Neuromuskuläre Therapie im Sport: Anwendungsgebiete und innovative Ansätze

Die neuromuskuläre Therapie hat sich als eine bedeutende Säule in der modernen Sportmedizin und Rehabilitation etabliert. Sie zielt darauf ab, das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu optimieren, um Bewegungsabläufe zu verbessern, Verletzungen vorzubeugen und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Anwendungsgebiete der neuromuskulären Therapie im Sport, einschließlich innovativer Geräte und Techniken wie PNF und HUBER 360.

Grundlagen der Neuromuskulären Therapie

Die neuromuskuläre Therapie konzentriert sich auf die Verbesserung der Kommunikation zwischen dem Nervensystem und den Muskeln. Bewegung, Kraft, aufrechte Haltung und Gleichgewicht sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Muskeln und Nerven. Eine große Rolle spielt dabei die Propriozeption, d.h. das unbewusste Wahrnehmen der eigenen Bewegung und der Stellung im Raum. Propriozeptoren in der Muskulatur bzw. der Sehne: Muskelspindeln messen und melden dem zentralen Nervensystem, wie stark und wie schnell sich ein Muskel dehnt. Zur Sicherung der Stabilität kann das Gehirn je nach Info gegensteuern. Golgi-Sehnenorgane überwachen die Muskelkraft. Bei zu hoher Spannung geben sie Alarm, sodass die Aktivität der Muskeln gedämpft wird.

Die propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) ist eine spezielle Form der physiotherapeutischen Behandlung, die auf die Verbesserung der motorischen Funktionen abzielt. Entwickelt in den 1940er- und 1950er-Jahren von Dr. Herman Kabat und der Physiotherapeutin Margaret Knott, basiert die PNF auf der Prämisse, dass Bewegungen einfacher erlernt und ausgeführt werden können, wenn sie in synergistischen Bewegungsmustern erfolgen.

PNF-Therapie: Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation

Die PNF-Therapie steht für Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation. Aber wie nützt sie Ihnen? In Ihrem Körper gibt es verschiedene Sinnesorgane. Eines davon sind die Bewegungsfühler, auch Rezeptoren genannt. Sie helfen Ihnen dabei zu spüren, wie sich Ihr Körper bewegt oder in welcher Position er sich befindet. So wissen Sie zum Beispiel auch ohne hinzusehen, ob Sie Ihr Knie gerade strecken oder beugen.

Eine PNF-Therapie regt diese Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen durch gezielte Stimulation an und aktiviert sie. PNF fördert somit das Zusammenspiel zwischen Rezeptoren, Nerven und Muskeln („Neuromuskulär“). Arbeiten sie gut zusammen, fallen Ihnen alle alltäglichen Bewegungen leichter („Fazilitation“). Am Beginn jeder physiotherapeutischen Behandlung durch PNF steht die „Befundung“ Ihrer Bewegungsfähigkeiten. PNF ist Konzept, Therapiemethode und Technik zugleich. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass PNF sich an den Ressourcen des Patienten orientiert und diese gezielt zur Verbesserung der Bewegungs- und Haltungskontrolle einsetzt. D.h., dass zur Verfügung stehende Fähigkeiten von besonderem Interesse sind. Machen Sie folgendes kleines Experiment: „drücken Sie Ihre Hand kräftig auf den Tisch, vor dem Sie gerade sitzen“. Sie werden sogleich merken, dass Ihre Bauchmuskeln zu arbeiten beginnen. So kann ein kräftiger Arm genutzt werden, um schwache Bauchmuskeln zu aktivieren. Jeder PNF Therapeut kennt die Zusammenhänge unserer motorischen Organisation und kann so Ihre guten Fähigkeiten gezielt einsetzen. Die Therapie verbessert die bewusste und unbewusste Steuerung der Körperhaltung und Bewegung.

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Anwendungsbereiche der PNF-Therapie

Die PNF-Therapie ist eine Art der Physiotherapie, die bei Patienten eingesetzt wird, deren Bewegungen durch Krankheiten, Verletzungen oder Operationen gestört sind. Die PNF-Therapie basiert auf der Annahme, dass das Nervensystem in der Lage ist, sich neu zu organisieren und neu zu lernen. Dies geschieht durch gezielte Bewegungsabläufe und Reize, die dem Körper signalisieren, wie er sich koordinieren und kontrollieren soll.

