Kubanischer Kahlkopf (Psilocybe cubensis): Wirkung, Forschung und rechtliche Aspekte

Einführung

Der Kubanische Kahlkopf, wissenschaftlich bekannt als Psilocybe cubensis, ist ein halluzinogener Pilz, der weltweit für seine psychoaktiven Eigenschaften bekannt ist. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung dieses Pilzes, die aktuelle Forschung zu seinen Inhaltsstoffen und die rechtlichen Rahmenbedingungen, die seinen Besitz und Konsum regeln.

Was ist der Kubanische Kahlkopf?

Der Kubanische Kahlkopf (Psilocybe cubensis, Synonym Stropharia cubensis) ist ein Pilz aus der Gattung der Kahlköpfe (Psilocybe). Er wurde ursprünglich in Afrika entdeckt, vermutlich durch Rinder nach Amerika eingeschleppt und kommt heute weltweit in tropischen und subtropischen Zonen vor, teilweise auch in Europa. Der Fruchtkörper des Pilzes ist vier bis 15 Zentimeter hoch, der Hut hat einen Durchmesser von zwei bis acht Zentimetern, ist anfangs spitz-glockenförmig, im Alter flach und von zum Rand hin verblassender, gelb-bräunlicher Farbe. Die Lamellen sind anfangs hell, später dunkelgrau bis purpurbraun. Bei Druck verfärbt sich das Fleisch intensiv blau.

Die Wirkung von Psilocybin und Psilocin

Der Kubanische Kahlkopf enthält die psychoaktiven Substanzen Psilocybin und Psilocin. Psilocybin ist ein Indolalkaloid, das im Körper zu Psilocin verstoffwechselt wird. Dieser Stoff bindet im Gehirn an spezifische Rezeptoren, insbesondere an den 5-HT2A-Rezeptor, und löst so die berauschende Wirkung aus. Die Wirkung wird als vielseitig beschrieben, wobei meist euphorisierende und halluzinogene Effekte im Vordergrund stehen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung

Eine Untersuchung am Imperial College London konnte anhand von Gehirnscans feststellen, dass der Konsum von psychedelischen Pilzen mit dem Wirkstoff Psilocybin starke neurologische Veränderungen verursacht. Die Forscher vermuten, dass sich diese Befunde im Bewusstsein dadurch auswirken, dass „Patienten neue Sicht- und Empfindungsweisen erleben und ihre Situation anders betrachten“. Des Weiteren nehmen die Wissenschaftler an, dass durch die Hemmung des schützenden Filters im Thalamus verstärkt Sinneseindrücke ins Gehirn fluten. Diese betreffen auch den Bereich des Unterbewusstseins.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Neben den oft erwünschten Wirkungen können auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören körperliche Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen sowie erhöhter Blutdruck. Darüber hinaus besteht ein Risiko für psychische Nebenwirkungen: Überfordernde Erregungszustände, Angst und Panikattacken sind möglich. Ein Problem sind vor allem die sogenannten Flashbacks, visuelle Halluzinationen, die als angenehm oder auch als sehr belastend empfunden werden können und unabhängig von der Drogeneinnahme auftreten. Eine Vergiftung mit Psilocybin-Pilzen kann vorkommen, ist jedoch eher selten. Studien zeigen, dass notärztliche Behandlungen nach dem Konsum der psychedelischen Fungi keine Seltenheit sind.

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Die Rolle von PsiM bei der Psilocybin-Biosynthese

Ein internationales Forschungsteam hat die Biosynthese von Psilocybin untersucht, dem Hauptinhaltsstoff halluzinogener Pilze. Dabei konnten neue Erkenntnisse über die Struktur und den Reaktionsmechanismus des Enzyms PsiM gewonnen werden, das eine Schlüsselrolle bei der Herstellung von Psilocybin spielt. Psilocybin wird von den Pilzen in komplexen biochemischen Prozessen aus der Aminosäure L-Tryptophan gebildet. Dabei spielt das Enzym PsiM, eine Methyltransferase, eine wichtige Rolle. Es katalysiert hintereinander zwei Methylierungsreaktionen, die letzten beiden Schritte der Psilocybin-Herstellung.

