Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) und die Alzheimer-Krankheit sind beides neurodegenerative Erkrankungen, die zu Demenz führen können. Obwohl sie ähnliche Symptome aufweisen können, handelt es sich um unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Ursachen und Mechanismen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede in Bezug auf Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapieansätze.
Einführung in Creutzfeldt-Jakob und Alzheimer
Rund 80 Prozent aller Demenzen werden durch Krankheiten des Gehirns hervorgerufen, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen. Die Alzheimer-Krankheit ist mit 60-70 Prozent aller Fälle die häufigste Erkrankung. Daneben sind vaskuläre (gefäßbedingte) Demenzen, die Lewy-Körperchen-Krankheit, die Demenz bei Morbus Parkinson sowie die Frontotemporale Demenz am häufigsten. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Ursachen für eine Demenz, die insgesamt jedoch seltener sind.
Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) ist eine seltene und tödliche neurodegenerative Erkrankung, die durch abnorm gefaltete Proteine, sogenannte Prionen, im Gehirn verursacht wird. Sie tritt ungefähr einmal pro eine Million Einwohner und Einwohnerinnen auf und verläuft leider immer tödlich.
Ursachen und Pathogenese
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wird durch eine Fehlfaltung des zellulären Prion-Proteins (PrPC) ausgelöst. Die Prionen lagern sich allmählich in den Nervenzellen ab und bilden Klumpen. Dadurch werden die Funktionen der Nervenzellen beeinträchtigt und irgendwann sterben sie ab.
Es gibt verschiedene Formen von CJD:
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- Sporadische CJD (sCJD): In mehr als 85 Prozent der Fälle ist Creutzfeldt-Jakob eine sporadisch auftretende Krankheit, d.h. es gibt keinerlei Hinweise darauf, warum sie ausbricht. Laut RKI werden in Deutschland jährlich etwa 80 bis 120 Fälle gemeldet.
- Familiäre CJD (fCJD): Bei der familiären Form von Creutzfeldt-Jakob (fCJD) ist die Krankheit genetisch bedingt. Ungefähr 15 Prozent aller Fälle sind auf diese Form zurück zu führen.
- Iatrogene CJD: Bei weniger als einem Prozent wird die Krankheit durch medizinische Eingriffe übertragen. Sie wird als iatrogene Form bezeichnet.
- Variante CJD (vCJD): Die vierte Form tritt ebenfalls bei weniger als einem Prozent der Fälle auf. Sie gilt laut RKI als menschliche Entsprechung der beim Rind beobachteten Hirnerkrankung BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie), auch bekannt geworden als "Rinderwahnsinn". Sie kann auftreten, wenn man mit Prionen verseuchte Lebensmittel wie kontaminiertes Rindfleisch verspeist. Diese Form wurde 1996 erstmals in England beschrieben. Weltweit gab es bisher mehr als 200 Fälle, die meisten davon in Großbritannien.
Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz. Die Kettenreaktion, die zu den toxischen Protein-Ablagerungen führt, setzt viel früher ein als bisher gedacht. Eine Alzheimer-Erkrankung schaukelt sich über Jahrzehnte hoch. Sie beginnt mit einer fatalen Kettenreaktion, bei der massenhaft falsch gefaltete Beta-Amyloid-Proteine entstehen, die das Gehirn am Ende regelrecht überschwemmen. Forschende um Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigen in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“, dass diese Kettenreaktion bei Mäusen sehr viel früher beginnt als bisher angenommen. Damit gibt es neben der bekannten Frühphase der Erkrankung mit Protein-Ablagerungen aber ohne Demenz-Symptome eine noch viel frühere Phase, in der winzige, unsichtbare Aggregationskeime die Kettenreaktion in Gang setzen.
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren, Alterung und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Kennzeichnend für die Alzheimer-Krankheit sind die Ablagerung von Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn, die zu neuronalen Schäden und Funktionsverlust führen.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Pathogenese
Obwohl beide Krankheiten neurodegenerativ sind, unterscheiden sie sich in den beteiligten Proteinen und den Mechanismen der neuronalen Schädigung. Bei CJD sind Prionen die Hauptakteure, während bei Alzheimer Beta-Amyloid und Tau-Proteine im Vordergrund stehen.
Symptome
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Creutzfeldt-Jakob tritt vor allem bei Menschen über 60 Jahren auf. Die Symptome der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind vielfältig und können schnell fortschreiten. Zu den frühen Symptomen gehören Gedächtnisstörungen, Verwirrung und Veränderungen im Verhalten. Im weiteren Verlauf können neurologische Symptome wie Muskelzuckungen, Koordinationsstörungen und Krampfanfälle auftreten. Die Krankheit führt schließlich zu einem schweren kognitiven und neurologischen Verfall, der oft zu einer vollständigen Beeinträchtigung führt.
