Eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine bei Katzen ist ein besorgniserregender Zustand, der verschiedene Ursachen haben kann. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen zu kennen, um schnell handeln und der Katze die bestmögliche Versorgung zukommen lassen zu können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Hinterbeinlähmung bei Katzen.
Was bedeutet eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine bei Katzen?
Eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine bedeutet, dass die Katze von einem Moment auf den anderen die Fähigkeit verliert, ihre Hinterbeine zu bewegen oder zu kontrollieren. Dies kann sehr beängstigend sein, sowohl für die Katze als auch für den Besitzer.
Ursachen einer plötzlichen Hinterbeinlähmung
Lähmungen bei Katzen können verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören:
Aortenthrombose (Sattelthrombose): Dies ist eine der häufigsten Ursachen für plötzliche Hinterbeinlähmung bei Katzen. Sie tritt auf, wenn ein Blutgerinnsel die Hauptarterie (Aorta) blockiert, die Blut zu den Hinterbeinen transportiert. Die Aortenthrombose ist eine häufige Begleiterscheinung bei Herzerkrankungen der Katze. Arterielle Thrombosen treten bei herzgesunden Tieren nahezu nicht auf. Thrombosen der Aorta machen mehr als 90 % aller Thrombosen bei Katzen aus.
Trauma: Ein Trauma, wie z.B. ein Unfall oder Sturz, kann zu einer Schädigung der Wirbelsäule führen. Besonders schwerwiegend sind Verletzungen der Wirbelsäule. Dabei kann es zu einer schlaffen Lähmung der Hinterbeine kommen. Häufig sind solche Verletzungen, wenn sich die Katze in einem gekippten Fenster eingeklemmt hat (Kippfenster-Syndrom). In einem Katzenhaushalt sollten Fenster nur gekippt werden, wenn ein Schutzgitter angebracht ist.
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Neurologische Störungen: Bandscheibenvorfälle oder Tumoren im Rückenmarksbereich können Druck auf das Rückenmark ausüben und eine plötzliche Lähmung verursachen. Das Rückenmark ist ein langer, schmaler Strang von Nervengewebe, der sich im Rückenmarkskanal der Wirbelsäule befindet. Es ist Teil des zentralen Nervensystems und leitet Nervenimpulse zwischen Gehirn und Körper.
Infektionen: Infektionen, die durch das Feline Leukämievirus (FeLV) oder das Feline Immunschwächevirus (FIV) verursacht werden, können neurologische Symptome einschließlich Lähmung verursachen. Ebenso können entzündliche Erkrankungen wie Meningitis oder Enzephalitis das Rückenmark beeinflussen.
Polyneuropathie: Polyneuropathie bei Katzen ist eine Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft, welches aus den Nerven besteht, die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegen. Diese Krankheit kann verschiedene Ursachen haben, einschließlich genetischer Prädisposition, Infektionen, Toxinen, Stoffwechselstörungen oder immunmediierten Prozessen.
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Häufig verursacht die Hypertrophe Kardiomyopathie, eine Verdickung des Herzmuskels, Thrombosen. Bei HCM handelt es sich um eine Herzkrankheit. Dabei verringert der verdickte Herzmuskel das Volumen der Herzkammer, was zur reduzierten Herzleistung führt.
Symptome einer plötzlichen Hinterbeinlähmung
Die Symptome einer plötzlichen Hinterbeinlähmung können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Plötzliche Unfähigkeit, die Hinterbeine zu bewegen: Dies ist das auffälligste Symptom. Die Katze kann nicht mehr laufen, springen oder stehen.
- Schmerzen: Oft zeigen Katzen Anzeichen von Schmerzen, wie z.B. Schreien oder Jaulen. Dieser Zustand ist extrem Schmerzhaft, betroffene Katzen Schreien meist aufgrund der starken Schmerzen.
- Schwäche: Die Katze kann schwach und unkoordiniert wirken.
- Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm: Bei einigen Katzen kann es zu Inkontinenz kommen.
