Krampfanfall oder Schreck mit Apnoe bei Babys: Ursachen und Unterscheidung

Wenn ein Baby plötzlich schreit, bewusstlos wird, sich der Körper verkrampft und zuckt, denken viele sofort an Epilepsie. Doch dies ist nur eine bestimmte Form des Anfalls, der Grand-mal-Anfall. Es gibt viele Ursachen für Krampfanfälle und affektbedingte Episoden bei Babys, die oft beängstigend wirken, aber nicht immer auf Epilepsie zurückzuführen sind. Es ist wichtig, die verschiedenen Ursachen zu kennen, um angemessen reagieren und die richtige Hilfe suchen zu können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Krampfanfällen und Schreckmomenten mit Apnoe bei Babys und wie man sie voneinander unterscheiden kann.

Epilepsie bei Babys und Kindern

Ursachen und Symptome epileptischer Anfälle

Bei einer Epilepsie kommt es durch unterschiedliche Ursachen zu einer übermäßigen elektrischen Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Stoffwechselstörungen, genetische Faktoren, Kopfverletzungen, Tumore, Hirnhautentzündungen oder Schlaganfälle können entsprechende Veränderungen im Gehirn verursachen. Oft ist die genaue Ursache jedoch unbekannt.

Die Symptome epileptischer Anfälle können vielfältig sein. Muskelkrämpfe, Stürze und Bewusstlosigkeit sind typisch, aber auch subtilere Anfallsformen kommen vor. Bestimmte Abläufe, Häufigkeiten und Symptome werden zu sogenannten Epilepsie-Syndromen zusammengefasst.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder einmalige Krampfanfall gleichbedeutend mit einer Epilepsie ist. Die Diagnose „Epilepsie“ beschreibt das Auftreten oder das Risiko für das Auftreten mehrerer epileptischer Anfälle in bestimmten zeitlichen Abständen.

Formen epileptischer Anfälle

Epileptische Anfälle werden in fokale und generalisierte Anfälle unterteilt.

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  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung. Die Symptome richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn. So kann es zu vegetativen Symptomen, plötzlicher Angst, Wut oder Halluzinationen kommen. Auch Störungen der Sinneswahrnehmung sind möglich. Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch Automatismen geprägt.
  • Generalisierte Anfälle: Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen. Zu den generalisierten Anfällen gehören Absencen, myoklonische Anfälle und tonisch-klonische Anfälle.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Da die Symptome einer Epilepsie meist plötzlich und unvermittelt auftreten, ist es wichtig, dass Angehörige wissen, wie man Erste Hilfe leistet. Meistens sind epileptische Anfälle zwar erschreckend, aber nicht gefährlich, solange sie gut kontrolliert und behandelt werden. Weder drohen durch akute Anfälle Hirnschäden, noch führt ein Anfall selbst zum Tod. Aufklärung und Vorbeugung sowie eine konsequente Einnahme der Medikamente sind der beste Weg, Risiken zu reduzieren.

Behandlung von Epilepsie

Die Epilepsie gilt als eine der am besten zu behandelnden neurologischen Erkrankungen. Bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten werden durch die medikamentöse Therapie mit Antikonvulsiva anfallsfrei. Da Epilepsie jedoch nicht heilbar ist, gilt die Anfallskontrolle als wichtigstes Ziel. Diese ist oft nur durch eine lebenslange Einnahme der Anfallssuppressiva möglich, welche dann aber oft ein uneingeschränktes und selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.

Akut symptomatische Anfälle (ASA)

Die ILAE definiert einmalige Krampfanfälle als sogenannte ASA. Sie werden nicht als Teil einer epileptischen Erkrankung eingestuft, sondern sind den epileptischen Anfällen lediglich ähnlich. Die Ursachen für einen solchen akut symptomatischen Anfall sind jedoch andere. ASA treten in engem zeitlichen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. als Folge einer Unterzuckerung, einer Hirnschädigung oder eines Schlaganfalls.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Epilepsie und Krampfanfall: Es gibt keinen akuten Auslöser für epileptische Anfälle, sondern eine dauerhafte Ursache wie eine strukturelle Veränderung im Gehirn oder eine chronische Grunderkrankung, die immer wieder zu epileptischen Anfällen führt. Anders formuliert bedeutet das, dass ein Vermeiden der Auslöser akut symptomatischer Krampfanfälle, zum Beispiel durch mehr Schlaf, weniger Stress, weniger Alkohol, oder das Auskurieren einer Fiebererkrankung, das Risiko für einen erneuten akuten Anfall minimieren kann.

