Apraxie: Welche Gehirnhälfte ist betroffen und wie äußert sie sich?

Apraxie ist eine neurologische Störung, die die Fähigkeit beeinträchtigt, zielgerichtete Bewegungen auszuführen, obwohl keine Lähmung,Sensibilitätsstörung oder Ataxie vorliegt. Betroffene haben Schwierigkeiten, willkürliche Bewegungen auszuführen,Handlungsabfolgen zu planen oder Objekte korrekt zu verwenden, obwohl sie die notwendigen Muskeln und sensorischen Fähigkeiten besitzen. Diese Störung tritt häufig nach einer Schädigung einer bestimmten Gehirnhälfte auf.

Einführung

Die Apraxie äußert sich durch motorische Fehlleistungen, die nicht auf physische Behinderungen zurückzuführen sind. Betroffene sind weder gelähmt noch in ihrem Koordinationsvermögen beeinträchtigt. Dennoch gelingt es ihnen nicht, bewusst zielgerichtete Bewegungen auszuführen oder alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Besteck oder Werkzeug fehlerfrei zu benutzen. Die Apraxie tritt meist nach einer Schädigung der linken Hirnhälfte auf, vor allem nach einem Schlaganfall. Sie betrifft in der Regel beide Körperhälften und geht häufig mit einer Sprachstörung (Aphasie) einher.

Ursachen und betroffene Gehirnhälfte

Die Hauptursache für Apraxie ist eine Schädigung der sprachdominanten Gehirnhälfte, in den meisten Fällen die linke Hemisphäre. Diese Schädigung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall, insbesondere in der linken Hirnhälfte, ist eine häufige Ursache für Apraxie.
  • Degenerative Erkrankungen: Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Lewy-Körperchen-Demenz oder Frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit) können ebenfalls Apraxie auslösen.
  • Hirntumore: Tumore im Gehirn können die für die Bewegungsplanung zuständigen Bereiche schädigen.
  • Unfälle mit Hirnverletzungen: Traumatische Hirnverletzungen können ebenfalls zu Apraxie führen.
  • Multiple Sklerose: In seltenen Fällen kann auch Multiple Sklerose Apraxie verursachen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholmissbrauch kann das Gehirn schädigen und Apraxie verursachen.

Bei einer Schädigung einer Gehirnhälfte können die Bewegungsprogramme durcheinander geraten. Die Sprechapraxie tritt häufig im Zusammenhang mit einer Aphasie auf. Die Ursachen liegen in einer Schädigung der sprachdominanten Gehirnhälfte. Dies zeigt sich beim Sprechen in Suchbewegungen, Ersatzbewegungen und Lautersetzungen.

Formen der Apraxie

Fachleute unterscheiden verschiedene Formen der Apraxie, je nach Art der vorliegenden Störung:

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  • Ideomotorische Apraxie: Betroffene können einen Bewegungsablauf gedanklich richtig planen, scheitern aber an der Ausführung. Sie zeigen Suchbewegungen oder führen Bewegungen unvollständig oder fehlerhaft aus.
  • Ideatorische Apraxie: Hier haben Betroffene Probleme damit, Bewegungen sinnvoll zu planen. Handlungsabfolgen geraten durcheinander, und sie haben Schwierigkeiten, Objekte korrekt zu verwenden.
  • Gliedkinetische Apraxie: Besonders feine und zielgerichtete Bewegungen von Händen und Fingern sind gestört oder wirken ungeschickt.
  • Okulomotorische Apraxie: Bestimmte Augenbewegungen sind gestört, was Betroffene teilweise durch ruckartige Kopfbewegungen ausgleichen.
  • Konstruktive Apraxie: Betroffene können Formen nicht mehr nachzeichnen, kneten oder anders gestalten.
  • Visuomotorische (optische) Apraxie: Es bestehen Probleme, einen Gegenstand zu greifen. Die Hände fassen daneben.
  • Bukkofaziale Apraxie (Gesichtsapraxie): Bestimmte Zungen- und Gesichtsbewegungen sind nicht möglich, z. B. die Nase rümpfen oder über die Lippen lecken. Bei der buccofacialen Apraxie können Gesichts- und Mundbewegungen nach Aufforderung nicht richtig durchgeführt oder imitiert werden. Die Betroffenen zeigen Suchbewegungen oder führen die Bewegungen (z.B. Stirnrunzeln, Pfeifen etc.

