Spina Bifida beim Baby: Ursachen, Symptome und Behandlung

Spina bifida, umgangssprachlich auch als "offener Rücken" oder "Spaltwirbel" bekannt, ist eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule, die sich während der Schwangerschaft entwickelt. Dabei schließt sich das Neuralrohr, aus dem sich Gehirn und Rückenmark bilden, nicht vollständig. Diese Neuralrohrfehlbildung kann verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen, wobei die Fähigkeit zum Laufen besonders gefährdet ist. Im Durchschnitt ist eines von 1.000 Neugeborenen betroffen, wobei Mädchen häufiger betroffen sind als Jungen.

Entstehung und Ursachen der Spina Bifida

Die genauen Ursachen der Spina bifida sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Die Spina bifida ist eine Fehlbildung des Neuralrohrs, das etwa in der vierten Woche der embryonalen Entwicklung angelegt wird. Da sich aus dem Neuralrohr später die Wirbelsäule mit dem Rückenmark und seinen Rückenmarkshäuten bildet, kann eine solche Fehlbildung zu verschiedenen Störungen führen.

Ein bekannter Risikofaktor ist ein Mangel an Folsäure während der Schwangerschaft. Folsäure ist ein B-Vitamin, das der Blutbildung dient und eine große Rolle bei allen Zellteilungs- und Wachstumsprozessen spielt. Selbst mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist der Bedarf an Folsäure beim ungeborenen Leben jedoch nicht zu decken. Wichtige Folsäurelieferanten sind Blattgemüse wie Spinat oder Salat, aber auch Vollkornmehl und Rinderleber.

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente (wie Valproinsäure/Valproat oder Carbamazepin) während der Schwangerschaft kann das Risiko erhöhen. Diese Medikamente werden vor allem bei der Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Des Weiteren steigern ein schlecht eingestellter Diabetes und Übergewicht während der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit einer Spina bifida.

Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht, wenn in der Familie bereits eine Spina bifida aufgetreten ist. Ist bereits ein Geschwisterkind erkrankt, ist die Wahrscheinlichkeit der Fehlbildung bei weiteren Kindern erhöht.

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Die Rolle der Folsäure

Es ist zwar nicht geklärt, auf welche Art genau Folsäure einer Spina bifida vorbeugt - aber, dass sie es tut, ist gut erforscht. Fachleute schätzen, dass die Einnahme von Folsäurepräparaten vor der Empfängnis und in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft bis zu sieben von zehn Spina-bifida-Fällen verhindern kann. Die vorbeugende Einnahme von Folsäure hat dazu beigetragen, dass die Häufigkeit von Spina bifida im Laufe des 20. Jahrhunderts gesunken ist. Frauen mit Kinderwunsch sollten schon vor der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure beginnen. Die empfohlene Dosis liegt bei 0,4 Milligramm pro Tag.

Formen der Spina Bifida

Spina bifida setzt sich aus den beiden lateinischen Begriffen spina („Stachel“, „Dorn“) und bifidus („in zwei Teile gespalten“) zusammen. Es gibt verschiedene Arten der Spina bifida, die sich in ihrem Schweregrad unterscheiden:

  • Spina bifida occulta (geschlossene Form): Bei dieser mildesten Form ist ein oder mehrere Wirbelbögen nicht vollständig geschlossen. Die Spina bifida occulta ist oft von Haut bedeckt und von außen nicht sichtbar. In der Regel sind Rückenmark und Nerven nicht geschädigt, weshalb diese Form oft keine Beschwerden verursacht. Sie kann jedoch zu einer späteren Beeinträchtigung des Rückenmarks oder zu einem sogenannten Wasserkopf führen.
  • Spina bifida aperta (offene Form): Hierbei handelt es sich um eine schwerere Form, bei der das Rückenmark und die Nerven durch eine offene Wirbelspalte hervorstehen. Diese Form wird auch als Spina bifida cystica bezeichnet und hat mehrere Unterarten:
    • Meningozele: Die Rückenmarkshäute (Meningen), die das Rückenmark schützend umgeben, treten durch die Öffnung in der Wirbelsäule aus. Am Rücken entsteht eine sackartige Ausstülpung, die Rückenmarksflüssigkeit, aber kein Rückenmark enthält. Oft ist das Rückenmark selbst unbeschädigt, weshalb die Symptome leichter ausfallen können.
    • Myelomeningozele: Dies ist die schwerste Form der Spina bifida. Der Wirbelkanal ist meist entlang mehrerer Rückenwirbel offen. Wie bei der Meningozele kommt es zu einer sackartigen Ausstülpung am Rücken des Babys. In diesem Fall enthält der Sack nicht nur Rückenmarksflüssigkeit, sondern auch Rückenmark und Rückenmarksnerven. Nervenschäden sind daher wahrscheinlich, weshalb eine Spina aperta schwerwiegende Folgen in Form von Lähmungen haben kann. Wie schwer mögliche Lähmungen sind, hängt auch davon ab, auf welcher Höhe des Rückens der Defekt liegt.
    • Myeloschisis: Bei dieser Form des Spaltwirbels handelt es sich um die schwerste Form der Spina bifida.