Ohnmachtsanfälle (Synkopen)

Ein Ohnmachtsanfall (Synkope) bezeichnet einen plötzlichen Bewusstseinsverlust von kurzer Dauer. Synkopen treten bei Kindern und jungen Erwachsenen häufig auf und können unterschiedlichen Ursprungs sein. Bei einem Ohnmachtsanfall (Synkope) tritt ein vorübergehender Bewusstseinsverlust auf, der in der Regel dazu führt, dass die Betroffenen zusammenbrechen oder umfallen. Synkopen treten plötzlich auf und haben in der Regel eine kurze Dauer von 30-60 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Manchmal wird der Bewusstseinsverlust von Krämpfen begleitet. Ursache ist eine vorübergehende Minderversorgung des Gehirns mit Blut. Die Minderversorgung kann unterschiedlichen Ursprungs sein. Anschließend kehrt das Bewusstsein von alleine wieder zurück.

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Synkopen treten bei Kindern und jungen Erwachsenen häufig auf. 15 % aller Kinder unter 18 Jahren erleben mindestens einen Ohnmachtsanfall. Typischerweise sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10-21 Jahren und Mädchen häufiger als Jungen betroffen.

Eine Ohnmacht kann vielerlei Ursachen haben. Zugrunde liegt eine vorübergehend unzureichende Blutversorgung des Gehirns. Dabei ist die Ohnmacht eine Art Schutzmechanismus: Wenn die betroffene Person ohnmächtig wird und auf den Boden sinkt, wird das Gehirn in der waagerechten Lage wieder besser durchblutet als im Stehen.

Häufige Ursachen von Synkopen

  • Reflexsynkope: Eine häufige Art der Synkope bei Kindern ist die Reflexsynkope. Sie tritt bei Kleinkindern als sog. „Affektkrampf" auf, bei dem ein Schreck oder eine emotionale Belastung Auslöser sein kann. Affektkrämpfe können in drei Unterformen eingeteilt werden. Bei einer Form des Affektkrampfes führt heftiges Schreien zum Blauanlaufen (Zyanose) des Kindes mit vorübergehendem Atemstillstand und anschließender Bewusstlosigkeit. Bei einer anderen Form bleibt das Schreien meist aus oder beschränkt sich auf einen kurzen Aufschrei. Das Kind wird blass, anschließend ohnmächtig und kann Krämpfe zeigen. Zusätzlich gibt es auch Mischformen.

    Bei größeren Kindern und Jugendlichen (meist 10-21 Jahren) werden Reflexsynkopen z. B. durch Schmerzen, den Anblick von Blut oder einen unerträglichen Geruch ausgelöst. In der Mehrzahl der Fälle ereignen sich Reflexsynkopen nach längerem Stehen. Sie kündigen sich meist durch Schwindelgefühle, Schwarzwerden vor den Augen, Augenflimmern, verschwommenes Sehen, Hitze- oder Kältegefühl, Schweißausbrüche oder Übelkeit an. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen sacken dann üblicherweise zusammen. Die Bewusstlosigkeit hält nur kurz an. Beim Erwachen wissen die Kinder und Jugendlichen, wo sie sich befinden und erinnern sich in der Regel an den Beginn des Sturzes. Betroffene können sich allerdings noch mehrere Stunden abgeschlagen und unwohl fühlen. Situationssynkopen, die auch zu den Reflexsynkopen gezählt werden, treten z. B. beim Wasserlassen, Husten, Niesen oder Lachen auf.