  • Sportunfälle: Nach Sportunfällen kann die PNF-Therapie eingesetzt werden, um dieFunktionalität wiederherzustellen.
  • Neurologische Erkrankungen: Bei Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder Querschnittslähmungen kann die PNF die bewusste und unbewusste Bewegungs- und Körperhaltungssteuerung positiv beeinflussen.
  • Gelenkoperationen: Nach Gelenkoperationen wird PNF angewandt, um die Rehabilitation zu unterstützen.

Ablauf einer PNF-Behandlung

Bevor im Zuge der PNF-Behandlung spezielle Übungen durchgeführt werden, nehmen Physiotherapeuten eine ausführliche Anamnese vor, um die persönliche Situation und die Bedürfnisse des Patienten herauszufinden. So lernen sie die Beschwerden und die Krankheitsgeschichte kennen und können besser beurteilen, welche Übungen sinnvoll sind und welche nicht. Im Anschluss daran besprechen die Physiotherapeuten mit dem Patienten konkret den Therapieplan und die Ziele der Therapie, die gemeinsam gesetzt werden. Während einer Behandlung werden Patienten aktiv in die Übungen einbezogen. Physiotherapeuten setzen dabei gezielte Handgriffe und Bewegungen ein, um sie zu unterstützen und ihnen Feedback zu geben.

HUBER 360: Innovative Technologie in der Neuromuskulären Therapie

Der HUBER 360 ist ein modernes Gerät, das in der neuromuskulären Therapie eingesetzt wird, um die muskuläre Dysbalancen und funktionelle Defizite aufzudecken. Darauf aufbauend verbessert ein individuell angepasstes neuromuskuläres Training das Zusammenspiel von Muskulatur und Nervensystem, steigert Stabilität und Gleichgewicht und erhöht die Belastbarkeit.

Funktionsweise und Vorteile des HUBER 360

Der Aufbau des Trainingsgeräts kombiniert eine dreidimensional motorisierte Plattform mit Griffelementen, die mit integrierten Sensoren ausgestattet sind. Während der Therapie werden gezielte Übungen durchgeführt, die eine Stärkung der Muskulatur sowie eine Verbesserung von Gleichgewicht, Koordination, Flexibilität/Mobilität und Ausdauer anstreben. Während der Therapie werden die Leistungen des Patienten im Sinne eines Biofeedback visualisiert.

Der HUBER 360 besitzt mehrere Merkmale, die sich zusätzlich positiv auf das Ergebnis auswirken. Durch die Bewegung auf der motorisierten, beweglichen Plattform wird die in der Tiefe liegende Haltemuskulatur gezielt aktiviert und gestärkt. Das Kippen und Drehen aktiviert das Gleichgewichtsorgan, das wiederum das Gehirn über die Lageveränderungen informiert. Das Gehirn sendet über motorische Nervenbahnen Signale an die Muskeln, um den Körper zu stabilisieren und an Lageänderungen anzupassen.

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Anwendungsgebiete des HUBER 360 im Sport

Der HUBER erlaubt ein breites Anwendungsspektrum in verschiedenen Bereichen der Medizin und Sportwissenschaften. Während der Therapie werden Übungen aus den Bereichen Flexibilität und Mobilität, Muskelstärkung, Gleichgewicht und Propriozeption sowie Ausdauer entsprechend dem Vermögen und dem Behandlungsziel des Patienten kombiniert. bzw. Rechts-Links-Koordination gesteigert. Die Fortschrittskontrolle erfolgt durch Messung der Übungsleistungen. Je nach Ergebnis der Stabilitätsanalyse und der gesundheitlichen Störung erfolgt die Auswahl der Trainingsprogramme.

  • Rehabilitation nach Verletzungen: Nach Verletzungen oder Operationen kann die innovative Trainingstherapie effektiv bei der Kräftigung und dem (Wieder-)Aufbau geschwächter Muskulatur unterstützen.
  • Prävention: Zur Vorbereitung auf geplante Operationen ist die Therapie ebenfalls hocheffektiv.
  • Leistungssteigerung: Die neuromuskuläre Therapie wird im Sport häufig angewendet. Es steigert die Leistung und schützt vor Überlastungsschäden.