Symptome und Folgen der Spina Bifida

Wie schwer die Folgen eines offenen Rückens sind, ist sehr unterschiedlich. Viele Menschen mit Spina bifida occulta leben völlig beschwerdefrei. Sind jedoch Rückenmark oder Rückenmarksnerven geschädigt, kommt es zu Lähmungen und Gefühlsstörungen, die auch die darunter liegenden Segmente des Rückenmarks betreffen. Die Lähmungen hängen daher davon ab, in welchem Bereich der Wirbelsäule und in welchem Umfang das Rückenmark des ungeborenen Kindes geschädigt worden ist.

Die Symptome und Folgen von Spina bifida hängen von der Schwere und Lokalisation der Fehlbildung ab. So zeigen Kinder beispielsweise bei einer Spina bifida occulta oft keine Symptome oder Defekte.

Mögliche Beschwerden durch Spina bifida:

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  • Bewegungseinschränkungen & Lähmungen: Besonders bei einer Myelomeningocele können Lähmungen der unteren Extremitäten auftreten. Diese können zu Fehlstellungen und Fehlbelastungen führen, besonders häufig entwickeln Betroffene eine Skoliose. Durch Muskellähmungen kann auch ein sogenannter Klumpfuß (Pes equinovarus) entstehen. In orthopädischen Eingriffen können jedoch gesunde Muskeln so verlagert werden, dass sie die Funktion der gelähmten Muskeln übernehmen und die Kinder zumindest mit Hilfsmitteln gehfähig sind. Ist bei der Spina bifida aperta das Rückenmark betroffen, können verschiedene Symptome der Myelomeningozele auftreten: Beeinträchtigungen beim Gehen, Lähmung der Beine, Muskelschwund, Empfindungsstörungen (Oberflächen-/Tiefensensibilität), Fußderformitäten wie Hacken- oder Klumpfüße und Hüftgelenksluxationen.
  • Hydrocephalus: Der sogenannte “Wasserkopf”, eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn, tritt bei 80 % der Patient*innen mit schwerer Form der Spina bifida auf, da die Hirnflüssigkeit nicht mehr ungehindert fließen kann. Neun von zehn Babys mit Spina bifida werden mit einem unterschiedlich stark ausgeprägten Hydrozephalus geboren, im Volksmund auch als „Wasserkopf“ bezeichnet. Dabei staut sich das Gehirnwasser (Liquor) und kann Druck auf das Gehirn ausüben.
  • Blasen- & Darmprobleme: Weitere Symptome der Spina bifida sind Inkontinenz oder andere Funktionsstörungen. Da die Nerven zur Blase und zum Mastdarm als letzte Nerven den Rückenmarkskanal verlassen, haben Betroffene häufig Schwierigkeiten, Urin und Stuhl zu kontrollieren.
  • Tethered Cord Syndrom: Außerdem besteht bei einer Spina bifida ein erhöhtes Risiko, dass das Rückenmark mit dem Wirbelkanal verwachsen ist. Da die Wirbelsäule im späteren Leben schneller wächst als das Rückenmark, wird das Rückenmark in die Länge gezogen und kann geschädigt werden (Tethered Cord Syndrom), wodurch im späteren Leben Blasen- und Mastdarmstörungen sowie Lähmungen auftreten oder sich verschlimmern können.
  • Fehlbildungen von Wirbelsäule und Beinen
  • Querschnittslähmung

