Wadenkrämpfe bei älteren Menschen: Ursachen, Linderung und Prävention

Ein plötzlicher, heftiger Schmerz, der einen aus dem Schlaf reißt - ein Krampf durchzuckt die Wade. Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder schon einmal erlebt hat. Sie können im Schlaf oder beim Sport auftreten und wenige Sekunden bis einige Minuten dauern, wobei sie oft äußerst schmerzhaft sind. Besonders ältere Menschen sind häufig von Wadenkrämpfen betroffen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Wadenkrämpfen bei älteren Menschen, gibt Tipps zur Linderung und zeigt Möglichkeiten zur Vorbeugung auf.

Ursachen von Wadenkrämpfen im Alter

Muskelkrämpfe können vielfältige Ursachen haben, wobei der genaue Grund nicht immer eindeutig feststellbar ist. Dr. Josef Tomasits vom Universitätsklinikum Linz betont, dass es „extrem viele unterschiedliche Ursachen“ gibt. Bei älteren Menschen spielen oft Durchblutungsstörungen eine Rolle: Verengte Gefäße können zu einer unzureichenden Blutversorgung des Muskels und somit zu Sauerstoffmangel führen, was Krämpfe wahrscheinlicher macht.Weitere Risikofaktoren und Ursachen können sein:

  • Durchblutungsstörungen: Verengte Blutgefäße (Arteriosklerose) können die Sauerstoffversorgung der Muskeln beeinträchtigen. Unbehandelt kann eine Verkalkung der Gefäße zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen.
  • Störungen im Salz-Wasser-Haushalt: Ein Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Natrium, Magnesium oder Kalium kann die Reizübertragung von Nerven auf Muskeln beeinträchtigen.
  • Flüssigkeitsmangel: Im Alter lässt das Durstgefühl oft nach, was zu einer unzureichenden Flüssigkeitszufuhr führen kann. Flüssigkeitsmangel erhöht das Risiko für Wadenkrämpfe.
  • Muskelerkrankungen: In seltenen Fällen können Muskelerkrankungen Krämpfe verursachen.
  • Nervenerkrankungen: Neurologische Erkrankungen wie Parkinson können ebenfalls zu Krämpfen führen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Diuretika gegen Bluthochdruck, Statine gegen erhöhte Cholesterinwerte oder Abführmittel können Krämpfe begünstigen.
  • Bewegungsmangel: Mobilitätseingeschränkte Personen bewegen sich häufig nicht regelmäßig, was zu Muskelabbau und Verkürzung der Muskeln führen kann.
  • Überlastung der Muskulatur: Sowohl eine zu starke als auch eine zu geringe Beanspruchung der Muskulatur kann Krämpfe verursachen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes können ebenfalls Risikofaktoren sein.
  • Weitere Risikofaktoren: Wassereinlagerungen (Ödeme) im Bein, neurologische Erkrankungen oder Muskelerkrankungen.
  • Alkohol-Missbrauch: Auch Alkohol kann eine Ursache für Muskelkrämpfe sein.
  • Vitaminmangel: Auch wenn selten, kann ein Mangel an Vitamin B1, B6 und Kalzium zu Muskelkrämpfen führen.

Es ist wichtig, bei häufigen Krämpfen einen Arzt aufzusuchen, um mögliche zugrundeliegende Erkrankungen abzuklären.

Was passiert im Körper bei einem Wadenkrampf?

Bei einem Krampf kommt es zu einer Dauererregung der Nervenzellen im Rückenmark, die aus dem Gleichgewicht geraten. Die Nervenzellen im Rückenmark erhalten sowohl hemmende als auch aktivierende Signale. Das geschieht leichter, wenn der Muskel müde ist - etwa bei einem intensiven Training. Auch ein Flüssigkeits- oder Elektrolytmangel könnte insbesondere bei hohen Außentemperaturen dazu beitragen. Hier führen die unterschiedlichen Theorien also doch wieder zusammen.

Warum treten Wadenkrämpfe vor allem nachts auf?