  • Orthostatische Synkope: Ein anderer häufiger Grund für eine Synkope ist ein schneller Lagewechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen: Steuert der Herzmuskel nicht sofort dagegen und pumpt verstärkt Blut, kann der Blutdruck plötzlich abfallen (orthostatische Hypotension, d. h. Blutdruckabfall durch Lagewechsel). Das Blut „versackt" in der unteren Körperhälfte. Dadurch wird das Gehirn einige Sekunden lang zu wenig mit Blut versorgt. Flüssigkeitsmangel kann das Auftreten von orthostatischen Synkopen begünstigen.

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Seltene Ursachen von Synkopen

Herzerkrankungen, z. B. Herzrhythmusstörungen oder angeborene Herzfehler, können ebenfalls ursächlich für Synkopen sein. Kommt es infolge von körperlicher Anstrengung oder in Rückenlage zu einer Synkope, kann dies für eine kardiale Ursache sprechen.

Abgrenzung von anderen Ursachen für Bewusstlosigkeit

Abzugrenzen sind Synkopen von anderen Erkrankungen, bei denen es zur Bewusstlosigkeit kommt. Hierzu zählen neurologische Erkrankungen, z. B. die Epilepsie. Bei Stoffwechselerkrankungen kann ein zu niedriger Blutzucker (Hypoglykämie) oder eine Elektrolytstörung zu Bewusstlosigkeit führen. Psychische Erkrankungen wie Panikstörungen können mit einer Hyperventilation einhergehen, die zur Ohnmacht führt.

Diagnostik und Therapie von Synkopen

Nach einer erstmaligen Synkope, bei Synkopen aus unerklärlichen Gründen sowie bei Synkopen nach körperlicher Anstrengung, nach Herzrasen oder bei wiederkehrenden Synkopen sollten Sie bzw. Ihr Kind zeitnah ärztliche Hilfe aufsuchen, um die Ursachen abzuklären. Bestehen Fieber, Atemnot, eine lang anhaltende Bewusstlosigkeit oder andere Symptome, sollten Kinder direkt durch den Notdienst, im Krankenhaus oder von niedergelassenen Kinder- oder Jugendärzt*innen untersucht werden.

Die Ursache eines Ohnmachtsanfalls kann mithilfe der Krankengeschichte (Anamnese) und einer ärztlichen Untersuchung eingegrenzt werden. Teilweise reicht dies schon zur Diagnosestellung aus, da einige Synkopen charakteristische Merkmale zeigen.

In der Regel wird ein EKG durchgeführt. In vielen Fällen sind das EKG und die oben aufgeführten Maßnahmen ausreichend, um eine Synkope abzuklären. In manchen Fällen ist eine Blutuntersuchung erforderlich. Besteht der Verdacht z. B. auf eine Herzerkrankung oder eine neurologische Erkrankung, werden weitere spezielle Untersuchungen durchgeführt.

Die Prognose für Reflexsynkopen und orthostatische Synkopen ist sehr gut. Meist verschwinden die Synkopen im Verlauf von alleine, können aber auch wiederholt auftreten. Nur selten ist eine Therapie (z. B. durch Medikamente) erforderlich. Liegt eine kardiale Synkope vor, orientiert sich die Therapie an der zugrunde liegenden Herzerkrankung.

Bei einer drohenden Reflex- oder orthostatischen Synkope kann es helfen, die Position zu ändern, z. B. hinlegen oder aufsetzen. Es kann hilfreich sein, die Bein- und Gesäßmuskeln anzuspannen. Eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, ausreichend Schlaf sowie Ausdauersport können vorbeugend wirken. Um mögliche Auslöser herauszufinden und in Zukunft zu meiden, kann ein Synkopen-Tagebuch geführt werden.

Erste Hilfe bei Synkopen

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind droht, in Ohnmacht zu fallen, vermeiden Sie, wenn möglich, einen Sturz und legen Sie Ihr Kind flach auf den Rücken. Überprüfen Sie während der Bewusstlosigkeit die Atmung, indem Sie Ihr Ohr über den Mund des Kindes halten und dabei in Richtung Brustkorb blicken: Sie können den Atemstrom somit hören, sehen (Brustkorb hebt und senkt sich) und fühlen. Bei einem Atemstillstand sollten Sie sofort mit der Wiederbelebung bei Jugendlichen/Erwachsenen) beginnen und den Notruf (112) alarmieren. Atmet das Kind, versuchen Sie die Blutzufuhr zum Gehirn zu verbessern, indem Sie die Beine gestreckt anheben. Lockern Sie einengende Kleidung und sorgen Sie für frische Luft.