Diagnose der Spina Bifida

Die Diagnose der Spina bifida kann pränatal durch Ultraschalluntersuchungen und Bluttests gestellt werden. Eine Spina bifida lässt sich in der Regel schon vor der Geburt durch Ultraschalluntersuchungen erkennen. Außerdem geben erhöhte Werte des Alpha-Fetoproteins im mütterlichen Blut oder im Fruchtwasser Hinweise auf die Erkrankung des Fötus. Zwischen der 16. und der 18. Schwangerschaftswoche werden Eiweißstoffe im Blut schwangerer Frauen beim sogenannten Triple-Test unter anderem auf Alpha-Fetoprotein untersucht. Im Rahmen der Pränataldiagnostik kann so eine Risikoabschätzung über Fehlbildungen beim ungeborenen Kind erfolgen. Auf Grundlage des Ergebnisses entscheiden die Eltern über eine weitergehende Fruchtwasseruntersuchung.

Nach der Geburt erfolgt die Diagnostik der Spina bifida meist durch körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie MRT und CT. Leichte Fälle können jedoch bis zur Geburt unbemerkt bleiben.

Behandlung der Spina Bifida

Eine vollständige Heilung der Spina bifida ist nicht möglich. In der Therapie der Spina bifida ist es jedoch möglich, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung hängt von der Art der Spina bifida ab. Während bei der Spina bifida occulta oft keine Behandlung nötig ist, muss die offene Spina bifida operiert werden. Dies kann schon vor der Geburt (pränatal) im Mutterleib geschehen oder spätestens innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt.

Chirurgische Eingriffe

  • Operation im Mutterleib (Pränataler Eingriff): Bei einem pränatalen Eingriff operieren Chirurgen und Chirurginnen das ungeborene Kind in der Gebärmutter. Sie entfernen die Ausstülpung am Rücken und vernähen die Öffnung direkt im Mutterleib. Moderne Operationstechnik ermöglicht es, den Eingriff minimalinvasiv, also ohne große Schnitte durchzuführen. Eingriffe im Mutterleib erfordern sehr erfahrene Operationsteams in spezialisierten Zentren und sind nicht in allen Fällen sinnvoll. Die Eingriffe sind zudem auch mit Risiken für das Kind und die Mutter verbunden. Durch die pränatale Operation können weitere Schädigungen der Nerven während der Schwangerschaft vermieden werden. Eine große Studie, bei der die Kinder nach dem Zufallsprinzip einer vorgeburtlichen beziehungsweise nachgeburtlichen Operation zugewiesen wurden, zeigte, dass vorgeburtlich operierte Kinder nach der Geburt eine deutlich bessere Beweglichkeit hatten und weniger unter Beschwerden litten. Einem Bericht des „Ärzteblatts“ zufolge bestätigt eine Studie, dass Kinder mit Spina bifida von der vorgeburtlichen Behandlung profitieren. Die JAMA Pediatrics Studie verglich Kinder, die im Mutterleib operiert wurden, mit Kindern, bei denen der Eingriff im Säuglingsalter vorgenommen wurde: Von den vorgeburtlich operierten Kindern konnten mehr als 50 Prozent im Schulalter eine Strecke von 500 Metern und mehr ohne Hilfsmittel bewältigen. Bei den Kindern, die nach der Geburt behandelt wurden, lag der Anteil bei 23 Prozent. Allerdings bestehen bei einem solchen Eingriff auch erhöhte Risiken wie das einer Frühgeburt.
  • Operation nach der Geburt: Bei dieser Behandlung einer Spina bifida occulta oder aperta gilt es vor allem, das Rückenmark zu schließen und weitere Schäden zu minimieren. Dies kann durch eine Operation direkt nach der Geburt passieren. Unter anderem kann eine mikrochirurgische Operation innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt Rückenmark und Nerven schützen und so die Folgen der Fehlbildung verringern. Abhängig von der Schwere des Defekts können weitere Operationen notwendig sein. So werden beispielsweise Fußdeformitäten bereits im Säuglingsalter korrigiert.

