser medizinischen Fortschritte konnten einige Krankheiten wie Pocken beseitigt werden. Andere, wie Masern, sind jedoch nach wie vor verbreitet und können schwerwiegende Komplikationen wie Lungenentzündung (1 von 20 Fälle) und Enzephalitis (1 von 2000 Fälle) verursachen oder sogar tödlich enden (1 von 3000 Fälle). Daher werden Impfungen in großem Umfang empfohlen, um Krankheiten auszurotten und den Einzelnen zu schützen.

Die Funktionsweise von Impfstoffen

Impfstoffe enthalten Bestandteile, die das Immunsystem stimulieren, ohne die eigentliche Infektion auszulösen, vor der der Impfstoff schützen soll. Diese Bestandteile, sogenannte Antigene, können je nach Art der Zubereitung den Zusatz von Substanzen (Adjuvantien) erfordern, die dem Immunsystem helfen, einen besseren und länger anhaltenden Schutz zu entwickeln. Einige Impfstoffe, ähnlich wie bestimmte Medikamente, enthalten minimale Mengen an Konservierungsmitteln, Stabilisatoren oder Antibiotika, um ihre Stabilität im Laufe der Zeit zu gewährleisten und das Bakterienwachstum zu verhindern. Die Sicherheit dieser zugesetzten Substanzen wird streng kontrolliert, um ihre sichere Verabreichung bei Kindern und Erwachsenen zu gewährleisten.

Jeder Impfstoff durchläuft vor seiner Zulassung umfangreiche Studien, um seine Verträglichkeit und Sicherheit zu bewerten. Dabei wird auch seine Fähigkeit geprüft, eine wirksame und dauerhafte Immunantwort hervorzurufen, sowohl einzeln als auch in Kombination mit anderen Impfstoffen.

Das Immunsystem und Impfungen

Das menschliche Immunsystem hat sich über Jahrtausende entwickelt, um sich gegen eine Vielzahl von Mikroben zu verteidigen. Jedes Neugeborene erbt diese Fähigkeit, die sich bereits in den ersten Lebensstunden manifestiert. Ohne ein funktionierendes Immunsystem hätte die menschliche Spezies nicht überleben können. Ein Neugeborenes ist in der Lage, auch auf kleine Teile der in Impfstoffen enthaltenen Mikroben zu reagieren, ohne geschwächt zu werden. Nach der Überwindung einer Infektionskrankheit produziert das Immunsystem Zellen und Antikörper, die es im Gedächtnis behält, um bei einer späteren Exposition sofort reagieren zu können. Die wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass der Körper bereits in den ersten Lebensmonaten angemessen auf Impfstoffe reagiert, auch wenn sie kombiniert verabreicht werden. In den letzten Jahren wurden zudem "konjugierte" Impfstoffe entwickelt, die das noch nicht voll ausgereifte Immunsystem des Kleinkindes stimulieren können, um es vor einigen bakteriellen Erregern zu schützen, die für Meningitis verantwortlich sind.

Sicherheit von Impfstoffen: Eine Frage der Perspektive

Wenn man unter einem "sicheren Impfstoff" ein Produkt versteht, das völlig frei von Nebenwirkungen ist, dann ist kein Impfstoff zu 100 % sicher. Ein gewisses Risiko, so klein es auch sein mag, besteht in allem, was wir tun. Betrachtet man jedoch einen Impfstoff als "sicher", wenn er nur sehr selten oder ausnahmsweise schwerwiegende Nebenwirkungen hervorruft, die dennoch als akzeptabel angesehen werden, weil der Impfstoff vor einer größeren Gefahr durch eine Erkrankung schützt, dann entspricht dies eher der Realität. Die entsprechenden Tests sind gesetzlich vorgeschrieben und werden in der Regel während der Vorbereitungsphase des Impfstoffs durchgeführt.

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Unerwünschte Nebenwirkungen und ihre Ursachen

Die meisten Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit der Verabreichung eines Impfstoffs auftreten, werden nicht durch den Impfstoff selbst verursacht. Viele dieser Nebenwirkungen sind zufällig, d. h. es handelt sich um Erkrankungen, die zufällig zeitgleich mit der Impfung auftreten. Eine unerwünschte Nebenwirkung der Impfung ist eine Erkrankung, die nach einer Impfung auftritt. In einigen Fällen handelt es sich um Anzeichen einer normalen Reaktion des Körpers (wie Fieber) oder, seltener, um eine individuelle Veranlagung (wie Fieberkrämpfe). Manchmal sind diese Symptome allerdings zufällig und werden nicht durch den Impfstoff verursacht. Besteht die Gewissheit, dass der Impfstoff eine bestimmte Krankheit verursacht hat, spricht man von einer Nebenwirkung.

