Kontrastmittelnebenwirkungen im Gehirn: Risiken und aktuelle Erkenntnisse

Kontrastmittel sind Substanzen, die bei bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um Strukturen im Körper besser sichtbar zu machen. Obwohl moderne Kontrastmittel besser untersucht und Sicherheitskriterien strenger beachtet werden, bleiben Risiken und Nebenwirkungen ein Thema, insbesondere im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf das Gehirn.

Die Geschichte der Kontrastmittel: Von Leberkrebs bis zu neuen Standards

Früher wurden Röntgen-Kontrastmittel eingesetzt, die als harmlos galten, aber bei Patienten reihenweise Leberkrebs verursachten. Seit 1950 ist das Mittel verboten. Moderne Kontrastmittel sind besser untersucht, Ärzte verwenden kleinere Mengen und beachten diverse Sicherheitskriterien, und die Zulassungsbehörden sind wachsamer.

Kontrastmittel in der Computertomographie (CT) und Röntgen

Kontrastmittel für die Computertomographie und das Röntgen enthalten meist Jod. Jodhaltige Kontrastmittel können bei eingeschränkter Nierenfunktion schädlich sein, weshalb diese vorher überprüft werden sollte. Sie können auch eine Überproduktion jodhaltiger Schilddrüsenhormone verursachen, weshalb sie bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion nur unter besonderen Vorkehrungen in Betracht kommen.

Allergische Reaktionen auf jodhaltige Kontrastmittel

Eine Nebenwirkung jodhaltiger Kontrastmittel sind allergische Reaktionen. Eine Untersuchung von fast 200.000 Patienten in Südkorea ergab, dass 0,6 % leichte Symptome zeigten, während bei einigen die Allergie schwerer ausfiel. Todesfälle traten jedoch nicht auf.

Kontrastmittel in der Magnetresonanztomographie (MRT)

Bei der Magnetresonanztomographie ist der zentrale Bestandteil meist das Metall Gadolinium, das an andere Moleküle gebunden ist. Es kann in seltenen Fällen bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion Fibrosen verursachen, die tödlich enden können. Deshalb muss auch hier die Nierenfunktion vorher überprüft werden.

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Gadolinium-Ablagerungen im Körper

Gadolinium kann sich im Körper ablagern, allerdings sind die Folgen noch unklar. Ärzte haben Gadolinium aus Kontrastmitteln im Gehirn und in anderen Körperregionen entdeckt. Dies liegt daran, dass eine der beiden Gruppen, an die Gadolinium in Kontrastmitteln gebunden wird, das Gadolinium nicht immer stabil genug bindet.

Risiken von Gadolinium

Es ist nicht endgültig zu sagen, wie gefährlich Gadolinium-Ablagerungen sind. Manche Menschen mit Kopfweh, Glieder- oder Nervenschmerzen führen ihre Beschwerden auf Gadolinium zurück, aber es ist nicht beweisbar, dass Gadolinium wirklich die Ursache ihrer Beschwerden ist.

Umgang mit Gadolinium-Kontrastmitteln: USA vs. Europa

Die Amerikaner halten die Gefahr für so unwahrscheinlich, dass sie sämtliche Gadolinium-Kontrastmittel weiterhin einsetzen. Die Zulassungsbehörde in Europa hingegen ist vorsichtiger und hat fast alle Mittel der unstabilen Gruppe verboten. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin warnt Patienten davor, aus überzogener Angst die Kontrastmittelgabe zu verweigern.

Verschiedene Arten von Kontrastmitteln und ihre Anwendungen

MRT-Kontrastmittel

Im Rahmen der Magnetresonanztomographie werden in einigen Standorten gadoliniumhaltige Kontrastmittel eingesetzt. Gadolinium hat besondere paramagnetische Eigenschaften und beeinflusst die Reaktion der Wasserstoffprotonen, deren Relaxationszeit in MRT-Untersuchungen durch das Kontrastmittel verändert wird. Hierdurch ergeben sich wiederum Unterschiede in der Bildgebung.