Nächtliche Wadenkrämpfe sind besonders lästig, da sie die Nachtruhe erheblich stören können. Es gibt mehrere Erklärungsansätze für ihr vermehrtes Auftreten in der Nacht:

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  • Flüssigkeitsmangel: Viele Menschen trinken vor dem Schlafengehen nicht ausreichend, was nachts zu einer Schieflage im Elektrolythaushalt führen kann.
  • Magnesiummangel: Da der Magnesiumspiegel natürlicherweise während Ruheepisoden sinkt, kann eine Bewegung im Schlaf bereits ein Zusammenziehen der Muskulatur bewirken.
  • Überbelastung der Muskulatur: Eine Überbelastung der Muskulatur am Tag kann sich nachts in Form von Krämpfen äußern.
  • Mangelernährung: Im Alter kann es durch eine Mangelernährung und eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr zu einem Mangel an Magnesium kommen, dieser macht sich dann besonders nachts durch Krämpfe in den Waden bemerkbar.
  • Nachts verhärtet sich die Muskulatur oft unbemerkt. Da wir im Schlaf keine Ausgleichsbewegungen machen, sind wir anfälliger für einen Wadenkrampf als tagsüber.

Linderung bei akutem Wadenkrampf

Die meisten Menschen dehnen bei einem Krampf instinktiv die betroffene Muskelpartie. In der Regel hilft das, den Krampf zu unterbrechen. Bei einem akuten Wadenkrampf können folgende Maßnahmen helfen:

  • Dehnen: Das verkrampfte Bein durchgestreckt nach hinten aufstellen und die Ferse fest in Richtung Boden drücken. Alternativ die Fußspitze Richtung Knie ziehen, um die Wade zu dehnen. Das Bein muss dafür gestreckt und die Zehen zum Schienbein gezogen werden.
  • Massieren: Den betroffenen Muskel massieren, um die Durchblutung zu fördern und die Verkrampfung zu lösen.
  • Wärme: Wärme kann die Durchblutung anregen und die Verspannung des Muskels lösen. Ein warmes Bad oder wärmende Auflagen können helfen.
  • Stehen oder Gehen: Stehen oder Gehen bringt in der Regel sofortige Erleichterung.
  • Passive Dehnung: Bitten Sie ggf. einen Anwesenden, die Wade passiv zu dehnen.
  • Bewährtes Hausmittel: Ein bewährtes Hausmittel bei Wadenkrämpfen ist Wärme. Legen Sie eine Wärmekompresse auf die betroffene Stelle, um die Durchblutung zu fördern und so die Muskulatur zu entspannen.

Vorbeugung von Wadenkrämpfen im Alter

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wadenkrämpfen im Alter vorzubeugen:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um Muskelkrämpfen im Alter vorzubeugen. Gelenkschonende Sportarten wie Gymnastik, Schwimmen oder Radfahren sind besonders empfehlenswert, da sie die Muskeln stärken, ohne die Gelenke zu belasten. Planen Sie am besten jeden Tag einen Spaziergang mit Ihrem Familienmitglied ein - richten Sie sich dabei nach der Mobilität Ihres Angehörigen und nutzen Sie gegebenenfalls Gehhilfen.
  • Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen gestalten Muskeln und Sehnen flexibler. Die bewährte Dehnübung des Zwillingswadenmuskels mit dem klassischen Ausfallschritt, die Sie oft bei Joger:innen beobachten können, eignet sich dafür besonders gut. Achten Sie unbedingt darauf, dass sich Ihr Angehöriger währenddessen an der Wand abstützt.
  • Ausreichend trinken: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu 1,5 l Trinkflüssigkeit täglich, auch für Senior:innen - die Flüssigkeitsmenge sollte stets an die Situation angepasst sein. Wer viel schwitzt, muss auch mehr trinken. Am besten legen Sie Ihrem Angehörigen zusätzlich nahe, den Kaffeekonsum zu reduzieren, denn Koffein begünstigt Wadenkrämpfe. Mineralwasser, ungesüßte Kräutertees und Saftschorlen liefern dem Körper wichtige Mineralien. Im Gegensatz dazu wirkt Kaffee entwässernd und sollte daher nur in Maßen konsumiert werden. Auch das Rauchen sollte dringend vermieden werden, da es die Durchblutung beeinträchtigt und somit das Risiko für Muskelkrämpfe erhöht.
  • Magnesiumreiche Ernährung: Hinter häufigen Wadenkrämpfen kann ein Magnesiummangel stecken - Ihr Familienmitglied muss aber nicht gleich zu Ergänzungspräparaten greifen. Probieren Sie doch einmal Magnesiumspender auf den Speiseplan zu setzen - dazu zählen Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Fisch. Eine Ernährung, die reich an Gemüse wie Salat, Gurken und Tomaten ist, kann den Körper mit vielen wichtigen Mineralien versorgen. Vollkornprodukte wie Müsli und Nüsse sind ebenfalls wertvolle Quellen für Mineralien und helfen dabei, den Mineralhaushalt im Gleichgewicht zu halten.
  • Vermeiden Sie Trainingsspitzen: Vermeiden Sie Trainingsspitzen und eine Überlastung der Muskulatur und gönnen Sie Ihrem Körper nach jedem Training eine angemessene Regenerationszeit.
  • Schuhwerk: Auch unpassendes Schuhwerk kann Wadenkrämpfe im Alter begünstigen, orthopädische Einlagen können Abhilfe schaffen.
  • Medikamente: Sollte die Einnahme von bestimmten Medikamente der Grund für Ihre Wadenkrämpfe sein, können Sie in Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin das entsprechende Medikament wechseln.
  • Elektrolythaushalt: Achten Sie darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich ausgewogen zu ernähren, um einem Entgleisen des Elektrolythaushaltes entgegenzuwirken. Dies ist vor allem beim Sport und bei Hitzeperioden wichtig. Eine ausgewogene Ernährung sollte aus frischen Produkten und einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Obst und Gemüse bestehen.
  • Regelmäßige Bewegung: Grundsätzlich ist es sehr sinnvoll, regelmäßige Bewegung in seinen Alltag einzubauen, natürlich nur, wenn dies möglich ist. Ausreichend Bewegung ist gut für das Herz-Kreislaufsystem und kann zudem Muskelkrämpfe entgegenwirken.

