Die Rehabilitation von Patienten mit Spastik, insbesondere nach Schlaganfall oder bei Zerebralparese, erfordert einen umfassenden und interdisziplinären Ansatz. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Therapieansätze, Erfahrungsberichte und wichtige Aspekte der Rehabilitation in spezialisierten Kliniken.
Einführung in die Spastik und ihre Therapie
Spastik ist eineForm von erhöhter Muskelspannung, die häufig nach neurologischen Schädigungen auftritt. Sie kann fokal (herdförmig), segmental (auf ein Rückenmarkssegment bezogen) oder generalisiert (den ganzen Körper betreffend) sein und führt oft zu Bewegungseinschränkungen. Die Therapie der Spastik ist interdisziplinär und umfasst verschiedene Module, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind.
Therapieansätze in der Spastik-Rehabilitation
Multiprofessionelle Intensivbehandlung ("Forced-use-Gruppe")
Für Patienten mit Lähmungen nach Schlaganfall und beginnender Arm- und Handfunktion bietet sich die Möglichkeit einer mehrstündlich täglichen intensiven Behandlung in der sogenannten "Forced-use-Gruppe" unter multiprofessioneller Anleitung.
Spiegeltherapie
Im dorsalen Anteil des prämotorischen Kortex befinden sich Spiegelneurone. Diese speziellen Neurone werden während der Umsetzung einer visuellen Information in eine motorische Aktion aktiviert. Spiegelneurone werden sowohl bei der Beobachtung der eigenen Bewegung als auch der Bewegungen anderer Personen aktiviert.
Maßnahmen:
- Voraussetzung für das motorische Training ist eine ausreichend hohe Anzahl an Wiederholungen der jeweiligen Bewegungsabläufe.
- Der Patient soll das Spiegelbild betrachten und nicht seine nicht betroffenen Extremitäten.
- Die erforderliche Aufmerksamkeit bedingt ausreichende kognitive Fähigkeiten.
Beckenbodentraining
Das Beckenbodentraining soll in die bestehenden Therapiekonzepte eingebaut werden, so dass ein Beckenbodentraining ab der Frührehabilitationsphase möglich ist.
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Tanztherapie
Klinische Erfahrungen zeigen, dass sowohl Patienten zum Beispiel nach Schlaganfall als auch Parkinson-Patienten beim Tanzen häufig sicherer werden als beim Gehen. Die Schritte zum Rhythmus der Musik fallen leichter, die Bewegungen sind schneller und fließender möglich als ohne diesen externen Stimulus.
Therapeutisches Bogenschießen
Therapeutisches Bogenschießen hat nicht den Wettkampf z. B. nach einem Punktesystem im Vordergrund. Jedoch kann durch diesen Aspekt das eigentliche Ziel, die Verbesserung des körperlichen Zustandes, evt. besser bzw. unverkrampft erreicht werden.
Gesundheitstraining
Zentrale Aufgabe der medizinischen Rehabilitation ist die Wiederherstellung oder wesentliche Besserung der Gesundheit des Rehabilitanden, insbesondere auf den Ebenen der Aktivität und Teilhabe an Beruf und Alltag. In der medizinischen Rehabilitation ergeben sich besondere Chancen, dass der Rehabilitand durch gezielte Informationen, Motivation und Training im Hinblick auf seine Gesundheit Kompetenz erlangt. Gesundheitstraining ist ein zentraler und patientenorientierter Behandlungsbaustein in der medizinischen Rehabilitation.
Leistungen:
Bei der Durchführung der Schulungen werden unterschiedliche Vermittlungsmethoden angewandt (u.a.):
- Bewusster Umgang mit Alkohol
- Leben ohne Nikotin
- Stoffwechsel und Risikofaktoren
- Stressbewältigung und Lebensführung
Hilfsmittelversorgung
„Hilfsmittel sind im Einzelfall erforderlich, um den Erfolg einer Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit sie nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind.“ (nach SGB V § 33 Abs.). In vielen Kliniken ist die Versorgung mit Hilfsmitteln ein wesentlicher Bestandteil der interdisziplinären Versorgung, Behandlung und Therapie. Die an den jeweiligen Rehabilitationsprozess angepasste Hilfsmittelversorgung erfolgt nicht isoliert, sondern wird immer als Teil des Gesamtrehaprozesses betrachtet, um bestehende funktionelle Einschränkungen auszugleichen oder zu kompensieren und so eine verbesserte Partizipation des Patienten an den sozialen und ggf. Vor die ärztliche Verordnung setzen wir ein umfangreiches Assessment. Der enge Dialog und die Zusammenarbeit mit Rehawerkstätten - teilweise im Haus integriert -, Sanitätshäusern und Orthopädiewerkstätten ermöglicht eine individuelle Betreuung, Absprache und Versorgung. Anfertigung von Hilfsmitteln / Adaptation (u.