CT-Kontrastmittel

Anders als im MRT, das auf starke Magnetfelder setzt, sind in der Computertomographie Röntgenstrahlen im Einsatz, um Bilder des Körperinneren anzufertigen. Um Gewebe in den CT-Aufnahmen besser zu differenzieren, wird Jod als Kontrastmittel verwendet. Jod erreicht eine hohe Absorptionsrate und erscheint im CT-Scan heller. Für eine Abbildung des zerebralen Blutflusses kann auch ein Xenon-basierter CT-Scan erfolgen, bei dem das Xenongas über die Lunge aufgenommen wird.

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Röntgen-Kontrastmittel

Für Röntgenuntersuchungen des Magen-Darm-Trakts wird Bariumsulfat eingesetzt. Das Sulfat ist in Wasser schwer- bis unlöslich und wird als Suspension oral verabreicht. In Kombination mit Kohlendioxid oder Luft spricht man von einer Doppelkontrastuntersuchung.

Kontrastmittel im Ultraschall

Für einige Untersuchungen in der Sonographie wird ein spezielles Kontrastmittel verwendet, das kleine Gasbläschen (Microbubbles) enthält. Diese erzeugen in der Ultraschalluntersuchung hohe Amplituden und heben sich dadurch deutlich von der Umgebung ab. Die Mikrobläschen dringen nicht aus der Blutbahn ins Gewebe ein, sondern werden über die Atemwege abgeatmet.

Mögliche Reaktionen auf Kontrastmittel

Kontrastmittel auf Basis von Jod oder Barium bzw. Mikrobläschen im Ultraschall werden als Lösung oder Suspension mit anderen Inhaltsstoffen verabreicht. Hierdurch besteht immer die Gefahr unerwünschter Reaktionen und Wirkungen. Diese können durch die Einwirkung des Kontrastmittels, einzelner Bestandteile der Kontrastmittellösung, den Abbauprozess oder durch Verletzungen des Gewebes entstehen.

Allergische Reaktionen und Überempfindlichkeit

Reaktionen auf die Gabe des Kontrastmittels sind selten, können aber im schlimmsten Fall bis zum anaphylaktischen Schock reichen. Allergische Reaktionen auf Kontrastmittel treten meist akut auf, also innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach der Verabreichung. Milde Symptome sind beispielsweise leichte Bildung von Quaddeln oder Ödemen, leichter Juckreiz oder die Entstehung eines Erythems. Mittelgradige Reaktionen können Hautveränderungen oder pulmonale Reaktionen wie ein Bronchospasmus sein.

Nierenfunktionsstörungen durch Kontrastmittel

Unerwünschte Reaktionen in Bezug auf die Nierenfunktion sind gerade bei jodhaltigen Kontrastmitteln möglich, da die hier verwendeten Jodverbindungen über die Nieren verstoffwechselt werden. Die Kontrastmittel-induzierte Nephropathie (CIN) liegt vor, wenn in einem Zeitfenster zwischen 48 Stunden und 72 Stunden nach der Kontrastmittelgabe das Serumkreatinin über die festgelegten Grenzwerte steigt. Zu den Risikofaktoren gehören eine bereits bestehende Funktionsstörung der Nieren, eine sehr hohe Dosis des Kontrastmittels oder Begleiterkrankungen wie Diabetes. Es kann auch zur Entwicklung einer Nephrogenen Systemischen Fibrose (NSF) kommen, die allerdings erst Monate oder Jahre nach der Gabe des Kontrastmittels entsteht.

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Toxische Effekte von Gadolinium

In seiner freien Form ist Gadolinium giftig. Um als Kontrastmittel zum Einsatz zu kommen, wird es an Trägersubstanzen gebunden. In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien publiziert, die eine Abkopplung des Gadoliniums von einigen Trägersubstanzen nahelegen. Es wird vermutet, dass es zu einer Ablagerung des Kontrastmittels im Körper kommt. Ein mögliches Risiko bei der Verwendung von gadoliniumhaltigem Kontrastmittel ist die Entstehung der Nephrogenen Systemischen Fibrose.

