Die Neurologie ist ein faszinierendes und dynamisches Feld der Medizin, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven und die Muskulatur. Neurologen spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Krankheiten wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Parkinson, Epilepsie und Demenz. Dieser Artikel beleuchtet den Weg zum Neurologen, seine Aufgaben, Karrieremöglichkeiten und das Gehalt.
Wer ist wer? Die Verwirrung in den Berufen rund um das Gehirn und die Seele
Die Berufe, die sich heute mit dem Gehirn und mit der Seele beschäftigen, sind erst im 20. Jahrhundert als eigenständige Berufe entstanden. Noch im 19. Jahrhundert kannte man weder einen Neurologen noch einen Psychiater. Über viele Jahrhunderte kannte man nur zwei Formen von Ärzten: Die einen, die heilen, in dem sie Arzneimittel verordnen, die Krankheitsursache herausfinden und die sich Gedanken über die Zusammensetzung der Körpersäfte machten. Das waren die eigentlichen Ärzte. Die zweite Gruppe waren die Chirurgen, die lange Zeit den Barbieren näherstanden als den Ärzten. Mit der Erforschung des Gehirns entwickelten sich neue Berufe. Zunächst war es der Neurologe, der sich mit der Erkrankung des Gehirns, der Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks und mit den Muskeln beschäftigte. Allerdings gab es den Neurologen nicht wie heute in Reinform, meist war der Neurologe zugleich Psychiater. Bis heute versteht man unter dem Nervenarzt einen Arzt, der sowohl in der Neurologie als auch in der Psychiatrie eine Fachausbildung hat. Während sich der Neurologe mehr mit den organischen, also körperlich begründeten Erkrankungen des Menschen beschäftigt, liegt das Aufgabengebiet des Psychiaters mehr darin, seelische Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass psychische Erkrankungen auch körperliche Ursachen haben können. Die Entwicklung der Psychiatrie als eigenständiges Fach geht besonders auf den Psychiater Emil Kraepelin zurück, der als erster zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Systematik der psychischen Erkrankungen aufstellte. Berühmte Neurologen zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in Deutschland Alois Alzheimer, Kurt Goldstein oder Otfrid Foerster. In der Zeit zwischen 1900 und 1993 gab es eine Blütezeit der Neurologie und Psychiatrie in Deutschland. Ein wichtiges Thema in dieser Zeit war auch die Nachbehandlung von hirnverletzten Soldaten des 1. Weltkrieges. Kurt Goldstein und sein Mitarbeiter Adhémar Gelb waren die Begründer der neurologischen Rehabilitation von hirnverletzten Personen. Sie gründeten im ersten Weltkrieg in Frankfurt/M. das erste Lazarett für hirnverletzte Soldaten. In dieser ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden auch zwei weitere Berufsgruppen, von denen sich die eine mit dem Seelenleben und die andere mit den Operationen am Gehirn beschäftigten. Es entwickelte sich die Berufsgruppe der Psychologen, die keine ärztliche Ausbildung hatten, sondern an psychologischen und an philosophischen Instituten der Universitäten ausgebildet wurden. In den Universitäten gab es damals die ersten Lehrstühle für Psychologie, die weltweit führend waren. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Operationen am menschlichen Gehirn durchgeführt. Es zeigte sich, dass für Operationen am Gehirn eine besondere Geschicklichkeit und vor allem auch sehr genaue Kenntnisse der Neuroanatomie erforderlich sind. So entstand die Berufsgruppe der Neurochirurgen, die schon in den 20er und 30er Jahren große Operationen zur Entfernung von Hirn- oder Rückenmarkstumoren vornahmen. Man muss bedenken, dass damals die Möglichkeiten der Bildgebung des Gehirns sehr beschränkt waren. Man kannte zwar die Röntgenaufnahmen des Schädels, jedoch hatte man nicht die Möglichkeit, die Lage und die Ausdehnung des Tumors festzustellen. Heute besitzen wir auch dafür eine spezielle Gruppe von Fachärzten, die Neuroradiologen. Das sind Spezialisten für die Bildgebung des Gehirns und des Rückenmarks. Wir haben in diesem kurzen Rückblick noch eine Berufsgruppe nicht erwähnt, die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Ihr Vater ist Sigmund Freud, der eine besondere Form der seelischen Behandlung, die Psychoanalyse, entwickelt hat. Freud selber war ein sehr anerkannter Neurologe, der sich Ende des 19. Jahrhunderts daran machte, die Architektur der Seele zu untersuchen. In der Nachfolge von Freud entwickelten sich sehr viele unterschiedliche Richtungen in der Psychotherapie. Allen ist gemeinsam, dass sie mit Verfahren des Gespräches, aber auch der Hypnose und mit speziellen Verhaltenstechniken, unerwünschtes Verhalten, störende Gedanken, Depressionen und Ängste versuchen zu überwinden. Ihre Aufgabe ist also die Behandlung von psychischen Störungen, sei es aufgrund privater Konflikte, sei es aufgrund lebensgeschichtlicher Entwicklungen, oder sei es auch nach schweren Erkrankungen.