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Medikamentöse Therapie
Bei einer generalisierten Spastik (den ganzen Körper betreffenden Verkrampfung) kann eine medikamentöse Therapie notwendig werden.
Redressierende Schienen und Orthesen
Darüber hinaus wenden Kliniken beispielsweise redressierende Schienen (zur Behandlung von Gelenkfehlstellungen) sowie spezielle Orthesen (Stützen) an.
Botulinum-Toxin-Injektion
Viele Kliniken sind Ausbildungszentrum für die ultraschallgestützte Injektion von Botulinum-Toxin bei Spastik.
Angehörigenbetreuung
Auch die Angehörigenbetreuung erfolgt interdisziplinär, um den relevanten Bezugspersonen des Patienten ein verlässliches und stabiles Informations- und Unterstützungssystem zu bieten. Als erste Ansprechpartner fungieren der Arzt und die Stationsschwester. Bei weitergehenden Fragen können sich die Angehörigen mit den behandelnden Therapeuten in Verbindung setzen und - sofern der Patient damit einverstanden ist - bei der Durchführung der Therapiemaßnahmen hospitieren; dies dient auch der Entlassungsvorbereitung. Für Patienten mit bleibenden Mobilitätseinschränkungen und deren Angehörige gibt es Gesprächsangebote und Beratungen mit der Peer Counselorin. Schwerpunktthemen sind der Umgang mit der Behinderung, daraus entstehenden Rechte und Pflichten, Fragen des Alltags u. ä. Ein Mal wöchentlich findet darüber hinaus eine Informationsveranstaltung für Angehörige mit Vorträgen zu medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Themen bzw. mit themenzentrierten Gesprächsgruppen statt. Im Wesentlichen soll eine Nähe zum Patienten hergestellt werden. Die Sorgen der Angehörigen und ihre Ängste werden fachmännisch aufgenommen und Strategien entwickelt, um Ressourcen im häuslichen Bereich zu öffnen.
Fallbeispiel: Mark B. und die VITREA Klinik Hattingen
Mark B. ist ein Beispiel für ein Kind mit Spastik. Der 14-Jährige kam bereits am Ende der 31. Schwangerschaftswoche zur Welt, nachdem Ärzte bei einer CTG-Kontrolle (Kardiotokografie) eine Sauerstoffunterversorgung feststellten. Auf der Intensivstation diagnostizierten Ärzte zusätzlich eine Hirnblutung, die für weiteren Zellverlust sorgte. In der Folge erhielt Mark Frühförderung, wurde in einem Sozialpädiatrischen Zentrum betreut und besuchte zunächst einen Integrationskindergarten, später eine Förderschule.
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Mit Hilfe der Physiotherapie/Krankengymnastik nach Vojta wurde u. a. der Überstreckung des Kopfes entgegengewirkt. Im Rahmen von Operationen wurden Korrekturen an Marks Füßen, Beinen und Oberschenkeln vorgenommen. Die Ärzte empfahlen eine anschließende Reha in der VITREA Klinik Hattingen. Die neuropädiatrische Reha-Klinik ist u. a. auf Kinder mit Cerebralparesen spezialisiert.
Mit Hilfe der Ergotherapie wird Marks Feinmotorik trainiert und man versucht, seine linksbetonte Lähmung zu kompensieren. Die Krankengymnasten der Klinik trainieren mit Mark das Laufen mit Hilfsmitteln, das ihm nach der OP schwer fällt. Mutter Anita ist mit dem Erreichten mehr als zufrieden: „Mark erhält hier Therapien, die ihn gezielt fördern. Schon bald wird sich mein Wunsch erfüllen, dass er wieder an der Hand laufen kann. Über jedes bisschen mehr sind wir überglücklich.“
Während seines sechswöchigen Aufenthalts in Hattingen muss er auf den Schulunterricht nicht verzichten. In der staatlich anerkannten, klinikeigenen Schule wird nicht nur der Unterrichtsstoff vermittelt, sondern werden auch die kognitiven Fähigkeiten des 14-Jährigen gefördert. Mark hat in Hattingen wichtige Dinge des Alltags trainiert, wie das eigenständige An- und Ausziehen der Kleidung. „Wir würden jederzeit eine Reha in Hattingen wiederholen und wir haben bereits andere Reha-Kliniken kennengelernt, so dass wir vergleichen können“, sagt Anita B.
Um ihm den Aufenthalt in der Reha-Klinik in guter Erinnerung zu behalten, wurde Mark mit einem Porsche abgeholt, durfte im Sportwagen die Fahrt durchs Bergische Land nach Wuppertal genießen und konnte dort hinter die Kulissen einer Werkstatt für Porsche- Oldtimer blicken.
