Kreatin, bekannt als beliebtes Nahrungsergänzungsmittel im Sport zur Leistungssteigerung, rückt zunehmend in den Fokus medizinischer Forschungsarbeiten. Insbesondere wird untersucht, ob Kreatin eine potenzielle Therapiemöglichkeit bei verschiedenen Krankheiten und Gesundheitszuständen darstellen könnte, darunter auch neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson.
Was ist Kreatin?
Kreatin ist eine natürliche Substanz, die im Körper vorkommt und eine zentrale Rolle in der Energieproduktion spielt, insbesondere während kurzer, intensiver körperlicher Aktivitäten wie Sprinten oder Gewichtheben. Es wird hauptsächlich in der Muskulatur gespeichert. Seine Hauptaufgabe ist die schnelle Energieversorgung. Der Körper bildet Kreatin selbst aus den Aminosäuren Arginin und Glycin. Bei dieser Reaktion wird die Amidinogruppe (ein Teil des Argininmoleküls) auf Glycin übertragen, wodurch Guanidinoacetat entsteht. Dieser Schritt findet hauptsächlich in den Nieren statt. Guanidinoacetat wird dann in die Leber transportiert, wo der nächste Schritt stattfindet. Diese Methylierung erfordert S-Adenosylmethionin (SAMe) als Methylgruppen-Donor. Zusätzlich zur körpereigenen Produktion kann Kreatin über die Nahrung aufgenommen werden, vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Fisch. Es ist auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.
Kreatin im Energiestoffwechsel
Creatin ist im Energiestoffwechsel tätig, besonders in Muskelzellen (durch seine Beteiligung am ATP-PCr-System (Adenosintriphosphat-Phosphokreatin-System)). Adenosintriphosphat (ATP) ist die Hauptenergiequelle für Muskelkontraktionen. Bei körperlicher Aktivität wird ATP schnell zu Adenosindiphosphat (ADP) und einem freien Phosphatmolekül abgebaut, wodurch Energie freigesetzt wird. Kreatinphosphat hilft dabei, den Säure-Basen-Haushalt in den Muskeln zu regulieren, indem es als Puffer gegen die Anhäufung von Milchsäure wirkt. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Kreatin auch im Gehirn eine Rolle spielt, wo es ähnlich wie in den Muskeln zur Energieversorgung beitragen kann.
Kreatin wird im Körper als Kreatin-Phosphat gespeichert und dient somit als wichtiger Energiespeicher zur Aufbereitung der universellen Energiequelle des Körpers: ATP (Adenosin-Tri-Phosphat) - Kreatin-Phosphat spendet sein Phosphat an „verbrauchtes ATP“ (ADP; Adenosin-Di-Phosphat) um es zu regenerieren und wieder verfügbar zu machen. Kreatin selbst wird bis zu einem Gramm pro Tag, aus den Aminosäuren Glycin, Arginin und Methionin, vom Körper gebildet, der Rest stammt aus der Nahrung - allerdings befindet sich Kreatin ausschließlich in tierischen Nahrungsmitteln, wie z.B. Fisch und Fleisch („kreas“ steht für Fleisch) - Schwein, Rind, Lachs und Thunfisch enthalten circa 5g Kreatin pro Kilogramm, Hering haut mit bis zu 10g pro Kilogramm komplett mal einen raus!
Der Kreatin-Pool des Körpers kann, durch eine tierisch betonte Kostform oder eine entsprechende Nahrungsergänzung, erhöht werden - bei einem Verzicht auf tierische Nahrungsmittel oder kreatinhaltige Nahrungsergänzungsmittel, reduziert sich der „körpereigene“ Pool“. Kreatin wird als „Energiespeicher“ vor allem in der Muskulatur und dem Gehirn gespeichert - also in Organen mit einem hohen Energiebedarf, aber im Grunde arbeitet jede Zelle auch mit Kreatin.