Die Creutzfeldt-Jakob Krankheit tritt als sehr rasch (6-12 Monate) fortschreitende Demenz in Erscheinung, die typischerweise von motorischen Störungen in Form von Myoklonien (= ausgeprägte unwillkürliche Muskelzuckungen) und Ataxie (= ausgeprägte Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen) begleitet ist.
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Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit beginnt in der Regel schleichend mit Gedächtnisproblemen, insbesondere Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern. Im weiteren Verlauf treten Sprachstörungen, Orientierungsprobleme, Schwierigkeiten bei der Planung und Ausführung von Aufgaben sowie Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens auf.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Symptomen
Im Anfangsstadium ähneln die Symptome der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit denen von Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Beide Krankheiten können Gedächtnisstörungen und kognitive Beeinträchtigungen verursachen. Allerdings schreitet die CJD in der Regel viel schneller voran als die Alzheimer-Krankheit. Muskelzuckungen (Myoklonien) und Koordinationsstörungen sind typischer für CJD, während Sprachstörungen und Orientierungsprobleme im Frühstadium eher auf Alzheimer hindeuten können.
Diagnose
Weil die Krankheit so selten auftritt und im Anfangsstadium die gleichen Symptome wie Demenzerkrankungen aufweist, ist es schwer sie frühzeitig zu erkennen. Erst wenn andere Demenzformen ausgeschlossen wurden, die geistige Funktionsfähigkeit der Betroffenen rapide abnimmt, die Muskeln unkontrolliert zucken und der Gang unsicher und torkelnd ist, vermuten Medizinerinnen und Mediziner Creutzfeldt-Jakob. Dann muss genauer nachgeschaut werden.
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Eine Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit gibt Aufschluss. In dieser Flüssigkeit lässt sich unter anderem das Protein beta-Synuclein nachweisen. Dieses Protein ist bei Alzheimer-Erkrankten leicht und bei Creutzfeldt-Jakob-Erkrankten deutlich erhöht. „In den vergangenen Jahren ist es uns dann gelungen, dieses Verfahren auf das Blut zu übertragen. Hier konnten nahezu ähnliche Werte wie im Nervenwasser erzielt werden und somit ein schonenderes Diagnoseverfahren für Patientinnen und Patienten geschaffen werden", so Prof. Dr. Markus Otto von der Universitätsmedizin Halle. Die Forschenden aus Halle, Ulm, Berlin, München, Alava, Bologna und Bratislava haben somit einen Bluttest entwickelt, mit dem sowohl die sporadische als auch die genetisch ausgelöste Creutzfeldt-Jakob-Krankheit frühzeitig diagnostiziert werden kann.
Charakteristische Veränderungen im Elektro-Enzephalogramm (EEG) helfen, die Diagnose zu sichern.
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Alzheimer-Krankheit
Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit basiert auf einer Kombination aus Anamnese, neurologischer Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronenemissionstomographie (PET).
Forscher der Neurologischen und der Psychiatrischen Klinik des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und der Psychiatrischen Klinik Erlangen haben ein neues Verfahren entwickelt, um die Alzheimer Erkrankung von der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung zu unterscheiden. Die Arbeitsgruppen der Neurologischen und Psychiatrischen Klinik in Göttingen um Privat-Dozent Dr. Markus Otto und in der Psychiatrischen Klinik in Erlangen um Professor Dr. Jens Wiltfang fanden heraus, dass bei beiden Patientengruppen kleine Eiweißbruchstücke (Peptide), so genannte beta-Amyloid-Peptide (Aß-Peptide), im Nervenwasser in unterschiedlicher Weise verändert sind. Die Forscher setzten ein von Prof. Wiltfang entwickeltes Nachweisverfahren ein, mit dem neben den bereits bekannten Aß-Peptiden 1-40 und 1-42 weitere Aß-Peptide nachgewiesen werden konnten. Durch die Untersuchung dieses Aß-Peptidmusters im Nervenwasser gelingt eine verbesserte Unterscheidung der beiden Erkrankungen. Das neue Verfahren beruht auf der Verwendung eines harnstoff-basierten Gelsystems, das die Auftrennung von Aß-Peptiden ermöglicht, auch wenn diese sich nur in einer einzigen Aminosäure unterscheiden. Mit diesem Verfahren zeigte sich, dass sowohl bei Alzheimer- als auch bei Creutzfeldt-Jakob-Demenz besonders deutlich das Aß-Peptid 1-42 erniedrigt ist, aber dennoch beide Demenzerkrankungen durch zusätzliche Unterschiede im Aß-Peptidmuster unterschieden werden können. Dafür kann der Quotient aus Aß1-39 und Aß1-42 eingesetzt werden, der eine effektive Trennung zwischen beiden Patientengruppen ermöglicht.
