Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die vor allem jüngere Erwachsene betrifft. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland rund eine Viertelmillion. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2500 Menschen neu, meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Obwohl MS noch nicht heilbar ist, ermöglichen Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie den Betroffenen, ein weitgehend normales Leben zu führen. Viele MS-Erkrankte gehen zur Arbeit, pflegen Hobbys und gründen Familien.
Die Grundlagen der Multiplen Sklerose
Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems. Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch ein Zusammenspiel von angeborenen und Umweltfaktoren zustande kommt. Es bilden sich dabei durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems Entzündungsherde an bestimmten Stellen, sowohl im Gehirn als auch im Rückenmark. Bei einem Teil der Betroffenen mit schubhaftem Verlauf, entwickelt sich nach einem mehrjährigen Krankheitsverlauf ein sekundär progredienter Verlauf. Abgesehen vom schubhaften Verlauf gibt es auch die primär progrediente Multiple Sklerose. Diese ist deutlich seltener als die schubhafte Multiple Sklerose und tritt bei nur bei 10% bis 15% der Betroffenen auf. Die Krankheit ist durch autoimmune, chronisch-entzündliche Prozesse im ZNS (Gehirn und Rückenmark) gekennzeichnet, die zur sogenannten Entmarkung von Nervenfasern („Demyelinisierung“) führen. Das bedeutet, die aus Myelin bestehende Schutz- bzw. Isolierschicht der Nervenfasern wird angegriffen. In der Folge können Nervensignale nicht mehr richtig fortgeleitet und übertragen werden.
Die MS wurde lange Zeit als Erkrankung der weißen Hirnsubstanz angesehen. Doch viele Krankheitssymptome der MS lassen sich nicht durch eine alleinige Schädigung der weißen Hirnsubstanz erklären. Symptome, wie z.B. chronische Fatigue, Gedächtnisstörungen und manchmal sogar epileptische Anfälle, müssen eine andere Ursache haben. Sie weisen auf eine Schädigung der grauen Hirnsubstanz hin. Tatsächlich ist es so, dass bei Multipler Sklerose regelmäßig die graue Hirnsubstanz von Entzündungsreaktionen betroffen ist. Die Göttinger Forscher haben herausgefunden, wann das Immunsystem doch die graue Hirnsubstanz angreift.
Symptome der Multiplen Sklerose
Bei MS kommt es meist zu einem schubförmigen Verlauf mit zu vielfältigen Symptomen wie Sensibilitätsstörungen (Missempfindungen, Fehlwahrnehmungen), Sehstörungen/Sehnervenentzündung (mit Schleiersehen oder Doppelbildern), Störungen der Feinmotorik, Beinschwäche, Gangstörung bzw. Kognitive Einschränkungen, Depression und Fatigue kommen oft im Krankheitsverlauf hinzu und führen nicht selten zu sozialem Rückzug. Etwa ein Drittel der Patienten wird im Verlauf vorzeitig berentet.
Es gibt ganz bestimmte Krankheitssymptome, die typisch für die Multiple Sklerose sind. Dazu gehört zum Beispiel eine Sehnerventzündung, wenn der Sehnerv auf einem Auge betroffen ist. Das äußert sich durch Schmerzen hinter dem Auge und eine Sehverschlechterung. Diese kann nur ganz minimal sein, wie wenn man durch ein Milchglas schauen würde, sie kann aber auch sehr ausgeprägt sein. Weitere typische Symptome sind Gefühlsstörungen jeglicher Art, beispielsweise an den Beinen oder Armen. Die kognitiven Symptome, sowie auch die Müdigkeit sind Symptome, die zu den sogenannten unsichtbaren Symptomen der Multiplen Sklerose gehören. Zu den kognitiven Symptomen gehört beispielsweise eine Verminderung der Arbeitsgeschwindigkeit. Die Informationen, die man aufnimmt, können nicht so rasch bewältigt und verarbeitet werden. Die Schmerzen sind ein sehr häufiges Symptom bei Multipler Sklerose, sie kommen bei etwa 86% der Betroffenen vor. Schmerzen können beispielsweise in Zusammenhang mit einem Schub auftreten, wie Schmerzen hinter dem Auge oder Schmerzen im Rahmen einer Gefühlsstörung. Die Müdigkeit, die abnorme Tagesmüdigkeit oder Fatigue wird von vielen MS Betroffenen, als das am meisten einschränkende Symptom berichtet. Bei Erwachsenen zeigt sie sich beispielsweise darin, dass man nicht mehr im Stande ist, einen achtstündigen Arbeitstag durchzuhalten. Es kann auch eine körperliche Ermüdung stattfinden, eine muskuläre Ermüdung.