Was macht ein Neurologe?
Neurologen beschäftigen sich mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Nervensystems, was auch das Gehirn und das Rückenmark beinhaltet. Wer als Neurologe tätig ist, hat es am Tag oft mit vielen unterschiedlichen Patienten zu tun, die mit ganz verschiedenen Problemen und Symptomen zu ihm kommen. Darauf folgt eine neurologische Untersuchung. Je nach Ergebnis veranlasst du bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), um mögliche Erkrankungen im Bereich des Nervensystems zu diagnostizieren. Alles, was du tust, musst du sorgfältig dokumentieren, um die Patientenakte zu pflegen und deine Leistungen abrechnen zu können.
Aufgaben und Tätigkeiten eines Neurologen
Ein Neurologe ist für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems verantwortlich. Dazu zählen das Gehirn, das Rückenmark sowie die peripheren Nerven und die Muskulatur. Der Facharzt untersucht und therapiert neurologische Störungen, die sich in Symptomen wie Lähmungen, Gefühlsstörungen, Muskelzittern oder Sprachproblemen äußern können. Zu den typischen Aufgaben eines Neurologen gehören:
- Ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
- Neurologische Untersuchungen
- Durchführung und Interpretation von bildgebenden Verfahren (MRT, CT)
- Elektrophysiologische Untersuchungen (EEG, EMG, NLG)
- Diagnostik und Behandlung von neurologischen Erkrankungen
- Erstellung von Gutachten und Rehabilitationsplänen
Die Neurologie gilt als das medizinische Fach mit der größten Wachstumsdynamik. Zu den häufigsten Krankheiten des Gehirns, die von Neurologen erkannt und behandelt werden, zählen Schlaganfälle, Epilepsien, Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, Gedächtnisstörungen (Demenzen) aller Art, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, sowie Entzündungen und Tumore des Gehirns und des Rückenmarks. Außerhalb vom Gehirn und Rückenmark können Nerven durch Verletzungen und Entzündungen, durch Gifte wie Alkohol oder infolge von Stoffwechselstörungen wie beim Diabetes geschädigt werden. Nicht zu vergessen sind die vielfältigen Muskelerkrankungen, die oft schwer zu diagnostizieren sind und eine spezielle neurologische Erfahrung auf diesem Gebiet erfordern. Für die Behandlung psychischer Erkrankungen ist zwar in erster Linie das Fachgebiet der Psychiatrie zuständig, allerdings kümmern sich Neurologen auch um die psychologischen Folgen der oben genannten Erkrankungen.
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Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen
Neurologen arbeiten eng mit Neurochirurgen, Neuroradiologen, Neuropathologen, Neuropädiatern und anderen, verwandten Disziplinen zusammen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist entscheidend für eine umfassende Patientenversorgung. So arbeiten Neurologen beispielsweise eng mit Neurochirurgen zusammen, wenn operative Eingriffe am Gehirn oder Rückenmark erforderlich sind. Neuroradiologen unterstützen bei der Diagnose durch spezielle Bildgebungsverfahren.
Wie werde ich Neurologe? Der Ausbildungsweg
Um Neurologe zu werden, ist ein klar strukturierter Ausbildungsweg notwendig, der in mehrere Phasen unterteilt ist. Der Einstieg erfolgt über ein Studium der Humanmedizin, gefolgt von einer Facharztausbildung, die auf Neurologie spezialisiert ist.
