Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Demyelinisierung und axonale Degeneration gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen der MS noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es in der Forschung neue vielversprechende Ansätze und Erkenntnisse, die sowohl die Entstehung der Krankheit als auch mögliche Therapieansätze betreffen. Zudem spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung des Krankheitsverlaufs.
Ursachenforschung: Wo liegt der Ursprung der MS?
Die Frage nach dem Ursprung der Multiplen Sklerose beschäftigt die Forschung seit vielen Jahren. Bisher ging man hauptsächlich davon aus, dass das körpereigene Immunsystem die Myelinschicht, die die Nervenzellen umgibt, angreift und Entzündungen verursacht. Neuere Theorien rücken jedoch Schäden an der Myelinschicht selbst in den Vordergrund.
Die Myelinschicht als Ausgangspunkt
Forscher der Cumming School of Medicine an der University of Calgary haben eine neue Überlegung angestellt: Beginnt die MS im Gehirn, und sind die Immunattacken nur eine Folge der Schäden im Gehirn? Ihre These lautet, dass es bereits vor den Entzündungsreaktionen zu feinsten Schäden an der Myelinschicht kommt.
Diese Theorie wurde an Mäusen mit einer MS-ähnlichen Erkrankung (cuprizone autoimmune encephalitis) überprüft. Die Verabreichung von Cuprizon, einer Substanz, die mit Kupfer reagiert und die Oligodendrozyten angreift (Zellen, die für die Myelinbildung verantwortlich sind), führte zu frühen Myelinschäden. In einem zweiten Schritt wurde das Immunsystem stimuliert. Die Forscher konnten zeigen, dass diese frühen Schäden eine Immunantwort auslösen, die wiederum zu Entzündungen und weiteren Schäden führt.
Peter Stys von der Cumming School of Medicine erklärt, dass diese Defekte auf MRT-Bildern und bei Gewebeuntersuchungen wie Plaques aussehen. Es könnte also einen Faktor geben, der das Myelin schädigt und später die Immunattacke auslöst. Die Forscher planen, Therapien zu untersuchen, die die sekundäre Immunantwort und damit die Zerstörung des Myelins stoppen oder bremsen können.
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Bakteriengifte als Auslöser
Eine weitere Theorie zur Entstehung der MS kommt von Forschern der britischen University of Exeter. Sie vermuten, dass der Kontakt mit Bakteriengiften, die von Schafen übertragen werden, eine Rolle spielen könnte. Bei MS-Patienten wurden deutlich häufiger Antikörper gegen das Bakteriengift Epsilon-Toxin (ETX) nachgewiesen als bei gesunden Personen. Das Bakterium Clostridium perfringens produziert dieses Toxin im Darm von Schafen und anderen Tieren, welches das Gehirn schädigt. Rick Titball, der Studienautor, vermutet eine Verbindung zwischen dem Epsilon-Toxin und der MS und plant weitere Untersuchungen, um die Rolle des Giftes zu klären.
MRT-Verfahren zur besseren Diagnose
Ein neues MRT-Verfahren, entwickelt von ETH-Forschern um Markus Weiger und Emily Baadsvik, ermöglicht es, den Zustand der Myelinscheiden genauer abzubilden als bisher. Herkömmliche MRT-Geräte reagieren hauptsächlich auf Wassermoleküle im Körper, während die Myelinscheiden hauptsächlich aus Fettgewebe und Proteinen bestehen. Das neue Verfahren misst den Myelingehalt direkt und versieht die MRT-Aufnahmen des Gehirns mit Zahlenwerten, die anzeigen, wie viel Myelin an einer bestimmten Stelle vorhanden ist.
Dieses Verfahren könnte Ärzten in Zukunft helfen, MS frühzeitig zu erkennen und den Verlauf der Krankheit besser zu überwachen. Zudem könnte die Technologie die Entwicklung neuer Medikamente gegen MS erleichtern. Das MRT-System mit speziellem Kopfscanner wurde bereits erfolgreich an gesunden Menschen getestet.