Spezialmaßnahmen

  • Hydrocephalus-Behandlung: Hat sich etwa ein Wasserkopf gebildet, muss das Abfließen der überschüssigen Hirnflüssigkeit mittels eines Schlauch-Ventil-Systems (Shunt) ermöglicht werden. Zum Beispiel bekommen Säuglinge mit Hydrozephalus einen Shunt, eine operativ angelegte Verbindung zum Herzvorhof oder zur Bauchhöhle, über die Hirnwasser abfließen kann und nicht auf das Gehirn drückt.
  • Orthopädische Eingriffe: Bei Kindern mit offenem Rücken und Lähmungen sind häufig orthopädische Eingriffe notwendig. Beispielsweise werden zur Behandlung eines Klumpfußes gesunde Muskeln verlagert, um die Aufgaben von gelähmten Muskeln zu übernehmen. Auch wenn sich eine ausgeprägte Skoliose, also eine Fehlbildung der Wirbelsäule, entwickelt, ist eine operative Behandlung möglich. Kinder mit Lähmungen können allerdings dauerhaft auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen sein.
  • Physiotherapie: Eine physiotherapeutische Behandlung ist wichtig, damit sie lernen, sich so gut wie möglich selbst zu bewegen.

Weitere therapeutische Begleitung

Manche Kinder mit Spina bifida benötigen trotz Operation eine langfristige Betreuung durch Physiotherapeuten und -therapeutinnen sowie Fachärzte und -ärztinnen verschiedener Disziplinen wie Orthopädie, Urologie oder Neurochirurgie.

Orthesen und Hilfsmittel

Da bei einer Spina bifida der Bewegungsapparat von Einschränkungen betroffen sein kann, sind Orthesen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um den Kindern eine möglichst selbstbestimmte Bewegungsfreiheit zu bieten. Geht die Erkrankung mit einer Lähmung der Beinmuskeln einher, können Kinder Gehen oder Stehen nur mit entsprechenden Hilfsmitteln erlernen. Die Körperwahrnehmung wird mit Orthesen gestärkt und Knochen- und Muskelaufbau werden gestärkt. Spezielle Orthesen gibt es ebenfalls für die Unterstützung der Sitzfähigkeit. Elektrorollstühle und weitere Rehahilfsmittel sind weitere wichtige Hilfsmittel, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Wichtig ist, orthopädische Hilfsmittel im Laufe der Entwicklung an die Körpergröße des Kindes und an die motorischen Fähigkeiten anzupassen.

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Prävention der Spina Bifida

Man kann einer Spina bifida vorbeugen, zu 100 % verhindern lässt sie sich jedoch nicht. Hierzu sollten Frauen mit Kinderwunsch bereits vor der Schwangerschaft und während der ersten zwölf Schwangerschaftswochen täglich 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen und zusätzlich auf eine folsäurereiche Ernährung achten. Werdende Mütter oder Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten daher in Absprache mit ihrem Arzt Folsäure einnehmen und sich folsäurereich ernähren.

Kindliche Wirbelsäulenverletzungen

Kindliche Verletzungen der Wirbelsäule sind selten. Die Lokalisation der Verletzung sowie die zugrundeliegenden Ursachen variieren mit dem Lebensalter. Anatomische Charakteristika stellen besondere Herausforderungen an die bildgebende Diagnostik und Therapie. Wie auch die aktuelle Multicenterstudie der Arbeitsgruppe Wirbelsäulentrauma im Kindesalter der Sektion Wirbelsäule der DGOU ergeben hat, sind Stürze und Verkehrsunfälle die häufigsten Ursachen für Verletzungen der Wirbelsäule. Typische Begleitverletzungen wie Verletzungen im Bereich des Kopfes und der Extremitäten gehen häufig mit einer Wirbelsäulenverletzung einher. Die HWS-Verletzungen treten eher bei jüngeren Kindern auf. Je jünger die Patienten waren, desto eher fanden sich die Verletzungen im Bereich der oberen HWS. Die Verknöcherung der unterschiedlichen Ossifikationszentren der Wirbelsäule ist altersabhängig und, je nach Region, unterschiedlich. Das Hauptbewegungssegment der Halswirbelsäule bei Kindern unter 8 Jahren ist zwischen dem 2. und 3. Halswirbelkörper.

Besonderheiten der kindlichen Wirbelsäule

Auch die ligamentären und muskulären Besonderheiten sind zu beachten: Beim Kleinkind artikuliert der Kopf mit dem Atlas horizontal. Die horizontalen und noch flachen Facettengelenke werden hier von einem schwachen Muskelapparat mit laxen Bandstrukturen bei großer Kopf-Körper-Relation gehalten. Mit zunehmendem Wachstum vergrößern sich die Neigungswinkel der Gelenkflächen bei C1/ C2 von 55° auf 70° und bei C2-C4 von 30° auf 60°-70°, wodurch eine höhere knöcherne Stabilität resultiert, zudem nimmt auch die muskuloligamentäre Stabilität zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr zu.