Affektkrämpfe (Atemanhaltekrämpfe)

Affektkrämpfe (auch Atemanhaltekrämpfe) sind nicht-epileptische Anfälle, die bei Kindern zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auftreten können. Für den Rettungsdienst ist die Erkrankung insofern relevant, als die Symptome dramatisch und bedrohlich wirken können - bis hin zur kurzfristigen Bewusstlosigkeit oder tonisch-klonischen Bewegungsmustern. Bei Kindern müssen Affektkrämpfe immer von zerebralen Anfällen oder einem Fieberkrampf abgegrenzt werden, hierzu ist bereits der Auslöser ein erster Anhaltspunkt. Affektkrämpfe treten durch äußere Einflüsse (z.B.

Formen von Affektkrämpfen

  • Zyanotische Affektkrämpfe: Umgangssprachlich häufig auch Schreikrampf oder englisch „breath-holding spell“, treten bei Kleinkindern nach einem Frustrationsmoment oder Schmerzreiz auf. Typisch ist ein intensives und längeres Schreien wodurch die Exspiration blockiert wird. Es folgt ein plötzlicher Verlust des Muskeltonus und eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit. In dieser Phase können tonische Verkrampfungen auftreten.
  • Blasse Affektkrämpfe: Treten bei Kindern nach einem plötzlichen Schmerz- oder Schreckreiz auf. Nach dem Ereignis kommt es zu einer reflektorischen kurzen Asystolie oder Bradykardie, gefolgt von einer zerebraler Minderperfusion. Es zeigen sich Symptome wie Blässe, Bewusstseinsverlust und vereinzelte tonische Verkrampfungen.
  • Gemischte Affektkrämpfe: Einige Kinder weisen sowohl blaue als auch blasse Formen von Affektanfällen auf.

Symptome und Ursachen von Affektkrämpfen

Die Symptome eines Affektkrampfs können initial, vor allem bei ersten Auftreten, dramatisch und bedrohlich wirken. Im Rettungsdienst steht die Anamnese und Beobachtung im Vordergrund. Falls möglich sollte der Auslöser des Affektkrampf bestmöglich reduziert werden. Zusätzlich sollten die Atemwege freigehalten werden und eine Basisüberwachung kann etabliert werden. Eine medikamentöse Therapie ist nicht erforderlich, da die Erkrankung selbstlimitierend ist.

Zyanotische Affektkrämpfe werden durch Wut, Frustration oder Schmerzen ausgelöst. Blasse Affektkrämpfe werden typischerweise nach leichten Sturztraumen, bei Erschrecken, Angst oder Schmerzen beobachtet und lösen einen verlangsamten Herzschlag oder ein kurzzeitiges Aussetzen des Herzschlags aus.

Auch wenn die Anfälle durch erkennbare/bekannte Situationen ausgelöst werden, sind sie nicht bewusst herbeigeführt. Das heißt, dass das Kind sie nicht absichtlich provoziert. Aufgrund einer ca. 5-sekündigen Unterbrechung der Blutversorgung (Sauerstoffzufuhr) des Gehirns, kann das Kind das Bewusstsein verlieren. Kurzdauernde Anfälle mit Zuckungen (tonisch) oder gelegentlich rhythmische Anfälle (klonisch) können die Folge sein.

Begünstigende Faktoren

  • Eisenmangel
  • Häufung von Affektkrämpfen innerhalb der Familie (Eltern und Geschwister)
  • Schlafmangel

Häufigkeit

Affektkrämpfe treten bei 3-4 % aller Kleinkinder auf. Die Anfälle beginnen häufig im Alter von 6-18 Monaten, meist vor dem 2. Lebensjahr des Kindes; sie erreichen ihren Höhepunkt im Alter von 1-2 Jahren und verschwinden häufig spontan, wenn das Kind im Schulalter ist.

