Krämpfe zwischen den Schulterblättern sind ein weit verbreitetes und oft belastendes Problem. Sie können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, von einfachen Muskelverspannungen bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Ursachen von Krämpfen zwischen den Schulterblättern, ihre Symptome, Behandlungsoptionen und präventiven Maßnahmen, um einen gesunden und schmerzfreien Rücken zu fördern.
Muskeln in Rücken, Schultern und Nacken
Krämpfe in Rücken, Schultern und Nacken können verschiedene Muskeln betreffen. Ein Überblick über die wichtigsten Muskeln in diesen Bereichen hilft, die Ursachen und Auswirkungen von Krämpfen besser zu verstehen:
- Vordere Nackenmuskulatur:
- M. rectus capitis lateralis: Beugung des Kopfes zur Seite und nach vorne.
- Hintere Nackenmuskulatur:
- M. obliquus capitis superior: Beugung des Kopfes zur Seite und nach hinten.
- M. obliquus capitis inferior: Drehung des Kopfes.
- M. rectus capitis posterior minor: Beugung des Kopfes zur Seite und nach hinten, Drehung des Kopfes.
- M. rectus capitis posterior major: Beugung des Kopfes zur Seite und nach hinten, Drehung des Kopfes.
- Dorsale Schultermuskulatur:
- M. supraspinatus: Außenrotation und Anheben des Arms zur Seite.
- M. deltoideus: Anheben des Arms zur Seite, nach vorne und nach hinten; Innen- und Außenrotation des Arms.
- M. teres major: Innenrotation des Arms, Anheben des Arms nach hinten, seitliches Anlegen des Arms.
- M. teres minor: Außenrotation des Arms, seitliches Anlegen des Arms.
- M. infraspinatus: Außenrotation des Arms.
- Ventrale Schultermuskulatur:
- M. subscapularis: Innenrotation des Arms.
- Sekundäre Rückenmuskulatur:
- M. coracobrachialis: Innenrotation, seitliches Anlegen und Anheben des Arms nach vorne.
- M. levator scapulae: Anhebung der Schulterblätter; Absenken des angehobenen Arms; Neigung der Halswirbelsäule.
- M. latissimus dorsi: Anlegen und Innenrotation des Arms.
- M. trapezius: Anheben der Arme über die Horizontale; Stabilisierung der Schulter beim Tragen von Lasten.
- M. serratus posterior inferior: Unterstützung der Ausatmung.
- Autochthone Rückenmuskulatur:
- M. erector spinae: Aufrichtung der Wirbelsäule, aufrechte Haltung des Kopfes; Drehung und Neigung der Wirbelsäule.
Ursachen von Krämpfen zwischen den Schulterblättern
Krämpfe im Bereich der Schulterblätter können vielfältige Ursachen haben. Der aufrechte Gang des Menschen beansprucht die Muskeln des Rückens, der Schultern und des Nackens besonders stark.
Häufige Ursachen
- Muskelverspannungen und -verletzungen: Diese entstehen oft durch wiederholte Bewegungen, ungewöhnliche Belastungen oder Überlastung, wie z.B. beim Heben schwerer Gegenstände.
- Fehlhaltungen: Stundenlanges Sitzen, insbesondere bei Büroarbeit, oder eine ungünstige Körperhaltung während der Arbeit können zu Verspannungen führen. Viele Menschen ziehen unwillkürlich den Nacken nach vorne, wenn sie am Schreibtisch sitzen, was die Muskeln zusätzlich belastet.
- Bewegungsmangel: Zu wenig Sport kann zu Verschleiß führen, der wiederum Rückenschmerzen auslösen kann.
- Psychischer Stress: Emotionaler oder psychischer Stress kann Verspannungen verursachen, die zu Muskelkrämpfen im Rücken führen. Hochgezogene Schultern und ein vorgezogener Nacken sind unbewusste Schutzhaltungen, die der Körper bei Stress einnimmt.