Struktur und Funktion von PsiM

Bei der Untersuchung der Proteinstruktur zeigten sich erstaunliche Ähnlichkeiten im Aufbau zwischen dem Pilzenzym PsiM und Enzymen, die normalerweise für die Modifikation von RNA verantwortlich sind. Obwohl es auch Unterschiede gibt, deutet die große strukturelle Ähnlichkeit darauf hin, dass sich das Pilzenzym aus einer einfach methylierenden RNA-Methyltransferase entwickelt hat. In weiteren Untersuchungen konnten die Forschenden auch einen entscheidenden Aminosäureaustausch identifizieren, der PsiM während der Evolution die Fähigkeit zur zweifachen Methylierung verlieh.

PsiM und Aeruginascin

Die Forschenden fragten sich anschließend, ob PsiM auch Psilocybin durch Anknüpfung einer dritten Methylgruppe zum Aeruginascin umwandeln könne. Aeruginascin ist ein Analogon von Psilocybin, das natürlicherweise in manchen Pilzarten vorkommt. Die Studie liefert dazu nun ein klares Ergebnis: „Das geschieht eindeutig nicht“, sagt Hoffmeister. „PsiM ist nicht in der Lage, Psilocybin zu Aeruginascin umzuwandeln.“ Somit kann PsiM zur biosynthetischen Produktion dieses Analogons ausgeschlossen werden.

Psilocybin als Verteidigungsmechanismus

Werden Pilze der Gattung Psilocybe verletzt, färben sich die Fruchtkörper an den verwundeten Stellen innerhalb kurzer Zeit tief blau. Der Naturstoff Psilocybin spielt bei dieser Reaktion eine entscheidende Rolle. Nach Abspaltung der Phosphatgruppe bildet das entstehende Psilocin durch vielfache Verknüpfung und Vernetzung mit weiteren Psilocin-Molekülen eine Gruppe größerer Moleküle, sogenannte Polymere. Aufgrund ihrer besonderen chemischen Struktur sind die Polymere intensiv blau gefärbt. Der blaue Farbstoff bindet an Proteine und fällt sie in Form von Flocken aus. Damit könnte er Gegnern des Pilzes gefährlich werden, wenn sie ihn verletzen. Die Forschungsgruppe liefert damit ein wichtiges Argument für die Überlegung, dass das halluzinogene Psilocybin nur die Zutat ist, um ein Polymer zur Verteidigung herzustellen.

Psilocybin in der Medizin

Die psychoaktive Substanz Psilocybin ist das wichtigste Naturprodukt von sogenannten „Zauberpilzen“ der Gattung Psilocybe, was diese Pilze zu einer beliebten Droge macht. Doch auch in der Medizin ist Psilocybin in den letzten Jahren für eine Reihe von psychischen Erkrankungen zunehmend interessant geworden. So zeigten sich vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von Depressionen, Suchterkrankungen und Angstzuständen.

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Synthetische Herstellung von Psilocybin

In dem Gewächs selbst lässt sich der Gehalt von Psilocybin nicht kontrollieren, jeder Pilz trägt unterschiedlich viel davon. Das Molekül biotechnologisch zu erzeugen, war seit der Entdeckung von Psilocybin vor 60 Jahren Forschung bislang niemandem gelungen. Doch dann kam Dirk Hoffmeister, und in seinem Jenaer Labor klappte es.

Paradigmenwechsel in der Therapie

Die Schulmedizin ist im Bereich der Psychopharmaka in eine Sackgasse geraten. Viele pharmazeutische Unternehmen haben die Forschung in Psychopharmaka deshalb eingestellt. Die Psychiatrie sucht nach neuen Wegen und verabschiedet sich zunehmend vom strikten Tabu, im Betäubungsmittelgesetz als Drogen anerkannte Substanzen für die medizinische Forschung zu verwenden. Das dissoziative Anästhetikum Ketamin wurde als psychiatrisches Medikament zugelassen und psychedelische Pilze befinden sich in der Forschungsphase.

Klinische Studien und Forschungsergebnisse

Im Rahmen der neurologischen Londoner Untersuchung wurde erkannt, dass Psychedelika im Gegensatz zu dem etablierten Antidepressivum Escitalopram eine signifikante Änderung der Gehirnaktivitäten sowie eine Neuorganisation der funktionellen Konnektivität im Gehirn im Sinne einer verbesserten Kollaboration der Gehirnareale herbeiführen könne.

