Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem etwa jeder zehnte Mensch betroffen ist. Die Ursachen für Schmerzen im Bereich der oberen Schulter können vielfältig sein. Aufgrund der hohen Belastung, der die Schulter ausgesetzt ist, sind Beschwerden und Erkrankungen in diesem Bereich nicht selten. Zusammen mit den Knie- und Hüftgelenken gehört die Schulter zu den am stärksten beanspruchten Teilen des Skeletts. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Schulterkrämpfen und -schmerzen und bietet einen umfassenden Überblick über dieses komplexe Thema.
Die komplexe Anatomie der Schulter
Das Schultergelenk ist eines der komplexesten Gelenke des Körpers und gleichzeitig eines der am meisten beanspruchten. Es besteht aus zwei Gelenken: dem glenohumeralen Gelenk, das den runden Oberarmkopf (Humerus) mit der Gelenkpfanne (Glenoid) verbindet, und dem Schultereckgelenk (AC-Gelenk) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach, das für die vertikale Beweglichkeit verantwortlich ist. Diese komplexe Anatomie ermöglicht einen großen Bewegungsumfang, macht die Schulter aber auch anfällig für Verletzungen und Erkrankungen.
Häufige Ursachen von Schulterschmerzen
Schulterschmerzen können verschiedene Ursachen haben, wobei in den meisten Fällen nicht das Schultergelenk selbst, sondern Verletzungen oder Erkrankungen von Muskeln, Sehnen oder Schleimbeuteln um das Gelenk die Ursache sind.
Impingement-Syndrom
Das Impingement-Syndrom, auch Schulterengpass-Syndrom genannt, ist eine der häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Dabei kommt es zu einer Einengung zwischen dem Oberarmkopf (Humeruskopf) und dem Schulterdach (Akromion). Wenn der Arm bewegt wird, können Sehnen oder ein Schleimbeutel aufgrund des Platzmangels eingeklemmt und gereizt werden.
Es gibt zwei Hauptformen des Impingement-Syndroms:
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- Primäres Outlet-Impingement (MOI): Hier entsteht die Enge in der Schulter durch anatomische Besonderheiten wie ein stark geneigtes Schulterdach oder Knochensporne und andere knöcherne Anbauten (Osteophyten), die durch dauerhafte Reizung oder degenerative Veränderungen (Arthrose) entstehen können.
- Sekundäres Non-Outlet-Impingement (SAPS): Bei dieser Form sind muskuläre Dysbalancen die Ursache der Einengung. Das kugelförmige Schultergelenk wird hauptsächlich durch Muskeln und Sehnen in seiner Funktion gehalten. Die Rotatorenmanschette, bestehend aus vier Muskeln und zugehörigen Sehnen, stabilisiert das Schultergelenk. Eine Funktionsstörung oder Fehlbelastung der Schultermuskulatur und eine veränderte Stellung und Beweglichkeit der Schulter können zu einem sekundären Impingement führen.
Rotatorenmanschettenriss
Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln, die das Schultergelenk umgeben und für die Stabilität und Bewegung des Gelenks verantwortlich sind. Ein Riss in einer oder mehreren dieser Sehnen kann zu erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
Bei einer Kalkschulter kommt es zu Ablagerungen von Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschette. Dies kann zu starken Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Je weniger die Schulter bewegt wird, desto weniger Stoffwechselaktivität ist im Gewebe, was den Heilungsprozess erschwert.
Schulterarthrose (Omarthrose)
Schulterarthrose ist eine degenerative Erkrankung, bei der der Knorpel in einem der Gelenke der Schulter verschleißt. Dies kann zu Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen führen. Neben eingeschränkter Stoffwechseltätigkeit in der Schulter können auch entzündliche Prozesse den Knorpel schädigen. Für den Gelenkknorpel ist es essentiell, dass vielseitige Bewegung in die Schulter kommt.
Frozen Shoulder (Schultersteife)
Die Ursachen für ein Frozen-Shoulder-Syndrom sind bisher nicht abschließend geklärt. Festgestellt wurde aber, dass Entzündungen in der Schulter auftreten und Durchblutung und Stoffwechsel verschlechtert sind. Auch andere Erkrankungen wie Diabetes Mellitus können eine Frozen Shoulder begünstigen. Ein Schulter-Arm-Syndrom geht oft mit einer Frozen-Shoulder einher: Die Schulter fühlt sich dann „eingefroren“ an und Bewegungen sind erschwert.
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachial-Syndrom)
Das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom, auch Zervikobrachialgie genannt, ist ein Symptomkomplex, der durch Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich gekennzeichnet ist. Die häufigste Ursache sind muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule: knotige, schmerzende Verspannungen, eine zu hohe Spannung in den Faszien oder ein muskuläres Ungleichgewicht. Überschreiten diese Spannungen oder Dysbalancen ein bestimmtes Maß, haben sie auch Effekte auf die Wirbelkörper und die Bandscheiben. Denn die Faszien verbinden alle Strukturen im Körper miteinander.