- Weitere Faktoren: Auch Kälte, Muskelkater, Flüssigkeitsmangel (Dehydration) und Störungen im Mineralstoffhaushalt (z. B. Magnesium-, Kalzium- oder Kaliummangel) können Krämpfe begünstigen.
Seltenere Ursachen
- Verletzungen: Bandscheibenvorfälle, Wirbelbrüche oder andere Verletzungen der Wirbelsäule können ebenfalls Schmerzen zwischen den Schulterblättern verursachen.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Arthritis (insbesondere Osteoarthritis), rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie, Nerven- und Muskelerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Diabetes mellitus, Erkrankungen der Lunge, des Herzens oder des Verdauungstrakts können ebenfalls Schmerzen in diesem Bereich verursachen.
- Medikamente: Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, wie z. B. Cholesterinsenker (Statine), hormonelle Verhütungsmittel oder Arzneimittel gegen Bluthochdruck, können Muskelkrämpfe auslösen.
- Organische Probleme: In seltenen Fällen können Schmerzen im oberen Rücken Symptom einer organischen Erkrankung sein, etwa einer Lungen- oder Magenkrankheit. Gallenblasenprobleme oder eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse können ebenfalls zu ausstrahlenden Schmerzen führen.
- BWS-Syndrom: Das BWS-Syndrom (Brustwirbelsäulen-Syndrom) kann ebenfalls Schmerzen zwischen den Schulterblättern verursachen, die oft auch vorne am Brustkorb auftreten.
Risikogruppen
Bestimmte Personengruppen sind anfälliger für Muskelkrämpfe im Schulter-, Rücken- oder Nackenbereich:
- Ältere Personen
- Personen mit Fehlstellungen der Füße
- Sportler
- Schwangere
- Personen mit Mangelernährung oder übermäßigem Alkoholkonsum
- Personen, die an einem Flüssigkeitsmangel leiden
Symptome von Krämpfen zwischen den Schulterblättern
Die Symptome von Rückenschmerzen im oberen Rücken können je nach Ursache variieren. Häufige Symptome sind:
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- Ein stechender Schmerz, der genau zwischen bzw. am Rand der Schulterblätter auftritt.
- Dumpfe, drückende oder stechende Schmerzen, die bewegungs- oder atemabhängig sein können.
- Muskelverspannungen im oberen Rücken, oft tastbar als Verhärtungen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Oberkörpers, z.B. Schwierigkeiten beim Vorbeugen oder Drehen.
- Ausstrahlung der Schmerzen in den Brustkorb, die Arme oder den Kopf.
- Bei einem eingeklemmten Nerv können zusätzlich Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Arm oder in den Fingern auftreten.
- In seltenen Fällen können begleitende Symptome wie Fieber, unerklärlicher Gewichtsverlust oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten.
Diagnose von Krämpfen zwischen den Schulterblättern
Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der Krämpfe zu identifizieren und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Der Diagnoseprozess umfasst in der Regel:
Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Art, Dauer und Lokalisation der Schmerzen sowie mögliche Auslöser und Begleitsymptome. Bei der körperlichen Untersuchung werden Wirbelsäule, Muskeln und Nerven auf Verspannungen, Bewegungseinschränkungen und neurologische Ausfälle untersucht.
Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Um Schädigungen der Knochen, wie z.B. Verletzungen der Schulterblätter oder der Brustwirbelsäule, darzustellen.
- Ultraschall: Zur Darstellung muskulärer Verspannungen und zur Beurteilung von Herz und Lunge.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zur Beurteilung von Weichteilen wie Muskeln, Sehnen, Nerven und Bandscheiben. Ein MRT kann bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall oder -vorwölbung der BWS erforderlich sein.
Weitere Untersuchungen:
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf Nervenreizungen oder -schädigungen.
- EMG (Elektromyographie): Zur Messung der Muskelaktivität und zur Analyse des muskulären Gleichgewichts.