Meldung und Bewertung von Nebenwirkungen

Bürger können sich an ihren behandelnden Arzt und den Impfbeauftragten wenden, wenn nach der Impfung verdächtige Symptome auftreten. Unerwünschte Impfreaktionen müssen jedoch von Fachpersonal beurteilt werden, das in der Lage ist, den Zusammenhang mit der Impfung aufgrund wissenschaftlicher Kriterien festzustellen. Im Falle von Symptomen nach der Impfung sammelt das medizinische Fachpersonal die notwendigen Informationen, um die Art der Reaktion zu vertiefen, und prüft, ob der Impfzyklus fortgesetzt oder ausgesetzt werden muss und ob es Gegenanzeigen für die Verabreichung anderer Impfstoffe gibt.

In Italien wird das System zur Erkennung von Nebenwirkungen von der Pharmakovigilanzbehörde, der italienischen Arzneimittelbehörde (AIFA), verwaltet. Verdächtige Nebenwirkungen von Impfstoffen werden mittels spezieller Datenblätter gemeldet. Diese werden vom Impfpersonal oder vom Arzt, der wegen der jeweiligen Reaktion konsultiert wird, ausgefüllt und an die nationale Datenbank gesendet. Die Arzneimittelüberwachung hat die Aufgabe, die laufenden Meldungen zu überwachen und alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Impfungen zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wurde in allen Impfdiensten ein standardisiertes Verfahren zur Durchführung der Anamnese vor der Impfung eingeführt, das es dem Gesundheitspersonal ermöglicht, die Eignung für die Impfung durch spezifische Fragen zu überprüfen. Es ist weltweit bekannt, dass für die Zulassung zu einer Impfung keine Voruntersuchungen verschrieben werden müssen, da sich die Anamnese als gültiges Instrument zur Beurteilung der Impftauglichkeit erwiesen hat. Darüber hinaus wird das zu impfende Kind regelmäßig von einem Kinderarzt untersucht, der in regelmäßigen Abständen Wachstum und Gesundheitszustand überprüft.

Nutzen-Risiko-Abwägung

Um das mit der Verwendung von Impfungen verbundene Risiko zu bewerten, ist es angemessener, das Sicherheitskonzept als "Fähigkeit zum Schutz vor einer tatsächlichen Gefahr" zu betrachten. Unter Verwendung dieser Definition muss die Gefahr (Krankheit) deutlich größer sein als das Mittel zum Schutz (Impfstoff). Der Nutzen eines Impfstoffs muss seine Risiken klar und definitiv überwiegen. Selbst eine schwere Nebenwirkung bei 1.000.000 verabreichten Dosen kann nicht ein Aussetzen der Impfung rechtfertigen.

Fallbeispiele und Daten zur Impfsicherheit

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Daten von "Canale Verde", dem regionalen Überwachungssystem für unerwünschte Impfstoffreaktionen in der Region Venetien, das das nationale Überwachungssystem ergänzt. Während der regionalen Überwachung von unerwünschten Reaktionen wurden im Zeitraum 1993-2011 6119 Meldebögen ausgewertet und klassifiziert, die in 15 Tätigkeitsberichten beschrieben sind. Die häufigsten Berichte betreffen lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (2806 - 25 % der Ereignisse), gefolgt von Fieber (2069 Fälle - 18 % der Reaktionen). Korrelierbare unerwünschte Reaktionen wurden in 60 % der als Fälle als leicht, in 34 % als relevant und in 6 % der Fälle als schwerwiegend eingestuft. In einer Langzeitstudie wurden insgesamt 348 unerwünschte Reaktionen als schwerwiegend eingestuft, darunter 72 Reaktionen an der Injektionsstelle und 276 allgemeine Reaktionen; eine eindeutige Korrelation mit der Impfung wurde nur in 27 % der Fälle festgestellt. Die meisten Symptome lösten sich mit vollständiger Heilung auf; in 21 Fällen, entsprechend 1 von etwa 1.250.000 Impfstoffdosen, lagen nach einiger Zeit noch Symptome vor oder die Patienten befanden sich zum Zeitpunkt der Datenaktualisierung in Behandlung.

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FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Impfung

FSME ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die zu Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder des Rückenmarks führen kann. Schwere Krankheitsverläufe treten häufiger bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen auf als bei Kindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten, sowie beruflich gefährdeten Personen eine Impfung gegen FSME.

Übertragung und Risikogebiete

FSME-Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Sehr selten wird auch über Infektionen durch den Verzehr von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. In Deutschland kommt FSME vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Thüringen, in Südhessen, in Sachsen und Brandenburg vor. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht jährlich eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland.

Krankheitsverlauf und Behandlung

Die Mehrheit (ca. 70 bis 95 %) bleibt nach einem Stich einer mit FSME-Viren infizierten Zecke beschwerdefrei. Einige entwickeln ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Krankheitszeichen. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es aber nach etwa einer Woche zu einem zweiten Krankheitsgipfel mit Beteiligung des zentralen Nervensystems. Eine ursächliche Behandlung gegen die FSME gibt es nicht, es können nur die Krankheitszeichen behandelt werden.