Differenzialdiagnose
Die Unterscheidung zwischen CJD und Alzheimer kann schwierig sein, insbesondere im Frühstadium. Ein wichtiger Aspekt ist die Geschwindigkeit des Fortschreitens der Symptome. CJD verläuft in der Regel viel schneller als Alzheimer. Neurologische Symptome wie Myoklonien und Ataxie sind ebenfalls wichtige Hinweise auf CJD. Bildgebende Verfahren und die Analyse von Biomarkern im Nervenwasser können helfen, die Diagnose zu bestätigen.
Therapie
Es gibt noch keine wirksame Behandlung oder Heilung für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Die Therapie zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dies kann die Verabreichung von Medikamenten zur Linderung von Symptomen wie Angstzuständen und Schmerzen umfassen.
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Eine Therapie ist nicht bekannt, allenfalls kann eine symptomatische Behandlung der neuropsychiatrischen Begleitsymptome leichte Linderung bringen.
Alzheimer-Krankheit
Obwohl es keine Heilung für die Alzheimer-Krankheit gibt, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können. Dazu gehören Cholinesterasehemmer und Memantin. Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie, Physiotherapie und Verhaltenstherapie helfen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Therapie
Sowohl bei CJD als auch bei Alzheimer liegt der Fokus auf der symptomatischen Behandlung und der Verbesserung der Lebensqualität. Bei Alzheimer gibt es jedoch spezifischere Medikamente, die auf die zugrunde liegenden Mechanismen der Krankheit abzielen, während es bei CJD keine solche Behandlungen gibt.
Aktuelle Forschung
Mit einem neuen Bluttest lässt sich die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) sowie als weiteren Schritt die Alzheimer-Demenz frühzeitig und schonender als bisher diagnostizieren. Ein internationales Team um den Neurologen Prof. Dr. Markus Otto von der Universitätsmedizin Halle hat herausgefunden, dass das Protein beta-Synuclein deutlich erhöht ist, sobald die Creutzfeld-Jakob-Krankheit ausbricht. Die Gruppe, die sich aus Forschenden aus Halle, Ulm, Berlin, München, Alava, Bologna und Bratislava zusammensetzt, arbeitet nun daran, dieses Verfahren in die klinische Routine zu übernehmen. Mit dem Bluttest ist es nun möglich, den Nachweis der Diagnose der sporadischen, aber auch der noch selteneren genetisch ausgelösten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit deutlich zu vereinfachen. „Die bisher nicht heilbare Erkrankung geht mit dem Verlust von Hirnfunktionen und weiterem körperlichen Abbau einher und ähnelt anfangs in den Symptomen durchaus auch der Alzheimer-Erkrankung. Der Nachweis des Anstiegs des Proteins beta-Synuclein mit dem Bluttest kann für diese sehr spezielle Patientengruppe wichtig sein, um gegebenenfalls frühzeitig mit einer nun anvisierten Gentherapie zu beginnen, die den Verlauf positiv beeinflussen kann und um auch den Verlauf weiter zu beobachten“, erläutert Otto. Im Gegensatz zu den bereits etablierten Neurofilament-Messungen im Blut für die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, zeigt die Messung des beta-Synucleins deutlich weniger falsch-positive Fälle an. Das Forschungsteam konnte zunächst an Patientinnen und Patienten aus Deutschland und Italien zeigen, dass das Protein beta-Synuclein bei Creutzfeldt-Jakob deutlich erhöht ist. Danach wurden Patientinnen und Patienten untersucht, die ein Gen in sich tragen, dass die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst. Hier zeigte sich dann, dass es zu einem massiven Anstieg kommt, sobald die Erkrankung beginnt. Die Gruppe aus Halle und Ulm konnte das Protein beta-Synuclein erstmals vor einigen Jahren im Nervenwasser von Patientinnen und Patienten mit einem massenspektrometrischen Verfahren nachweisen (siehe Journal of Neurochemistry, online seit 17.5.2016). Damals zeigte sich, dass dieses Protein bei der Alzheimer-Erkrankung leicht, aber bei der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung massiv erhöht war. „In den vergangenen Jahren ist es uns dann gelungen, dieses Verfahren auf das Blut zu übertragen. Hier konnten nahezu ähnliche Werte wie im Nervenwasser erzielt werden und somit ein schonenderes Diagnoseverfahren für Patientinnen und Patienten geschaffen werden“, so Prof. Dr. Markus Otto.
Darüber hinaus planen die Forschenden die Methode auch für die Frühdiagnose der Alzheimer-Erkrankung zu etablieren.
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