- Wirbelsäulenvermessung: Zur Analyse von Fehlhaltungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule.
- Nervenleitgeschwindigkeitstest (NLG): Bei Verdacht auf chronische Nervenschädigungen oder Bandscheibenbeteiligung.
Behandlung von Krämpfen zwischen den Schulterblättern
Die Behandlung von Krämpfen zwischen den Schulterblättern richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
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Konservative Behandlung
In den meisten Fällen können Krämpfe zwischen den Schulterblättern konservativ behandelt werden. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:
- Schmerzlinderung:
- Rezeptfreie Schmerzmittel: Diclofenac oder Ibuprofen können helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann die Muskulatur lockern, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
- Massagen: Können die Durchblutung anregen und oberflächliche Verspannungen der Muskeln lösen.
- Akupunktur: Kann Blockierungen an Triggerpunkten lösen.
- Kinesiotapes: Elastische Pflaster können die Muskelspannung verändern und die Gelenkfunktion verbessern.
- Physiotherapie:
- Dehnübungen: Spezifische Dehnübungen können helfen, die Muskeln zu lockern und Muskelkrämpfen vorzubeugen.
- Kräftigungsübungen: Gezieltes Krafttraining hilft, die Muskulatur zu kräftigen und eine gesunde Haltung zu erlernen.
- Haltungskorrektur: Übungen zur Haltungskorrektur helfen, Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Manuelle Therapie: Kann Blockaden lösen und die Beweglichkeit verbessern.
- Weitere Maßnahmen:
- Osteopathie: Durch einen ganzheitlichen Ansatz die Selbstheilungsprozesse des Körpers unterstützen und so chronische (Muskel-)Schmerzen lindern.
- Ergonomie: Anpassung des Arbeitsplatzes und Vermeidung von ungünstigen Körperhaltungen.
- Entspannungstechniken: Methoden wie die progressive Muskelentspannung können aktiv verhärtete Muskeln lockern.
- Injektionen: Bei einer Facetteninfiltration gelangen Schmerzmittel direkt in die Bereiche der Zwischenwirbelgelenke, wo sie ihre Wirkung entfalten können.
Übungen gegen Krämpfe zwischen den Schulterblättern
Spezifische Übungen können helfen, die Muskulatur zu lockern, die Beweglichkeit zu verbessern und Krämpfen vorzubeugen. Hier sind einige Beispiele:
- Dehnung des Schultergürtels: Arm auf Schulterhöhe heben, mit der gegenüberliegenden Hand den Ellenbogen fassen und den Arm leicht nach hinten ziehen.
- Dehnung von Schulter und Trizeps: Arm nach oben strecken, Unterarm hinter dem Kopf abwinkeln und mit der anderen Hand den Ellenbogen leicht Richtung Kopf ziehen.
- Frontheben: Mit leichten Hanteln oder Wasserflaschen die Arme vor dem Körper bis auf Schulterhöhe anheben und wieder absenken.
- Dehnung durch Schulterrotation: Schultern zu den Ohren ziehen und langsam nach hinten und dann nach vorn kreisen.
- Dehnung der Nackenmuskulatur: Kopf mithilfe der Hand seitlich neigen und die Dehnung halten.
- Übungen gegen den Handynacken: Kinn so weit wie möglich nach hinten ziehen und wieder nach vorne bewegen.
- Entspannung des Oberkörpers (Katze-Kuh-Übung): Im Vierfüßlerstand abwechselnd den Rücken rund machen (Katze) und in ein Hohlkreuz ziehen (Kuh).
- Dreh-Dehn-Lage: In Rückenlage die Beine angewinkelt aufstellen und zur Seite ablegen, Kopf in die Gegenrichtung rotieren.
- Dehnung des Rückens (Child's Pose): Im Fersensitz den Oberkörper nach vorn beugen und die Arme nach vorn oder hinten ablegen.
