Haben Sie oder Ihre Angehörigen schon einmal unter eingeschränkter Beweglichkeit oder Gelenksteifheit gelitten? Oder sind Sie Pflegekraft und suchen nach effektiven Methoden, um Ihre Patienten optimal zu unterstützen? Dieser Artikel beleuchtet die Kontrakturprophylaxe, insbesondere im Kontext der Parkinson-Therapie, und bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Risiken und bewährte Präventionsstrategien.
Was ist eine Kontraktur?
Eine Kontraktur ist eine Gelenkversteifung, die auftritt, wenn sich Sehnen, Muskeln und Bänder dauerhaft verkürzen. Diese Versteifungen entstehen durch chronische Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern, wodurch die Beweglichkeit der Gelenke nachhaltig beeinträchtigt wird. Insbesondere Menschen, die sich im Alltag nur wenig oder gar nicht bewegen, sind von einer Kontraktur betroffen. Auch eine Schonhaltung, beispielsweise aus Sorge vor Schmerzen, kann die Körperstrukturen zu wenig herausfordern und so zu einer Verkürzung führen. Kontrakturen können erhebliche Schmerzen verursachen, die Selbstständigkeit einschränken und die Lebensqualität der Betroffenen stark mindern.
Bedeutung der Kontrakturprophylaxe
Die Kontrakturprophylaxe ist essenziell, um die natürliche Beweglichkeit der Gelenke zu bewahren und Schmerzen zu vermeiden, die durch eingeschränkte Beweglichkeit verursacht werden. Ohne gezielte präventive Maßnahmen können selbst leichte Bewegungseinschränkungen zu dauerhaften Kontrakturen führen, was die Selbstständigkeit der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Für Pflegekräfte und Angehörige bedeutet dies eine erhöhte Verantwortung, effektive Präventionsstrategien zu kennen und anzuwenden.
Anatomische und physiologische Grundlagen
Ein fundiertes Verständnis der Anatomie und Physiologie der Gelenke und Weichteile ist unerlässlich für eine effektive Kontrakturprophylaxe. Gelenke verbinden Knochen und ermöglichen Bewegung, während Muskeln, Sehnen und Bänder die Beweglichkeit und Stabilität der Gelenke gewährleisten. Muskeln sind für die aktive Bewegung verantwortlich, indem sie kontrahieren und entspannen, um die Gelenke zu bewegen. Sehnen verbinden die Muskeln mit den Knochen und übertragen die Kraft der Muskelkontraktionen auf das Skelettsystem. Bänder hingegen stabilisieren die Gelenke und verhindern übermäßige Bewegungen. Faszien, das bindegewebige Gewebe umhüllend, tragen zur Dehnbarkeit und Flexibilität der Muskulatur bei.
Biochemische Prozesse bei der Entstehung von Kontrakturen
Die Entstehung von Kontrakturen ist eng mit verschiedenen biochemischen Prozessen verbunden, die durch anhaltende Immobilität oder Bewegungsmangel ausgelöst werden. Ohne regelmäßige Bewegung kommt es zu einer Abnahme der Durchblutung und des Stoffwechsels in den betroffenen Geweben. Dies führt zu Verklebungen und Verwachsungen des Bindegewebes, wodurch die Muskeln, Sehnen und Bänder an Elastizität verlieren und sich verhärten. Entzündungsprozesse spielen ebenfalls eine Rolle, indem sie die Produktion von Fibroblasten und Kollagen fördern, was die Gewebe weiter verkürzt und verhärtet. Regelmäßige Bewegungs- und Dehnübungen stimulieren den Stoffwechsel, verbessern die Durchblutung und verhindern somit die pathologischen Veränderungen des Gewebes.
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Arten von Kontrakturen
Es gibt verschiedene Arten von Kontrakturen, die sich in ihren Ursachen und Auswirkungen unterscheiden:
- Spastische Kontrakturen: Entstehen durch übermäßige Muskelspannung oder Muskelspastik, häufig infolge neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall oder Multipler Sklerose.
- Arthrogene Kontrakturen: Resultieren aus direkten Gelenkerkrankungen oder -verletzungen, wie etwa Arthritis, Arthrose oder operativen Eingriffen.
- Myogene Kontrakturen: Bedingt durch Veränderungen im Muskelgewebe, etwa durch Atrophie nach längerer Immobilität oder durch Muskelentzündungen.
- Bogenartige Kontrakturen: Entstehen durch wiederholte oder einseitige Bewegungsmuster, die zu bogenartigen Bewegungsabläufen führen.
