Bandscheibenvorfall: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Ein Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Anteile des weichen Gallertkerns der Bandscheibe aus dem Faserring austreten und auf eine Nervenwurzel drücken. Viele Menschen sind der Überzeugung, dass jeder Bandscheibenvorfall operativ behandelt werden muss. Pro Jahr werden in Deutschland über 200.000 Bandscheibenoperationen durchgeführt - ein großer Teil davon ist jedoch vermeidbar. Tatsächlich ist eine Operation jedoch eher selten notwendig, da sich viele Krankheitsverläufe bereits durch eine geeignete, konservative Therapie ausreichend beeinflussen lassen. In vielen Fällen sind eine konservative Therapie und minimalinvasive Verfahren erfolgreicher und schonender als eine große Operation.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall ist ein Heraustreten des Bandscheibenkerns durch einen Riss des Bandscheibenringes in den Nervenkanal mit möglicher Reizung des Nervengewebes. Die Bandscheiben sitzen zwischen den Wirbelkörpern und bilden sozusagen die „Stoßdämpfer“ der Wirbelsäule. Insgesamt 23 Bandscheiben dienen in der Wirbelsäule als Puffer und federn die Bewegungen der Wirbelkörper ab. Erst die Bandscheiben ermöglichen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule und verteilen den Druck, der auf der Wirbelsäule lastet, gleichmäßig. Zwischen den knöchernen Wirbeln liegt jeweils eine nur wenige Millimeter dicke Knorpelscheibe, die verhindert, dass die Wirbel direkt aneinander reiben. Jede Bandscheibe besteht aus einem weichen, wasserhaltigen Gallertkern (ca. 80 % Wasser) und einem stabilen Faserring (Anulus fibrosus) aus Faserknorpel. Der hohe Wassergehalt sorgt für Elastizität und Druckaufnahme, während der äußere Faserring die Form und Stabilität der Bandscheibe erhält. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der gallertartige Kern der Bandscheibe durch Risse im stützenden Faserring nach außen.

Die Funktion der Bandscheiben

Unsere Bandscheiben ermöglichen sämtliche Drehbewegungen und seitliche Neigungen des Oberkörpers. Gleichzeitig wirken sie wie Stoßdämpfer, indem sie Stöße und Erschütterungen abfedern und das Körpergewicht gleichmäßig auf die Wirbelkörper verteilen. Die Bandscheibe ist etwa 1,2 Zentimeter hoch und liegt zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Eine dicke, elastische Hülle aus festem Bindegewebe (Anulus fibrosus) umgibt den gelartigen Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus). Im Gallertkern befinden sich Knorpelzellen (Chondrozyten). Da die Bandscheiben nicht durchblutet sind, bildet ihr passiver Flüssigkeitsaustausch mit der Umgebung die Grundlage für Ernährung und Stoffwechsel. Damit der weiche Kern der Bandscheibe seine Pufferfunktion erfüllen kann, arbeitet er gegen den harten, elastischen und mehrschichtigen Faserring.

Bandscheibendegeneration

Bereits ab etwa dem 20. Lebensjahr werden unsere Bandscheiben zusehends schlechter mit Nährstoffen versorgt und der äußere Faserring (Anulus fibrosus) bildet immer mehr kleine Risse. Damit wird die Hülle anfälliger für Verletzungen. Der Gallertkern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) dringt bei Belastung in die feinen Risse des Faserrings ein. Hierdurch kann es zu einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) bis hin zu einem kompletten Riss (Ruptur) des Faserrings kommen. Wird die Bandscheibe nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, kann die Bandscheibenhülle brüchig werden. Das Einwachsen von Blutgefäßen in den normalerweise nicht durchbluteten Faserknorpel kann die Stabilität der Bandscheibe weiter herabsetzen. Gering ernährte, nicht durchblutete Gewebe haben einen langsameren Stoffwechsel als durchblutete Gewebe. Auch die Bandscheibe zählt zu diesen sogenannten bradytrophen Geweben. Im Mutterleib wird die Bandscheibe noch über eigene Blutgefäße versorgt. Nach der Geburt erhält sie Nährstoffe und Flüssigkeit nur noch passiv. Ihre Ernährung erfolgt über Diffusion, also den durch Bewegung und Kompression ausgelösten Flüssigkeitsstrom. Dabei saugt die Bandscheibe - vor allem nachts - Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm aus der sie umgebenden Gewebeflüssigkeit auf. Tagsüber, während körperlicher Bewegung, wird ein Teil der Flüssigkeit aufgrund des Körpergewichts im Stehen und Sitzen wieder aus der Bandscheibe herausgedrückt.