Magnesium bei Krämpfen?

„Nimm Magnesium“ lautet ein anderer, häufiger Ratschlag. Es kann eventuell einen Versuch wert sein. Allerdings wirken solche Präparate vermutlich nur, wenn tatsächlich ein Magnesiummangel vorliegt. Mit einer ausgewogenen Ernährung lässt sich dem in der Regel gut vorbeugen. Besprechen Sie sich also besser mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin, statt einfach zu einem Magnesium-Präparat zu greifen. Denn diese können auch Nebenwirkungen, zum Beispiel Durchfall, haben. Wer Medikamente schluckt oder bekannte Erkrankungen hat, sollte sich vor der Einnahme von Magnesium zumindest in der Apotheke beraten lassen. Es gibt Gründe, die gegen die Anwendung sprechen können, auch Wechselwirkungen sind möglich! Michael Behringer, Professor für Sportmedizin und Leistungsphysiologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main meint: „Es gibt momentan so gut wie keine Evidenz dafür, dass Magnesium bei Muskelkrämpfen hilft. Trotzdem ist das fest in unseren Köpfen verankert - es ist ganz schwer rauszubekommen."

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos und treten nur gelegentlich auf. Wenn jedoch häufige Krämpfe auftreten, sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Häufige Muskelkrämpfe im Alter können auf eine Reihe von Erkrankungen hinweisen, die weiter untersucht werden sollten. Häufige Muskelkrämpfe sollten daher nicht ignoriert werden. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um zugrunde liegende Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln. Einen Arzt sollten Sie dann kontaktieren, wenn die Muskelkrämpfe gehäuft auftreten, sie länger als ein paar Sekunden anhalten oder wenn sie sich nicht einfach durch Dehnen auflösen lassen. Dann könnten sie ein Anzeichen für eine Stoffwechsel- oder Nervenerkrankung sein. Auch dann, wenn zusätzlich andere Symptome wie eine plötzliche Schwäche oder Gangunsicherheiten auftreten.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, Wadenkrämpfe von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Wadenkrämpfe können ähnliche Symptome verursachen wie eine Thrombose. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Beschwerden ganz genau beobachten und im Zweifel einen Arzt hinzuziehen. Ebenso wie Wadenkrämpfe äußert sich eine Thrombose durch Schmerzen und eine möglicherweise verhärtete Wade. Bei einem Wadenkrampf sieht man allerdings häufig von außen, wie sich die Muskulatur immer wieder zusammenzieht.