Risikofaktoren für die Entstehung von Kontrakturen
Verschiedene Faktoren können das Risiko für die Entstehung von Kontrakturen erhöhen:
- Bewegungsmangel und Immobilität: Regelmäßige Bewegung ist entscheidend für die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit und Muskelkraft.
- Prolongierte Bettlägerigkeit: Langfristige Bettruhe kann bei älteren Menschen oder Patienten nach schweren Erkrankungen zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen.
- Falsche Positionierung: Ungünstige Lagerung, die zu unausgewogener Belastung der Gelenke führt, kann die Entstehung von Kontrakturen begünstigen.
Das Erkennen dieser Risikofaktoren und die Identifikation der betroffenen Risikogruppen ermöglichen es Pflege- und Betreuungskräften, gezielte präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Kontrakturprophylaxe bei Parkinson
Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen, Multipler Sklerose oder Parkinson profitieren besonders von gezielten Kontrakturpräventionsmaßnahmen. Durch spezifische Bewegungsübungen und physikalische Therapien können motorische Fähigkeiten erhalten und die Entstehung von Kontrakturen verhindert werden.
Parkinson-Patienten verlieren mit der Zeit ihre Stand- und Gangsicherheit. Da die meisten der Betroffenen schon älter sind, besteht hier neben der allgemeinen Sturzgefahr auch die Gefahr von schwerwiegenden Verletzungen, etwa in Form eines Oberschenkelhalsbruches. Hier müssen die Betroffenen unterstützt werden. Sie brauchen Begleitung oder zumindest Hilfsmittel, wie einen Rollator, einen Rollstuhl oder Gehstützen, die einen schweren Sturz vermeiden.
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Gerade das Gedächtnis ist schon im frühen Stadium der Erkrankung häufig betroffen. Den Erkrankten fällt es schwer, sich zu konzentrieren, wie gewohnt zu denken oder sich zurechtzufinden. Sie benötigen mehr Zeit, um sich zu koordinieren. Geduld und Verständnis sind hier das A und O in der Pflege. Gehetztes Verhalten unter Zeitdruck verschlimmert die Symptome erheblich.
Der veränderte Muskeltonus der Betroffenen beeinträchtigt häufig auch die Kontinenz. Hier sind eine gründliche Intimhygiene und regelmäßige Hautpflege das A und O. Pflegeprobleme wie entstehende Harnwegsinfektionen oder auch Hautdefekte können so gut vermieden werden und das alltägliche Leben der Betroffenen nicht noch weiter beeinträchtigen.
Präventionsstrategien
Die Kontrakturprophylaxe umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die darauf abzielen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und die Entstehung von Kontrakturen zu verhindern.
Regelmäßige Bewegungs- und Mobilisationsübungen
Regelmäßige Bewegungs- und Mobilisationsübungen sind essenziell, um die Gelenke mobil zu halten und Muskelkraft zu erhalten. Diese Übungen umfassen passives, assistives und aktives Bewegen der Gliedmaßen. Passive Übungen, die von Pflegekräften durchgeführt werden, sind besonders wichtig für bettlägerige Patienten, um die Gelenke geschmeidig zu halten und die Durchblutung zu fördern. Praktische Beispiele beinhalten das sanfte Beugen und Strecken der Arme und Beine, Schulterkreisen oder das Öffnen und Schließen der Hände. Diese Übungen sollten mindestens dreimal täglich durchgeführt werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.
Frühzeitige Mobilisierung
Die frühzeitige Mobilisierung nach Beginn einer Bettblagerung oder nach einer Operation ist entscheidend, um die Entstehung von Kontrakturen zu verhindern. Bereits wenige Tage nach einer Operation können mit einfachen Bewegungsübungen begonnen werden, um die Durchblutung zu fördern und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten.
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Richtige Positionierung und Lagerung
Die richtige Positionierung beinhaltet die Verwendung von Lagerungshilfsmitteln wie Kissen und Polstern zur Unterstützung der Gelenke und zur Vermeidung von Druckstellen. Regelmäßige Umlagerungen, mindestens alle zwei Stunden, reduzieren die Belastung einzelner Körperteile und fördern die Durchblutung. Ein besonderes Augenmerk gilt der Vermeidung eines Spitzfußes bei bettlägerigen Patienten. Hier sollte die Bettdecke nicht auf dem Fuß aufliegen und der Fuß in einer Position gehalten werden, als ob die Person steht.
Effektives Schmerzmanagement
Ein effektives Schmerzmanagement ist unerlässlich, um die Bewegungsbereitschaft der Patienten zu fördern und schmerzbedingte Schutzstellungen zu vermeiden. Durch die gezielte Linderung von Schmerzen können Patienten aktiver an Bewegungsübungen teilnehmen, was entscheidend zur Kontrakturprophylaxe beiträgt.