Diagnostik

Die Diagnosestellung basiert auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der Schilderung typischer Anfälle und deren Auslöser. Es ist selten erforderlich, weitere Untersuchungen durchzuführen. In Fällen, in denen die Diagnose nicht zweifelsfrei bestätigt werden kann, ist ein EEG zum Ausschluss von Epilepsie möglicherweise angezeigt.

Differentialdiagnose

Mögliche andere zugrunde liegende Erkrankungen (Auswahl):

  • Epilepsie
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Schlafstörungen (z. B. Nachtschreck)
  • Herzrhythmusstörungen (sehr selten)

Was tun bei einem Affektkrampf?

Es ist wichtig, zu verstehen, dass die Anfälle zwar gefährlich aussehen können, aber harmlos sind. Der eigentliche Anfall ist nicht gefährlich für das Kind, es besteht jedoch die Gefahr, dass es sich beispielsweise durch einen Sturz bei Einsetzen des Anfalls verletzt.

Der Schwerpunkt sollte auf der Beobachtung des Kindes während des Anfalls liegen. Prüfen Sie ob, dass das Kind atmet und legen Sie es ggf. in die stabile Seitenlage. Bleiben Sie bei dem Kind, bis es wieder zur Besinnung kommt, nehmen Sie es nicht hoch und schütteln Sie es nicht.

Therapie

Es gibt keine standardmäßige medikamentöse Therapie gegen Affektkrämpfe. Eine Eisensubstitution kann wirksam bei Affektkrämpfen sein. Besonders bei Kindern mit nachgewiesener Eisenmangelanämie kann dies sinnvoll sein. Eine Substitution kann jedoch auch bei Kindern ohne Anämie oder mit Hämoglobin im unteren Normbereich erfolgreich sein und verbessert wahrscheinlich auch die Überreizung des vegetativen Nervensystems. In schweren Fällen, in denen eine Eisengabe keine Besserung bringt, kann das Antiepileptikum Piracetam versuchsweise angewendet werden.

Was können Eltern selbst tun?

  • Bringen Sie ein Video von dem Anfall mit (nehmen Sie die Episode mit einem Mobiltelefon oder einer gewöhnlichen Kompaktkamera auf).
  • Vorgehen bei Affektkrämpfen:
    • Ruhig bleiben
    • Das Kind gut beobachten und vor Stürzen bewahren
    • Betroffene Kinder in die stabile Seitenlage bringen
    • Abwarten - der Affektkrampf ist in wenigen Sekunden bis Minuten vorbei, die regelmäßige Atmung sollte nach 30 Sekunden von allein wieder einsetzen
    • Das Kind danach nicht ausschimpfen, sondern „normal“ behandeln
    • Beim Erstanfall ist ein Arztbesuch ratsam

Prognose

Die Prognose ist im Allgemeinen gut. Die Langzeitprognose ist bisher unvollständig untersucht. Mit zunehmendem Alter verschwinden die Anfälle meist. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder treten nach dem 7. Lebensjahr keine Affektkrämpfe mehr auf.

Fieberkrämpfe

Ein Fieberkrampf ist ein zerebraler Anfall, der durch einen plötzlichen Temperaturanstieg ausgelöst wird. Wichtig ist dabei nicht die Höhe des Fiebers, sondern der schnelle Anstieg. Es kann also durchaus vorkommen, dass das Kind schon bei 38,3° einen Krampfanfall bekommt, z. B. dann, wenn es gerade erst einen fieberhaften Infekt entwickelt. Fieberkrämpfe kommen bei Kindern ab 6 Monaten und bis 5 Jahre vor und stehen im Zusammenhang mit der Anfallsanfälligkeit des kindlichen Gehirns. Die Hoch-Zeit liegt zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat.

Normalerweise bleibt ein Fieberkrampf ein einmaliges Ereignis, sehr oft wird er durch das Drei-Tage-Fieber (welches ja auch nur einmalig auftritt) ausgelöst. Ein Fieberkrampf beginnt mit einem plötzlichen Bewusstseinsverlust und einer kompletten Versteifung des Körpers. Nach 10-30 Sekunden beginnt das Kind unkontrolliert zu zucken. Begleitend kann es sein, dass das Kind Gurgel- und Schmatzlaute von sich gibt, unkontrolliert Grimassen schneidet, die Augen wild verdreht bzw. In seltenen Fällen sackt das Kind (ohne zu zucken) in sich zusammen und ist schlapp und leblos.