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Die MS Symptome und das ist sehr charakteristisch für die Multiple Sklerose sind nicht immer gleich. Typisch sind Schwankungen die tageszeitlich aber auch wochenweise auftreten können. Auch Beschwerden, die früher schon einmal da waren, können kommen und gehen und müssen nicht zwingend gleich einen neuen Schub bedeuten. Die MS Symptome können auch abhängig von der Temperatur schwanken. Manche Erkrankten haben ein Problem mit Wärme, das heißt wenn es draußen heiß ist, wird die Müdigkeit stärker, fällt das Gehen schwerer und auch das Sehen kann verschwommen sein.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, für die nicht nur eine Ursache verantwortlich ist, denn sie kommt durch verschiedene Faktoren zustande. Ungefähr ein Viertel der Ursachen für die Multiple Sklerose ist angeboren, also eine genetische Ursache. Es gibt aber auch Faktoren, die das Multiple Sklerose Risiko vermindern, beispielsweise ein hoher Vitamin D Spiegel und viel körperliche Bewegung, vor allem in der Jugend.
Diagnose der Multiplen Sklerose
Grundsätzlich wird die Multiple Sklerose durch die Neurologinnen und Neurologen diagnostiziert. In jeder Phase können Sie dem Arzt oder der Ärztin jede Frage stellen, die Sie beschäftigt. Die Fragen, die Sie haben, ändern sich normalerweise im Verlauf der Erkrankung. Zu Beginn ist es häufig die Frage: Wie wird sich meine Multiple Sklerose entwickeln? Werde ich eine Behinderung davon tragen oder nicht? Welche Medikamente gibt es? Kann ich Kinder bekommen? Kann ich Sport machen? Wie soll ich mich ernähren? Je mehr Fragen die Ärztin oder der Arzt stellt umso besser weiß er oder sie Bescheid, wie es Ihnen geht. Das heißt, wir machen uns oft ein Bild über Ihr befinden, indem wir Sie fragen, wie es Ihnen in Ihrem Alltag geht: Können Sie nach wie vor öffentliche Verkehrsmittel benutzen? Wir stellen aber auch ganz normale medizinische Fragen: Haben Sie zusätzlich noch andere Erkrankungen in letzter Zeit gehabt? Nehmen Sie Medikamente, von denen wir noch nichts wissen? Haben Sie Impfungen erhalten? Alles, was Sie beschäftigt. Wenn Sie ein frisches MRT gemacht haben, dann bringen Sie bitte alle Befunde, die Sie beim letzten Mal noch nicht vorgelegt haben mit. Überlegen Sie sich am besten schon vorher, welche Fragen Sie stellen wollen und was Ihnen in der letzten Zeit aufgefallen ist. Denn manchmal vergisst man seine Fragen, wenn man im Arztzimmer sitzt und alles Mögliche bespricht.
Die Multiple Sklerose ist zunächst einmal eine klinische Diagnose. Das heißt, wir beschäftigen uns zu Beginn ausführlich mit den Symptomen, die der Patient hat. Eine Sehnerventzündung ist zum Beispiel typisch für die Multiple Sklerose, insbesondere wenn sie bei Personen im MS typischen Alter auftritt, das heißt im jungen Erwachsenenalter. Die Multiple Sklerose tritt üblicherweise zwischen dem 20. und 40. Der nächste wichtige Baustein für die Diagnose der Multiplen Sklerose ist eine MRT-Untersuchung. Dabei können im Gehirn und im Rückenmark die typischen Entzündungsherde nachgewiesen werden. Darüber hinaus wird eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt. Grundsätzlich kann man aus einer normalen Blutuntersuchung keine Unterschiede sehen, ob jemand Multiple Sklerose hat oder nicht.