Symptome der Apraxie

Die Leitsymptome der Apraxie sind fehlerhafte motorische Aktionen. Die Symptome können je nach Form und Schweregrad der Apraxie variieren. Einige häufige Anzeichen sind:

  • Schwierigkeiten bei der Ausführung bekannter Handlungen: Betroffene können Schwierigkeiten haben, alltägliche Aufgaben wie Kämmen, Zähneputzen oder Anziehen auszuführen.
  • Fehlerhafte Objektverwendung: Ein Objekt wird in einer Handlung falsch angewendet.
  • Unvollständige Bewegungen: Es fehlt ein Teil der Bewegung oder wird falsch ausgeführt.
  • Hinzufügen unnötiger Handlungsschritte: In eine Handlungskette werden Handlungsabläufe ohne Bedeutung eingefügt. Z.B.: Der Patient stellt vor dem Löffeln der Suppe den Nachtisch von links nach rechts. Oder nach dem Aufstreichen der Butter auf das Brot wird die Serviette zusammengefaltet bzw. unter den Teller geschaut.
  • Abbrechen von Handlungen: Handlungen werden nicht zu Ende geführt. Z.B.: Der Patient bricht die Handlungen ab, wendet sich einer anderen Handlung zu, oder sucht die Zustimmung der Pflegekraft bzw. des Therapeuten.
  • Perseverationen: Ständige Wiederholungen einzelner Sequenzen.
  • Schwierigkeiten bei der Imitation von Gesten: imitieren, Gesten falsch verstanden oder eingesetzt. Z.B. auch nicht imitiert werden. Sie tritt nach gängiger Auffassung nur in Testsituationen auf d.h. wenn sie verbal oder imitatorisch abgeprüft wird. natürlichen Bewegungskontext tritt sie nur selten in Erscheinung. (vgl.
  • Sprachliche Schwierigkeiten: Die Sprechapraxie ist eine reine Outputstörung, d.h. der Artikulatoren korrekt ist. artikulatorische Suchbewegungen, z.T.

Diagnose der Apraxie

Erkennen welche Problem vorliegen und wie ausgeprägt sie sich zeigen. Auffälligkeiten zeigen sich bei gleicher Situation nicht immer gleich, dadurch kann es zu unterschiedlichen Aussagen von betreuenden Personen kommen.

Bei Verdacht auf Apraxie wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte erheben (Anamnese). Oft benötigt er dabei Unterstützung: Da die Betroffenen meist auch an einer Sprachstörung (Aphasie) leiden, sind hier die Angehörigen und das Pflegepersonal gefragt (Fremdanamnese). Wichtige Informationen sind zum Beispiel Beobachtungen bzgl. des Patientenverhaltens: Kann der Patient seine Wünsche durch Gesten vermitteln oder nicht? Versucht er, die Suppe mit der Gabel zu essen oder aus einer noch verschlossenen Tube Zahnpasta herauszudrücken? All dies kann auf eine Apraxie hinweisen.

Nach der Anamnese überprüft der Mediziner bestimmte Bewegungsabläufe, die bei einer Apraxie oft gestört sind. So wird er den Patienten zum Beispiel bitten, einfache Hand- und Fingerbewegungen oder Gesten zu imitieren. Er kann den Betroffenen auch auffordern, ein Werkzeug zu benutzen (Beispiel: „Zeigen Sie mir bitte, wie man hämmert!“).

Zusätzlich prüft der Arzt, ob der Patient mit alltäglichen Utensilien umgehen kann. So wird der Betroffene etwa aufgefordert, Papier mit der Schere zu schneiden, seine Brille aufzusetzen oder eine Sicherheitsnadel zu öffnen.

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Zur Abklärung einer bukkofazialen Apraxie testet der Arzt beispielsweise, ob der Betroffene pfeifen oder mit der Zunge schnalzen kann oder ob er fähig ist, ein Streichholz auszupusten bzw. einen Strohhalm zu benutzen.

Für eine eindeutige Diagnose muss der Arzt andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome auslösen wie die Apraxie. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Lähmungen der Mund-, Gesichts-, Kopf- und/oder Rumpfmuskulatur
  • Ataxie: Störung der Bewegungskoordination
  • Neglect: Wahrnehmungsstörung als Folge eines Schlaganfalls, bei der eine Hälfte der Umgebung oder des eigenen Körpers nicht wahrgenommen wird
  • Demenz

Anhand verschiedener weiterer Untersuchungen, etwa einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT), können Fachleute erkennen, ob ein Hirnschaden vorliegt und welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Auch eine Messung der Hirnströme per EEG (Elektroenzephalografie) kann sinnvoll sein, ebenso wie eine Punktion des Rückenmarks, um den Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) auf Infektionen zu untersuchen.

