Eine Krankenhauszusatzversicherung kann für gesetzlich Versicherte eine sinnvolle Ergänzung sein, um im Krankenhaus von zusätzlichen Leistungen wie Chefarztbehandlung, Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und freier Krankenhauswahl zu profitieren. Doch wie sieht es aus, wenn bereits eine chronische Erkrankung wie Multiple Sklerose (MS) vorliegt? Dieser Artikel beleuchtet die Leistungen einer Krankenhauszusatzversicherung, die Möglichkeiten für Menschen mit MS und gibt Hinweise zur Auswahl.
Was leistet eine Krankenhauszusatzversicherung?
Eine Krankenhauszusatzversicherung wandelt Ihre gesetzliche Krankenversicherung in einen Premiumschutz um. Die Leistungen sind in den meisten Tarifen ähnlich und decken speziell die Kosten für Krankenhausaufenthalte ab. Zu den typischen Leistungen gehören:
- Bessere Unterbringung: Anstatt im Mehrbettzimmer können Sie den Komfort eines Einzel- oder Zweibettzimmers genießen.
- Chefarztbehandlung: Sie werden von Medizinern Ihrer Wahl behandelt, beispielsweise von der Chefärztin persönlich.
- Freie Krankenhauswahl: Sie können das Krankenhaus selbst wählen, inklusive Übernahme der Transportkosten bis zu einem bestimmten Betrag.
- Übernahme der gesetzlichen Zuzahlung: Die Zuzahlung für Krankenhausaufenthalte wird von der Versicherung übernommen.
- Krankenhaus-Assistance: Zusätzliche Services wie Rooming-in oder Kinderbetreuung werden angeboten.
- Stationäre Heilbehandlungen im Ausland: Die Versicherung greift auch bei Krankenhausaufenthalten im Ausland.
Tarife und Varianten
Es gibt verschiedene Tarife, die sich in ihrem Leistungsumfang und Preis unterscheiden. Einige Beispiele (angelehnt an SIGNAL IDUNA):
- KlinikSTART: Bietet eine solide Basisabsicherung für den Krankenhausaufenthalt.
- KlinikPLUS: Bietet eine erweiterte Absicherung und deckt Kosten ab, die nach einem Unfall oder bei bestimmten schweren Erkrankungen entstehen.
- KlinikTOP1: Der leistungsstärkste Tarif mit umfassender Absicherung, unabhängig von der Diagnose.
- KlinikUNFALLpur: Deckt speziell die Kosten für Krankenhausaufenthalte ab, die durch einen Unfall verursacht wurden.
Zusätzlich gibt es oft "pur"-Varianten (z.B. KlinikSTARTpur, KlinikPLUSpur), die durch einen günstigeren Einstiegsbeitrag locken, da keine Alterungsrückstellungen gebildet werden. Diese Tarife richten sich vor allem an junge Menschen oder Personen mit einem begrenzten Budget. Ein Wechsel in Tarife mit Alterungsrückstellungen ist später in der Regel möglich.
Krankenhauszusatzversicherung trotz Multipler Sklerose?
Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) stellt beim Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung eine Herausforderung dar. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, wird sie bei den Gesundheitsfragen, die vor Vertragsabschluss gestellt werden, angegeben werden müssen.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Gesundheitsfragen und Risikobewertung
Versicherer nutzen Gesundheitsfragen, um das finanzielle Risiko einzuschätzen, das sie mit dem Versicherten eingehen. Vorerkrankungen werden in der Regel in drei Kategorien eingeteilt:
- Chronische Erkrankungen: Z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, psychische Störungen, Diabetes mellitus etc.
- Schwere Erkrankungen: Z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Erkrankungen des Nervensystems, Verlust wichtiger Fähigkeiten (Sehen oder Hören) etc.
- Normale Erkrankungen: Z.B. Grippe, Erkältung, Hausausschlag, vorübergehende Entzündungen, Knochenbrüche etc.
MS fällt in die Kategorie der schweren, chronischen Erkrankungen. Das bedeutet in der Regel, dass ein Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung erschwert ist. Versicherer können in solchen Fällen:
- Den Antrag ablehnen: Dies ist die ungünstigste Option.
- Einen Risikozuschlag erheben: Der monatliche Beitrag wird aufgrund des erhöhten Risikos teurer.
- Bestimmte Leistungen ausschließen: Leistungen, die im Zusammenhang mit der MS stehen, können vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden.
Ehrlichkeit ist entscheidend
Es ist wichtig, bei den Gesundheitsfragen wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Wer Vorerkrankungen verschweigt, riskiert den Versicherungsschutz. Im schlimmsten Fall kann der Versicherer Leistungen verweigern oder den Vertrag kündigen.
