Krampfanfälle bei Katzen können für Tierhalter sehr beängstigend sein. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle Krampfanfälle epileptische Anfälle sind und dass es verschiedene Ursachen für Krampfanfälle bei Katzen gibt. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Krampfanfällen bei Katzen, insbesondere im Zusammenhang mit Schilddrüsenunterfunktion, und bietet Informationen zu Diagnose und Behandlung.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Zentralnervensystems bei Katzen. Sie äußert sich in unkontrollierten elektrischen Entladungen im Gehirn, die zu fokalen oder generalisierten Anfällen führen können. Fokale Anfälle betreffen nur einzelne Gehirnregionen, während generalisierte Anfälle das gesamte Gehirn erfassen.
Krampfanfälle sind nicht immer Epilepsie
Es ist wichtig zu beachten, dass Krampfanfälle nicht automatisch epileptische Anfälle sind. Sie können auch durch andere Faktoren ausgelöst werden, wie z. B.:
- Strukturelle Erkrankungen des Gehirns (z. B. Verletzungen, Tumore, Entzündungen, angeborene Anomalien, Infarkte)
- Hirnstoffwechselerkrankungen
- Vergiftungen
- Infektiöse Erkrankungen (z. B. FIP, Toxoplasmose)
- Schädel-Hirn-Traumata
- Feline Hippocampus-Nekrose (wahrscheinlich eine Autoimmunerkrankung)
- Elektrolytstörungen (z. B. Kaliumüberschuss)
- Endokrine Ursachen (z. B. Hypothyreose, Morbus Addison, Diabetes mellitus)
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und Krampfanfälle
Eine Schilddrüsenunterfunktion, auch Hypothyreose genannt, kann in seltenen Fällen Krampfanfälle bei Katzen auslösen. Die Schilddrüse ist ein wichtiges Organ, das Hormone produziert, die den Stoffwechsel regulieren. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Lethargie, Gewichtszunahme, Fellveränderungen und in seltenen Fällen auch Krampfanfälle.
Wie Hypothyreose Krampfanfälle verursachen kann
Der genaue Mechanismus, durch den Hypothyreose Krampfanfälle verursacht, ist nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass ein Mangel an Schilddrüsenhormonen die Erregbarkeit von Nervenzellen erhöhen und somit die Anfallsschwelle senken kann. Darüber hinaus kann Hypothyreose zu Elektrolytstörungen führen, die ebenfalls Krampfanfälle auslösen können.
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Fallbeispiel
Eine Katzenbesitzerin berichtet von ihrer 9-jährigen Katze, die nach der Gabe von Felimazole (einem Medikament zur Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion) einen Krampfanfall erlitt. Die Katze hatte zuvor eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert bekommen und wurde mit Felimazole behandelt. Obwohl die Tierärzte einen Zusammenhang mit dem Medikament ausschlossen, stellt sich die Frage, ob die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion möglicherweise eine zuvor unerkannte Schilddrüsenunterfunktion aufgedeckt hat, die dann den Krampfanfall auslöste.
Diagnose von Krampfanfällen bei Katzen
Die Diagnose von Krampfanfällen bei Katzen erfordert eine gründliche Anamnese, eine allgemeine und neurologische Untersuchung sowie verschiedene diagnostische Tests.
Anamnese
Der Tierarzt wird den Tierhalter nach der Vorgeschichte der Katze befragen, einschließlich:
- Alter, Rasse und Geschlecht
- Familiengeschichte (Epilepsie bei Eltern oder Geschwistern?)
- Vorherige Schädel-Hirn-Verletzungen oder -Erkrankungen
- Zeitpunkt des ersten Anfalls und Umstände
- Auslöser (falls feststellbar)
- Dauer und Erscheinungen des Anfalls
- Videoaufnahmen des Anfalls (falls vorhanden)
- Chronische Erkrankungen
- Dauermedikamente
Allgemeine und neurologische Untersuchung
Der Tierarzt wird eine gründliche allgemeine und neurologische Untersuchung durchführen, um den allgemeinen Gesundheitszustand der Katze zu beurteilen und nicht-neurologische Probleme auszuschließen. Bei einer idiopathischen Epilepsie sollte die neurologische Untersuchung zwischen den Anfällen normalerweise keine besonderen Befunde ergeben.