1. Medizinstudium
Das Medizinstudium bildet die Grundlage für die Karriere als Neurologe. Es dauert in der Regel sechs Jahre und gliedert sich in drei Abschnitte: Vorklinik, Klinik und das Praktische Jahr (PJ). In den ersten beiden Jahren (Vorklinik) erwerben Studierende grundlegende Kenntnisse in Fächern wie Anatomie, Biochemie und Physiologie. Im klinischen Abschnitt des Studiums (Jahre 3 bis 5) werden diese Grundlagen in praxisorientierten Fächern wie Innerer Medizin, Chirurgie und Neurologie vertieft. Während der dreijährigen Klinikphase absolvieren die Studierenden unter anderem vier Famulaturen, bei denen sie praktische Erfahrungen sammeln. Wer sich bereits früh für Neurologie interessiert, kann in dieser Zeit erste Einblicke in den Alltag einer neurologischen Klinik oder Praxis gewinnen. Das Praktische Jahr im sechsten Studienjahr besteht aus drei Tertialen, von denen eines frei gewählt werden kann.
Künftige Neurologinnen und Neurologen starten mit dem Medizinstudium. Es gliedert sich in Vorklinik, Klinik und praktisches Jahr. In den ersten beiden Jahren, der Vorklinik, stehen theoretische Grundlagen in Fächern wie Biologie, Chemie und Anatomie auf dem Programm, außerdem ein Pflegepraktikum und eine Ausbildung in erster Hilfe. Vier vierwöchige Praktika, sogenannte Famulaturen, müssen angehende Mediziner in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren. Wer sich für Neurologie interessiert, kann jetzt erstmals in den Alltag einer neurologischen Klinik oder einer neurologischen Arztpraxis schnuppern. Manche Famulaturen werden sogar vergütet - nachfragen lohnt sich! Während der dreijährigen Klinik vervollkommnen Studierende aber auch ihre theoretischen Kenntnisse: etwa in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Chirurgie, und natürlich auch in Neurologie. Auf das zweite Staatsexamen folgt das praktische Jahr, das „PJ“. Angehende Ärztinnen und Ärzte sammeln jetzt Erfahrungen im Umgang mit Patienten, mit der Arbeit in der Klinik oder der Arztpraxis. Kurz: Sie wenden ihr Wissen praktisch an. Zwei Tertiale des PJ müssen im Fachbereich Innere Medizin und in der Chirurgie absolviert werden. Haben Sie und ihre Kommilitonen das dritte Staatsexamen bestanden, trennen sich Ihre Karrierewege in insgesamt 34 Fachbereiche. Einer davon ist die Neurologie.
2. Facharztausbildung Neurologie
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums mit dem dritten Staatsexamen erfolgt die Facharztausbildung zum Neurologen. Diese dauert insgesamt fünf Jahre (60 Monate) und wird in einer neurologischen Klinik mit Weiterbildungsermächtigung absolviert. Die Ausbildung ist detailliert strukturiert und folgt den Vorgaben der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer.
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Inhalte der Facharztausbildung:
- Stationäre neurologische Patientenversorgung (24 Monate): Der erste Schwerpunkt der Facharztausbildung liegt auf der stationären Versorgung von Patienten. In diesen zwei Jahren erlernen angehende Neurologen die grundlegenden diagnostischen und therapeutischen Verfahren in der Neurologie. Dazu gehört die Durchführung von neurologischen Untersuchungen, die Interpretation von bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT sowie der Einsatz von spezifischen diagnostischen Methoden wie EEG, EMG und NLG.
- Psychiatrie und Psychotherapie (12 Monate): Ein fester Bestandteil der Facharztausbildung sind mindestens 12 Monate in der Psychiatrie und Psychotherapie. Da viele neurologische Erkrankungen auch psychische Symptome hervorrufen, ist dieses Modul essenziell.
- Intensivmedizinische Versorgung (6 Monate): Weitere 6 Monate müssen in der intensivmedizinischen Betreuung neurologischer Patienten abgeleistet werden. Hier liegt der Fokus auf der Behandlung schwerer neurologischer Notfälle, wie Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlaganfällen und Bewusstseinsstörungen.
- Ambulante und weitere stationäre Versorgung (bis zu 24 Monate): Bis zu 24 Monate der Facharztausbildung können in der ambulanten Versorgung, also in neurologischen Praxen und in weiteren fachverwandten Gebieten absolviert werden. Diese Phase bietet die Möglichkeit, zusätzliche Schwerpunkte zu setzen und das Fachwissen zu erweitern.