Lokalisation des Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall kann in der Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS) oder Lendenwirbelsäule (LWS) auftreten. Bei etwa 9 von 10 Betroffenen tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Bei jedem 10. Patienten ist die Halswirbelsäule (HWS) von einem Bandscheibenvorfall betroffen (zervikaler Diskusprolaps). Sehr selten tritt ein Bandscheibenvorfall in Höhe der Brustwirbelsäule (BWS) auf.

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Ursachen und Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall entsteht in den meisten Fällen durch eine Kombination aus mechanischer Belastung, Verschleiß und Fehlhaltungen. Die Bandscheiben sind enorm belastbar, verlieren jedoch im Laufe des Lebens an Elastizität und Wassergehalt.

Häufige Ursachen

  • Starke Belastungen: Plötzliche oder wiederholte hohe Belastungen - etwa beim schweren Heben, bei ruckartigen Drehbewegungen oder beim Arbeiten über Kopf - können den Faserring der Bandscheibe überdehnen. Besonders riskant sind Bewegungen, bei denen das Becken gleichzeitig verdreht und der Rücken gebeugt ist.
  • Unfälle: Stürze, Sportunfälle oder Verkehrsunfälle können die Wirbelsäule abrupt belasten. Der Faserring kann dabei einreißen, besonders wenn bereits ein Vorschaden besteht.
  • Chronische Erkrankungen: Erkrankungen wie Osteoporose, Arthrose oder entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen schwächen die knöchernen Strukturen und die Bandscheiben.
  • Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter verliert die Bandscheibe Wasser und damit an Elastizität. Der weiche Gallertkern wird flacher, der Faserring spröder. Diese „Degeneration“ beginnt oft schon ab dem 20.-30. Lebensjahr.
  • Übergewicht: Zusätzliches Körpergewicht erhöht den Druck auf die Bandscheiben, besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Bandscheiben nutzen schneller ab und sind anfälliger für Risse im Faserring.
  • Bewegungsmangel: Fehlen regelmäßige körperliche Aktivitäten, schwächt das die Rumpf- und Tiefenmuskulatur. Diese Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und entlasten die Bandscheiben.
  • Fehlhaltungen: Langes Sitzen, monotone Bewegungsmuster oder ungünstige Körperhaltungen im Alltag führen zu einer einseitigen Belastung der Bandscheiben.
  • Genetische Veranlagung: Bei manchen Menschen besteht eine angeborene Bindegewebsschwäche. Der Faserring ist dann weniger stabil, und Bandscheiben verschleißen schneller.
  • Rauchen & Alkohol: Rauchen verengt die Blutgefäße und verschlechtert die Durchblutung der Bandscheiben. Da diese kaum eigene Blutgefäße besitzen und auf Nährstoffdiffusion angewiesen sind, degenerieren sie schneller. Übermäßiger Alkoholkonsum schwächt zusätzlich die Muskulatur und beeinträchtigt die Knochengesundheit - und damit auch die Stabilität der Wirbelsäule.