Diagnostik und Klassifikation

Die Anamneseerhebung bei verunfallten Kindern ist meist erschwert. Umso wichtiger ist die klinische Untersuchung. Gerade bei den Verletzungen der oberen Halswirbelsäule im Kleinkindalter zeigt sich oftmals eine Einschränkung der Beweglichkeit. Ältere Kinder beschreiben z.B. Die als Torticollis traumaticus bezeichnete Fehlstellung des Halses aufgrund eines akuten Traumas kann z. B. Obligat ist zudem die orientierende neurologische Untersuchung der Sensibilität, der Motorik und der Reflexe. Ein segmentbezogenes neurologisches Defizit kann Hinweise auf das Vorliegen einer Rückenmarks-, Nervenwurzel- oder Plexusverletzung geben. Die bildgebende Diagnostik sollte mit einer minimalen Strahlenbelastung erfolgen, da Kinder mehr als Erwachsene durch Strahlung geschädigt werden. Daher ist die Indikation zur MRT- Untersuchung großzügig zu stellen, auch wenn im Kleinkindalter hierfür häufig eine Sedierung notwendig ist. Der hohe Anteil von seriellen Kompressionsfrakturen sowie der notwendige Ausschluss diskoligamentärer Instabilitäten macht sie vor allem auch bei Monoverletzungen, unabdingbar. Das Computertomografie (CT) findet Anwendung bei Mehrfachverletzungen, komplexem Verletzungsmechanismus und kreislaufinstabilen, intubierten Kindern. Verbesserte Low-dose-Protokolle sorgen für eine Reduzierung der Strahlbelastung. Darüber hinaus ist sie bei Kompressionsfrakturen zur Planung einer operativen Therapie hilfreich.

Die Klassifikation von Verletzungen der Halswirbelsäule im Kindesalter kann nur in Abhängigkeit vom Alter des Kindes erfolgen. Verletzungen der Halswirbelsäule beim Kind mit noch offenen Wachstumsfugen (Altersgruppen I und II) führen in der Regel zu Verletzungen der Epiphyse oder der Synchondrosen, weil diese die schwächsten Glieder im jeweiligen Bewegungssegment darstellen. Im Bereich der oberen Halswirbelsäule können in allen Altersgruppen die bekannten klassischen Verletzungen auftreten. Im Bereich der subaxialen Halswirbelsäule erfolgt die Einteilung der Epiphysenverletzungen - wie auch im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule - nach Salter und Harris (<8 Jahre). Ab dem 10. Lebensjahr wird nach Takata/Epstein klassifiziert. Bei Kindern/Adoleszenten (>8-18 Jahre) kann es zur Verletzung der ringförmigen Wirbelkörperrandleiste (Apophysenring) kommen. Hierbei handelt es sich um eine frakturierte Wachstumsfuge, die sich zum Teil spontan reponieren kann und so häufig der konventionellen Diagnostik verborgen bleibt.

Therapie

Das Ziel der Therapie von kindlichen Wirbelfrakturen ist eine Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse und der Stabilität. Der Großteil der Verletzungen kann konservativ versorgt werden. Hierbei ist das unterschiedliche Korrektur - und Regenerationspotenzial der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte zu beachten. Mit zunehmender Instabilität wird eine operative Behandlung notwendig. So wird eine frühe Schmerzlinderung erreicht, eine progrediente Deformierung vermieden und nervale Strukturen durch eine frühzeitige Dekompression geschützt bzw. Liegt bei Typ-A2-Verletzungen eine Bandscheibenbeteiligung vor, kann ebenfalls eine Instabilität vorliegen, v. a. A3-Frakturen zeigen eine Verletzung der vorderen und mittleren Säule, i. d. R. Generell können persistierende ventrale Kyphosewinkel bis zu 10° gut kompensiert werden. Im Risser-Stadium 1-2 (Ossifikation von maximal ein bzw. Laterale Kompressionen zeigen i. d. R. keine spontane Verbesserung und sollten eher korrigiert werden. Bei Risser-Stadium ≤ 2 wird bei einer Keilwirbelbildung von mehr als 10° das Tragen eines Reklinationskorsetts zur Druckentlastung der Wachstumszone und Stimulation des vorderen Wirbelkörperwachstums empfohlen. Bei Kompressionsfrakturen im oberen BWS-Bereich ohne weitere thorakale Verletzung mit einem Kyphosewinkel ≤ 15° ist die frühfunktionelle Behandlung nach kurzer Bettruhe und suffizienter Analgesie mit Krankengymnastik, Rückenschulung und Muskelaufbau die zu empfehlende Therapie. Eine Sportkarenz sollte für 3 Monate eingehalten werden. Laut Literatur wiesen in einer MRT-Untersuchung mindestens ein Jahr nach thorakolumbaler Berstungsfraktur und konservativem Vorgehen Kindern, die 14 Jahre oder jünger waren, keine Bandscheibenläsionen auf. Dem gegenüber zeigten sich bei den über 15jährigen Patienten mehrheitlich Bandscheibenschäden in den frakturangrenzenden Segmenten.