Wechselwirkungen mit Medikamenten und Vorerkrankungen

Die Gabe von Kontrastmitteln kann zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führen. Unter anderem ist bei der Verabreichung von jodhaltigen Kontrastmitteln zu kontrollieren, ob Patienten Metformin einnehmen müssen. Zudem erhöht sich das Risiko für unerwünschte Reaktionen, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen. So erhöht sich bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion das Risiko für eine CIN oder die Nephrogene Systemische Fibrose. Dieses Risiko steigt auch bei verschiedenen Vorerkrankungen, zu denen Diabetes mellitus oder Herzinsuffizienz gehören. Darüber hinaus besteht ein höheres Risiko immer dann, wenn bereits nephrotoxische Medikamente eingenommen werden. Ebenfalls kritisch sind Allergien bzw. Asthma zu sehen.

Kontraindikationen für Barium-basierte Kontrastmittel

Aufgrund des Löslichkeitscharakters kann dessen Einsatz in bestimmten Situationen mit Risiken verbunden sein. So besteht die Gefahr einer Abwanderung bei einer Perforation des Magen-Darm-Trakts. Ebenfalls nicht eingesetzt werden sollte ein Kontrastmittel auf Basis von Bariumsulfat beim Vorliegen einer Verstopfung oder einem akuten Schub von schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Sicherheitsprotokolle und Patientenaufklärung

Um das Risiko insgesamt so gering wie möglich zu halten und die Qualität und Sicherheit in der Radiologie zu gewährleisten, werden umfassende Sicherheitsprotokolle eingehalten. Im Patientengespräch und der Aufklärung zur Untersuchung geht es auch um bereits bekannte Allergien sowie das Vorliegen von Asthma oder einer bestehenden Nierenfunktionsstörung. Anhand dieser Angaben kann gegebenenfalls eine Anpassung der Kontrastmittelgabe erfolgen.

Vorbereitung auf die Untersuchung

Um sich auf die radiologische Untersuchung mit Kontrastmittel vorzubereiten, sollten Patienten alle relevanten Labor- und Untersuchungsergebnisse bereithalten - auch in Bezug auf die Nierenfunktion. Dazu gehören der Kreatinin- und der TSH-Wert, deren Erhebung nicht zu lange zurückliegen darf. Hinsichtlich der Verringerung des Risikos unerwünschter Reaktionen spielen die Dosierung und die Gabe von niedrig-osmolaren Röntgenkontrastmitteln gerade bei jodhaltigen Kontrastmitteln eine Rolle. Im Hinblick auf das NSF-Risiko werden mittlerweile einige Kontrastmittelpräparate nicht mehr verwendet.

Medikamente und Kontrastmittel

Sollten Medikamente eingenommen werden, die mit dem Kontrastmittel in Wechselwirkung treten, erhalten Patienten aus der Radiologie besondere Empfehlungen. Im Fall der Gabe von Metformin sollten die Arzneimittel 48 Stunden vor der Gabe des Kontrastmittels abgesetzt werden. Zusätzlich ist beispielsweise die Einnahme von Diuretika zu prüfen, da es hier zu einer Dehydratation kommen kann, was wiederum das Risiko für unerwünschte Reaktionen erhöht.

Entwicklungen in der Kontrastmitteltechnologie

Besonders im Hinblick auf Nierenschäden, die mitunter erst nach Wochen oder Monaten in Erscheinung treten, ist die Medizin auf der Suche nach Alternativen. Ein möglicher Ansatz ist es, die Qualität der Messverfahren zu verbessern. Die Radiologie sucht parallel auch nach Alternativen zu bekannten Kontrastmitteln. Neue Studien beschäftigen sich zum Beispiel mit der Frage, inwiefern Maltit beziehungsweise Malitol, ein Zuckeralkohol, als Kontrastmittel in der Kernspintomographie zum Einsatz kommen kann. Die Suche nach Kontrastmitteln, die ein niedriges Risiko für unerwünschte Reaktionen bedeuten, steht aktuell im Fokus der Forschung.

Fazit: Risikofaktoren für radiologische Untersuchungen verringern

Zur Klärung verschiedener Fragestellungen werden Kontrastmittel eingesetzt, um Gewebe besser voneinander abzugrenzen. Damit gehen verschiedene Risiken für allergische Reaktionen, Entzündungen oder Störungen der Nierenfunktion einher. Daher verfolgt die Radiologie nicht nur das Ziel einer optimalen Bildgebung.

MRT-Kontrastmittel: Spezifische Risiken und Sicherheitsmaßnahmen

Mögliche Nebenwirkungen von MRT-Kontrastmitteln

  • Metallischer Geschmack im Mund
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Hautreaktionen
  • (Pseudo-)allergische Reaktion (deutlich seltener als beim Einsatz von Röntgen-KM; kann entsprechend medikamentös behandelt werden)

Strenge Indikationsstellung für die Gabe von MR-Kontrastmittel bei:

  • Stillenden Müttern (ist die Gabe von MR-Kontrastmittel unumgänglich, sollte das Stillen des Kindes mindestens 24 Stunden unterbrochen werden)
  • Patienten mit bekannter starker Funktionseinschränkung der Nieren (GFR ≤ 30ml/min kg KG) bzw. Dialysepflichtigkeit

Risiken in Abhängigkeit vom MR-Kontrastmittel-Typ:

In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass sich nach mehrfacher Gabe vereinzelter Kontrastmittel im Rahmen wiederholter MR-Untersuchungen Gadolinium als Bestandteil des Kontrastmittels im Gehirn ablagern kann. Weiterhin wurde im Zusammenhang mit der Gabe von MR-Kontrastmittel das Auftreten einer Nephrogenen Systemischen Fibrose (NSF) beschrieben.

Diese speziellen Risiken traten, wenn überhaupt, nur nach der Gabe linearer MR-Kontrastmittel (Omniscan®, Optimark® und Magnevist®) auf. Dem gegenüber gelten die verwendeten MR-Kontrastmittel (Dotarem® bei Kardio-MR-Untersuchungen, Gadovist® bei Becken/Bein-Angiographien) auf Grund ihres chemischen Aufbaus als besonders sicher; weder Fälle einer Nephrogenen Systemischen Fibrose (NSF) noch einer kontrastmittelinduzierten Nephropathie oder von Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn sind bei diesen Substanzen beschrieben worden.

Dennoch erfolgt die Gabe von Kontrastmittel nur nach Einzelfallentscheidung sowie in der niedrigstmöglichen Dosierung.

MRT mit und ohne Kontrastmittel: Wann ist es notwendig?

Die Magnetresonanztomographie liefert in der Regel sehr deutliche Aufnahmen von Gewebestrukturen. Bestimmte medizinische Fragestellungen machen jedoch die Gabe eines Kontrastmittels nötig. Das MRT Kontrastmittel erlaubt es den Medizinern, die einzelnen Gewebearten besser voneinander zu unterscheiden.

Anwendung von MRT-Kontrastmitteln

Bei einem MRT vom Kopf muss der Arzt feinste Strukturen im Kopf bzw. Hirn des Patienten voneinander unterscheiden können. Das MRT Kontrastmittel erlaubt eine genauere Darstellung der Nervenstrukturen, wodurch sich eventuelle Schäden und Tumore schneller erkennen lassen. Auch geschlossene Blutgefäße, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, werden durch das Kontrastmittel besser sichtbar. Insbesondere auch bei Multipler Sklerose hilft es, versteckte Entzündungsherde festzustellen. Beim MRT vom Knie sorgt das Kontrastmittel für einen guten Kontrast zwischen den verschiedenen Weichteilstrukturen.

Alternativen zum MRT mit Kontrastmittel

Da gängige Kontrastmittel für den Körper belastend sein können, erforschen Mediziner zudem Alternativen. Wissenschaftlern ist es zum Beispiel gelungen, Gehirntumore mithilfe von Traubenzucker (Glukose) darzustellen.