Die gesamte Facharztausbildung wird durch eine enge Supervision von erfahrenen Fachärzten begleitet. Während der Weiterbildung lernen die angehenden Neurologen nicht nur die medizinisch-technischen Aspekte des Berufs, sondern auch den sensiblen Umgang mit Patienten, die oft mit lebensverändernden Diagnosen konfrontiert sind.
3. Facharztprüfung
Nach Abschluss der fünfjährigen Weiterbildung muss eine Facharztprüfung abgelegt werden. Nach bestandener Prüfung darf man sich "Facharzt für Neurologie" nennen.
Spezialisierung
Nach Abschluss der Facharztausbildung haben Neurologen die Möglichkeit, sich auf bestimmte Teilgebiete der Neurologie zu spezialisieren. Eine solche Spezialisierung erlaubt eine noch gezieltere Diagnostik und Behandlung komplexer Erkrankungen des Nervensystems. Häufige Spezialisierungen sind unter anderem die Epileptologie, die sich mit der Diagnose und Therapie von Epilepsien beschäftigt, sowie die Neuroimmunologie, die entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose in den Mittelpunkt stellt. Weitere Spezialisierungsrichtungen umfassen die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) oder Myasthenia gravis, die Neuroonkologie mit dem Fokus auf Tumorerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie die Schlaganfallmedizin in spezialisierten Stroke Units. Auch die Schmerztherapie, insbesondere bei chronischen Schmerzen, und die geriatrische Neurologie, die sich mit altersbedingten neurologischen Erkrankungen wie Demenzen oder Morbus Parkinson befasst, bieten Neurologen attraktive Spezialisierungsfelder. Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten in der neurologischen Intensivmedizin oder der neurorehabilitativen Medizin.
Arbeitsbereiche für Neurologen
Als Neurologe hast du die Möglichkeit, sowohl ambulant in einer Praxis, stationär in einer Klinik oder auch in spezialisierten Rehabilitationszentren und Forschungseinrichtungen zu arbeiten. Der Unterschied zwischen der Tätigkeit eines Neurologen im ambulanten und im stationären Bereich liegt hauptsächlich in der Art der Patientenversorgung und der Arbeitsumgebung.
Ambulante Tätigkeit: Ein Neurologe, der ambulant arbeitet, ist meist in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) tätig. Hier werden Patienten in der Regel mit weniger akuten oder chronischen neurologischen Erkrankungen behandelt. Die häufigsten Aufgaben in der ambulanten Neurologie umfassen die Diagnostik und Langzeitbetreuung von Erkrankungen wie Migräne, Multiple Sklerose, Parkinson, Epilepsie und neuropathischen Schmerzen.
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Stationäre Tätigkeit: Neurologen, die stationär arbeiten, sind in Krankenhäusern oder spezialisierten neurologischen Kliniken tätig. Hier stehen die Akutversorgung und die Behandlung schwerer oder komplexer neurologischer Krankheitsbilder im Vordergrund. Zu den typischen stationären Aufgaben gehören die Betreuung von Schlaganfallpatienten, die Versorgung neurologischer Notfälle wie Schädel-Hirn-Verletzungen und die intensive Betreuung von Patienten auf neurologischen Intensivstationen. Im stationären Bereich wird eng mit anderen Fachabteilungen, wie der Neurochirurgie oder der Radiologie, zusammengearbeitet.
Ein Großteil der in Deutschland tätigen Neurologen arbeitet in einem Krankenhaus oder einer Klinik.
Gehalt eines Neurologen
Das Durchschnittsgehalt eines Neurologen beträgt 77.601 €. Die Gehaltsspanne in diesem Berufsfeld reicht von 62.431 € bis 100.137 €. Das Durchschnittsgehalt eines Neurologen liegt in Deutschland bei etwa 85.000 bis 90.000 € brutto im Jahr. Das genaue Einkommen variiert jedoch je nach Berufserfahrung, Arbeitsort und Position. Ein Berufseinsteiger, der als Assistenzarzt in der Neurologie tätig ist, verdient im ersten Jahr durchschnittlich rund 58.000 € jährlich. Mit zunehmender Erfahrung und Verantwortung steigt das Gehalt erheblich. So kann ein erfahrener Oberarzt in einer neurologischen Abteilung etwa 100.000 bis 130.000 € pro Jahr verdienen. Neben dem Grundgehalt haben Neurologen auch die Möglichkeit, durch Bereitschaftsdienste, Gutachtertätigkeiten oder die Leitung spezialisierter Abteilungen ihr Einkommen zu steigern. In der niedergelassenen Praxis hängt das Einkommen stark von der Anzahl der Patienten und der regionalen Nachfrage ab.