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Einklemmung eines Nervs
Ein eingeklemmter Nerv im Schulterblatt/Schulter geht meist mit starken Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Taubheitsgefühlen in der Schulterregion einher. Ursachen können Über- oder Fehlbelastungen der Schultergürtelmuskulatur oder der Muskulatur des oberen Rückens sein, z.B. Sportverletzungen.
Weitere mögliche Ursachen
Neben den genannten Ursachen können Schulterschmerzen auch durch folgende Faktoren verursacht werden:
- Psychische Ursachen: Körperliche und seelische Beschwerden hängen oft zusammen. Schulterschmerzen können mit seelischem Stress, Angst, depressiver Stimmung oder ungelösten seelischen Konflikten verbunden sein.
- Fehlhaltungen: Eine schlechte Körperhaltung, insbesondere bei sitzenden Tätigkeiten, kann zu muskulären Dysbalancen und Schulterschmerzen führen.
- Überlastung: Wiederholte Überkopfarbeiten oder sportliche Aktivitäten wie Baseball, Schwimmen oder Wurfsportarten können die Schulter überlasten und zu Schmerzen führen.
- Wetterfühligkeit: Viele Betroffene berichten, dass sich ihre Schulterschmerzen bei Wetterwechsel, feuchter Kälte oder Temperaturstürzen verschlimmern.
- Schlafposition: Seitenschläfer haben ein erhöhtes Risiko für Schulterschmerzen, besonders wenn sie jede Nacht auf derselben Seite liegen.
- Homeoffice: Die oft unergonomische Einrichtung im Homeoffice kann zu einer unbewussten Schädigung der Schulter- und Körperhaltung führen.
Diagnose von Schulterschmerzen
Bei Schulterschmerzen ist eine gründliche Diagnose wichtig, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Diagnose umfasst in der Regel:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich zu seiner Krankengeschichte, den genauen Beschwerden, deren Auftreten und Verstärkung sowie eventuellen Vorerkrankungen oder Unfällen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Schulter auf Schwellungen, Rötungen, Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkungen. Er führt spezielle Tests durch, um die Funktion der Muskeln und Sehnen zu überprüfen.
- Bildgebende Verfahren: Je nach Verdacht können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, MRT oder CT eingesetzt werden, um die Strukturen der Schulter genauer darzustellen und Verletzungen oder Erkrankungen zu erkennen.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Nervenkompression oder andere neurologische Ursachen kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden.
- Blutuntersuchung: In einigen Fällen kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein, um Entzündungen oder andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung von Schulterschmerzen
Die Behandlung von Schulterschmerzen richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. In vielen Fällen können konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie und physikalische Therapie die Beschwerden lindern und die Funktion der Schulter verbessern.
Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu kräftigen, die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern und Fehlhaltungen zu korrigieren.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, verspannte Muskeln zu entspannen, während Kälte eine entzündungshemmende Wirkung hat und Schmerzen lindern kann.
- Injektionen: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortison oder Lokalanästhetika in den Bereich zwischen Schulterdach und Oberarmkopf (subacromiale Injektionen) die Schmerzen lindern.
- Manuelle Therapie: Spezielle Techniken, wie die Myofasziale Entspannung, Mobilisationen und Traktionen, können helfen, Blockaden und Verspannungen zu lösen.
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Die Art der Operation hängt von der Ursache der Schulterschmerzen ab. Mögliche operative Eingriffe sind:
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- Arthroskopische Dekompression (Schulterarthroskopie): Bei einem Impingement-Syndrom kann eine arthroskopische Dekompression durchgeführt werden, um den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern und die eingeklemmten Sehnen oder Schleimbeutel zu entlasten.
- Rotatorenmanschettenrekonstruktion: Bei einem Riss der Rotatorenmanschette kann eine operative Rekonstruktion der Sehnen erforderlich sein.
- Gelenkersatz (Schulterprothese): Bei fortgeschrittener Schulterarthrose kann ein Gelenkersatz in Form einer Schulterprothese in Erwägung gezogen werden.
Vorbeugung von Schulterschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Schulterschmerzen vorzubeugen:
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und gezielte Dehnübungen können helfen, die Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit der Schulter zu erhalten.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie repetitive Überkopfarbeiten oder andere Tätigkeiten, die die Schulter überlasten können.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Gesundheit der Muskeln und Gelenke unterstützen.
- Stressmanagement: Reduzieren Sie Stress, um Verspannungen und Schmerzen vorzubeugen.
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