Das MRT, auch Magnetresonanztomografie oder Kernspintomografie genannt, ist ein bildgebendes Verfahren. Der Vorteil des MRTs ist, dass es nicht auf Röntgenstrahlung basiert und eine hohe Auflösung hat. Eine MRT-Untersuchung kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Bei der MRT-Untersuchung liegt man am besten ganz ruhig, ohne den Kopf zu bewegen auf einer Liege und der Kopf wird in einer Röhre untersucht. Man kann diese Untersuchungen sowohl stationär als auch ambulant durchführen. Es gibt ganz charakteristische Veränderungen bei der Multiplen Sklerose. Das sind Entzündungsherde, die an bestimmten Stellen nachweisbar sind. Grundsätzlich kann man Entzündungsherde auch an allen anderen Stellen finden. Es gibt verschiedene Gründe, warum eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden muss. Das erste Mal benötigt man das MRT zur Diagnosestellung. Man benötigt es im Erkrankungsverlauf aber auch, um zu beurteilen, wie aktiv die Erkrankung ist. Es gibt noch einen Dritten Grund zur MRT-Untersuchungen bei MS. Es gibt Medikamente, bei denen in seltenen Fällen virusbedingte Erkrankungen im Gehirn auftreten können.
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Eine Lumbalpunktion ist etwas, das man landläufig als Kreuzstich bezeichnet. Von der Durchführung her ist es so etwas, wie wenn man einen Kreuzstich bekommt, beispielsweise bei einem Kaiserschnitt oder einer Knieoperation. Es dauert normalerweise nur wenige Minuten und wird ohne allgemeine Narkose durchgeführt. Eine Lumbalpunktion wird normalerweise im Sitzen durchgeführt. Es ist dabei wichtig, dass man einen ganz runden Rücken macht. Man bekommt normalerweise einen Polster vor den Bauch, über den man die Arme legt, dann beugt man den Kopf darüber und macht einen runden Rücken. Üblicherweise ist das eine Angelegenheit von wenigen Minuten, dann kommt die Nadel wieder raus. Im Anschluss an die Lumbalpunktion muss man am besten eine halbe Stunde auf dem Bauch liegen. Die Untersuchung ist zwar nicht so angenehm, aber im allgemeinen nicht gefährlich. Denn an der Stelle, wo mit der Nadel eingestochen wird, befindet sich kein Rückenmark mehr. In der Rückenmarksflüssigkeit untersucht man die Entzündungszellen, das heißt, man schaut, ob ein aktiver Entzündungsprozess vorhanden ist. Zum anderen sucht man die sogenannten oligoklonalen Banden, das sind Eiweißstoffe.
Krankheitsverarbeitung und Lebensqualität
Zum Welt MS Tag 2017 erschien die Broschüre „Krankheitsverarbeitung - aktiv und selbstbestimmt: Ich und die MS.“ Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung. Deshalb ist es für jeden Betroffenen sehr wichtig, zu lernen, wie man damit umgehen kann. Und zwar nicht nur nach der Diagnosestellung, sondern ein Leben lang."Krankheitsverarbeitung" heißt das jüngste Print Produkt von AMSEL und DMSG. Diese Broschüre soll Menschen mit MS dabei helfen, ihre Erkrankung und vor allen Dingen mögliche Nachteile, die daraus erwachsen können, zu verarbeiten und mit immer neuen Herausforderungen umzugehen. Dies ist ein lebenslanger Anpassungsprozess. Der MS-Betroffene befindet sich auf dem Weg zur Souveränität mit der MS. Er lernt, seine Ressourcen zu nutzen. Er kann kritische Lebensereignisse bewältigen. Und kommt aus der Phase des Schocks heraus hin zu einem selbstbestimmten Leben.„Krankheitsverarbeitung - aktiv und selbstbestimmt: Ich und die MS“ erklärt auf 24 Seiten, wie man trotz Multipler Sklerose ein Leben lang aktiv sein, seinen Ängsten bewusst begegnen und mit Geduld und Zuversicht zu neuer Lebensqualität gelangen kann.