Nebenwirkungen und Risiken von MRT-Kontrastmitteln

Gesunde Menschen vertragen MRT Kontrastmittel in der Regel gut. Gelegentlich treten leichte Nebenwirkungen wie ein Wärme-, Kälte- oder Kribbelgefühl in den Extremitäten auf. In seltenen Fällen löst das Kontrastmittel allergische Reaktionen aus. Wird trotz Nierenfunktionsstörung ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel verabreicht, kann dies zur sogenannten nephrogenen Fibrose führen. Eine MRT Untersuchung mit Hilfe von Gadolinium kann als Nebenwirkung zu einer Vergiftung mit dem Schwermetall führen.

Gadolinium-Ablagerungen im Körper: Was bedeutet das?

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass MRT Kontrastmittel nach wenigen Stunden wieder ausgeschieden werden. Es lagert sich unter anderem in der Leber, den Nieren, Haut, Knochen und im Gehirn an und lässt sich dort noch Monate bis Jahre nach der MRT Untersuchung nachweisen. Bislang gibt es noch keine eindeutigen Hinweise darauf, welche Gesundheitsschäden genau abgelagertes Gadolinium hervorrufen kann. Jedoch weisen Patienten mit einer Gadolinium-Vergiftung oftmals ein breites Spektrum an Symptomen auf, wie Kopf-, Knochen- und Ganzkörperschmerzen, Schwäche, Muskelzuckungen sowie Konzentrationsprobleme und Müdigkeit. Mit jeder erneuten Gabe eines MRT Kontrastmittels reichert sich das Schwermetall weiter im Körper an, damit steigt auch das Gesundheitsrisiko.

Einschränkungen bei der Verwendung von Gadolinium-Kontrastmitteln

Aufgrund der Risiken des Kontrastmittels ruht auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) daher seit dem 1. Das Gutachten des Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) stellt fest: „Zurzeit gibt es keine Evidenz dafür, dass Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn bei Patienten Schaden verursacht haben.

Unterschiedliche Einschätzungen in Europa und den USA

Die EU folgt bei der Risiko-Bewertung der Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn einem sogenannten „precautionary approach“ und geht davon aus, dass das potenzielle Risiko von Gadolinium-Ablagerungen durch die Verwendung von makrozyklischen Präparaten reduziert werden kann. Im Gegensatz zur EU sieht die US-Arzneimittelbehörde FDA derzeit keinen Handlungsbedarf.

Die Rolle der linearen und makrozyklischen Kontrastmittel

Versuche an Tieren zeigen, dass alle GBCAs - lineare und makrozyklische - 24 Stunden nach Injektion in ähnlichem Ausmaß zunächst im Liquor und dann im Gehirn nachgewiesen werden können. Vier Wochen später werden jedoch erheblich höhere Gadolinium-Mengen bei Gabe linearer GBCAs im Gehirn gefunden, während für makrozyklische GBCAs die Gadolinium-Menge knapp über der Nachweisgrenze liegt. Die Aussage, dass alle Kontrastmittel Gadolinium ablagern, ist daher nur teilweise korrekt.

Alternativen zu gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln

Es wird derzeit stark an kontrastmittelfreien Techniken in der MRT geforscht. Am deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg konnten wir kürzlich unter anderem zeigen, dass auch Zucker in Hirntumor-Patienten potenziell als Kontrastmittel verwendet werden kann. Weiterhin denke ich, dass die Diffusionsbildgebung, die ganz ohne Kontrastmittel auskommt, in der Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird.

Die Zukunft der Kontrastmittel in der medizinischen Bildgebung

Es wird erwartet, dass es nicht zu einem generellen Verbot von Gadolinium-Kontrastmitteln kommen wird, da der klinische Nutzen der GBCAs viel zu hoch ist. Es besteht die Hoffnung, dass sich die Debatte zumindest in Europa durch das Ruhen der Zulassung für die linearen GBCAs beruhigen wird. Es wird erwartet, dass in der Zukunft kontrastmittelfreie Verfahren wie die MR-Diffusion oder Methoden der Artificial Intelligence an Bedeutung gewinnen werden und die Kontrastmittelgabe an einigen Stellen entbehrlich sein wird.

Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn: Ein europäisches Risikobewertungsverfahren

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel verbessern die Aussagekraft der Magnetresonanztomographie (MRT). Nun haben Studien gezeigt: Sehr wahrscheinlich lagern sich Spuren von Gadolinium im Gehirn von Patienten ab, die MRT-Untersuchungen mit diesen Kontrastmitteln erhalten. Ein Risikobewertungsverfahren auf europäischer Ebene soll nun Klarheit schaffen.

Was steckt hinter den Gadolinium-Ablagerungen?

Die zugelassenen Kontrastmittel enthalten häufig das Element Gadolinium, das im Komplex mit unterschiedlichen chemischen Verbindungen vorliegt. Kontrastmittel reichern sich in stark durchbluteten Geweben an, zum Beispiel in vielen Tumoren, die dadurch besser sichtbar werden.

Das europäische Risikobewertungsverfahren

Das Bewertungsverfahren wurde durch die Europäische Kommission angestoßen. Es wird vom Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) durchgeführt, dessen Empfehlung dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) als fachliche Grundlage seiner Begutachtung dienen wird. Untersucht werden soll, mit welchen gesundheitlichen Auswirkungen Patienten rechnen müssen, wenn sich in ihrem Gehirn und in anderen Geweben infolge einer Kontrastmittelgabe Gadolinium ablagert.

Die Toxizität von freiem Gadolinium

Freies Gadolinium ist hoch toxisch. Das hängt damit zusammen, dass Gadolinium-Ionen ähnlich groß sind wie Kalzium-Ionen. Deshalb kann Gadolinium unter anderem der Funktion von Kalzium an Muskeln (auch dem Herzmuskel) und bei der Blutgerinnung entgegenwirken. Bisher gibt es nach Aussagen des Bundesministeriums für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zwar keine Hinweise darauf, dass im Gehirn abgelagertes Gadolinium tatsächlich zu Symptomen oder Nebenwirkungen führt. Trotzdem soll die Sicherheit von Gadolinium-Kontrastmitteln jetzt systematisch untersucht werden, um mögliche Risiken zu finden oder auszuschließen.

Empfehlungen von Experten

Verschiedene Expertengremien und Fachleute haben bislang eigene Empfehlungen und Sichtweisen veröffentlicht. Auf diese können Ärzte bei der Beratung von Patienten zurückgreifen, bis abschließende Bewertungen der Arzneimittelbehörden vorliegen.

Kontrastmittel in der medizinischen Bildgebung: Ein Überblick

Kontrastmittel sind Substanzen, die in der medizinischen Bildgebung eingesetzt werden, um bestimmte Gewebe oder Strukturen im Körper sichtbar zu machen. Dies geschieht durch den Einsatz von für den Körper i.d.R. unschädlichen Substanzen, die in den verschiedenen Körpergeweben unterschiedlich stark absorbiert oder reflektiert werden und so deutlich mehr Kontrast im Bild erzeugen.

Anwendung von Kontrastmitteln

Kontrastmittel werden in der Regel durch Injektion in eine Armvene verabreicht. Die Anwendungsgebiete von Kontrastmitteln sind vielfältig und liefern vor allem in der Diagnostik und Verlaufskontrolle wichtige Zusatzinformationen.

Mögliche Nebenwirkungen von Kontrastmitteln

Normalerweise gelten Kontrastmittel als nebenwirkungsarm. Dennoch kann es in Einzelfällen zu Nebenwirkungen kommen.

  • Wärmegefühl: Nach der Injektion von Kontrastmittel kann es zu einem Wärmegefühl im Körper kommen. Dieses Gefühl kann einige Minuten anhalten.
  • Hautreötung oder Hautausschlag: Da Kontrastmittel körperfremde Stoffe enthalten, können sie auch lokale Reaktionen wie Hautrötungen oder Ausschläge mit Quaddeln auf der Haut hervorrufen.
  • Schwere Nebenwirkungen: Kontrastmittel können in seltenen Fällen auch schwere Nebenwirkungen haben. Dazu gehören eine allergische Reaktion oder ein anaphylaktischer Schock, bei dem sich die Blutgefäße aufgrund einer allergischen Reaktion auf das Kontrastmittel stark erweitern und der Kreislauf reagiert. Zusätzlich kommt es dann oft zu Atemnot.
  • Nierenschädigung: Außerdem können einige Kontrastmittel die Nieren schädigen, insbesondere wenn diese vorgeschädigt sind und das Kontrastmittel nicht mehr ausreichend ausscheiden können. In seltenen Fällen kann es bei MRT auch zur sogenannten nephrogenen systemischen Fibrose (= NSF) kommen, bei der sich Gadolinium im Körpergewebe ablagert und zu einer Fibrotisierung von Haut und Organen führen kann.