Ernährung bei MS: Was ist ratsam?
Obwohl es keine spezifische MS-Diät gibt, spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung des Entzündungsgeschehens und der Unterstützung des Körpers im Kampf gegen freie Radikale.
Entzündungshemmende Ernährung
Eine entzündungshemmende Ernährung, die der mediterranen Kost ähnelt, wird von vielen Experten empfohlen. Diese Ernährungsform ist reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und fördert die Darmgesundheit.
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Die Schwerpunkte liegen auf:
- Günstigem Fettsäuremuster: Reduzierung der Arachidonsäure und Erhöhung der DHA/EPA-Zufuhr.
- Reich an Antioxidantien: Durch den Verzehr von viel Gemüse, Obst und grünem Tee.
- Darmgesund: Durch den Verzehr von Vollkornprodukten und Sauermilchprodukten.
Im Detail bedeutet das:
- Tierische Lebensmittel in Maßen (300-600 g/Woche)
- Regelmäßig Fisch (wöchentlich)
- Täglich reichlich pflanzliche Lebensmittel (Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte)
- Täglich Sauermilchprodukte
- Pflanzenöle wie Olivenöl, Raps- und Lein-/Hanföl
- Gewürze (z.B. Kurkuma, Zimt)
- Salz und Zucker in Maßen
Antioxidantien und Spurenelemente
Antioxidantien sind Substanzen, die freie Radikale binden können und somit Zellschäden verhindern. Wichtige Antioxidantien sind die Vitamine C, E und Beta-Carotin sowie die Spurenelemente Zink, Selen und Kupfer. Diese sind in vielen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in Gemüse und Obst.
- Vitamin A (oder β-Karotin): In Gemüse enthalten.
- Vitamin C: In vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten.
- Vitamin E: In Nüssen, Samen und Pflanzenölen enthalten.
- Selen: In Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch, Steinpilzen, Paranüssen, Eiern und Vollkornprodukten enthalten.
- Kupfer: In Innereien, Meeresfrüchten, Nüssen und Kakao enthalten.
- Zink: In Innereien, Fleisch, Weizenkeimen, Eiern, Milchprodukten und Hülsenfrüchten enthalten.
Weitere Ernährungsempfehlungen
- Ballaststoffreiche Ernährung: Vollkornprodukte, Gemüse und Obst enthalten viele Ballaststoffe, die für eine gesunde Verdauung wichtig sind.
- Ausreichend trinken: Täglich etwa zwei Liter Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, Fruchtsaftschorle oder Kräutertee.
- Zucker und Salz reduzieren: Versteckter Zucker und Salz in Fertigprodukten vermeiden.
- Mäßiger Alkoholkonsum: Während eines MS-Schubs ist Alkoholverbot ratsam.
Spezielle Diäten
Es gibt verschiedene spezielle Diäten für MS, wie die Evers-Diät, die Schwank-Diät oder die Fratzer-Diät. Diese sind jedoch nicht wissenschaftlich fundiert und bergen teilweise das Risiko einer Unterversorgung.
Vitamin D
Ein Vitamin-D-Mangel wird mit einer erhöhten Schubrate und Krankheitsaktivität in Verbindung gebracht. Der Körper kann Vitamin D unter Einfluss von UV-Licht selbst erzeugen. Bereits täglich 10 Minuten in der Sonne reichen aus, um genügend Vitamin D zu produzieren.
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Milch und Milchprodukte
Auf Milch und Milchprodukte muss nicht verzichtet werden, es sei denn, es liegt eine Milchzuckerunverträglichkeit oder eine Allergie vor. Milchprodukte liefern wichtiges Kalzium, Vitamin D und Eiweiß.
Intermittierendes Fasten
Ob intermittierendes Fasten für MS-Patienten geeignet ist, sollte individuell ausprobiert werden. Wichtig ist, auch beim Fasten eine entzündungshemmende Ernährung umzusetzen.