Risikofaktoren

Bei einem Bandscheibenvorfall wirken häufig mehrere ungünstige Faktoren zusammen. Zu den häufigsten gehören dabei ungesunde Ernährung und eine nicht ausreichende Trinkmenge, Rauchen, mangelnde Bewegung, sitzende Tätigkeiten, Fehlhaltung/-belastung sowie eine Schwäche der Rumpfmuskulatur.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall kann je nach Lage, Größe und betroffener Nervenwurzel sehr unterschiedliche Beschwerden auslösen. Manche Symptome entwickeln sich plötzlich, andere entstehen eher schleichend. Nicht jeder Bandscheibenvorfall geht mit Symptomen einher. Beschwerden entstehen erst, wenn die Bandscheibe auf eine Nervenwurzel (Radikulopathie), das Rückenmark oder eine benachbarte Nervenfaser drückt.

Symptome nach Lokalisation

  • Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS): Bei einem LWS-Bandscheibenvorfall treten typischerweise stechende Schmerzen auf, die auf den Rücken begrenzt sein können oder bis in die Beine und Füße ausstrahlen. Die Patienten nehmen Schonhaltungen ein und vermeiden starkes Pressen oder Husten, wodurch der Schmerz häufig noch verstärkt wird. Ist das Rückenmark tangiert, können auch hier Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten. Auch die Schließmuskulatur von Blase und Darm kann betroffen sein.
  • Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule (BWS): Die Schmerzen sind lokal auf die Brustwirbelsäule beschränkt oder strahlen im Rippenverlauf gürtelförmig aus. Blasen- oder Mastdarmstörungen können auftreten. Solche Symptome können darauf hinweisen, dass nicht nur eine einzelne Nervenwurzel, sondern das Rückenmark im Brustbereich mitbetroffen ist.
  • Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS): strahlt in Kopf, Nacken, Schultern und Arme aus. Ist das Rückenmark mitbetroffen, kann es neben Nackenschmerzen zu Gefühlsstörungen in Armen und Händen mit Kribbeln, Taubheitsgefühl bis hin zu Muskelschwächen oder Lähmungserscheinungen kommen. Auch Durchblutungsstörungen der Arme und Hände, Schwindel, Ohrgeräusche oder ein Druckgefühl in den Ohren können auftreten.

Warnsignale (Red flags)

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Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

Auf der Suche nach der Schmerzursache geben die Symptome der Betroffenen häufig schon Aufschluss über die Lage des Bandscheibenvorfalls. Die genaue Diagnosestellung erfolgt zum einen klinisch. Hierbei führen Ärzt:innen körperliche Untersuchungen im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten durch, um Auffälligkeiten zu finden. Außerdem erfolgt eine neurologische Untersuchung.

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Diagnosemethoden

Zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls gehört eine Befragung zur medizinischen Vorgeschichte und zu den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Eine körperliche Untersuchung mit Bewegungstests sowie Reflex- und Sensibilitätsprüfungen ist ebenfalls wichtig. Dabei wollen Ärztinnen und Ärzte herausfinden, ob eine Nervenreizung vorliegt, was auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen kann. Diagnosemethoden wie eine Magnetresonanztomografie (kurz MRT) sind bei Bandscheibenvorfällen meistens nicht sofort und manchmal auch gar nicht notwendig. Betroffene brauchen also keine Angst zu haben, direkt „in die Röhre“ zu müssen. Die MRT wird angewendet, wenn einer der folgenden Faktoren vorliegt:

  • Gestörte Blasen- und/oder Darmfunktion (Inkontinenz)
  • stark ausstrahlende Schmerzen mit Gefühlsstörungen oder Kraftminderung der Muskeln
  • Anhalten der Beschwerden trotz Therapie