Wichtige Informationen für Patienten vor einer Kontrastmitteluntersuchung

Vor einer Kontrastmitteluntersuchung sollten Sie von einem Radiologen aufgeklärt werden. Wenn Sie Medikamente einnehmen, Implantate im Körper haben, vermuten, schwanger zu sein, unter Klaustrophobie leiden oder bei der letzten Untersuchung eine allergische Reaktion auf das Kontrastmittel hatten, sollten Sie dies Ihrem Radiologen unbedingt mitteilen. Am Untersuchungstag sollten Sie bequeme Kleidung ohne Metallgegenstände tragen und Schmuck, Uhren und Piercings ablegen. Wenn Sie keine Kontrastmitteluntersuchung wünschen, sollten Sie dies dem Personal so früh wie möglich mitteilen.

Kontrastmittel in verschiedenen bildgebenden Verfahren

Die wichtigste Anwendung von Kontrastmitteln ist neben der MRT die CT. Auch in der Computertomographie (= CT) werden sie zur Darstellung von Gewebeunterschieden und Gefäßverläufen verwendet. Neben der CT werden Kontrastmittel auch in der Ultraschalldiagnostik und der Endoskopie eingesetzt.

Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn: Aktuelle Empfehlungen

Gadolinium, ein Bestandteil von Kontrastmitteln für die MRT, kann sich nach der Untersuchung im Gehirn ablagern. Bislang ist unklar, ob die Ablagerungen zu gesundheitlichen Schäden führen. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) rät jedoch, die Kontrastmittel vorerst nur bei unvermeidbaren Untersuchungen einzusetzen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Prüfung zu Gadolinium eingeleitet.

Risiken bei Patienten mit Nierenschwäche

„Wenn Gadolinium bei Patienten mit Nierenschwäche länger im Körper bleibt, kann es sich in Haut und Organen ablagern und eine schwere Bindegewebserkrankung auslösen, die Nephrogene Systemische Fibrose“, sagt Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorstandsvorsitzender des BDN. Die Kontrastmittel dürfen deshalb bei Patienten mit erheblich eingeschränkter Nierenfunktion nicht mehr eingesetzt werden.

Ablagerungen im Gehirn: Ein wachsendes Problem?

Kürzlich wurde in der medizinischen Literatur nun auch über Ablagerungen von Gadolinium im Gehirn von Patienten berichtet. Aktuell prüft die US-Arzneibehörde Berichte, in denen das Metall noch Jahre nach den Untersuchungen in verschiedenen Hirnstrukturen gefunden wurde. „Betroffen waren Patienten mit vier oder mehr Kontrast-MRT“, sagt Moka. „Das Risiko steigt offenbar mit der Anzahl der Untersuchungen.“

Alternativen zur MRT mit Kontrastmittel

Mehrfachuntersuchungen, die wegen des fehlenden Strahlenrisikos bei der MRT bislang als unbedenklich eingestuft werden, sollten Patienten daher nach Möglichkeit vermeiden. Vorerst verzichtbar ist nach Einschätzung des BDN zudem das Herz-MRT.

Die Myokardszintigraphie als Alternative

Für all diese Aspekte steht uns mit der Myokardszintigraphie eine alternative Untersuchungsmethode zur Verfügung, die ebenso zuverlässig wie sicher ist“, erläutert Moka. Um die Pumpfunktion des Herzmuskels zu prüfen, kommt wahlweise auch Ultraschall in Frage.

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