Fallbeispiel: HUBER 360 bei Kniearthrose

Acht Wochen hatte sich Herr K. schon mit Beschwerden im linken Knie gequält. In der Gelenk-Klinik wurde eine Retropatellararthrose IV° diagnostiziert, der Knorpel hinter der Kniescheibe war demnach schon deutlich geschädigt. Bei der neuromuskulären Analyse stellte der Therapeut eine verringerte Stabilität im Einbeinstand fest. Zur Besserung der Stabilität begann der 56-jährige Patient eine vierwöchige Trainingstherapie. Sie bestand aus zwei Trainingseinheiten pro Woche auf dem HUBER-Gerät, also einer Serie von acht Therapieeinheiten. Zusätzlich bekam er einen Trainingsplan mit ganzheitlichen und kniegelenksspezifischen Übungen für zu Hause mit. Die Therapie war erfolgreich: Die Stabilität im Einbeinstand besserte sich von Woche zu Woche, wie sich beim neuromuskulären Training zeigte. Auch der Patient selbst verspürte die kontinuierliche Linderung seiner Beschwerden und schloss somit die vierwöchige Serie erfolgreich ab. Zum Erhalt der gewonnenen Stabilität trainiert Herr K.

Ablauf einer HUBER 360-Behandlung

  1. Neuromuskuläre Analyse: Vor dem Beginn der Trainingstherapie muss zunächst der Ist-Zustand des neuromuskulären Systems des Patienten analysiert werden. Nur wenn die Defizite und Schwächen bekannt sind, kann der Therapeut einen individuellen Trainingsplan erstellen.
  2. Erstellung eines individuellen Trainingsplans: Anhand der gewonnenen Daten erkennt der Therapeut Defizite und Schwächen und stellt einen individualisierten Trainingsplan für den Patienten auf. Dieser besteht aus einer bestimmten Anzahl von Trainingseinheiten auf dem HUBER-Gerät (z. B. 2 bis 3 Sitzungen pro Woche über vier Wochen) und Übungen in Eigenregie zu Hause.
  3. Übungseinheiten auf dem HUBER-Gerät: Dort werden die speziell zusammengestellten Übungen unter Aufsicht des Therapeuten durchgeführt. Wie bei der Analyse steht der Patient auf der Plattform (bei nicht belastbaren Beinen gibt es entsprechende Sitzhilfen) und führt die angesagten Übungen durch. Die Sensoren messen Kraft, Balance und Fehlhaltung und geben unmittelbar ein visuelles Feedback. So lernt der Patient, Fehlhaltungen zu korrigieren und die Bewegungen besser zu koordinieren.

Vorteile des HUBER 360-Trainings gegenüber konventioneller Krankengymnastik

Das Trainieren mit dem HUBER 360 hat einige Vorteile gegenüber konventioneller Krankengymnastik. Das Wichtigste ist die unmittelbare Rückmeldung der gewonnen Daten, die der Patient in Echtzeit auf dem Bildschirm sieht. Eine solche Art des Trainings ist besonders motivierend. Die regelmäßigen Messungen ermöglichen auch, den Trainingsfortschritt objektiv zu verfolgen und gegebenenfalls anzupassen. Viele Patienten berichten auch, dass die neuromuskuläre Therapie aufgrund der visuellen Anleitungen und Rückmeldungen mehr Spaß macht als eine konventionelle Krankengymnastik.

Allgemeine Anwendungsgebiete der Neuromuskulären Therapie

Die neuromuskuläre Therapie findet in verschiedenen Bereichen Anwendung:

  • Orthopädie: Bei chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Osteoporose oder Kreuzbandriss wird diese Form der Diagnostik und Therapie eingesetzt.
  • Neurologie: Zur Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson.
  • Geriatrie: Sie dient zudem der Sturzprophylaxe.

Kontraindikationen der Neuromuskulären Therapie

Es gibt einige Patientengruppen, die nicht mit einer neuromuskulären Therapie behandelt werden sollen. So könnte die Bewegung bei akuten Gelenkinfektionen oder entzündlich-rheumatischen Erkrankungen die Entzündungen verschlimmern. Nach frischen Verletzungen oder Operationen ist die Therapie ebenfalls kontraindiziert, weil die Bewegung die Heilungsphase stört. Auch bei Venenthrombosen ist Vorsicht geboten, da ein Risiko besteht, dass sich beim Training Gerinnsel lösen und Embolien auslösen. Weitere Kontraindikationen für neuromuskuläre Therapien sind Schwangerschaft, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Epilepsien.

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