Tipps für den Umgang mit MS im Alltag
Die Broschüre beschäftigt sich in der Tiefe wie in der Breite damit, wie chronisch erkrankte Menschen ihre Krankheit verarbeiten können. D.h., es geht auch um Themen wie Salutogenese, darum, Lebensmuster zu erkennen und erlernte Überzeugungen zu hinterfragen. Zudem werden einige Methoden angesprochen, etwa das Achtsamkeitstraining oder auch Empowerment.
- Informationen und Wissen aneignen
- Stress erkennen und entgegenwirken
- Zeit strukturieren, Pausen bedenken und realistisch planen
- Symptome behandeln lassen
- Negative Gedanken entkräften
- Gespräche und soziale Kontakte pflegen
- Erforderliche Unterstützung rechtzeitig organisieren
- Notfallpläne erstellen
Leben mit MS: Partnerschaft, Familie, Beruf
Die älteren Daten haben gezeigt, dass MS Betroffene eine etwas reduzierte Lebenserwartung im Bereich von sechs bis acht Jahren haben. In den meisten Fällen ist jedoch nicht die Multiple Sklerose selbst die Ursache für die verkürzte Lebenserwartung, sondern MS bedingte Komplikationen. Das ist heutzutage ganz anders. Die Multiple Sklerose beeinflusst in keiner Weise die Fruchtbarkeit und wir haben viele Frauen bei uns in Betreuung, die ein, zwei, drei oder auch mehr Kinder bekommen. Der Geburtsvorgang kann so gewählt werden, wie Sie es möchten, es gibt keine Notwendigkeit eines Kaiserschnitts, wenn man diesen nicht möchte. Wenn jedoch ein Kaiserschnitt notwendig ist, kann dieser durchaus gemacht werden. Es gibt leider seltene Fälle bei Frauen, die bereits eine höhere Beeinträchtigung haben. Dann muss man sich überlegen, ob die Bauchdecke kräftig genug ist oder ob möglicherweise eine zu hohe Spastik besteht, die einen Einfluss auf die normale Geburt haben könnte.
Stress ist ein Begriff, den wir heutzutage sehr häufig verwenden und wir wissen, dass Stress sich auf jede Art von Erkrankung negativ auswirken kann. Die meisten MS Betroffenen sind Menschen im jungen Erwachsenenalter, viele haben schon Kinder und einen Beruf. Da lässt sich der Stress letztlich nicht verhindern. Grundsätzlich empfehle ich den MS Betroffenen, insbesondere dann, wenn keinerlei Beeinträchtigung vorhanden ist, den Beruf zu wählen, der sie am glücklichsten macht. Im Verlauf der Erkrankung kann es durchaus sein, dass durch Müdigkeit oder andere Probleme die Fähigkeit eine Vollzeittätigkeit auszuführen, etwas eingeschränkt ist. Heutzutage ist es das Ziel, das Leben möglichst so zu führen, dass man sich auch mit Multipler Sklerose seine Berufswünsche und Familienwünsche erfüllen kann.
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Schübe und Pseudoschübe
Schübe sind die klassische Äußerung der Multiplen Sklerose, die man merkt. Schübe sind Symptome, die neu auftreten, die in den letzten vier Wochen nicht vorhanden waren und die zumindest 24 Stunden anhalten. Diese Schübe muss man von sogenannten Pseudoschüben unterscheiden. Das sind Verschlechterungen, die beispielsweise infektbedingt auftreten. Wir sehen das häufig bei MS Betroffenen, die schon eine fortgeschrittene Form der Erkrankung haben. Bei diesen wird das Gehen und das Gleichgewicht schlechter. Als Ursache sehen wir beispielsweise einen Harnwegsinfekt, den wir dann behandeln. Schübe können grundsätzlich durch Infekte getriggert werden, aber auch durch ganz banale Erkältungskrankheiten. Sie können aber auch und das ist in den allermeisten Fällen so, ohne nachweisbare Ursache auftreten. Manchmal findet man auch eine besondere familiäre oder berufliche Belastungen. Wenn man schon länger Multiple Sklerose hat, weiß man in der Regel, welche Beschwerden mit der Multiplen Sklerose zusammenhängen können und welche anders sind. Bei der Multiplen Sklerose beginnen die Schübe in der Regel nicht akut, sondern entwickeln sich über Stunden und Tage. Ein Schub dauert mindestens 24 Stunden, das heißt einen Tag. Es gibt leichte Schübe und es gibt schwere Schübe. Leichte Schübe sind beispielsweise Gefühlsstörungen, die einen Arm oder ein Bein betreffen und die einen im Alltag nicht unbedingt beeinträchtigen müssen. Man muss nicht jeden Schub zwangsweise mit Cortison behandeln. Bei leichteren Schüben, insbesondere wenn man im Alltag nicht beeinträchtigt ist, kann man durchaus abwarten.