Impfschutz und Nebenwirkungen

Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht für die meisten Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko wird eine erste Auffrischimpfung nach 3 Jahren empfohlen, die nachfolgenden alle 5 Jahre. Als häufigste Impfreaktionen werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Impfstelle beschrieben. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln beobachtet. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten.

Schutz vor Zeckenstichen

Zusätzlich zur Impfung sollten allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen beachtet werden, wie das Tragen geschlossener Kleidung in der Natur und das Absuchen des Körpers nach Zecken nach dem Aufenthalt im Freien.

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Meningokokken-Impfung

Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden durch Neisseria meningitidis (Meningokokken) verursacht und können als Meningitis und/oder Sepsis verlaufen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmte Impfungen gegen Meningokokken, um invasive Erkrankungen zu verhindern.

Impfstoffe gegen Meningokokken

Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen Meningokokken, die sich gegen unterschiedliche Serogruppen richten:

  • Gegen Serogruppe B: Bexsero® (ab zwei Monaten zugelassen) und Trumenba® (ab zehn Jahren zugelassen).
  • Gegen Serogruppe C: Monokomponenten-Impfstoffe wie MENJUGATE® und NeisVac-C® (alle ab zwei Monaten zugelassen, in Deutschland ab zwölf Monaten standardmäßig empfohlen).
  • Gegen Serogruppen A, C, W, Y: Konjugat-Impfstoffe wie Menveo® (ab zwei Jahren zugelassen) und Nimenrix® (ab sechs Wochen in der EU zugelassen, in Deutschland ab sechs Monaten eingesetzt).

STIKO-Empfehlungen

Die STIKO unterscheidet zwischen Standard- und Indikationsimpfungen. Standardimpfungen umfassen die einmalige MenC-Impfung ab dem zwölften Lebensmonat sowie die im Jahr 2025 neu eingeführte MenB-Impfung im 2+1-Schema ab dem zweiten Lebensmonat. Indikationsimpfungen richten sich an definierte Risikogruppen, darunter Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Asplenie, Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren, exponiertes Laborpersonal sowie bestimmte Reisende.

Nebenwirkungen

In klinischen Studien traten bei Säuglingen und Kleinkindern nach der MenB-Impfung sehr häufig lokale Reaktionen wie Druckschmerzen, Erytheme, Schwellung und Verhärtung an der Injektionsstelle auf. Systemische Nebenwirkungen umfassten sehr häufig Fieber ab 38 °C, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen sowie gastrointestinale Symptome wie Diarrhö und Erbrechen. Auch die anderen Meningokokken-Impfstoffe zeigen in klinischen Studien ein gutes Verträglichkeitsprofil mit häufigen lokalen Reaktionen und gelegentlichen systemischen Symptomen wie Fieber und Reizbarkeit.

Kontraindikationen

Für alle in Deutschland zugelassenen Meningokokkenimpfstoffe gelten folgende Kontraindikationen:

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Impfstoffs.
  • Vorliegen einer akuten schweren, fieberhaften Erkrankung, bei der die Impfung verschoben werden sollte.

Postexpositionsprophylaxe (PEP) bei Meningokokken-Infektionen

Beim Auftreten einer invasiven Meningokokken-Erkrankung muss die Ausbreitung des Bakteriums verhindert werden. Eine postexpositionelle Prophylaxe (PEP) sollte bei nachgewiesener invasiver Meningokokken-Erkrankung oder Meningokokken-Konjunktivitis durchgeführt werden. Die PEP sollte auf Personen beschränkt werden, die mit Sekreten des Mund-/Nasenbereichs bzw. der Atemwege in Berührung gekommen sein könnten.

Medikamentöse Prophylaxe

Gemäß der aktuellen Empfehlung der STIKO ist Rifampicin das Mittel der Wahl für Kinder. Jugendliche ab 60 kg und Erwachsene erhalten 2 x 600 mg Rifampicin/Tag für 2 Tage. Alternativ ist eine Prophylaxe mit Ceftriaxon (i. m. Applikation) mit einer einmaligen Gabe von 125 mg bei Kindern unter 12 Jahren und 250 mg bei Kontaktpersonen über 12 Jahren möglich. Bei Schwangeren ist Ceftriaxon das Mittel der Wahl.

Impfung nach Exposition

Trotz der Chemotherapie wurde ein erhöhtes Risiko für enge Kontaktpersonen beobachtet. Daher sollte bei engen Kontaktpersonen zusätzlich eine postexpositionelle Meningokokken-Impfung erfolgen, sofern ein Impfstoff verfügbar ist, welcher der Meningokokken-Serogruppe des Indexfalles entspricht.

Besondere Patientengruppen

Bei Patienten unter Therapie mit Eculizumab/Ravulizumab sollte bis zum Entstehen eines Impfschutzes das Präventionsziel die Vermeidung einer invasiven Infektion und nicht der Besiedlung sein. Am ehesten scheint dies für orales Penicillin gegeben zu sein.

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