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Mittlerweile ist auch folgender „Health Claim“ zum Kreatin zugelassen: „Kreatin erhöht die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining im Rahmen kurzzeitiger intensiver körperlicher Betätigung. Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, deren Verzehr eine tägliche Aufnahme von 3g Kreatin gewährleistet. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 3g Kreatin einstellt.“
Kreatin und neurodegenerative Erkrankungen
Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Parkinson-Krankheit und Alzheimer könnte der Stoff möglicherweise hilfreich sein, um die Gehirnfunktion zu unterstützen. Bei letzterer hilft Kreatin dabei, den neurodegenerativen Prozess zu verlangsamen. Allerdings gibt es auch Untersuchungen, die hier keinen Effekt zeigten, so dass Creatin bei Alzheimer weniger gut zu wirken scheint als z. B. bei der Parkinson-Krankheit. Es wird vermutet, dass dieses bioenergetische Defizit zur Apoptose und Nekrose und schlussendlich zur neuronalen Degeneration führt [1]. Es lag daher nahe anzunehmen, dass eine Verbesserung der Mitochondriengesundheit eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes ermöglichen könnte. Erste Studien deuten darauf hin, dass die Kreatinsupplementation neuroprotektiv wirken könnte.
Kreatin bei Morbus Parkinson: Aktuelle Studienlage
Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsproblemen. Da Kreatin eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt und potenziell neuroprotektive Eigenschaften besitzt, wurde untersucht, ob eine Kreatin-Supplementierung den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv beeinflussen könnte.
Vermutete neuroprotektive Wirkungen der Aminosäure Kreatin haben sich in einer US-Studie bei rund 1.740 Patienten mit Morbus Parkinson im Frühstadium nicht bestätigt. Die Diagnose der Erkrankung war vor weniger als fünf Jahren gestellt worden und die Patienten erhielten eine dopaminerge Therapie. Randomisiert wurden nun die Studienteilnehmer über fünf bis acht Jahre zusätzlich mit Kreatinmonohydrat (10 g täglich) oder Placebo behandelt. Die Studie ist nach einem Follow-up von im Median vier Jahren nach einer Zwischenanalyse der Daten bei knapp 1.000 Patienten vorzeitig abgebrochen worden. Bei keinem Kriterium zur Beurteilung der klinischen Parkinson-Progression (wie Modified Rankin-Scale oder PDQ-39-Index) ist ein Vorteil für die Patienten der Kreatin-Gruppe erkennbar gewesen. Die Progressionsrate war allerdings in beiden Gruppen geringer als erwartet gewesen, schreiben die Autoren. Auch bei den unerwünschten Wirkungen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Daten unterstützen nicht den Einsatz von Kreatin bei Parkinson, so das Fazit der Autoren.
Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass Kreatin kognitive Funktionen verbessert - besonders bei älteren Menschen oder solchen, die sich vegetarisch ernähren. Das liegt daran, dass Kreatin nicht nur Muskeln, sondern auch das Gehirn mit Energie versorgt. Gerade im Alter, wenn die körpereigene Produktion abnimmt, könnte eine gezielte Zufuhr sinnvoll sein.
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Weitere potenzielle Anwendungsgebiete von Kreatin
Kreatin wird nicht nur als Nahrungsergänzungsmittel, z. B. im Sport und zur Leistungssteigerung eingesetzt, sondern könnte auch bei bestimmten neuromuskulären Erkrankungen, wie z. B. Muskeldystrophien oder amyotropher Lateralsklerose (ALS) in Betracht gezogen werden. In manchen Studien zeigte sich, dass Creatin in höheren Dosen (täglich 5 g über mehrere Wochen hinweg) antidepressiv wirkt. Bei Herzinsuffizienz könnte der Stoff die körperliche Leistungsfähigkeit steigern und die Lebensqualität verbessern. In einer älteren Studie von 1996 nahmen Patienten mit Herzinsuffizienz eine tägliche Dosis von 20 g des Pulvers über 10 Tage lang ein.