Labordiagnostik
Eine umfassende Blutuntersuchung, einschließlich der Schilddrüsenwerte, ist unerlässlich, um mögliche Ursachen für die Krampfanfälle zu identifizieren. Bei Verdacht auf eine Vergiftung kann eine Harnuntersuchung hilfreich sein. Röntgen- und/oder Ultraschalluntersuchungen der Brust- und Bauchorgane können weitere Aufschlüsse geben.
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Bildgebende Verfahren
In vielen Fällen sind bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) erforderlich, um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen, wie z. B. Tumore, Entzündungen oder Infarkte.
Elektroenzephalogramm (EEG)
Im Gegensatz zur Humanmedizin spielt das EEG bei Krampfanfall-Leiden bei Katzen eine weniger wichtige Rolle.
Behandlung von Krampfanfällen bei Katzen
Die Behandlung von Krampfanfällen bei Katzen zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle so weit wie möglich zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität von Patient und Besitzer nicht zu beeinträchtigen.
Medikamentöse Therapie
Für die Behandlung der Epilepsie bei Katzen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter:
- Phenobarbital: Ein häufig verwendetes Antiepileptikum, das die Aktivität bestimmter Gehirnareale eindämmt.
- Imepitoin: Ein neueres Antiepileptikum mit weniger Nebenwirkungen als Phenobarbital.
- Kaliumbromid: Wird oft in Kombination mit Phenobarbital eingesetzt, um die Wirksamkeit zu verstärken.
- Diazepam: Wird hauptsächlich als Notfallmedikation bei akuten Anfällen eingesetzt.
Die Dosierung der Medikamente muss individuell angepasst werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.
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Behandlung der Grunderkrankung
Wenn die Krampfanfälle durch eine Grunderkrankung wie Hypothyreose verursacht werden, ist die Behandlung dieser Erkrankung entscheidend. Bei Hypothyreose erfolgt die Behandlung in der Regel durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen.
Ernährung und Haltungsbedingungen
Anpassungen in der Ernährung und den Haltungsbedingungen können ebenfalls dazu beitragen, die Anzahl und Intensität der epileptischen Anfälle zu verringern. Die Katze sollte in einem möglichst vertrauten, ruhigen Umfeld leben und strukturierte Abläufe haben. Veränderungen können Stress verursachen, den es bei Epilepsie zu vermeiden gilt. Eine getreidefreie Ernährung mit hochwertigem Fleisch ohne synthetische Zusätze kann ebenfalls hilfreich sein.
Was tun während eines Anfalls?
Während eines epileptischen Anfalls ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Abstand halten: Die Katze kann ihre Bewegungen während des Anfalls nicht koordinieren. Es besteht das Risiko, dass sie beißt oder kratzt.
- Äußere Reize reduzieren: Lärm und grelle Beleuchtung können zusätzlichen Stress beim Tier auslösen.
- Dokumentieren: Um dem Tierarzt möglichst konkret Auskunft über Dauer und Verlauf geben zu können, sollte der epileptische Anfall dokumentiert werden (Datum, Uhrzeit, Dauer, Symptome).
- Sichere Umgebung: Räumen Sie spitze oder harte Gegenstände aus dem Weg, um Verletzungen zu vermeiden.
Wann zum Tierarzt?
Ein Krampfanfall ist immer ein Grund, einen Tierarzt aufzusuchen. Folgende Situationen erfordern jedoch sofortige tierärztliche Hilfe:
- Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert (Status epilepticus)
- Cluster-Anfälle (zwei oder mehr Anfälle innerhalb von 24 Stunden)
- Atemnot während des Anfalls
- Verlust des Bewusstseins für mehr als 5 Minuten
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