Massagen
Massagen der betroffenen Muskeln und Gelenke unterstützen die Muskelentspannung und fördern die Durchblutung, was die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Regelmäßige Massagen sollten vor und nach Mobilisationsübungen durchgeführt werden, um die Muskelelastizität zu erhöhen und die Wirkung der Bewegungsübungen zu optimieren.
Förderung der Eigenbewegung
Die Förderung der Eigenbewegung ist ein zentraler Bestandteil der Kontrakturprophylaxe. Patienten sollten ermutigt werden, selbst aktiv an ihren Bewegungsübungen teilzunehmen, um die Muskelkraft zu stärken und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Regelmäßige Positionswechsel, insbesondere bei bettlägerigen oder sitzend beschäftigten Patienten, sind entscheidend, um die Belastung einzelner Körperteile zu reduzieren und die Durchblutung zu fördern. Dies verhindert die Bildung von Druckstellen und unterstützt die Gesamtkörperbeweglichkeit.
Moderne Bewegungstherapien und -konzepte
Moderne Bewegungstherapien und -konzepte bieten innovative Ansätze zur Kontrakturprophylaxe, die sowohl die physische als auch die psychische Motivation der Patienten steigern. Funktionelle Übungen, die auf alltägliche Bewegungen abgestimmt sind, ermöglichen es den Patienten, die für ihre Selbstständigkeit notwendigen Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern. Beispiele hierfür sind Hydrotherapie-Sitzungen, bei denen Patienten im Wasser Bewegungen ausführen, oder der Einsatz von Virtual-Reality-Technologien, die bewegungsfördernde Übungen spielerisch gestalten. Yoga und Tai Chi bieten ganzheitliche Bewegungsformen, die Flexibilität, Balance und mentale Entspannung fördern.
Technologische Hilfsmittel
Technologische Hilfsmittel wie motorisierte Bewegungsschienen (Continuous Passive Motion, CPM-Geräte) bieten eine zusätzliche Unterstützung bei der Kontrakturprophylaxe, insbesondere für Patienten, die selbstständig keine ausreichenden Bewegungsübungen durchführen können. CPM-Geräte ermöglichen eine kontinuierliche, kontrollierte Bewegung der Gelenke, bauen Muskelsteifigkeit ab und fördern die Durchblutung. Auch Orthesen und Schienen sind wichtige Hilfsmittel zur Stabilisierung der Gelenke und zur Unterstützung der Bewegungsübungen. Moderne Technologien, wie Elektrostimulationsgeräte, fördern die Muskelkontraktionen und unterstützen somit die Muskelkraft und Beweglichkeit.
Ernährung und psychologische Unterstützung
Eine ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Kontrakturprophylaxe, da sie die Muskel- und Gelenkgesundheit unterstützt. Eine proteinreiche Ernährung hilft, die Muskelmasse zu erhalten und die Regeneration der Muskeln zu fördern, während Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin D, Kalzium und Magnesium wichtig für die Knochengesundheit sind. Psychologische Unterstützung spielt eine ebenso wichtige Rolle in der Kontrakturprophylaxe. Die Motivation der Patienten, regelmäßig an Bewegungsübungen teilzunehmen, ist entscheidend für den Erfolg der Präventionsmaßnahmen. Positive Verstärkung, realistische Zielsetzungen und eine unterstützende Umgebung können die Compliance erhöhen und die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme fördern.
Spezielle Zielgruppen
Bei Kindern ist die Kontrakturprophylaxe besonders wichtig, da sich ihr Muskel- und Skeletsystem im Wachstum befindet und besonders anfällig für Einschränkungen ist. Kinder mit neurologischen Erkrankungen oder nach medizinischen Eingriffen benötigen spezielle, spielerisch gestaltete Bewegungsprogramme, die ihre natürliche Bewegungsfreude fördern und gleichzeitig die Gelenkbeweglichkeit erhalten. Ältere Menschen sind aufgrund physiologischer Veränderungen und häufig vorhandener Begleiterkrankungen besonders anfällig für Kontrakturen. Sie benötigen spezielle Aufmerksamkeit und angepasste Bewegungsprogramme, die auf ihre individuellen Gesundheitsbedingungen und Mobilität abgestimmt sind. Auch Sportler, die sich in der Rehabilitation nach Verletzungen oder operativen Eingriffen befinden, sollten Kontrakturprophylaxe betreiben. Durch gezielte Bewegungsübungen und Mobilisationsprogramme können sie die volle Beweglichkeit und Muskelkraft wiedererlangen und die Rückkehr zum sportlichen Leistungsniveau unterstützen.