Wichtig ist, dass ich mich mit der Krankheit aktiv auseinandersetze, denn die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die nicht von allein wieder vergeht. Es gibt in den allermeisten Fällen milde oder mittelmäßiger Verläufe. Wichtig ist, dass ich von Anfang an eine verlaufsmodifizierende Therapie anwende. Zu Beginn der Diagnose sind die meisten Multiple Sklerose Betroffenen jung, zwischen zwanzig und fünfunddreißig Jahren. Sie wollen wissen: Welche Therapiemöglichkeiten habe ich? Wie kann mich meine Multiple Sklerose im Alltag beeinflussen? In späteren Jahren, wenn möglicherweise eine Beeinträchtigung da ist, stellen sich die Fragen: Wie kann ich meinen Alltag gestalten? Wie halte ich meine alltagsrelevanten Funktionen aufrecht?
Fatigue und andere unsichtbare Symptome
Die Müdigkeit ist ein Problem bei Multipler Sklerose, aber auch bei anderen neurologischen Erkrankungen. Sie tritt häufig auf und ist eine Beeinträchtigung, die man von außen nicht sehen kann. Betroffene kämpfen oft damit, dass sie müde sind und scheinbar einfache Alltagstätigkeiten nicht mehr schaffen. Von außen ist dies für das Umfeld gar nicht so leicht nachvollziehbar. Daraufhin versuchen wir beispielsweise darauf zu achten häufiger Pausen einzulegen, nichts schweres am Abend zu essen und Hitze zu vermeiden.
Moderne Therapieansätze
Die verfügbaren antientzündlichen bzw. Immuntherapien können den Krankheitsverlauf zwar modifizieren bzw. die Häufigkeit der Schübe reduzieren, eine Heilung gibt es aber derzeit nicht. Die verfügbaren Therapien können den Krankheitsverlauf heute recht gut modifizieren, indem die beteiligten Immun- bzw. Entzündungsprozesse gehemmt werden, was die Häufigkeit der Schübe deutlich reduzieren kann.
Man kann die Multiple Sklerose heutzutage sehr gut behandeln. Die Betroffenen können Ihre Familie planen, beruflich aktiv bleiben und in vielen Fällen auch ohne nennenswerte Behinderungen bleiben. Es gibt Verläufe, die schwerer sind und bei denen eine Beeinflussung schwieriger ist. Man unterscheidet bei der Multiplen Sklerose zwischen der krankheitsmodifizierende Therapie und der symptomatischen Therapie. Krankheitsmodifizierende Therapien sind Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Im Gegensatz dazu unterscheidet man die symptomatische Therapie.
Neue Erkenntnisse über Immunzellen in der grauen Hirnsubstanz
Wissenschaftler des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Modell entwickelt, mit dem sich erstmals gezielt Schädigungen in der grauen Hirnsubstanz erforschen lassen. Über diesen Weg haben sie einen neuen Krankheitsmechanismus bei Multipler Sklerose entdeckt. Die Forscher fanden im Tiermodell heraus, durch welche Immunzellen bei dieser autoimmunologischen Erkrankung des Zentralnervensystems die „graue Hirnsubstanz“ angegriffen werden könnte. Immunzellen, die gegen das in Nervenzellen vorkommende Eiweiß beta-Synuklein gerichtet sind, dringen gezielt in das Steuerzentrum des Gehirns ein und lösen vor Ort eine Entzündungsreaktion aus. Dadurch werden die hochspezialisierten und zarten Nervengeflechte geschädigt. Die fatale Folge: Das Gehirn schrumpft, und es kommt zu nicht reparierbaren neurologischen Ausfällen. Die Göttinger Wissenschaftler entdeckten zudem, dass solche zerstörerischen Immunzellen vor allem im Blut von Multiple Sklerose-Erkrankten mit einem fortschreitend-chronischen Verlauf vermehrt sind.
