Negative Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus: Eine wachsende Herausforderung

Der Kreuzfahrttourismus hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt, birgt jedoch auch eine Reihe von negativen Auswirkungen, die zunehmend in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten dieser Problematik, von den ökologischen Belastungen bis hin zu den sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen für die Destinationen.

Der Aufstieg des Kreuzfahrttourismus und seine Schattenseiten

Sorglos und in Urlaubsstimmung steigen jährlich Tausende europäische Touristen auf Kreuzfahrtschiffe und erobern die Ozeane. Der Kreuzfahrttourismus hat weltweit stark zugenommen. Laut dem griechischen Schifffahrtsministerium verzeichnete Griechenland im Jahr 2024 rund 7,9 Millionen Landgänge von Kreuzfahrtgästen. Auch die deutschen Häfen profitieren vom boomenden Kreuzfahrttourismus. Laut Reederei-Branchenverband CLIA gibt jeder Kreuzfahrtpassagier, der seine Reise in einem deutschen Hafen beginnt, am ersten Tag im Durchschnitt 156 Euro aus, allerdings inklusive Anreise und Hotelübernachtung, ein Tagesausflügler 48 Euro. Im Vergleich dazu gibt laut Hamburg Marketing ein Städtetourist in Hamburg täglich 135 Euro inklusive Übernachtung aus, ein Tagestourist knapp 42 Euro.

Doch was macht diese Art von Tourismus mit den Städten, an denen die Urlaubstanker ankern? Insbesondere in Griechenland, einem der Hauptzielländer Europas, wächst der Unmut über die Massen, die aus diesen schwimmenden Hotels täglich an Land strömen. Die Proteste auf den Balearen und in Barcelona haben ihren Ursprung vor allem in der Wohnungsnot, die durch den unkontrollierten Tourismus und die Vermietung von Ferienwohnungen an Urlauber verschärft wird.

Wirtschaftliche Aspekte: Segen oder Fluch?

Der Kreuzfahrttourismus spült jährlich über eine Milliarde Euro in die griechische Wirtschaft. Der Tourismus im Allgemeinen und der Kreuzfahrttourismus im Besonderen spielen dabei eine besondere Rolle. Rund 3,2 Millionen internationale Besucher kamen im vergangenen Jahr in den Oman, laut offiziellen Statistiken. Die Ausflüge, Restaurantbesuche, Besichtigungen und Einkäufe der Passagiere sowie der Crews seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, heißt es in einer Studie von Cruise Baltic, einem Netzwerk von Ostseehäfen zur Förderung des Kreuzfahrttourismus. Die Branche schaffe Jobs für Fremdenführer, in Transportunternehmen, Läden, Cafés und Kultureinrichtungen.

Doch Kritiker bemängeln, dass ein Großteil der Wertschöpfung auf den Schiffen verbleibt. „Viele Passagiere kaufen nicht lokal ein, sondern kehren nach ein paar Stunden direkt aufs Schiff zurück - das schadet dem stationären Handel“, erklärt Maria Kalogeropoulou, Gastronomin aus Mykonos. Eine Studie gibt einen ersten Einblick was Kreuzfahrttouristen im Marktviertel von Muttrah, direkt gegenüber dem Kreuzfahrtterminal ausgeben, nämlich fast nichts. Ich habe zum Beispiel 675 Touristen befragt, 40 Prozent gaben an nichts gekauft zu haben und der Rest hat weniger als 30 Euro ausgegeben. Einheimische oder alt eingesessene Händler haben mir immer wieder gesagt, dass insbesondere die Kreuzfahrttouristen wenig einkaufen und nur schauen. Das bestätigt auch Studien in anderen Destinationen, wie zum Beispiel in Skandinavien. Die Touristen schauen nur, aber sie kaufen wenig oder gar nichts. Das ist anders, wenn sie einen Tag übernachten, zum Beispiel in Abu Dhabi oder Dubai. Touristen, die mit dem Flugzeug oder über Land mit dem Auto einreisen, konsumieren in der Regel mehr, weil sie auch mehr Zeit haben.