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Altersepilepsie: Eine mögliche Ursache für Krämpfe im Alter

Epileptische Anfälle sind im Grunde Krampfanfälle, die durch vorübergehende Funktionsstörungen von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst werden. In Deutschland erkranken jährlich 10.000 Menschen an Altersepilepsie. Und doch wird sie so oft übersehen. Anders als bei epileptischen Anfällen ist bei der Altersepilepsie meist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen. Symptome wie kurz auftretende Abwesenheitszustände, Verwirrtheit oder einfach nur Sprachunfähigkeit sind charakteristisch, aber leider nicht sehr spezifisch. Die Besonderheiten im Erscheinungsbild führen dazu, dass eine Epilepsie im Alter oft nicht erkannt oder gar als Folge des Alterns missverstanden wird. Das kann gesundheitliche Folgen haben, wenn zum Beispiel die Epilepsie als Ursache von Stürzen nicht diagnostiziert und damit künftige Unfälle nicht vermieden werden können. Ursachen für die Epilepsie im Alter können unter anderem Kopfverletzungen, kleine Schlaganfälle, beginnende Demenz, Alkohol-Missbrauch oder Entzündungen sein. Wer zum ersten Mal einen Anfall erleidet, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der diese Patienten zu einem Neurologen überweist. Der Neurologe benötigt eine möglichst genaue Schilderung dessen, was passiert ist. Kommt es doch zu einem großen Anfall mit Verlust des Bewusstseins, einem Krampfanfall und Zuckungen an Armen und Beinen, sollten Betroffene vor Verletzungen am Kopf geschützt werden. Tritt ein solcher Anfall zum ersten Mal auf, oder dauert dieser über zwei Minuten, muss der Notarzt gerufen werden. Die Altersepilepsie ist unter Berücksichtigung altersbedingter Besonderheiten mit modernen Antiepileptika gut behandelbar“, so der Arzt. „Nur die Einstellung auf ein bestimmtes Medikament ist manchmal etwas schwieriger als bei jungen Patienten. Uns stehen mehr als 20 verschiedene Präparate zur Verfügung. Die Medikamente beeinflussen den Gehirnstoffwechsel, haben aber kaum Nebenwirkungen und werden daher von den meisten Patient:innen sehr gut vertragen.

Gurkenwasser gegen Muskelkrämpfe?

Um einen Krampf zu stoppen, schwören manche Athletinnen und Athleten auf Gurkenwasser: jene salzige und essighaltige Flüssigkeit, in der Gurken eingelegt sind. Laut einer kleinen US-amerikanischen Studie könnte da etwas daran sein. Das Gebräu verkürzte die Krampfdauer bei Männern mit Flüssigkeitsmangel. Da die Wirkung nahezu sofort einsetzte, sei sie nicht dadurch erklärbar, dass Flüssigkeit oder Elektrolyte aufgefüllt werden, folgern die Autoren. Stattdessen müsse es etwas mit den Nerven zu tun haben. Dieser Ansicht ist auch Michael Behringer. „Vermutlich stimuliert die Essigsäure bestimmte Rezeptoren im Mund-Rachenraum“, sagt er. Dieses Signal unterbricht offenbar den Krampf. Wie das im Detail funktioniert, ist noch nicht klar.

Können Stromimpulse Muskelkrämpfe verhindern?

Sagt das Gehirn dem Muskel: Spann dich an, sendet es im Grunde nichts anderes als elektrische Impulse. Setzt man solche von außen, kann man absichtlich einen Krampf auslösen. Laut Behringer gibt es hierfür eine minimale Frequenz, eine „Krampfschwelle“, wie er es nennt. In einer Studie, bei der sein Team die Elektrostimulation bei Testpersonen (eigentlich mit einem anderen Ziel) anwandte, stellte es Überraschendes fest: Die übliche Frequenz reichte nicht mehr, um einen Krampf auszulösen. „Offenbar haben wir ihre Krampfschwelle erhöht.“ Inzwischen konnte sein Team in mehreren kleinen Studien Hinweise sammeln, dass ein Training mit elektrischen Impulsen Menschen helfen könnte, die häufig unter Krämpfen leiden: War ihre Krampfschwelle höher, krampften ihre Muskeln viel seltener. Die Methode muss aber noch weiter untersucht werden.

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