Praktische Umsetzung
Detaillierte Übungsanleitungen, unterstützt durch Bildmaterial, erleichtern die korrekte Durchführung der Bewegungsübungen und steigern deren Effektivität. Pflegekräfte sollten visuelle Hilfsmittel nutzen, um die richtige Technik zu demonstrieren und sicherzustellen, dass die Patienten die Übungen korrekt und effizient ausführen. Eine klare Tagesstrukturierung hilft, die Kontrakturprophylaxe regelmäßig und konsistent durchzuführen. Dies umfasst die Integration von Bewegungs- und Dehnübungen in den täglichen Pflegeplan sowie die Festlegung von festen Zeiten für Positionswechsel und Mobilisationsmaßnahmen.
Die Dokumentation und Verlaufskontrolle sind wichtig, um den Fortschritt der Kontrakturprophylaxe zu überwachen und die Maßnahmen bei Bedarf anzupassen. Pflegekräfte sollten regelmäßig den Bewegungsstatus der Patienten dokumentieren, Fortschritte festhalten und etwaige Schwierigkeiten oder Schmerzen protokollieren. Die Maßnahmen zur Kontrakturprophylaxe sollten nahtlos in den täglichen Pflegealltag integriert werden, um eine kontinuierliche Anwendung zu gewährleisten. Dies umfasst die Schulung des Pflegepersonals in den verschiedenen Präventionsmaßnahmen, die Bereitstellung von notwendigen Hilfsmitteln und die Sicherstellung, dass alle Beteiligten die Bedeutung und Wichtigkeit der Kontrakturprophylaxe verstehen und umsetzen.
Rolle der Pflegekräfte und Physiotherapeuten
Pflegepersonal und Physiotherapeuten spielen eine zentrale Rolle in der Umsetzung der Kontrakturprophylaxe. Sie sind verantwortlich für die Durchführung der Bewegungsübungen, die Überwachung des Bewegungsstatus und die Anpassung der Präventionsstrategien entsprechend den individuellen Bedürfnissen der Patienten. Der Expert-Standard "Erhaltung und Förderung der Mobilität" bietet Leitlinien und Standards, die in der Pflegepraxis angewendet werden sollten. Diese Standards umfassen die systematische Risikoanalyse, die Planung und Durchführung gezielter Präventionsmaßnahmen und die regelmäßige Evaluation der Bewegungsfähigkeit der Patienten.
Finanzielle Aspekte
Die Gesundheitsversicherung und ärztliche Verordnungen können die Kosten für bestimmte Hilfsmittel und Therapien übernehmen, was die Umsetzung der Kontrakturprophylaxe erleichtert. Pflegekräfte sollten sich über die Möglichkeiten der Kostenübernahme informieren und diese Informationen an die Patienten weitergeben.
Expertenstandards
Expertenstandards werden entwickelt, um die Qualität im Pflegesegment zu erhöhen. Mit vordefinierten Zielen und Maßnahmen können Expertenstandards die ambulante und stationäre Versorgung von Pflegebedürftigen optimieren. Die Kontrakturprophylaxe hat keinen eigenen Expertenstandard, ist allerdings in den Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität“ eingebettet. Das oberste Ziel hierbei ist die Mobilität von Patienten zu erhalten und zu fördern. Fünf Schritte sind dabei besonders wichtig: 1. Mobilität einschätzen, 2. Maßnahmen planen, 3. Beratung, 4. Angebote und 5. Evaluation.
Aufgaben im Pflegealltag
Pflegefachpersonen im Pflegeheim oder eines ambulanten Pflegedienstes können mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog dafür sorgen, dass das Risiko im Pflegealltag erheblich sinkt.Dabei helfen folgende Aufgaben:
- Allgemeine Beobachtung des Gesundheitszustandes: Wie fühlt sich der Pflegebedürftige? Gibt es bereits Anzeichen auf eine Kontraktur wie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen?
- Risiken des Pflegebedürftigen erkennen: Besitzt der Pflegebedürftige Erkrankungen des Weichteilapparates oder der Gelenke?
- Umfeldbedingte und umweltbezogene Risiken analysieren: Wie wahrscheinlich ist es, dass die pflegebedürftige Person eine Kontraktur entwickelt - liegen Lähmungen, Schonhaltungen oder eine Bettlägerigkeit vor?
- Wünsche und Vorstellungen des Pflegebedürftigen mit einbeziehen: Welche Bewegungsformen lassen sich gut in den Pflegealltag einbringen, woran hat der Pflegebedürftige Freude?