Rechtliche Aspekte

Psilocybinhaltige Pilze sind, wenn sie Psilocybin bzw. Psilocin enthalten, in Deutschland nicht legal. Beide Stoffe fallen unter das Betäubungsmittelgesetz, das seit 2009 ausdrücklich auch Pilze umfasst. In Anlage 1 des Betäubungsmittelgesetzes wird der Wirkstoff Psilocybin gelistet. Daher sind gemäß § 29 Abs. 1 BtMG der Erwerb, Anbau, Besitz, Einfuhr, Ausfuhr, Handel und sonstiger Umgang mit Pilzen, welche Psilocybin beinhalten, strafbar.

Strafrechtliche Konsequenzen

Bei nachweislichem Anbau, Einfuhr oder Besitz von Psilocybin-Pilzen sieht § 29 Abs. 1 BtMG eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Bei Auffinden größerer Mengen wird regelmäßig der Vorwurf des Betäubungsmittelhandels in nicht geringer Menge gemäß § 29a Abs. 1 BtMG erhoben, wofür eine Freiheitsstrafe von bis zu fünfzehn Jahren droht. Entscheidend für die Einstufung als „nicht geringe Menge“ ist dabei nicht die Gesamtmenge des Betäubungsmittels, sondern die Menge des enthaltenen Wirkstoffes.

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"Magic Mushroom Growkits"

Zunehmend im Internet angeboten werden auch die sogenannten „Magic Mushroom Growkits“. Dabei handelt es sich um Boxen, die zwar noch keine ausgewachsenen Pilze, jedoch Pilzsporen enthalten. Ziel ist es, dass erst beim Käufer die Pilze heranwachsen, um sie dann zu ernten. Solche Boxen sind an sich nicht strafbar, solange kein Psilocybin nachgewiesen werden kann. Jedoch bleibt es für Käufer ungewiss, ob nicht dennoch Spuren des verbotenen Wirkstoffes vorhanden sind, was ebenfalls zu rechtlichen Schwierigkeiten führen kann. Bereits der bloße Besitz, sei es als ausgewachsener Pilz oder innerhalb eines „Growkits“, ist gemäß § 29 Abs. 1 BtMG eine Straftat.

Bekannte Arten von Zauberpilzen

Weltweit existieren mehr als 200 verschiedene Arten der psychoaktiven Fungi. Die meisten dieser Arten finden sich in der Gattung der Kahlköpfe (Psilocybe). Zu den bekanntesten Arten gehören:

  1. Stattlicher Kahlkopf (Psilocybe azurescens): Soweit wir wissen, ist dies der stärkste Zauberpilz der Welt.
  2. Panaeolus cyanescens: Diese Art kann drinnen gezüchtet werden und es ist möglich, bereits kolonisierte Zuchtsets zu erwerben.
  3. Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata): In freier Natur ist der Spitzkegelige Kahlkopf der verbreitetste Zauberpilz und wächst in 17 Ländern in Nordeuropa, wo er als heimisch gilt.
  4. Blauender Kahlkopf (Psilocybe cyanescens): Der Mulch und nicht Erde liebende Blauende Kahlkopf wächst massenhaft und ist unglaublich potent.
  5. Böhmischer Kahlkopf (Psilocybe bohemica): Ein Wort der Warnung: Diese beiden Pilze ähneln und wachsen unter denselben Bedingungen wie der Gift-Häubling, der hochgiftig und gefährlich ist.
  6. Kubanischer Kahlkopf (Psilocybe cubensis): Der Kubanische Kahlkopf ist einer der am häufigsten genutzten Zauberpilze, weil er sich am leichtesten züchten lässt.
  7. Blaufuß-Samthäubchen (Conocybe cyanopus): Sie ähnelt sehr stark einigen tödlichen Spezies, die in denselben Umgebungen wachsen.
  8. Psilocybe samuiensis: Diese in Thailand vorkommende Spezies ist eine weitere tropische Art Magic Mushrooms.
  9. Psilocybe tampanensis: Dies ist die Spezies, von der oftmals Zaubertrüffel abstammen.
  10. Panaeolus cambodginiensis: Der in Asien und auf Hawaii vorkommende Panaeolus cambodginiensis wurde zuerst in Kambodscha gesichtet, wo er es liebt, in Büffelmist zu wachsen.

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