Der Krampf dauert normalerweise nur wenige Minuten, durchschnittlich zwei bis drei, wobei sich diese Zeit für die Eltern endlos anfühlt. Es gibt einen atypischen Verlauf des Krampfes, bei dem dieser bis zu 15 Minuten dauern kann, deshalb ist es sinnvoll, die Zeit im Auge zu behalten, um hinterher dem Kinderarzt möglichst genau Auskunft geben zu können. Nach dem Anfall folgt meist eine kurze Phase der Benommenheit beim Kind.

Da eine Abgrenzung von anderen krampfartigen Anfällen wie Epilepsie, Ohnmacht, Hirnhautentzündung oder Schüttelfrost für den Laien nicht einfach ist, sollte in jedem Fall der Kinderarzt, wenn nicht sogar der Notarzt, zu Rate gezogen werden. Normalerweise ist der Anfall bereits vorbei, wenn der Notarzt eintrifft, trotzdem ist es ratsam, abklären zu lassen, ob es wirklich ein Fieberkrampf oder etwas anderes war.

Am besten, ihr legt euer Kind dorthin, wo es sich während des Krampfes nicht weh tun kann. Spitze Kanten, Ecken, und andere gefährliche Gegenstände sollten aus der Reichweite des Kindes entfernt werden - genau wie bei einem epileptischen Anfall. Es hilft absolut nicht, dem Kind kalte Lappen auf die Stirn zu legen oder zu versuchen, einen Fiebersaft oder ein Fieberzäpfchen in das Kind zu zwingen. Ebenso sollte man vermeiden, die krampfenden Arme und Beine des Kindes festzuhalten, oder zu versuchen, etwas in den Mund zu schieben, damit sich das Kind nicht auf die Zunge beißt. Es ist schwer, aber ihr müsst einfach Ruhe bewahren und abwarten.

Da nicht klar bewiesen ist, warum einige Kinder einen Fieberkrampf erleiden und andere nicht und auch nicht vorhersehbar, ab welcher Temperatur der Fieberkrampf auftreten wird, ist z. B. eine prophylaktische Gabe von fiebersenkenden Mitteln unangebracht.

Pseudo-Krupp

Pseudo-Krupp ist eine Erkrankung der Atemwege zwischen Kehlkopf und Stimmritze, die von ganz normalen Erkältungsviren, selten durch Bakterien, Grippeviren oder starke Luftverschmutzung und passives Rauchen ausgelöst wird. Sie tritt vorwiegend bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren auf, wobei die Hoch-Zeit der Anfälle eher bis zum 3. Lebensjahr angegeben wird.

Die Erreger verursachen eine Entzündung in der Schleimhaut, wodurch diese anschwillt. Der Atemwegswiderstand erhöht sich bei Babys und Kleinkindern um das 16-fache, bei Erwachsenen nur um das 3-fache! Das Ergebnis ist schlicht und ergreifend Atemnot und daraus resultierend, Panik.

Die Anfälle treten zwischen Oktober und März hauptsächlich nachts zwischen 22 Uhr und 4 Uhr auf, da zu dieser Zeit ist die körpereigene Cortisolproduktion heruntergefahren. Ein normal hoher Cortisolspiegel sorgt dafür, dass das Immunsystem auf Krankheitserreger nicht überreagiert - es dämpft also die körpereigene Abwehr. Sinkt der Spiegel in der Nacht, arbeitet das Immunsystem stärker und reagiert entsprechend heftiger auf Krankheitserreger, als tagsüber.

Leider kann man als Elternteil nicht vorher erkennen, wann ein Kruppanfall bevorsteht, denn die Kinder gehen erst einmal mit einem guten Allgemeinzustand ins Bett. Ganz selten ist ein leichtes Fieber zu messen, meist kommen die Krankheitsanzeichen aber erst nach dem Anfall. Typischerweise wachen die Kinder nach einer Pseudo-Krupp-Nacht dann mit einer klassischen Erkältung auf.