- Kalte Gliedmaßen: Handelt es sich um eine Kreislaufstörung, fühlen sich die betroffenen Beine kalt an. Aufgrund der fehlenden Blutversorgung werden die Fußballen kalt und blass, in manchen Fällen sogar blau. Würde man nun eine Kralle kürzen, so tritt zumeist kein Blut mehr aus, aufgrund fehlender Blutzirkulation.
- Atemnot: Zumeist leiden betroffene Tiere zeitgleich unter starker Atemnot, denn betroffene Katzen sind immer auch herzkrank.
Symptome einer Aortenthrombose
- Plötzliche Lähmung eines oder beider Hinterbeine.
- Starke Schmerzen.
- Fehlender Pulsschlag am betroffenen Bein.
- Kalte Hinterbeine.
- Bläulich verfärbte Ballen an den Hinterpfoten.
Symptome der Hypertrophen Kardiomyopathie (HCM)
Katzen mit einem milden HCM-Verlauf weisen in vielen Fällen keine Krankheitszeichen auf. Doch auch wenn Symptome auftreten, ist es für Katzenbesitzer nicht leicht, sie eindeutig zuzuordnen. So wenig eindeutig diese Anzeichen sein mögen - sie können auf eine beginnende Herzkrankheit hindeuten.
- Hecheln (ist kein normales Verhalten bei Katzen).
- Bläuliche Schleimhäute im Maul. Die Schleimhäute im Maul einer gesunden Katze sehen rosa aus.
- Synkopen, also Ohnmachtsanfälle können in jeder Phase der HCM bei Katzen als Folge der Herzrhythmusstörungen auftreten.
- Lähmung der Hinterbeine: Zeigt deine Katze plötzliche Lähmungserscheinungen und schreit vor Schmerz, ist eine Aortenthrombose zu befürchten.
Wann zum Tierarzt?
Ein Besuch beim Tierarzt sollte unverzüglich erfolgen, wenn eine Katze plötzlich ihre Hinterbeine nicht mehr bewegen kann. Da die Ursachen oft ernst und potenziell lebensbedrohlich sind, ist eine schnelle Diagnose wichtig. Besonders, wenn die Lähmung von Schmerzen, Atembeschwerden oder anderen schweren Symptomen begleitet wird, ist es wichtig, sofortige tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Diagnose einer plötzlichen Hinterbeinlähmung
Für den Tierhalter ist es wichtig, auf Anzeichen von Lähmung und die damit verbundenen Symptome zu achten. Beim Tierarzt erfolgt eine gründliche klinische Untersuchung, um die Ursache der Lähmung zu bestimmen. Dies kann eine neurologische Untersuchung umfassen, um die Funktion der Nerven und Muskeln zu bewerten.
Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:
- Blutuntersuchungen: Um Infektionen oder andere systemische Erkrankungen auszuschließen.
- Röntgenaufnahmen: Um Frakturen oder andere Knochenschäden auszuschließen.
- Ultraschall: Um die inneren Organe zu beurteilen und nach Blutgerinnseln zu suchen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Um detaillierte Bilder des Rückenmarks und der umliegenden Strukturen zu erhalten.
- EKG (Elektrokardiogramm): Um die Herzfunktion zu überprüfen.
- Elektromyografie (EMG): Diese speziellen Tests messen die elektrische Aktivität in den Muskeln und die Geschwindigkeit, mit der Nervenimpulse übertragen werden.
Behandlung einer plötzlichen Hinterbeinlähmung
Die Behandlung hängt von der Ursache der Lähmung ab. Einige mögliche Behandlungen sind:
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- Medikamente:
- Thrombolytika: Um Blutgerinnsel aufzulösen. Medikamente, die beim Menschen verwendet werden um Thrombosen zu lösen haben sich bei der Katze als nicht hilfreich gezeigt. In vielen Fällen führen Auflösungsversuche des Thrombus zu schweren Komplikationen, die unweigerlich den Tod des Tieres hervorrufen.
- Entzündungshemmende Medikamente: Um Entzündungen im Rückenmark oder in den Nerven zu reduzieren.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen.
- Immunsuppressiva: Bei Autoimmunerkrankungen.
- Schmerzmittel: Zur Linderung der Schmerzen. Behandlungen beschränken sich daher auf eine symptomatischen Behandlung. In erster Linie muss betroffenen Tieren der Schmerz genommen werden. Dazu werden hoch dosierte Morphinderivate verwenden, wie sich im Endstadium von Krebserkrankungen beim Menschen Einsatz finden. In einigen Fällen ist der Schmerz für die Tiere jedoch so stark, dass selbst diese Medikamente nicht in der Lage sind ihnen zu helfen. Vor allem in Fällen, bei denen der Schmerz überstark ist sollte eine Euthanasie erwogen werden. Ob ein Behandlungsversuch vertretbar ist muss individuell entschieden werden.
- Chirurgischer Eingriff: In einigen Fällen, z.B. bei Bandscheibenvorfällen oder Tumoren, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den Druck auf das Rückenmark zu entlasten.
- Physiotherapie: Um die Muskelfunktion und Beweglichkeit wiederherzustellen.
- Unterstützende Pflege:
- Ruhe: Die Katze sollte sich in einer ruhigen und komfortablen Umgebung erholen können.
- Warme Umgebung: Da das Tier wahrscheinlich unter Schock steht, sollten Sie es warm, ruhig und dunkel halten. Im Prinzip gilt das aber auch für andere Lähmungen.
- Ernährung: Stellen Sie sicher, dass die Katze ausreichend frisst und trinkt.
- Blasen- und Darmentleerung: Helfen Sie der Katze bei Bedarf, ihre Blase und ihren Darm zu entleeren.
Behandlung der Aortenthrombose
Die Behandlung der Aortenthrombose bei Katzen hängt von der Schwere der Erkrankung ab und kann folgende Maßnahmen umfassen:
- Auflösung des Blutgerinnsels durch Medikamente, z. B. Heparin.
- Schmerzmittel zur Linderung der starken Schmerzen.
- Infusionen mit Elektrolyten zur Stabilisierung des Flüssigkeitshaushaltes.
- Chirurgische Entfernung des Thrombus, wenn möglich.
- Massage der schlecht durchbluteten Hinterbeine zur Förderung der Durchblutung.
- Behandlung der Grunderkrankung, z. B. mit Herzmedikamenten.
Behandlung der Polyneuropathie
Die Behandlung der Polyneuropathie bei Katzen hängt maßgeblich von der zugrunde liegenden Ursache ab.
- Falls eine Infektion die Polyneuropathie ausgelöst hat, wird der Tierarzt entsprechende Antibiotika oder antivirale Medikamente verschreiben.
- Wenn die Polyneuropathie auf eine Vergiftung zurückzuführen ist, ist es wichtig, die toxische Substanz schnell aus dem Körper der Katze zu entfernen.
- Bei Polyneuropathien, die durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus verursacht werden, steht die Kontrolle der Grunderkrankung im Vordergrund.
- Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann ebenfalls Polyneuropathien auslösen.
- Entzündliche und autoimmunbedingte Polyneuropathien können mit Immunsuppressiva und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden.
- Wenn keine spezifische Ursache für die Polyneuropathie gefunden werden kann, spricht man von einer idiopathischen Polyneuropathie. In solchen Fällen konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität der Katze.
- Unabhängig von der Ursache sind unterstützende Maßnahmen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Was kann der Tierhalter tun?
Als Tierhalter ist es wichtig, die Katze so ruhig und komfortabel wie möglich zu halten, während auf den Tierarzt gewartet wird. Wenn möglich, sollten Sie die Katze in eine warme, ruhige Umgebung bringen, um Stress zu minimieren. Außerdem sollten Sie sie möglichst erschütterungsarm zum Tierarzt transportieren. Da das Tier wahrscheinlich unter Schock steht, sollten Sie es warm, ruhig und dunkel halten. Im Prinzip gilt das aber auch für andere Lähmungen. Vor allem bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung sollten Sie die Katze möglichst wenig bewegen und stabil lagern, z.B. auf einem Brett. Es ist wichtig, nicht zu versuchen, die Katze selbst zu behandeln oder Medikamente zu verabreichen, ohne vorher einen Tierarzt zu konsultieren. Der Tierarzt wird die bestmögliche Behandlung basierend auf der Diagnose festlegen.
Rehabilitation
Bei Katzen, die eine Aortenthrombose überleben, ist eine umfassende Nachsorge und Rehabilitation erforderlich. Dies kann mit folgenden Maßnahmen zur Unterstützung der Heilung gelingen:
- Regelmäßige Nachuntersuchungen bei einer Tierärztin oder einem Tierarzt zur Überwachung des Fortschritts und der Anpassung der Therapie, um das Risiko einer erneuten Aortenthrombose bei Ihrer Katze zu verringern.
- Physiotherapie, um die Muskelfunktion und -kraft in den betroffenen Beinen wiederherzustellen.
- Unterstützende Hilfsmittel wie Bandagen oder Gehhilfen, um die Mobilität Ihrer Katze zu fördern.
- Eine ausgewogene Ernährung Ihrer Katze, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt ist, insbesondere wenn eine Grunderkrankung wie eine Kardiomyopathie vorliegt.
- Stressreduktion und das Schaffen einer ruhigen, komfortablen Umgebung für Ihre Katze während der Genesungsphase.
Vorbeugende Maßnahmen
Einige vorbeugende Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Hinterbeinlähmung bei Katzen zu verringern:
- Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen: Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen können dazu beitragen, zugrunde liegende Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ab einem Alter von 7 oder 8 Jahren sollte im Rahmen der geriatrischen Vorsorgeuntersuchung regelmäßig ein Herzultraschall gemacht werden.
- Sichere Umgebung: Vermeiden Sie Situationen, in denen sich die Katze verletzen könnte, z.B. durch Stürze oder Autounfälle. In einem Katzenhaushalt sollten Fenster nur gekippt werden, wenn ein Schutzgitter angebracht ist.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, das Risiko von Stoffwechselerkrankungen zu verringern.
- Verantwortungsvolle Zucht: Achte bei einer Rassekatze darauf, dass sie von HCM-freien Linien abstammt. Verantwortungsvolle Züchter lassen die Elterntiere per Ultraschall auf HCM untersuchen. Für Maine-Coon-Katzen sind Gentests verfügbar.
Prognose
Die Prognose für Katzen mit einer plötzlichen Hinterbeinlähmung hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Lähmung ab. Einige Katzen erholen sich vollständig, während andere dauerhafte Schäden davontragen können. In einigen Fällen kann die Euthanasie die humanste Option sein, insbesondere wenn die Katze starke Schmerzen hat oder keine Aussicht auf Besserung besteht. Jedenfalls ist die Diagnose HCM kein Todesurteil für deine Katze und kein Grund, die geliebte Samtpfote sofort einzuschläfern. Allerdings könnte es im Endstadium der Herzmuskelkrankheit aufgrund der Lungenembolien oder Thrombosen wiederum die beste Lösung für das leidende Tier sein. Bleibe in Kontakt mit der Tierarztpraxis deines Vertrauens, um die schwere Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Bis zu 70 % der Katzen sterben bereits in der ersten Phase der Thrombose. Bei überlebenden Katzen steigt das Risiko einer erneuten Thrombose: Bei 50 % der Tiere kann es zum erneuten Auftreten einer Aortenthrombose kommen.
Fazit
Eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine bei Katzen ist ein ernstes Problem, das sofortige tierärztliche Hilfe erfordert. Je schneller die Ursache diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Genesung. Als verantwortungsbewusster Katzenbesitzer sollten Sie die Symptome einer Hinterbeinlähmung kennen und wissen, wie Sie im Notfall handeln müssen.
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