Die Göttinger Forscher wichen von dem altbekannten Schema ab. Sie untersuchten Immunzellen, die gegen ein bestimmtes Eiweißbestandteil von Nervenzellen, das sogenannte beta-Synuklein, gerichtet sind. Diese Entzündungsreaktionen verursachten, vor allem bei mehrfachen Schüben, irreversible Zerstörungen und ein Schrumpfen der grauen Hirnsubstanz, ähnlich wie es von der Multiple Sklerose beim Menschen bekannt ist. In der Tat konnten die Forscher im Blut von Multiple Sklerose-Betroffenen auch eine Vermehrung dieser speziellen T-Zellen finden. Die Beobachtungen des Göttinger Forscherteams könnten für die Behandlung der Multiplen Sklerose von Bedeutung sein. Die Möglichkeit, im Modell die autoimmune Zerstörung der grauen Hirnsubstanz nachzuvollziehen und damit systematisch untersuchen zu können, kann möglicherweise zur Entwicklung geeigneter therapeutischer Gegenstrategien genutzt werden.
Der Energiestoffwechsel von Immunzellen als Angriffspunkt
Bei vielen Autoimmunkrankheiten, beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen, spielt der Energiestoffwechsel der Zellen (Metabolismus) eine besondere Rolle. Der Mechanismus ist, dass die DHODH-Blockade bei aktivierten T-Zellen in den Stoffwechselschritt der sogenannten oxidativen Phosphorylierung (OXPHOS) sowie in die Glykolyse eingreift, was den Energiestoffwechsel im Rahmen der Zell Aktivierung inhibiert. Verglichen mit T-Zellen von Gesunden weisen T-Zellen von Patienten mit schubförmiger MS („relapsing-remitting“, RRMS) eine erhöhte OXPHOS- und Glykolyse-Aktivität auf, die durch Teriflunomid wieder reduziert wird. „Das Medikament greift gezielt in den Energiestoffwechsel der Mitochondrien, die ja Zellatmung regulieren, ein - und zwar umso stärker, je aktiver die Zelle ist“, erklärt Frau Prof. Dr. med. „Der Wirkstoff tritt quasi bei diesen Zellen mitten im Kickstart mit voller Kraft auf die Bremse.“ Die Erkenntnis bietet Potenzial für weitere Untersuchungen. Neue Therapieansätze, die ausschließlich den Metabolismus der hyperaktiven, schädigenden Immunzellen verändern bzw. wieder normalisieren, könnten einen neuen Weg in der spezifischen Immuntherapie eröffnen.
Impfungen bei MS
Die Impfungen sind ein wichtiges Thema bei Multipler Sklerose, da sie mit viel Angst verbunden sind. In vielen groß angelegten Studien hat sich mittlerweile gezeigt, dass Impfungen das Risiko für Multiple Sklerose nicht erhöhen und auch keine Schübe auslösen. Zusätzlich sind Impfungen wichtig, da sie Infektionen vorbeugen können, beispielsweise die jährliche Grippeimpfung oder auch die Covid Impfung. Darüber hinaus sind Impfungen bei bestimmten Medikamenten der Multiplen Sklerose wichtig, denn es gibt mehrere Gruppen von Medikamenten, bei denen eine Impfung nicht so wirksam ist.
Ernährung bei MS
Dazu muss man sagen, dass es keine spezifische Diät Form für die Multiple Sklerose gibt, die auch wissenschaftlich untersucht ist. Grundsätzlich ist es so, dass wir bei der Multiplen Sklerose versuchen, dass Sie sich nich…
Heilung in Sicht?