Therapie der Apraxie

Behandlungsbedürftig ist eine Apraxie nur dann, wenn die Erkrankung den Betroffenen im Alltag behindert. Bei der Therapie stehen ergotherapeutische Maßnahmen im Vordergrund.

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Die Therapie zielt darauf ab, den Betroffenen zu helfen, ihre motorischen Fähigkeiten wiederzuerlangen oder alternative Strategien zu entwickeln, um alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Die Therapie kann folgende Elemente beinhalten:

  • Ergotherapie: Ergotherapeuten arbeiten mit den Patienten, um spezifische Bewegungsabläufe zu üben und zu verbessern. Sie helfen den Betroffenen auch, Hilfsmittel und Strategien zu entwickeln, um ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Einheitliche Vorgehensweise im Bereich Körperpflege, Kleiden und Nahrungsaufnahme (mit Ergotherapeuten absprechen). Handlungsschritte in Teilschritte zerlegen und einzeln einüben. Statt komplexe Bewegungen, vereinfachte, ähnliche Bewegungen trainieren z.B. Streichbewegungen mit der Hand über den Tisch, um das Streichen einer Brotscheibe einzuüben. Gegenstände die für einen Handlungsablauf nötig sind, in Griffweite des Patienten legen, unnötige Gegenstände wegräumen bzw. wegstellen (Ablenkung, Verwirrung). Die Hände des Patienten werden direkt durch die Pflegekraft geführt. (die Pflegekraft steht hinter oder leicht seitlich zum Patienten). Die Hand des Patienten und die des Führenden bilden eine Einheit. Wenn möglich bilateral (mit beiden Händen) arbeiten. Die Pflegekraft sitzt neben dem Patienten und führt die richtigen Bewegungen gleichzeitig mit dem Patienten aus. Merke: Bei schweren Apraxien bietet es sich an, zuerst den letzten Teilschritt zu üben, um den Patienten Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. - Objekte, wie Handtuch und Seife nicht unbewusst durch die Pflegekraft anreichen.
  • Physiotherapie: Physiotherapeuten können helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
  • Logopädie: Bei Sprechapraxie kann Logopädie helfen, die Artikulation und Sprachverständlichkeit zu verbessern.
  • Kognitives Training: Kognitives Training kann helfen, die Planungs- und Problemlösungsfähigkeiten zu verbessern.

Umgang mit Apraxie im Alltag

Für Menschen mit Apraxie und ihre Angehörigen ist es wichtig, den Alltag so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Betroffenen entspricht. Hier sind einige Tipps:

  • Anforderungen reduzieren: Statt komplizierter Kleidung lieber bequeme Alternativen wie Röcke oder Jogginghosen mit Gummizug verwenden.
  • Praktische Lösungen im Alltag: Slipper statt Schnürschuhe, Klettverschlüsse statt Knöpfe, klare Abläufe und vertraute Umgebungen.
  • Wohnraum anpassen: Wenn Bewegungen nicht mehr zielgerichtet funktionieren, sollte der Lebensraum angepasst werden.
  • Unterstützung anbieten: Pflegefachkräfte und Angehörige können die Betroffenen durch genaue sprachliche Anleitungen oder ein Vor- und Mitmachen der Bewegungen unterstützen.
  • Geduld und Verständnis: Für Angehörige ist es belastend, mitzuerleben, wie alltägliche Fähigkeiten verloren gehen. Umso wichtiger ist ein liebevoller und verständnisvoller Umgang - mit Geduld, Flexibilität und angepassten Erwartungen.
  • Kommunikation: Verbale Aufforderungen werden nicht verstanden, Patient handelt anders als die Aufforderung. Durch häufig vorhandene Unawareness (fehlendes Bewusstsein für die eigene Erkrankung) fühlt sich der Patient bevormundet. Eine zu enge Führung kann den Patienten in den Status der Passivität versetzen. Dies führt dazu, dass er den Details der Handlungen keine Aufmerksamkeit widmet und sich darauf verlässt durch die Handlung geführt zu werden. Wenn Handlungen zu häufig korrigiert werden, kann es beim Patienten zu erhöhter Reizbarkeit kommen. Umgebung. Nicht benötigte Dinge werden beiseite gestellt. hinter oder sitzt neben dem Patienten. die Pflegekraft. verliert und mit Wut oder Verzweiflung reagiert. nur das Streichen der Semmel, bevor das Schneiden eingeübt wird. für das gesamte Frühstück erlernt worden sind. die Handlung zurück und lässt ihn diese vollenden.

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