Hat man einmal sein Kind so einatmen und husten gehört, weiß man für den Rest seines Lebens, wie das klingt. Das Einatmen klingt irgendwie verengt, sehr oft kommt es dabei zu einem pfeifenden Geräusch. Das Ausatmen klingt dagegen eher normal.

Das Aller-aller-aller-wichtigste ist, dass die Eltern eines Kindes mit Krupp-Anfall selbst ruhig bleiben und dem Kind Sicherheit vermitteln. Nehmt eure Kinder auf den Arm, geht ans offene Fenster, auf den Balkon oder in den Garten (wenn es heiß draußen sein sollte, stellt euch vor den Kühlschrank) und redet beruhigend auf sie ein. Zählt die Sterne oder vorbeifahrende Autos oder erzählt ihnen eine ruhige Geschichte etc., damit sie gleichmäßiger atmen und sich auf etwas anderes als die beklemmende Atemnot konzentrieren.

Da der Anfall vornehmlich dadurch ausgelöst wird, dass die körpereigene Cortisolproduktion heruntergefahren ist und das Immunsystem deshalb so stark mit der Schwellung der Atemwege auf die eindringenden Erreger reagiert, ist die beste Hilfe, die ihr eurem Kind geben könnt, Cortison. Leider ist das bei einem Kind, das schon in Panik geraten ist, sehr, sehr schwer. Hinzu kommt, dass die Wirkung erst nach 30-60 Minuten einsetzt (und auch nur bei schwankender Resorption), so dass die Besserung manchmal gefühlt unglaublich lange auf sich warten lässt. Vorteil des Zäpfchens ist übrigens die lange Wirkungsdauer von 12-36 Stunden.

Habt ihr noch keine Zäpfchen zu Hause und der Anfall verschlimmert sich zusehens, braucht ihr euch nicht scheuen, den Notarzt (zur Erinnerung: 112) zu rufen! Der Mensch am anderen Ende der Leitung wird euch fragen, wie alt das Kind ist, wie eure Adresse lautet und euch dann Schritt für Schritt erklären, wie ihr bis zum Eintreffen des Wagens vorzugehen habt. Im Krankenhaus (oder vielleicht sogar schon im Rettungswagen) werden sie eurem Kind Adrenalin zum Inhalieren geben. Dieses wirkt wunderbar schnell nach 10 Minuten, hält aber nur 2 Stunden an. Zur Sicherheit werden euch die Ärzte im Krankenhaus behalten.

Nach dem ersten Pseudo-Krupp-Anfall, egal ob mit schwerem oder leichtem Verlauf, ist es angezeigt, beim Kinderarzt vorstellig zu werden. Zwar kann dieser im Nachhinein nichts mehr tun und selbst die Diagnostik kann dann nur noch per Fragen ("Wie klang der Husten genau? Wann trat er auf?") geschehen.

Nachtschreck (Pavor nocturnus)

Der Nachtschreck (lat. Pavor nocturnus) ist eine Form der Schlafstörung, die die Eltern zwar sehr erschreckt, jedoch immerhin nicht solche Todesängste hervorruft, wie z. B. der Fieberkrampf oder auch der Affektkrampf. Das Kind schreckt plötzlich innerhalb der ersten Tiefschlafphase (ca. 15 - 60 Minuten nach dem Einschlafen) aus dem Schlaf hoch und fängt an, angstvoll zu schreien. Die Angst des Kindes ist dabei echt - man kann sie messen und sie zeigt sich auch durch einen erhöhten Puls, Angstschweiß und eine beschleunigte Atmung. Nach 2 bis 40 Minuten ist der Anfall vorbei und das Kind schläft meist ruhig weiter (oder erwacht richtig). Am nächsten Morgen kann es sich nicht an das Schreckenserlebnis der Nacht erinnern - die Eltern sind meist verstörter, als das Kind selbst. Bis zu 6% aller Kinder sind vom Nachtschreck betroffen, die Hoch-Zeit liegt zwischen dem 5. und 7. Lebensja…

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