Wenn es zu Empfindungsstörungen, Kraftminderung oder Lähmungserscheinungen kommt, lässt sich ein Bandscheibenvorfall mithilfe spezieller Muskelfunktions- und Reflexprüfungen erkennen. Andere Erkrankungen wie beispielsweise Knochenbrüche können ähnliche Symptome auslösen. Um eine eindeutige Diagnose zu stellen, können daher auch eine MRT- oder Röntgenuntersuchung bzw. eine Computertomografie zum Einsatz kommen. Eventuelle Knochenbrüche lassen sich so besser darstellen.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Der größte Anteil der Bandscheibenvorfälle wird konservativ behandelt, also ohne Operation. Die Therapie eines Bandscheibenvorfalls ist immer abhängig von den Symptomen. Verursacht ein Bandscheibenvorfall keine Beschwerden, muss er auch nicht behandelt werden. Bei starken oder länger als drei bis vier Tagen andauernden Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden. In den meisten Fällen kann dem Patienten ohne eine Operation (konservative Therapie) geholfen werden, wieder beschwerdefrei zu werden. Grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, dass sich die Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls von selbst bessern oder verschwinden, weil der Gallertkern mit der Zeit eintrocknet und schrumpft.

Konservative Therapie

Eine konservative Behandlung bildet bei den meisten Bandscheibenvorfällen den ersten und wichtigsten Schritt. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenstrukturen zu entlasten - ohne unnötige Operation. Zu den Therapiemaßnahmen gehören vor allem Bewegung, Entspannung und Entlastung, schmerzstillende Medikamente sowie manuelle und physikalische Therapien. Bei letzterer werden beispielsweise Druck, Zug, Wärme, Kälte oder Elektrizität für die Behandlung genutzt.

  • Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente: können akute Beschwerden deutlich lindern, Schonhaltungen vermeiden und den Einstieg in die Physiotherapie erleichtern. Häufig kommen NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz.
  • Muskelrelaxanzien: Bei starken muskulären Verspannungen können Muskelrelaxanzien sinnvoll sein, insbesondere wenn ein Schutzmuskelkrampf („Hartspann“) die Beschwerden zusätzlich verstärkt.
  • Wärme: Zusätzlich hilft Wärme, da sie die Durchblutung verbessert und verkrampfte Muskulatur entspannt.
  • Entlastungspositionen: Entlastungspositionen wie die Stufenlagerung (Beine im 90°-Winkel) reduzieren kurzfristig den Druck auf die Lendenwirbelsäule.
  • Physiotherapie: Individuell angepasste Übungen stärken die Rücken- und Bauchmuskulatur, verbessern die Beweglichkeit und fördern eine stabile Körperhaltung. Physiotherapeutische Behandlung vermittelt zusätzlich rückenschonende Bewegungsmuster im Alltag, z. B. beim Bücken, Tragen oder Sitzen.
  • Injektionen: Bei ausgeprägten Schmerzen können bildgesteuerte Injektionen mit Lokalanästhetika und/oder Kortison in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel die Entzündung reduzieren und Schmerzen rasch lindern. Infiltrationen werden unter Bildwandlerkontrolle (Durchleuchtung) durchgeführt. Dadurch lässt sich die Nadel millimetergenau positionieren, was Sicherheit und Wirksamkeit entscheidend erhöht.

Die konservative Behandlung wird üblicherweise über 6-12 Wochen durchgeführt. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden in diesem Zeitraum deutlich oder verschwinden vollständig.

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Minimalinvasive Verfahren

Wenn konservative Maßnahmen bei einem Bandscheibenvorfall nicht ausreichend wirken oder die Beschwerden wiederkehren, können minimalinvasive Verfahren eine schonende Alternative zur offenen Operation darstellen.

  • Wirbelsäulenkathetertechnik: Die Wirbelsäulenkathetertechnik ist ein bewährtes minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, insbesondere wenn starke Entzündungen oder Verklebungen im Epiduralraum vorliegen. Über einen kleinen Hautzugang wird ein dünner, flexibler Katheter in den Wirbelkanal eingeführt.
  • Mikrolasertherapie: Die Mikrolasertherapie ist ein ebenfalls minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, das ohne Hautschnitt auskommt. Dabei wird über eine feine Kanüle ein Laserstrahl in die Bandscheibe geleitet. Sie eignet sich besonders bei kleinen oder mittelgroßen Vorfällen an der LWS und HWS. Die Behandlung selbst dauert rund 30 Minuten, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.