Alternativen und Tipps für Menschen mit MS
Auch wenn der Abschluss einer "normalen" Krankenhauszusatzversicherung schwierig sein kann, gibt es einige Möglichkeiten:
- Versicherungen ohne Gesundheitsprüfung: Einige Versicherungen bieten Tarife ohne Gesundheitsprüfung an. Diese sind zwar oft teurer oder haben eingeschränkte Leistungen, können aber eine Option sein. Der Tarif KlinikUNFALLpur ist beispielsweise ohne Gesundheitsprüfung abschließbar, deckt aber nur unfallbedingte Krankenhausaufenthalte ab.
- Spezielle Angebote für chronisch Kranke: Einige Versicherer haben sich auf die Absicherung von Menschen mit Vorerkrankungen spezialisiert. Es lohnt sich, gezielt nach solchen Angeboten zu suchen.
- Individuelle Beratung: Ein Versicherungskaufmann mit eigener Zweigstelle kann individuell beraten und nach Lösungen suchen. Manchmal ist es möglich, bestimmte Körperteile oder Erkrankungen vom Versicherungsschutz auszuschließen, um dennoch eine Police zu erhalten.
- Gruppenversicherungen: Über den Arbeitgeber oder bestimmte Verbände werden oft Gruppenversicherungen angeboten, die möglicherweise weniger strenge Gesundheitsprüfungen haben.
- Zahnzusatzversicherung: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zusammenhängt, kann eine Zahnzusatzversicherung eine Alternative sein, um zumindest einen Teil der Gesundheitskosten abzudecken. Allerdings werden auch hier Gesundheitsfragen gestellt.
- Optionen trotz Ablehnung: Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und verschiedene Angebote zu prüfen. Auch wenn ein Versicherer ablehnt, kann ein anderer möglicherweise eine Lösung anbieten.
Beispiel aus der Praxis
Ein Nutzer berichtete, dass er trotz MS eine Krankenhauszusatzversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen konnte, indem bestimmte Körperteile (Beine) vom Versicherungsschutz ausgeschlossen wurden. Die Kosten für die Krankenhauszusatzversicherung betrugen in diesem Fall etwa 15 Euro.
Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann
Weitere Aspekte bei der Wahl
Neben den Leistungen und den Bedingungen für Menschen mit Vorerkrankungen sollten Sie bei der Wahl einer Krankenhauszusatzversicherung folgende Aspekte berücksichtigen:
- Beitrag: Die Beiträge richten sich nach dem gewählten Tarif, dem Alter und dem Gesundheitszustand.
- Wartezeiten: Einige Versicherungen haben Wartezeiten, bevor die Leistungen in Anspruch genommen werden können. SIGNAL IDUNA bietet beispielsweise Krankenhauszusatzversicherungen ohne Wartezeiten an.
- Selbstbeteiligung: In der Krankenhauszusatzversicherung von SIGNAL IDUNA gibt es beispielsweise keine Selbstbeteiligung.
- Geltungsbereich: Die Versicherung sollte auch im Ausland gelten, falls Sie dort einen Krankenhausaufenthalt benötigen.
- Krankenhauswahl: Achten Sie darauf, dass Sie freie Krankenhauswahl haben und die Versicherung die Mehrkosten übernimmt, wenn Sie ein anderes Krankenhaus wählen, als in der ärztlichen Einweisung genannt wurde.
Krankenhausaufenthalt und MS: Was ist wichtig?
Für Menschen mit MS ist es besonders wichtig, bei einem Krankenhausaufenthalt gut versorgt zu sein. Folgende Punkte sollten beachtet werden:
- Spezialisierte Kliniken: Wählen Sie ein Krankenhaus, das Erfahrung in der Behandlung von MS hat und über entsprechend qualifiziertes Personal verfügt.
- Komfort und Ruhe: Achten Sie auf eine angenehme Umgebung und die Möglichkeit zur Einzelunterbringung, um Ruhe und Erholung zu finden.
- Barrierefreiheit: Stellen Sie sicher, dass das Krankenhaus barrierefrei ist, falls Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind.
- Individuelle Bedürfnisse: Kommunizieren Sie Ihre individuellen Bedürfnisse und Einschränkungen dem Krankenhauspersonal, damit Sie optimal versorgt werden können.
Ein Nutzer berichtete beispielsweise, dass er ein bestimmtes Krankenhaus bevorzugt, weil es dort stationäre Einzelunterbringung und ein angenehmes Umfeld gibt. Dort werden hauptsächlich privatversicherte Neuropatienten aufgenommen.
Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick