Die Alzheimer-Krankheit ist eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen. Sie betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch deren Familien und Freunde. Dieser Artikel beleuchtet anhand von persönlichen Erzählungen verschiedene Aspekte des Lebens mit Alzheimer, von den ersten Anzeichen und der Diagnose bis hin zum Umgang mit den Herausforderungen im Alltag und den emotionalen Belastungen für Angehörige.
Erinnerungen bewahren: Weihnachtsgeschichten und Demenz
Ältere Menschen mit Demenz oder Alzheimer scheinen einen reichen Erinnerungsschatz tief vergraben zu haben. Es lohnt sich, diesen Schatz wieder in die Gegenwart zu holen! Erzählungen können Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wecken, insbesondere an festliche Anlässe wie Weihnachten. Geschichten über Weihnachtsbräuche von früher, besondere Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend rund um das Weihnachtsfest können bei den Zuhörern warme, heimelige, vorweihnachtliche Gefühle wecken.
Eine solche Geschichte könnte von einem Engelchen namens Bernadette handeln, das in der Weihnachtsbäckerei eingesetzt wird. Bernadette wird in die Weihnachtsbackstube geschickt, um dort nach dem überfälligen Plätzchennachschub für die Geschenkeverpack-Abteilung zu fragen. Der Bäckermeister verspricht schnelle Hilfe, doch die Versuchung ist groß, einige der Plätzchen zu naschen. Der Aufsichts-Engel bemerkt den Verlust, und als der Bäckermeister ausfällt, wird Bernadette zur Ersatz-Bäckermeisterin ernannt. Sie erinnert sich an die Anweisungen des Bäckermeisters und beginnt eifrig zu backen, um die Kinder auf der Erde nicht zu enttäuschen.
Der Alltag mit Demenz: Geschichten von Betroffenen und Angehörigen
Die Diagnose und ihre Folgen
Die Diagnose Demenz stellt das Leben der Betroffenen und ihrer Familien auf den Kopf. Margot Unbescheid beschreibt in ihrem Buch, wie sich der Alltag verändert, wenn ein Elternteil plötzlich die Sessel im Wohnzimmer oder das Wäschefach im Schrank als Toilette benutzt. Es ist eine Zeit der Umstrukturierung, der Organisation von Unterstützung und der Auseinandersetzung mit der Krankheit.
Jörn Klare schildert, wie seine Mutter erst ihre Brille verlegte, dann PIN-Nummern vergaß und schließlich ihre Küche nicht mehr fand. Am Ende stand die Diagnose Demenz. Seine Besuche im Heim werfen Fragen auf: Sind Erlebnisse nur dann etwas wert, wenn wir uns daran erinnern? Kann man seine Würde oder gar »sich selbst« verlieren? Und liegt in den Begegnungen im Hier und Jetzt nicht auch ein Trost?
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Persönliche Erfahrungen und Herausforderungen
Viele Menschen mit Demenz berichten von ähnlichen Erfahrungen. Sie erzählen von Blackouts, Vergesslichkeit, verzögerter Wortfindung und Orientierungsproblemen. Im Alltag bedeutet dies, dass sie Schwierigkeiten haben, Überweisungsträger auszufüllen, die Einnahme von Medikamenten nicht zu vergessen, pünktlich und ordentlich gekleidet an einem Ort zu erscheinen, an der Supermarktkasse passend zu bezahlen, Entscheidungen klug zu treffen oder Auto zu fahren.
Martina Peters, die selbst an Alzheimer erkrankt ist, fordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Sie möchte, dass Demenzerkrankte ernst genommen, angehört und nicht aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Sie betont, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben und sich nicht von der Angst vor der Zukunft lähmen zu lassen.
Die Rolle der Angehörigen
Angehörige von Menschen mit Demenz stehen vor großen Herausforderungen. Sie müssen nicht nur die Pflege und Betreuung übernehmen, sondern auch mit den emotionalen Belastungen der Krankheit umgehen. Sie erleben Wut, Trauer, Hilflosigkeit und permanente Überforderung. Sie müssen lernen, mit den Veränderungen der erkrankten Person umzugehen und sich von alten Rollenmustern zu verabschieden.
Volker Kitz beschreibt in seinem Essay, wie sich die familiäre Verantwortung verschiebt, wenn Eltern alt werden und an Demenz erkranken. Er begleitet seinen Vater von den übersehenen Anfängen bis zu dem Tag, an dem der Vater vergisst, wie man schluckt. Er schildert die Hoffnung und Hilflosigkeit, bis zum Abschied, als der Vater - trotz allem plötzlich - stirbt.
Lea-Sophie König, die im Alter von 21 Jahren die Verantwortung für ihre an Alzheimer erkrankte Mutter übernahm, berichtet von ihren Erfahrungen. Sie fühlte sich isoliert und überfordert, bis sie durch eine Selbsthilfegruppe für junge Angehörige neuen Mut und Unterstützung fand. Sie betont, wie wichtig es ist, sich nicht zu scheuen, nach Hilfe zu fragen und Demenz-Unterstützung anzunehmen.
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Wenn Eltern böse werden
Einige Familien erleben, dass alte und zunehmend geistig verwirrte Eltern ihren erwachsenen Kindern gegenüber besserwisserisch, boshaft, gemein, missgünstig, neidisch und hasserfüllt auftreten. Dieses Buch dokumentiert in faktentreuer Chronologie den ethischen und geistigen Verfall eines alten Ehepaares, das mit zunehmender Aggression und Demenz die Liebe zu sich selbst und zu allen Menschen um sich herum verloren hat. Die Autoren, Tochter und Schwiegersohn der beiden Alten, wollen mit ihrer authentischen Schilderung betroffenen Menschen helfen. Kritische Reflexion und klug dosierte Distanz zu böse gewordenen Eltern und zu unredlichen Verwandten sind die ersten Schritte in die richtige Richtung.
Wege der Unterstützung und des Umgangs mit Demenz
Validation und Akzeptanz
Michael Schmieder plädiert dafür, Demenzkranke in ihrem So-Sein anzunehmen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Er praktiziert dieses Konzept im Pflegeheim Sonnweid, wo die Kranken die Bedingungen bestimmen, unter denen sie leben möchten. Wenn das bedeutet, dass eine Patientin nur noch Torte isst und ein anderer am besten im Flur schläft, so ist das in Ordnung. Hauptsache, es geht den Patienten gut.
Rita Lamm, eine erfahrene Krankenschwester und Tochter eines an Demenz erkrankten Vaters, begleitet die Leser auf einfühlsame Weise in das „Land des Vergessens“. Sie erzählt kurze Geschichten aus dem Alltag und gibt Tipps für die Kommunikation und Pflege - ohne das Wichtigste aus dem Blick zu verlieren: die menschliche Begegnung.
Erinnerungen wecken durch Sinnesanregung
Geschichten können als Sonnenstrahlen durch die Wolken der Demenz dringen. Sie können Erinnerungen wecken und den Betroffenen Momente der Klarheit und des Glücks schenken. Es gibt viele Möglichkeiten, die Sinne anzuregen und Erinnerungen zu aktivieren. Dazu gehören:
- Sehen: Bilder auf dem Tablet oder einem elektronischen Bilderrahmen zeigen, alte Fotoalben durchblättern.
- Hören: Lieblingslieder spielen, Shantys oder Volkslieder singen, Gedichte vorlesen.
- Riechen: Vertraute Düfte wie Kaffee, Lavendel oder Zimt anbieten.
- Schmecken: Lieblingsspeisen zubereiten, gemeinsam kochen oder backen.
- Fühlen: Gegenstände zum Ertasten anbieten, wie eine alte Münze, ein Stofftier oder ein Stück Holz.
Die Bedeutung von Selbsthilfe und Austausch
Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen kann eine große Hilfe sein. In Selbsthilfegruppen können Erfahrungen geteilt, Sorgen ausgesprochen und neue Perspektiven gewonnen werden. Es ist wichtig zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist und dass es Menschen gibt, die einen verstehen und unterstützen können.
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Die Rolle der Gesellschaft
Die Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit Demenz. Es ist wichtig, Vorurteile abzubauen und ein offenes und verständnisvolles Klima zu schaffen. Menschen mit Demenz sollten nicht stigmatisiert oder ausgegrenzt werden, sondern die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Arbeitgeber sollten finanzielle Hilfen oder Steuererleichterungen erhalten, wenn sie Menschen mit Demenz beschäftigen.
Forschung und Therapie
Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es gibt zwar noch keine Heilung für die Krankheit, aber es gibt Therapien und Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern und die Lebensqualität der Erkrankten verbessern können. Es ist wichtig, die Forschung weiter zu fördern, um neue und wirksamere Behandlungsmethoden zu entwickeln.
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