Während ihrer Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie arbeiten angehende Neurologen als Assistenzärzte in Krankenhäusern oder medizinischen Einrichtungen. Die Vergütung der Weiterbildungsassistenten richtet sich in der Regel nach einem Tarifvertrag für Ärzte. Nach Abschluss der Weiterbildung und dem Erhalt der Facharztanerkennung haben Neurologen die Möglichkeit, als angestellte Fachärzte in Kliniken, Praxen oder anderen medizinischen Einrichtungen zu arbeiten. Das Gehalt als angestellter Facharzt wird wie erwähnt durch Tarifverträge geregelt. Diese gelten meist in Unikliniken, kommunalen Krankenhäusern, sowie privaten stationären Einrichtungen. Man kann sich zudem als Neurologe in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) anstellen lassen. Die Tarifverträge für Ärzte werden zwischen Ärzteverbänden wie dem Marburger Bund und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt. Sie enthalten in der Regel bestimmte Einstufungen und Gehaltsstufen, die von der Berufserfahrung des Arztes abhängen. Ab einer Oberarzt-Position besteht oft auch schon die Möglichkeit, das eigene Gehalt außertariflich zu verhandeln. Das Gehalt eines Neurologen kann dann auch von anderen Faktoren beeinflusst werden, wie zum Beispiel der Größe und dem Ruf der Einrichtung. Große, renommierte Kliniken bieten oft höhere Gehälter als kleinere lokale Krankenhäuser oder Praxen. In jedem Fall spielt die Berufserfahrung eine entscheidende Rolle bei der Gehaltsbestimmung. Obwohl es in Deutschland allgemein Tarifverträge für Ärzte gibt, können sich die Gehälter von Neurologen je nach Bundesland und sogar nach Ort unterscheiden, wenn a) nicht nach Tarif gezahlt wird oder b) die Menge an besser verdienenden Ärzten den Schnitt beeinflusst. Die Lebenshaltungskosten und die Wirtschaftskraft der Region können eine Rolle dabei spielen, wie hoch die Gehälter ausfallen. Jedoch kann es sein, dass Neurologen, die eine eigene Praxis eröffnen, möglicherweise weniger als andere Fachärzte verdienen, da neurologische Leistungen in der Regel weniger gut vergütet werden als beispielsweise chirurgische Eingriffe. Der Reinertrag einer Praxis ist jedoch stark von der individuellen Praxisauslastung, den angebotenen bzw.
Persönliche Voraussetzungen und Fähigkeiten
Wichtig für den Beruf Neurologe ist auch, dass du dich gut in Menschen hineinversetzen und einfühlsam mit ihnen kommunizieren kannst. Schließlich teilst du ihnen manchmal lebensverändernde Diagnosen mit und solltest diese mit entsprechendem Feingefühl anbringen. Ein gutes räumliches Denken und eine ausgeprägte Beobachtungsgabe helfen dir ebenfalls, genauso wie geschickte Hände und eine gute Selbstorganisation.
Karrieremöglichkeiten und Weiterbildungen
Als Neurologe bieten sich viele verschiedene Optionen für eine Weiterbildung, um dein Wissen zu vertiefen oder deine Karriere auf das nächste Level zu bringen. Außerdem ist eine Fokussierung auf ein Teilgebiet der Neurologie möglich, wie Vaskuläre Neurologie (Durchblutungsstörungen des Gehirns) oder Neuroonkologie (Tumorerkrankungen des Nervensystems).
Weiterbildungen können für angestellte Fachärzte, einschließlich Neurologen, zwar das Gehalt an sich nicht unmittelbar erhöhen, jedoch können sie langfristig die Chancen auf Leitungspositionen verbessern. Neurologen mit spezifischen Weiterbildungen in einem bestimmten Bereich der Neurologie, beispielsweise in der Epileptologie oder Schlaganfallmedizin, können sich als Experten profilieren und dadurch die Chance erhalten, als Oberarzt oder sogar Chefarzt in einer Klinik oder Abteilung tätig zu sein. Leitende Positionen sind in der Regel mit höheren Gehältern verbunden, was die Weiterbildung zu einer attraktiven Option macht, um die eigene Karriere voranzubringen und das Gehalt zu steigern.