Kreatin und die protektive Wirkung auf das ZNS
Die protektive Wirkung von Kreatin auf das ZNS ist lange bekannt. Ähnlich der Wirkung im Myocard kann durch die Aufsättigung der intrazellulären CrP eine Energieabpufferung für kurzfristige hypoxische Verhältnisse erreicht werden. Dies kann zu einer Protektion gegen Ischämie und Zelltod sowie durch mechanische Reize entstehende Calciumgradienten führen [7, 53, 56]. Im Tierversuch gelang es Forschern zu zeigen, dass sich nach Kreatingabe idiopathisch verursachte Hirnschäden sowie Rückenmarksverletzungen weniger ausgeprägt entwickelten [27, 51]. Ebenso positiv wirkte sich die Kreatingabe auf Infarktgrößen nach Insult aus [41]. Diese Ergebnisse lassen die Hypothese zu, dass die Gabe von Kreatin zu einem präventiven Schutz des ZNS vor Hirnerschütterungen, traumatischen Hirnschäden, Rückenmarkschädigungen und Insulten führen kann [19]. In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass die Supplementation von Kreatin einen positiven Einfluss auf Kognition und Hirnfunktion hat [26, 54]. Die Wirkung war umso größer, je mehr der Proband externen Stressoren (Hypoxie, Schlafmangel, o.ä.) ausgesetzt war [34, 53] oder je komplexer die Aufgaben waren [35]. Darüber hinaus scheint die Kreatin-Supplementation nicht nur präventiv, sondern auch kurativ wirksam zu sein.
In den 1980er Jahren wurde eine Verbindung zwischen bioenergetischen Defiziten und Depressionen [38], Bipolaren Störungen [2] und Zwangsstörungen [36] hergestellt. Es wird vermutet, dass es bei Ausbruch der Erkrankungen zu einer Zunahme des Energiebedarfs mit Depletion der CrP-Speicher kommt [20, 29]. In klinischen Studien mit depressiven Patienten [30, 45, 52] konnte ein positiver Effekt auf die subjektive Beeinträchtigung nach adjuvanter Kreatingabe nachgewiesen werden. Je höher der Anstieg des cerebralen CrP nach Kreatinsupplementation, desto geringer die depressiven oder manischen Symptome.
Einnahme und Sicherheit von Kreatin
Die gängige Anwendung bzw. Empfehlung liegt bei einer täglichen Einnahme von 3-5g Kreatin. Eine sogenannte „Ladephase“, wie sie früher propagiert wurde, ist nicht nötig. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme - entweder morgens oder nach dem Training. Und noch ein Tipp: Kreatin speichert Wasser in den Muskelzellen, daher sollte darauf geachtet werden, genügend zu trinken.
Wenn man auf eine korrekte Einnahme achtet, wird es eher nicht zu Nebenwirkungen kommen. Auch kann es u. U. zu einer Gewichtszunahme kommen, da Kreatin Wasser in den Muskelzellen speichert. Bei moderaten Dosen scheint das Risiko für Dehydratation nicht signifikant zu sein, insbesondere wenn eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet ist. Höhere Dosen könnten jedoch ein Risiko darstellen.
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Wenn durch die Einnahme von Kreatin Nebenwirkungen auftreten, sind diese meist mild und von vorübergehender Natur. Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis (z. B. 3 g), damit sich Ihr Körper an den Stoff gewöhnen kann. Um die o. g. Dehydratation zu verhindern, achten Sie darauf, täglich ausreichend Wasser zu trinken. Kreatin kann auf nüchternen Magen bei manchen Menschen zu Magenbeschwerden führen. Probieren Sie in diesem Fall die Einnahme mit einer Mahlzeit oder in einem Shake, der auch z. B. Proteinpulver und andere Zutaten enthält (z. B. Obst). Verwenden Sie in jedem Fall ein hochwertiges Produkt, um die Wahrscheinlichkeit von Verunreinigungen zu reduzieren (die aber in jedem Nahrungsergänzungsmittel vorkommen können, wenn nicht auf Qualität geachtet wird), z. B. ein Produkt mit Creapure-Siegel.
Wenn Sie Kreatin in Zyklen nehmen, beispielsweise 8 Wochen lang gefolgt von einer Pause von 4 Wochen, bevor Sie erneut mit dem nächsten Zyklus starken, können Sie mögliche Nebenwirkungen minimieren. Der Stoff gilt als sicheres Nahrungsergänzungsmittel mit minimalem Risiko für Nebenwirkungen (28). Kreatin wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden.