Operative Therapie

Wenn die konservative Therapie jedoch nicht zu einer zufriedenstellenden Beschwerdelinderung führt, Lähmungen, Inkontinenz sowie Sexualfunktionsstörungen vorliegen, ist die Gefahr einer bleibenden Nervenschädigung sehr groß. Dann wird eine Operation in Erwägung gezogen. Durch die zeitgerechte Operation kann meistens die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass sich die Nervenwurzel langsam wieder erholt.

  • Mikrochirurgische Bandscheibenoperation („offene Operation“): Bei der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation wird nach einem kleinen Hautschnitt und Ablösen der Rückenmuskulatur auf einer kleinen Strecke vom Wirbelbogen der Wirbelkanal zwischen zwei Wirbelbögen unter Sicht durch das Mikroskop eröffnet. Mit Spezialinstrumenten kann dann das vorgefallene Bandscheibengewebe entfernt und die Nervenwurzel vom Druck befreit werden. Der Faserring wird zwischen den Wirbelkörpern belassen. Bereits gelockerte Anteile innerhalb der Bandscheibe können auch noch entfernt werden, damit sie nicht nachrutschen.
  • Endoskopische Bandscheibenoperation: Neben der offenen Operation gibt es minimalinvasive Verfahren, wozu auch die endoskopische Bandscheibenoperation zählt. Das Prinzip der Behandlung besteht, wie bei der offenen Operation, in der Entfernung von Bandscheibengewebe, wodurch es zu einer Druckentlastung des Nerven kommt.

Wann ist eine Operation notwendig?

Ob operiert werden muss, hängt immer von der Schwere der Beschwerden, der Nervenbeteiligung und dem Verlauf der bisherigen Behandlung ab. Wenn trotz Schmerztherapie, Physiotherapie und ggf. Injektionen keine deutliche Besserung eintritt und die Schmerzen unerträglich sind, kann eine Operation sinnvoll sein. Selbst wenn ein Bandscheibenvorfall im MRT „dramatisch“ aussieht, entscheidet nicht das Bild, sondern der klinische Befund. Wenn jedoch ein größerer Teil des Gallertkerns auf eine Nervenwurzel drückt, kann eine mikrochirurgische Entfernung nötig werden. Eine strukturierte Nachbehandlung (Physiotherapie, Bewegungstraining) beginnt nach 2-3 Wochen.

Vorbeugung eines Bandscheibenvorfalls

Schon der Volksmund weiß: Prävention ist die beste Medizin. Um das Risiko für einen Bandscheibenvorfall zu senken, ist es sinnvoll, den altersbedingten Verschleiß der Bandscheiben nicht zusätzlich zu verstärken und auf die eigene Rückengesundheit zu achten. Wird der Rücken stark beansprucht, beispielsweise beim Tragen von schweren Gegenständen, sollte das möglichst rückenfreundlich geschehen. Außerdem helfen eine gekräftigte Rücken- und Bauchmuskulatur, Bandscheibenvorfällen vorzubeugen.

Tipps zur Vorbeugung

  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, z. B. mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Bandscheiben elastisch zu halten.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Regelmäßige Bewegung: Bauen Sie regelmäßige körperliche Aktivitäten in Ihren Alltag ein, um die Rumpfmuskulatur zu stärken und die Bandscheiben zu entlasten.
  • Rückenschonendes Heben: Heben Sie Lasten aus den Knien heraus mit geradem Rücken und angespannter Rumpfmuskulatur.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
  • Gewichtsreduktion: Reduzieren Sie Übergewicht, um den Druck auf die Bandscheiben zu verringern.

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