- Dehnung an der Zimmerecke: Arme seitlich ausstrecken und die Handflächen an die Wände einer Zimmerecke legen, dann den Oberkörper leicht nach vorn lehnen.
- Übungen im Vierfüßlerstand: Rücken rund machen und Kopf hängen lassen, dann den Rücken durchhängen lassen und den Kopf anheben.
- Dehnung im Stehen oder Sitzen: Schultern und Arme nach vorne unten strecken und das Kinn leicht Richtung Kehlkopf ziehen.
- Rotation im Vierfüßlerstand: Einen Arm unter dem Körper hindurchführen und versuchen, mit der Hand bis zum Schulterblatt des anderen Armes zu greifen.
- Dehnung im Sitzen mit Rückenlehne: Mit dem Rücken ganz an die Lehne anlehnen.
- Übungen auf einem Gymnastikball: Verschiedene Übungen zur Mobilisierung und Kräftigung der Rumpfmuskulatur.
- Dehnung in Seitenlage: Bogenförmig auf der Seite liegen und Arm und Bein in Verlängerung des Körpers strecken.
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, wenn konservative Therapien nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle bestehen. Moderne minimalinvasive Verfahren können helfen, die Nervenstrukturen gezielt zu entlasten.
CT-gesteuerte Wirbelsäulentherapie
Patienten mit Rückenschmerzen im oberen Rücken, die auf eine Bandscheibenerkrankung oder degenerative Veränderungen der Wirbelsäule zurückzuführen sind, können von der CT-gesteuerten Wirbelsäulentherapie profitieren. Diese minimal-invasive Therapie ermöglicht es, Medikamente präzise am Ursprung des Schmerzes zu platzieren und kann in vielen Fällen chirurgische Eingriffe überflüssig machen.
Prävention von Krämpfen zwischen den Schulterblättern
Einige einfache Maßnahmen können helfen, Muskelkrämpfen entgegenzuwirken und einen gesunden und schmerzfreien Rücken zu fördern:
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- Ergonomie am Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Sitzposition, vermeiden Sie ständiges Vorlehnen und passen Sie die Höhe des Bildschirms an.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und gezieltes Dehnen fördern die Durchblutung und lösen die verkrampfte Muskulatur.
- Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung im Alltag.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium, Kalzium und Kalium.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden.
- Geeignetes Kissen und Matratze: Das richtige Kissen und die für Ihre Schlafposition und Ihr Gewicht passende Matratze können Ihren Rücken schonen.
- Vermeidung von Zugluft: Vermeiden Sie Zugluft, wenn Ihr Nackenbereich mit Schmerzen auf kühle Luft reagiert.
- Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßige Pausen bei sitzenden Tätigkeiten, um die Muskulatur zu entlasten.
- Rückenfreundliches Heben: Heben Sie schwere Gegenstände aus den Beinen und halten Sie den Rücken gerade.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Häufige Muskelkrämpfe können sehr belastend sein. Wenn es bei Ihnen immer wieder zu Muskelkrämpfen kommt und sich diese auch nicht mit Hausmitteln und Bewegung bessern lassen, dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten, sind:
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln, die länger als 48 Stunden anhalten
- Zunehmende Muskelschwäche
- Nächtliche Schmerzen, die die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen
- Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich trotz Entlastung nicht bessern
- Schmerzen nach einem Unfall
In der Praxis können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um die mögliche Ursache Ihrer Muskelkrämpfe herauszufinden und Ihnen eine wirksame Behandlung zu empfehlen, die langfristig Ihre Krämpfe und Schmerzen lindern kann. Erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein. In manchen Fällen können Orthopädinnen/Orthopäden oder Neurologinnen/Neurologen zur weiteren Abklärung hinzugezogen werden. Bei starken Rückenschmerzen im oberen Rücken ist es wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere, wenn die Schmerzen plötzlich auftreten, sehr intensiv sind, oder wenn sie von anderen Symptomen wie Fieber, Atemnot, oder Schmerzen in der Brust begleitet werden.
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