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Ökologische Belastungen: Eine tickende Zeitbombe

Ein häufig in den Medien behandeltes Thema rund um Kreuzfahrttourismus ist die schlechte Umweltbilanz. Es gibt massive Umweltbelastungen, auch weil die Regulierungen auf Hoher See, außerhalb der Landesgrenzen, viel relaxter sind als an Land. So ist es wohl üblich Müll und Abwasser in die Hohe See zu kippen und das gesamte Ökosystem leidet darunter, insbesondere Korallen und Meerestiere. Letztendlich essen wir, die Konsumenten, dann auch den Fisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte. Die Schiffe tragen sicherlich beachtlich zur Übersäuerung unserer Meere und damit zur Schädigung des Ökosystems bei. Außerdem stößt alleine ein Kreuzfahrtschiff sehr viele „particulate matter“, kleinste Partikel, in die Atmosphäre, vergleichsweise laut einer Studie soviel wie rund eine Million Autos. Daher ist es auch für den Touristen an Bord eigentlich gar keine Erholung und wenig saubere Luft, für die Anwohner und Meeresbewohner natürlich auch nicht. Auch der Motorenlärm der Schiffe ist eine Belastung, zum Beispiel für Delfine oder Wale, die es übrigens auch im Oman gibt. Die Motoren müssen weiterhin laufen, um den Energiebedarf für die Unterhaltungsmöglichkeiten und andere Prozesse (unter anderem die Kühlkette für die Lebensmittel) zu decken. So werden durchgehend Schadstoffe ausgestoßen. Das trägt nicht nur zum Fortschreiten des Klimawandels bei, sondern die Luftverschmutzung schadet auch der Gesundheit der Menschen.

Kreuzfahrtschiffe haben eine hohe Umwelt- und Gesundheitsbelastung. Da die Schiffe mit Schweröl betrieben werden, verursachen sie im Vergleich zu Autos hohe Treibhausgasemissionen pro Kilometer für eine Person. Falls ein Unfall passiert und Schweröl aus dem Kreuzfahrtschiff austritt, hat das weitreichende Folgen für das Ökosystem Meer. Deshalb dürfen zum Beispiel Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in die Antarktis fahren. Besonders an den Anlegehäfen ist die Luftverschmutzung hoch. Ein weiteres großes Problem im Bereich der Nachhaltigkeit ist der hohe Verbrauch an Ressourcen. Die vielen Passagier*innen, Freizeitangebote und Restaurants benötigen sehr viel Strom, Wasser und produzieren auch eine große Menge Müll. Bei einer durchschnittlichen Reise mit dem Kreuzfahrtschiff werden laut der Meeresschutzorganisation Oceana täglich bis zu 7 Tonnen Abfall produziert.

Soziale und kulturelle Auswirkungen: Verlust der Authentizität?

Der Oman ist ein konservatives, muslimisch geprägtes Land. Ergebnisse zeigen, dass viele Kreuzfahrttouristen nicht angemessen gekleidet sind, das heißt besonders weibliche Touristinnen ihre Knie, Schultern und Dekolleté nicht bedecken oder auch transparente Kleidung tragen. Die konservative Kleiderordnung im Oman wird auch an Bord der Megaschiffe nicht klar kommuniziert. Die Devise an Bord ist „grenzenlose Freiheit“, ohne Verhaltensregeln oder Vorschriften. Dies führt allerdings dazu, dass sich Einheimische und Händler im Marktviertel von Muttrah nicht respektiert fühlen und es zu sogenannten Kulturschock-Situationen kommt. Was den Kreuzfahrttourismus in Muttrah und seine Auswirkungen für die lokale Bevölkerung betrifft, so kommt es zu Überfüllung des Raumes beziehungsweise des Marktviertels, wenn ein oder mehrere Megaschiffe in der Stadt sind. Es gibt Parkplatzprobleme und der Raum wurde zunehmend nach den touristischen Bedürfnissen gestaltet, eine Touristen-Blase sozusagen. Zum Beispiel gibt es spezielle Touristen-Restaurants und eine internationale Schnell-Restaurant-Kette hat auch letztes Jahr direkt am Hafen ein Restaurant eröffnet. Außerdem hat sich das Warenangebot nach der Touristennachfrage umgestellt. Es gibt viele billige, eher in Asien produzierte Waren, zum Beispiel Pashmina-Schals. Einheimische Waren und Händler wurden daher in den letzten Jahren entlang der Hauptstraße des Marktviertels verdrängt.