- Umfang des Risikos identifizieren: Wie hoch ist das Risiko, dass der Pflegebedürftige in naher Zukunft eine Kontraktur entwickelt und welche Gelenke können betroffen sein?
- Geeignete Maßnahmen zusammenstellen: Welche Bewegungsübungen bieten sich für den Pflegebedürftigen an, welche sind erfolgversprechend?
- Information der Pflegebeteiligten: Welche Pflegepersonen, die beispielsweise im Pflegeheim mit dem Pflegebedürftigen in Berührung kommen, müssen die Informationen zur Kontrakturprophylaxe erhalten?
- Besprechung im Pflegeteam: Wer setzt die Maßnahmen der Kontrakturprophylaxe um? Inwiefern ist eine Mitarbeit des Pflegebedürftigen gefragt?
- Beratung des Betroffenen und der Angehörigen: Warum ist die Kontrakturprophylaxe erforderlich? Wie wird sie umgesetzt? Auf welche Weise können pflegende Angehörige helfen?
- Durchführung der Kontrakturprophylaxe: Gezielte Umsetzung der geplanten Maßnahmen.
- Anleiten bzw. Abgabe der Maßnahmen: Welche Maßnahmen können Pflegebedürftige und pflegende Angehörige für die Kontrakturprophylaxe übernehmen? Worauf müssen sie dabei achten?
- Evaluierung der Maßnahmen: Welchen Erfolg haben die Maßnahmen zu verzeichnen?
Tipps für pflegende Angehörige
Als pflegender Angehöriger können Sie eine wichtige Rolle bei der Kontrakturprophylaxe spielen. Achten Sie auf Risikofaktoren wie Inaktivität, Bettlägerigkeit, Schonhaltung und Lähmungen. Animieren Sie Ihren Angehörigen zu Bewegung, beziehen Sie ihn in alltägliche Aufgaben ein und führen Sie gezielte Übungen durch.
- Regelmäßige Durchführung: Die Gelenke sehnen sich nach regelmäßigen Bewegungen. Um einer Steifigkeit entgegenzuwirken, sollten Sie daher alle Gelenke mindestens einmal, besser zweimal, täglich bewegen. Planen Sie genügend Zeit dafür ein. Inklusive einer Erklärung und langsamem Vorgehen können Sie etwa 30 Minuten ansetzen.
- Schmerzgrenze berücksichtigen: Auch wenn Sie sich noch so sehr wünschen, dass Ihr Angehöriger mobil ist und bleibt, können vorhandene Schmerzgrenzen die Übungen limitieren. Gehen Sie über diese Schmerzgrenze nie hinaus, denn sie bewahrt den Körper vor Verletzungen.
- Angehörigen abholen: Während der Kontrakturprophylaxe ist es wichtig, Ihren Angehörigen mental abzuholen. Erklären Sie, was Sie vorhaben, warum das wichtig ist und warum Sie sich über die Mithilfe freuen würden.
- Eigeninitiative fördern: Bei den Übungen ist es wichtig, Ihrem Angehörigen nichts abzunehmen, was er selbstständig tun kann. Ist er beispielsweise in der Lage, die Handgelenke zu kreisen oder den Fuß zum Körper zu ziehen, sollte er das selbst tun. Leiten Sie Ihr Familienmitglied an und loben Sie situationsgerecht.
- Behagliche Atmosphäre schaffen: Die Kontrakturprophylaxe muss keine notwendige Pflegeaufgabe sein, die es abzuhaken gilt. Wie wäre es, wenn Sie daraus eine Routine machen, die zum Wohlbefinden Ihres Familienmitglieds beiträgt? Schaffen Sie eine schöne Lichtstimmung, machen Sie eine entspannte Musik an und geben Sie ein paar Tropfen ätherische Öle in eine Duftschale - auch Sie können dadurch eine Form der Entspannung erleben.
Wann sollte man pausieren?
Es gibt Tage, an denen sollten Sie aus Sicherheitsgründen lieber auf die Übungen zur Kontrakturprophylaxe verzichten. Hat Ihr Angehöriger ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, beispielsweise ausgelöst durch Infekte oder einen Fibromyalgieschub, können Sie mit ruhigen Gewissen eine Pause einlegen. Außerdem sollten Sie vorsichtig sein, wenn die Gelenke Ihres Angehörigen Entzündungsanzeichen aufweisen - hierzu gehören Rötung, Schwellung, Überwärmung oder Schmerzen. Besitzt Ihr Angehöriger Lähmungen, womöglich hervorgerufen durch einen Schlaganfall, bieten sich andere Behandlungskonzepte vielleicht besser an.
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