Kopftremor bei Parkinson: Ursachen und Behandlung

Tremor, im Allgemeinen als Muskelzittern bekannt, ist ein häufiges Symptom, das viele Menschen betrifft. Obwohl er oft mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht wird, kann Tremor verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, der Diagnose und den Behandlungsmöglichkeiten von Tremor, insbesondere im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit.

Was ist ein Tremor?

Tremor bezieht sich auf unwillkürliches, sich wiederholendes Muskelzittern, das durch abwechselnde Kontraktion und Entspannung von Muskeln verursacht wird. Es gibt verschiedene Arten von Tremor, die sich in der betroffenen Körperregion, der Stärke, der Frequenz und dem Zeitpunkt des Auftretens (in Ruhe oder bei Bewegung) unterscheiden. Während ein geringfügiger physiologischer Tremor bei gesunden Menschen normal ist, kann ein pathologischer Tremor auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen.

Ursachen von Tremor

Tremor kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Krankheiten: Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Neuropathien und bestimmte Syndrome können symptomatisch Tremor verursachen.
  • Medikamente und Toxine: Einige Medikamente, Toxine und Nervenverletzungen können ebenfalls Tremor auslösen.
  • Essentieller Tremor: In manchen Fällen tritt Tremor ohne erkennbare Grunderkrankung auf und wird als essentieller Tremor bezeichnet.

Formen von Tremor

Tremor kann nach verschiedenen Kriterien klassifiziert werden. Die gebräuchlichste Einteilung erfolgt jedoch in Ruhetremor, Haltetremor und Aktionstremor (Zieltremor).

Ruhetremor

Ein Ruhetremor tritt auf, wenn sich die Muskulatur in Ruhe befindet. Das Zittern lässt typischerweise bei willkürlichen Bewegungen nach. Stresssituationen können den Ruhetremor verstärken. Ein Ruhetremor ist häufig ein Kennzeichen des Parkinson-Syndroms.

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Haltetremor

Der Haltetremor tritt auf, wenn die Muskulatur gegen die Schwerkraft arbeitet, beispielsweise beim Halten eines Gegenstandes mit ausgestreckten Armen. Das Zittern verschwindet in der Regel, sobald die Muskeln entspannt sind. Der Haltetremor ist typisch für den essentiellen Tremor, dessen Ursache unklar ist, bei dem aber vermutlich genetische Faktoren eine Rolle spielen. Der essentielle Tremor tritt häufiger bei Menschen um das 40. Lebensjahr auf und betrifft beide Arme bzw. Hände symmetrisch. Stress kann das Zittern verstärken, während Alkoholkonsum es kurzzeitig lindern kann.

Zieltremor

Der Zieltremor, auch Intentionstremor genannt, tritt bei zielgerichteten Bewegungen auf. Das Zittern wird beispielsweise beim Greifen nach einem Gegenstand beobachtet. Oftmals tritt begleitend eine Dysmetrie auf, bei der die Betroffenen Entfernungen schlecht einschätzen können und beispielsweise versehentlich ein Glas umstoßen. Ein Zieltremor ist in der Regel ein Zeichen für eine Schädigung des Kleinhirns, das für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und die Koordination von Bewegungsabläufen zuständig ist. Ursächlich kann eine Grunderkrankung wie Multiple Sklerose sein.

Tremor und Parkinson

Tremor ist ein Hauptsymptom der Parkinson-Krankheit, weshalb ein klarer Zusammenhang besteht. Typischerweise tritt ein Ruhetremor auf, der sich bei Ausführung einer Zielbewegung bessert oder verschwindet. Weitere Symptome der Parkinson-Krankheit sind Bewegungsarmut, Muskelsteifheit und Instabilität beim Gehen. Ursächlich ist ein Dopaminmangel im Gehirn, der die Koordination von Bewegungsabläufen stört. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Parkinson-Krankheit nur eine von vielen möglichen Ursachen für Tremor ist. Eine gründliche Diagnose ist daher unerlässlich, wenn ungewöhnliches Muskelzittern auftritt.

Diagnose von Tremor

Da Tremor ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung sein kann, ist es wichtig, die Ursache des Zitterns zu ermitteln. Nicht jeder Tremor ist krankhaft und bedarf einer weiteren Untersuchung. Ein behinderndes Muskelzittern sollte jedoch in jedem Fall näher untersucht werden.