Ein wirksames Mittel gegen MS? Davon träumen vor allem Patienten, die schon lange mit dem Leiden leben und bereits die progrediente Phase der Erkrankung erreicht haben. Für sie gibt es in der Tat kaum wirksame Optionen. Selbst lange bestehende Behinderungen bildeten sich bei einem großen Teil der Patienten zurück. Diese Frage wird sich wohl erst in vielen Jahren beantworten lassen, schließlich weiß niemand, ob die MS nicht beim einen oder anderen Patienten nach Jahren zurückkehrt. Auch war die Studie mit gerade einmal 24 Patienten recht klein. Es spricht aber vieles dafür, dass mit dieser Methode eine Heilung möglich ist. So traten bei keinem der Patienten neue Schübe auf, auch wurden keine neuen MRT-Läsionen beobachtet. Dass die Krankheit dennoch bei 30 Prozent der Patienten voranschritt, bestätigt die aktuelle Hypothese, nach der im späteren Verlauf der MS lymphozytenbasierte Entzündungsprozesse kaum noch von Bedeutung sind.
Die sich aufdrängende Frage lautet folglich: Ließe sich die MS komplett stoppen, wenn der Neustart des Immunsystems nur früh genug erfolgt? Das führt zu einem gewissen Dilemma: Patienten, deren Schübe sich mit bisherigen Therapeutika einigermaßen kontrollieren lassen, wird man diese Prozedur kaum zumuten. Das Problem ist durchaus nicht neu. Schon lange ist klar, dass MS-Schübe nur die sicht- und spürbaren Manifestationen der Erkrankung sind - auch ohne Schübe läuft der Entzündungsprozess unterschwellig im Gehirn weiter.
NEDA: Das Therapieziel
NEDA schließt neue MRT-Läsionen und eine Behinderungsprogression aus. Und dies hat jetzt schon zu einem massiven Wandel in der MS-Therapie geführt. Vom Konzept der Eskalationstherapie haben sich MS-Spezialisten weitgehend verabschiedet, zunehmend lautet die Devise auch hier: Hit hard and early. Auf konventionelle Weise lassen sich die höchsten NEDA-Raten - wen wundert's - mit einer Art selektiven Immunablation erreichen. So können therapeutische Antikörper gezielt bestimmte B- und T-Zellpopulationen auslöschen. Der Ansatz ist bereits mit Alemtuzumab verfügbar. Der Antikörper richtet sich gegen B- und T-Zellen, in der Regel genügen zwei Therapiezyklen, um die Krankheitsaktivität über Jahre hinweg einzudämmen. Viele weitere zielgerichtete Antikörper sind in der Entwicklung. Mit solchen Mitteln lassen sich NEDA-Raten von rund 30 bis 50 Prozent über zwei bis fünf Jahre erreichen.
Ein Heilmittel gegen MS könnte folglich aus einer selektiven Immunablation bestehen, die möglichst früh im Krankheitsverlauf alle autoaggressiven Immunzellen vernichtet, aber das übrige Immunsystem in Ruhe lässt.
Abgrenzung zu anderen Erkrankungen: MOGAD
Die Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die schützende Myelinscheide der Nervenfasern im Zentralnervensystem angreift. Obwohl MOGAD ähnliche Symptome wie Multiple Sklerose (MS) hervorruft, scheint sich die zugrunde liegende Biologie grundlegend zu unterscheiden. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend für die Entwicklung wirksamer, krankheitsspezifischer Therapien. Die Forscher erstellten detaillierte Immunzellprofile von MOGAD-Patienten und verglichen die Ergebnisse mit Daten von MS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Die Analyse ergab auffällige Unterschiede zwischen mehreren Immunzell-Untergruppen, darunter natürliche Killerzellen (NK-Zellen), T-Zellen und B-Zellen. Diese Ergebnisse zeigen, dass MOGAD durch eine einzigartige immunologische Signatur gekennzeichnet ist, die es von MS und anderen neuroinflammatorischen Erkrankungen unterscheidet. Während MS-Therapien seit langem auf einer umfassenden Immunmodulation beruhen, sprechen Patienten mit MOGAD oft nur schlecht auf diese etablierten Behandlungen an.
Zusammenfassung
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe und vielschichtige Erkrankung des zentralen Nervensystems, deren Ursachen und Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind. Die Forschung hat jedoch in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, sowohl im Verständnis der Krankheitsentstehung als auch in der Entwicklung neuer Therapieansätze.
Die enge Kooperation zwischen Grundlagenforschern und Medizinern ermöglicht eine MS-Forschung buchstäblich „von der Laborbank bis zum Krankenbett“. Das auf diese Weise erarbeitete Wissen kommt letztendlich immer dem Patienten zugute.
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