Körperschmerzen nach Migräne: Ursachen und Behandlung

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Allein in Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen von Migräne betroffen. Typischerweise treten bei einer Migräne-Attacke starke, pulsierende Kopfschmerzen meist auf einer Seite des Kopfes auf, die sich bei körperlicher Bewegung verschlimmern. Oft kommen Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen hinzu. Bei manchen Menschen kündigt sich die Migräne durch eine Aura an, die Sehstörungen und andere Symptome umfassen kann.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich in der Regel durch anfallsartige Kopfschmerzen äussert und mehr Frauen als Männer betrifft. Die Kopfschmerzen sind meist mittel bis stark, oft halbseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen sowie Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit begleitet. Betroffene suchen während einer Attacke oft die Ruhe. Unbehandelt dauern die Attacken 4-72 Stunden. Bis zu 20 % der Patienten erleben eine Aura, meist vor dem Einsetzen der Schmerzen, die sich in Form von Sehstörungen, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen äussern kann.

Es handelt sich um eine Erkrankung des Gehirns. Die Entwicklung der Symptome ist oft genetisch bedingt, wobei zusätzliche Faktoren wie hormonelle Schwankungen, Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen, Stress, ausgelassene Mahlzeiten und unzureichende Flüssigkeitszufuhr den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Der Kopfschmerz entsteht durch eine Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns, die durch Nervenfasern ausgelöst wird (neurovaskuläre Entzündung). Aurasymptome sind Ausdruck einer sich wellenförmig ausbreitenden Erregungshemmung der Nervenzellen in der Gehirnrinde.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Diese Trigger sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.

Bestimmte innere und äußere Faktoren können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Durch Selbstbeobachtung und ein Kopfschmerztagebuch können Patienten ihre persönlichen Auslöser ermitteln. Dazu gehören wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf, Hormonveränderungen, Stress, verqualmte Räume, bestimmte Nahrungsmittel, äußere Reize, Wetter- und Höhenveränderungen sowie starke Emotionen.

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Phasen einer Migräne

Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen, die unterschiedlich lange dauern und nicht zwingend alle auftreten müssen.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten. Etwa 30 Prozent der Patienten spüren vor einem Migräneanfall unterschiedliche Anzeichen. Es kann hilfreich sein, diese frühen Anzeichen zu erkennen und zu notieren.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten, die verschiedene Anzeichen haben kann:

  • Sehstörungen: Flimmersehen oder das Sehen von Zickzack-Linien, Gesichtsfeldausfälle oder verzerrtes Sehen.
  • Empfindungsstörungen: Ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
  • Weitere Einschränkungen: Sprachstörungen oder selten Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen.

Die Aura-Symptome dauern typischerweise 5 bis 60 Minuten. Etwa 15 bis 25 Prozent der Patienten mit Migräne kennen Aura-Symptome. Die Aura kann vor, während oder nach den Kopfschmerzen auftreten oder auch isoliert ohne Kopfschmerzen.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle und nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

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Auflösungsphase

In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend.

Erholungsphase

Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Diese Phase ähnelt der Prodromalphase und erfordert Ruhe.

Diagnose von Migräne

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden des Patienten. Dabei werden Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und Begleitsymptome erfragt. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Bei Unsicherheiten können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch die Akuttherapie von Migräne-Attacken.

Vorbeugung von Migräne

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll, wie regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen.

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Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wie Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante. Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen. Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken wie Yoga und progressive Muskelrelaxation sowie psychologische Verfahren können ebenfalls helfen.

Akut-Therapie von Migräne-Attacken

Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon. Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Medikamente für Kinder oder während der Schwangerschaft geeignet sind. In diesen Fällen sollte eine Therapie immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

Migräne mit Hirnstammaura (Basilarismigräne)

Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine seltene Form der Migräne mit Aura, bei der die Durchblutungsstörungen im Hirnstamm auftreten. Symptome können Doppeltsehen, Sprachstörungen, Schwindel, Tinnitus, Hörminderung, beidseitige Sehstörungen, Ataxie, Bewusstseinsstörungen und beidseitige Taubheitsgefühle sein. Kopfschmerzen stehen nicht immer im Mittelpunkt.

Die Diagnose wird anhand der Symptome gestellt, wobei mindestens zwei der genannten Symptome auftreten und wieder vollständig verschwinden müssen, ohne motorische Schwäche. Triptane sind bei dieser Form der Migräne nicht empfohlen, da sie die Arterien im Gehirn verengen können. Prophylaktische Maßnahmen wie Ausdauersport, Stressbewältigung und Biofeedback sind wichtig.

Chronische Migräne

Von einem chronischen Verlauf spricht man, wenn über mindestens 3 Monate mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat auftreten. Chronische Verläufe treten bei etwa 2 % der Bevölkerung auf. Die Behandlung umfasst Aufklärung über die Erkrankung, Dokumentation in einem Kopfschmerzkalender, Akutbehandlung mit Schmerzmitteln und vorbeugende Medikamente wie Betarezeptorenblocker und Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP.

Leben mit Migräne

Migräne ist eine chronische Erkrankung, mit der Betroffene lernen müssen zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser zu reduzieren und sich einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist keine psychische Erkrankung, sondern eine neurologische.

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