Die Diagnose umfasst in der Regel:

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  1. Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erfasst detailliert die Art und den Verlauf des Tremors.
  2. Neurologische Untersuchung: Der Arzt führt eine neurologische Untersuchung durch, um die Art des Tremors (Ruhe-, Halte- oder Zieltremor) zu bestimmen und andere neurologische Anzeichen zu beurteilen. Der Arzt bittet den Patienten, bestimmte Bewegungen auszuführen und Muster und Sätze zu Papier zu bringen. Zum Ausschluss eines Haltetremors werden die Patienten oft gebeten, einen Gegenstand wie beispielsweise ein Glas vom Körper entfernt zu halten.
  3. Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenprobleme oder andere Grunderkrankungen auszuschließen.
  4. Bildgebung: Eine Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) kann erforderlich sein, um strukturelle Anomalien oder Erkrankungen des Gehirns auszuschließen.
  5. Weitere Untersuchungen: Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen wie eine Lumbalpunktion (Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit) oder eine Elektromyografie (EMG) durchgeführt werden. Bei der EMG kann die Muskelaktivität und somit die Frequenz des Tremors festgestellt werden. Wird eine Parkinson-Erkrankung als zugrundeliegende Ursache vermutet, dann kann ergänzend eine Szintigrafie durchgeführt werden, bei der den Patienten eine geringe Menge eines speziell markierten radioaktiven Stoffes appliziert wird, um Dopaminrezeptoren oder Dopamintransporter im Gehirn darzustellen. Weiterhin kann auch die Besserung der Symptome durch eine Dopamingabe wichtige Hinweise liefern.
  6. Tremoranalyse: Zur Quantifizierung der Tremorstärke und -frequenz sowie zur Differenzierung von Tremorerkrankungen wird die sogenannte Tremoranalyse durchgeführt. Hierdurch ist eine Unterscheidung zwischen einem zentralen oder peripheren Tremor möglich.
  7. Ausschlussdiagnose: Der essentielle Tremor ist eine Ausschlussdiagnose, bei der keine zugrundeliegende Erkrankung festgestellt werden kann.

Tremor Behandlung

Die Behandlung von Tremor zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Viele der dem Tremor zugrundeliegenden Krankheiten sind nicht heilbar, durch die Therapie lassen sich lediglich die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. Die Behandlungsstrategien hängen von der Ursache und dem Schweregrad des Tremors ab.

Physiotherapie

Die Physiotherapie ist eine grundlegende begleitende Maßnahme bei degenerativen neurologischen Erkrankungen, um die Bewegungsfähigkeit der Patienten so weit wie möglich zu erhalten. Gegen den Tremor selbst vermag Physiotherapie wenig auszurichten. Allerdings können Tricks erlernt werden, die Erkrankten alltägliche Bewegungsabläufe wie Essen oder Schreiben erleichtern.

Medikamente

Bislang existieren noch keine speziell gegen Tremor entwickelten (wirksamen) Arzneien. Bewährt haben sich Antikonvulsiva (gegen Epilepsie), Betablocker (Blutdrucksenker) und sehr niedrig dosierte Botox-Injektionen. All diese Medikamente haben allerdings starke Nebenwirkungen, zudem kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen.

Medikamente, die zur Behandlung von Tremor eingesetzt werden können, sind:

  • Betablocker: Diese Medikamente können helfen, Tremor zu reduzieren, insbesondere bei essentiellem Tremor.
  • Antikonvulsiva: Einige Antikonvulsiva können ebenfalls bei der Behandlung von Tremor wirksam sein.
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Injektionen von Botulinumtoxin können bei bestimmten Arten von Tremor, wie z. B. dystonem Tremor, helfen.
  • Dopamin-Medikamente: Bei Parkinson-bedingtem Tremor können Medikamente, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen, die Symptome lindern.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Zunehmend wird Tremor neurochirurgisch behandelt. Die so genannte Tiefe Hirnstimulation kann Patienten helfen, bei denen Medikamente nicht anschlagen oder zu starke Nebenwirkungen haben. Bei der tiefen Hirnstimulation werden die Bereiche des Gehirns, die für das Zittern verantwortlich sind, mit einer Elektrode dauerhaft erregt, was die Aktivität der motorischen Nervenzellen beeinflusst.

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Dafür verschafft sich der Neurochirurg durch ein kleines Bohrloch Zugang zum Gehirn. Durch bildgebende Verfahren wird genauestens ermittelt, wo die Elektrode platziert werden soll. Die Elektrode wird mit einem Bedienelement verbunden, das auf der Brust des Patienten unter der Haut platziert wird. Idealerweise geschieht dies unter örtlicher Betäubung, was eine sofortige Erfolgskontrolle erlaubt. Der Eingriff ist komplett reversibel, komplikationsarm und bedeutet in vielen Fällen eine erhebliche Besserung der Symptome.

Weitere Behandlungsansätze

  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können Patienten helfen, Strategien zu entwickeln, um alltägliche Aufgaben trotz Tremor zu bewältigen.
  • Logopädie: Bei Tremor, der die Stimme betrifft, kann Logopädie helfen, die Sprechfähigkeit zu verbessern.
  • Unterstützende Maßnahmen: Hilfsmittel wie spezielle Stifte oder Besteck können Patienten mit Tremor das Leben erleichtern.

Spezialisten für die Tremor-Behandlung

Tremor kann das Symptom einer neurologischen Erkrankung sein. Somit sind Fachärzte für Neurologie die kompetentesten Ansprechpartner rund um die Diagnostik und Therapie eines Tremors. Speziellere Verfahren wie die tiefe Hirnstimulation werden durch Fachärzte für Neurochirurgie durchgeführt.

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