Maßnahmen zur Eindämmung negativer Auswirkungen

Griechenland erhebt ab dem 1. Juli 2025 eine gestaffelte Ankunftsgebühr für Kreuzfahrtpassagiere. Hauptsaison (1. Juni bis 30. September): 10 Euro, Nebensaison: 7 Euro, Rest des Jahres: 4 Euro bzw. Diese Maßnahme ist ein erster Versuch, den Massentourismus zu regulieren und besser zu verteilen“, so Minister Christos Stylianides. Zusätzlich zur Gebühr plant Griechenland, Tageslimits einzuführen. Auf Santorini sollen künftig maximal 8.000 Kreuzfahrtgäste pro Tag erlaubt sein. Mykonos wird seine Anlegestellen neu strukturieren, um parallele Ankünfte mehrerer Großschiffe zu verhindern. Auch die Bewohner begrüßen den Schritt. Eleni Papadopoulou aus Oia sagt: „Es geht nicht darum, Touristen auszusperren, sondern darum, das Leben hier wieder lebenswert zu machen. Es wurden die Gebühren für Kreuzfahrtschiffe letztes Jahr erhöht. Ich denke, das ist schon ein guter Schritt. Allerdings zahlen Kreuzfahrttouristen immer noch keine Visumsgebühr. Es ist kostenlos für sie in den Oman einzureisen, im Vergleich zu anderen internationalen Touristen. Dies sollte auch vereinheitlicht werden. Aufgrund meiner Studie komme ich zu dem Ergebnis, dass es sozial verträglich wäre, eine Quote für Kreuzfahrtschiffe und Touristen einzuführen, so wie in anderen kleinen Destinationen, wie beispielsweise auf den Seychellen oder Santorini. Um den negativen Auswirkungen des Massentourismus entgegenzuwirken, hat Spanien eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Dazu gehört die Einführung eines zentralen Registers für Ferienwohnungen, um illegale Vermietungen zu bekämpfen und die einheimische Bevölkerung zu schützen. Für Kreuzfahrtpassagiere und andere Touristen gibt es spezielle Verhaltenshinweise, um sich respektvoll und rücksichtsvoll gegenüber den Einheimischen und der Umwelt zu verhalten. Langfristigen Strategien zielen auf ein nachhaltiges und harmonisches Zusammenleben von Einheimischen und Touristen ab.

Lösungsansätze für einen nachhaltigeren Kreuzfahrttourismus

  • Technologische Innovationen: Um die Umweltverschmutzung zu verringern, wird teilweise auf andere Kraftstoffe, wie Wasserstoff oder Ammoniak umgestellt oder in ressourcenschonendere Antriebsmaschinen investiert. Dabei gibt aber noch viel Ausbaupotenzial, da bis jetzt nur wenige Kreuzfahrtschiffe diese Ausstattung haben. Kommendes Jahr soll auch das erste Expeditionskreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb in Betrieb gehen: Die „Roald Amundsen“ von Hurtigruten mit Platz für über 500 Passagiere ist speziell für Polargewässer angelegt.
  • Regulierung und Zertifizierung: Um die Unternehmen zu belohnen, die versuchen, die Umweltverschmutzung einzudämmen, werden Zertifikate wie beispielsweise Blue Angel for Cruise Ships oder Green Award vergeben. Es sollte weltweit strengere Gesetzte für den Erhalt des Ökosystems und einen nachhaltigeren Tourismus auf unseren Weltmeeren erlassen werden. Auch ethische Standards und Öko-Gütesiegel sind wünschenswert, außerdem ein Strukturfonds für die lokale Bevölkerung und die Destination.
  • Bewusstseinsbildung: Anstatt „Fast-Tourism“ und „Hyper-Konsum“ sollte „Slow-Tourism“ schick sein. Tourismus ist eine Freizeitaktivität, die von jedem einzelnen bewusster und verantwortungsvolle gestaltet und nicht einfach maßlos und so billig wie möglich konsumiert werden sollte. Vor einer Reise sollte sich jeder achtsam fragen: Was ist meine Motivation? Könnte ich auch regional verreisen? Wenn nicht, wie kann ich mich sinnvoll vorbereiten auf Land und Leute? Neben innovativen Technologien kann langfristig das Konsumverhalten jedes Einzelnen eine Menge bewirken und verändern. Aber dafür benötigen wir noch viel Aufklärung, Umwelterziehung und Training im achtsamen Umgang mit unserer physischen Umwelt und den Mitmenschen um uns herum.

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