Zerebralparese und Rehabilitation
Zerebralparese (oder auch frühkindliche Zerebralparese) tritt meistens durch eine Hirnschädigung in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder in der Neugeborenenzeit ein. Zu den Symptomen zählen reduzierte Muskelkraft, ein zu hoher oder zu niedriger Muskeltonus (Grundspannung der Muskulatur) und damit verbundene Bewegungseinschränkungen, Sprachentwicklungsstörungen und ggf. eine verlangsamte geistige Entwicklung.
MEDIAN Vesalius-Klinik Bad Rappenau: Ein Beispiel für umfassende Rehabilitation
Die MEDIAN Vesalius-Klinik Bad Rappenau bietet zielgerichtete und individuelle Entwicklung für Patienten. Die Klinik ist spezialisiert auf die Rehabilitation bei orthopädischen und psychosomatischen Erkrankungen und verfügt über eine hochmoderne medizinische Ausstattung. Neueste Behandlungsmethoden und ein vielfältiges Therapieangebot zeichnen die Klinik aus. Zudem kümmert sie sich speziell um Burnout-Patienten und um Menschen, die an Tinnitus leiden. Die Leistungen werden sowohl stationär als auch teilstationär und ambulant angeboten. Dabei wird das Hauptaugenmerk darauf gelegt, mit Patienten und Angehörigen kooperativ zusammenzuarbeiten, damit sich alle rundum gut versorgt fühlen können.
Neue Therapie mit virtueller Realität:
Als eine der ersten deutschen psychosomatischen Kliniken bietet die Klinik Virtuelle Realität (VR) in der Behandlung von Angsterkrankungen und phobischen Störungen (z. B. soziale Phobie) an.
Patientenstimmen:
- "Mein 7-wöchiger Aufenthalt in dieser Klinik hat mir psychisch und körperlich maximal gut getan. Das Klinikpersonal war durchweg sehr freundlich. Die Therapeuten waren sehr kompetent und einfühlsam. Mittagessen schmackhaft und gut." - Klinikbewertungen.de
- "Sehr gute Erfahrungen meines 6-wö. Aufenthaltes mit dem gesamten Klinikpersonal und Therapieangebot. Für jeden "Neuen" kann ich empfehlen, ohne Vorurteile anzureisen." - Klinikbewertungen.de
Erfahrungen von Patienten in verschiedenen Rehakliniken
Die Erfahrungen von Patienten in Rehakliniken variieren stark. Einige Patienten berichten von sehr positiven Erfahrungen mit kompetenten Therapeuten, freundlichem Personal und einem individuell angepassten Therapieplan. Andere berichten von Problemen wie abgesagten Behandlungen, mangelnder individueller Betreuung, schlechter Verpflegung oder unzureichender Ausstattung.
Positive Erfahrungen:
- Kompetente und freundliche Therapeuten
- Individuell angepasster Therapieplan
- Gute medizinische Versorgung
- Saubere und moderne Zimmer
- Freundliches und hilfsbereites Personal
Negative Erfahrungen:
- Abgesagte Behandlungen
- Mangelnde individuelle Betreuung
- Schlechte Verpflegung (insbesondere Abendessen)
- Unzureichende Ausstattung (z.B. fehlende Wasserspender)
- Hohe Kosten für Zusatzleistungen (z.B. Wasser)
- Zwei-Klassen-Medizin (Unterschiede in der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten)
- Mangelnde Hilfe bei Mobilitätseinschränkungen
- Unfreundliches Personal
Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge
Einige häufige Kritikpunkte von Patienten in Rehakliniken sind:
- Verpflegung: Insbesondere das Abendessen wird oft als eintönig und qualitativ minderwertig empfunden.
- Wasserversorgung: Das Fehlen von kostenlosen Wasserspendern und die hohen Preise für Wasserflaschen werden kritisiert.
- Ausstattung: Es wird bemängelt, dass einige Kliniken veraltete Geräte haben und die Zimmer wenig einladend gestaltet sind.
- Individuelle Betreuung: Einige Patienten fühlen sich nicht ausreichend individuell betreut und bemängeln, dass der Therapieplan nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
- Zwei-Klassen-Medizin: Unterschiede in der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten werden als ungerecht empfunden.
Verbesserungsvorschläge von Patienten umfassen:
- Verbesserung der Qualität und Vielfalt der Verpflegung
- Installation von kostenlosen Wasserspendern
- Modernisierung der Ausstattung
- Individuellere Therapiepläne
- Gleichbehandlung aller Patienten
- Bessere Kommunikation zwischen Therapeuten und Ärzten
- Mehr Personal zur Unterstützung von Patienten mit Mobilitätseinschränkungen