Merke: Der Großteil der kindlichen Wirbelsäulenverletzungen kann konservativ behandelt werden. Im Bereich der oberen HWS sind die meisten instabilen Verletzungen gut mit dem Halofixateur für bis zu 12 Wochen zu adressieren. Bei persistierender Instabilität oder nicht reponiblen Verletzungen können aber auch Osteosynthesen bzw. Subaxiale Verletzungen von HWK 3 bis HWK 7 treten eher bei jugendlichen Patienten auf. Eine rein dorsale oder zusätzlich dorsale Stabilisierung kann bei besonderer Befundkonstellation möglich oder sogar notwendig sein. Bei älteren Kindern und Erwachsenen folgen Stabilisierungen der thorakolumbalen Wirbelsäule den Grundsätzen der Erwachsenentherapie und den oben beschriebenen Instabilitätskriterien der AO- Klassifikation. Isolierte Laminektomien sind bei Kindern kontraindiziert, außer es findet sich eine anders nicht zu behebende mechanische Einengung des Spinalkanals mit zuzuordnenden neurologischen Defiziten. Die Instrumentierung erfolgt je nach Frakturmorphologie mono-, bi- oder im Bereich der thorakalen Wirbelsäule je nach verletzungsform auch multisegmental. Dislozierte ligamentäre Verletzungen sollten zuerst reponiert werden und je nach Alter des Kindes durch Verbinden der Dornfortsätze durch Cerclagen oder im fortgeschrittenen Alter ebenfalls mit einem dorsalen Fixateur stabilisiert werden. Wenn möglich kommen minderinvasive Verfahren mit kurzstreckigen dorsalen Stabilisierungen bei guter Aufrichtung durch die Lagerung mit mini- malinvasiven Repositionssystemen zur Anwendung. Eine Materialentfernung sollte zumeist frühzeitig nach 6-9 Monaten erfolgen, bei Verdacht auf eine Bandscheibenschädigung sollte vorher eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden.

Prognose

Inkomplette neurologische Defizite haben bei Kindern eine relativ gute Prognose, da das Regenerationspotential hoch ist. Unter 12 Jahren zeigt sich nur selten eine persistierende kyphotische Fehlstellung, da hier durch die Wachstumszonen ausgeglichen wird. Endplattenfrakturen korrigieren sich i. d. R. nicht, hier kann dann eine Störung des Wachstums die Folge sein.

Leben mit Spina Bifida

Spina bifida kann das Leben eines Kindes stark beeinträchtigen. Manche Kinder zeigen keine Symptome oder Beschwerden, andere benötigen lebenslang eine Gehhilfe, um sich bewegen zu können, wieder andere sind gar nicht in der Lage, sich zu bewegen.

Es ist nicht möglich, die Erkrankung zu heilen. Im Rahmen einer individuell auf das Kind abgestimmten Therapie können die Folgen der Spina bifida gemindert und Selbstständigkeit und Bewegungsfähigkeit unterstützt werden. Die betroffenen Kinder haben üblicherweise keine geistige Behinderung.

Eine kontinuierliche Beobachtung des Kindes und der weiteren Entwicklung sind unbedingt erforderlich. Die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit von Kinderorthopädie, Wirbelsäulenchirurgie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie ist wichtig, um das Kind ganzheitlich zu betreuen.

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