Es gibt begrenzte Informationen über die Sicherheit von Kreatin während der Schwangerschaft und Stillzeit. Wenn Sie z. B. eine Leberkrankheit haben oder eine andere chronische Erkrankung, besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt. Wenn Sie eine der weiter oben genannten Krankheiten haben (Parkinson, Herzinsuffizienz o. Ä.), sollten Sie die Einnahme ebenfalls vorher mit Ihrem Arzt besprechen. Kreatin könnte Wechselwirkungen mit Medikamenten haben (siehe nächster Abschnitt). Immer wieder liest man, es gäbe nur begrenzte Forschungsergebnisse zu Kreatin bei Kindern und Jugendlichen, weshalb man in dieser Altersgruppe häufig von einer Supplementierung abrät.
Kreatin und Haarausfall
Kreatin kann zwar den Dihydrotestosteron-Spiegel (DHT), eventuell, erhöhen, so eine Untersuchung aus dem Jahre 2009 (van der Merwe et al 2009) und DHT kann THEORETISCH auch am androgenen Haarausfall beteiligt sein (Ustuner 2013), aber es gibt bisher KEINE Untersuchung am Menschen die zeigt, dass Kreatin zu Haarausfall führt und sogar viele Daten die zeigen, dass Kreatin garkeinen Einfluss auf den Testosteronspiegel hat (Faraji et al 2010)? Und es gibt VIELE Studien zu Kreatin - auch die länger andauernd waren, über Monate oder gar Jahre - aber Haarausfall wurde dort nie beobachtet!
Die positiven Wirkungen von Kreatin auf die körperliche Leistung entstehen, da gibt’s ja noch viel mehr Untersuchungen, nicht durch die Effekte von Kreatin auf irgendwelche Hormone. Derzeit gibt es keinerlei Daten die zeigen, dass die Kreatineinnahme zu Haarausfall führt, weiter unten aber noch einmal eine gute Zusammenfassung einer Studie aus dem Jahr 2021 - nur weil eine Untersuchung mal einen Effekt auf ein (statistisch signifikant = messbar) Hormon gezeigt hat, bedeutet es nicht, dass es auch tatsächlich praktisch relevant ist.
Kreatin und Bluthochdruck
Kreatin wirkt sich NICHT negativ auf den Blutdruck aus, eher positiv und Kreatin wirkt eher schützend auf die Gefäße und die Herzkreislauffunktion, statt negativ und hat auch keinen negativen Effekt auf die Nierenfunktion (Sanchez-Gonzalez et al 2011, Mihic et al 2000, Pline et al 2005, Clarke et al 2020, Balestrino et al 2021).
Warum? Kreatin wird in der Muskulatur gespeichert, nicht im Interzellularraum, nicht direkt in den Gefäßen und wirkt sich dadurch nicht negativ auf den Druck innerhalb der Gefäßwände aus. Es macht auch nicht schwammig oder zieht Wasser, WENN es Wasser zieht, dann in die Muskulatur und hydriert dich dadurch besser UND du siehst auch noch straffer aus, theoretisch.
Es wirkt zudem antioxidativ. Es reduziert die Homocysteinspiegel! Es wirkt sich positiv auf den Energiestoffwechsel aus - auch das Gehirn, das Herz und die Gefäße mögen sehr gerne Energie und funktionieren damit besser. Die endotheliale Stickstoff-Monooxid-Synthetase funktioniert mit Energie besser, also die Gefäße werden besser weit gestellt. Und so weiter - Kreatin ist eher gut fürs Herz, ein „Mangel“ eher negativ zu werten.
Fazit
Kreatin spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel. Es kann sowohl im Sport bzw. zur allgemeinen Leistungssteigerung als auch in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt werden. Obwohl eine große Studie keine Vorteile von Kreatin bei Parkinson-Patienten im Frühstadium zeigen konnte, deuten andere Forschungsergebnisse auf potenzielle positive Effekte auf die Kognition, die Gehirnfunktion und den Schutz des zentralen Nervensystems hin. Kreatin ist eines der sichersten und am besterforschten Nahrungsergänzungsmitteln, welches auf „natürliche Weise“ die Leistung verschiedener Organe (! Nicht nur der Muskeln…) erhöhen kann und sich in der Regel sogar positiv auf unterschiedliche Aspekte der Gesunderhaltung des Körpers auswirkt. Weitere Studien sind erforderlich, um die genauen Mechanismen und optimalen Dosierungen für verschiedene Anwendungsbereiche zu bestimmen.
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