Laserbehandlung von Epilepsie im Gesicht: Ein umfassender Überblick

Die Low-Level-Lasertherapie (LLLT), auch bekannt als "kalte Lasertherapie" oder "Photobiomodulation (PBM)", findet zunehmend Anwendung in verschiedenen medizinischen Bereichen. Von der Schmerzlinderung bis zur Förderung der Wundheilung sind die Vorteile der LLLT vielfältig. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung der Lasertherapie bei Epilepsie im Gesicht, wobei sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Risiken und Kontraindikationen berücksichtigt werden.

Einführung in die Epilepsie

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. In Deutschland sind mehr als 600.000 Menschen betroffen, und jährlich kommen etwa 40.000 Neuerkrankungen hinzu. Epileptische Anfälle entstehen durch eine plötzliche, übermäßige Erregung von Nervenzellgruppen im Gehirn.

Definition und Erscheinungsformen

Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Sie reichen von kaum wahrnehmbaren Sinnesempfindungen oder Muskelzuckungen bis hin zu Bewusstseinsverlust und Krämpfen am ganzen Körper. In der Regel dauern Anfälle nur wenige Sekunden bis Minuten und hören spontan wieder auf. Ein Anfall, der länger als 10 Minuten dauert, wird als Status epilepticus bezeichnet und stellt eine Notfallsituation dar.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Es gibt idiopathische Epilepsien, die sich meist vor dem 20. Lebensjahr manifestieren, und symptomatische Epilepsien, bei denen eine Hirnschädigung (z. B. durch Verletzungen, Tumore oder Gefäßanomalien) vorliegt. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem:

  • Verletzungen
  • Tumore
  • Missbildungen
  • Sauerstoffmangelfolgen (Geburtstrauma)
  • Entzündliche oder metabolische Prozesse

Symptome und Folgen

Die Symptome eines epileptischen Anfalls sind vielfältig und hängen von der Art des Anfalls ab. Häufige Anzeichen sind:

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  • Kurze Bewusstseinspausen mit starrem Blick
  • Nicht erklärbare Geruchswahrnehmungen
  • Das Gefühl, weggetreten zu sein
  • Gesichtszuckungen und Sprechschwierigkeiten
  • Bewusstlosigkeit, Versteifen, Zucken der Arme und Beine

Epileptische Anfälle können den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Auch kleinere Anfälle können in der Schule, im Beruf und im Privatleben einschränkend sein.

Lasertherapie bei Epilepsie: Grundlagen und Anwendungsbereiche

Die Lasertherapie, insbesondere die interstitielle thermale Lasertherapie (sT-LA), stellt eine innovative, minimalinvasive Methode zur Behandlung von Epilepsie dar. Dabei werden mittels Magnetresonanztomografie (MRT) unter direkter Kontrolle von Temperatur und Ablation auch tief im Gehirn gelegene Areale behandelt.

Interstitielle Thermale Lasertherapie (sT-LA)

Die sT-LA ermöglicht die Visualisierung der Ablation des epileptogenen Areals in Echtzeit. Zu schützende anatomische Strukturen werden im MRT mit Temperaturmarkern versehen, die bei Erreichen einer individuell festzulegenden Schwelltemperatur die Energiezufuhr des Lasers abschalten. Die Energieabgabe des Lasers kann über eine Rückkopplungsschleife reguliert werden.

Anwendungsbereiche

Die Temporallappenepilepsie ist die Hauptindikation für die sT-LA. Wu et al. zeigten in einer multizentrischen Studie, dass das Ergebnis "Engel-Klasse 1" (Anfallsfreiheit) sowohl nach 1 wie auch nach 2 Jahren von 58 % der jeweils evaluierten Patienten erreicht wurde. Die Ausschaltung von Amygdala und Hippocampuskopf sowie parahippokampalem und entorhinalem Kortex ging mit einer höheren Rate an anfallsfreien Patienten einher.

Vorteile der sT-LA

  • Minimale Invasivität: Vermeidung einer größeren Kraniotomie
  • Präzise Ablation: Gezielte Behandlung des epileptogenen Areals unter MRT-Kontrolle
  • Schonung umliegender Strukturen: Schutz wichtiger Hirnstrukturen durch Temperaturüberwachung
  • Potenzielle Verbesserung der neuropsychologischen Funktion

Fallbeispiel: Stereotaktische Laserthermoablation bei Temporallappenepilepsie

Ein 24-jähriger Patient mit pharmakoresistenter, nicht-dominanter mesialer Temporallappenepilepsie bei Hippocampusatrophie rechts wurde einer stereotaktischen Laserthermoablation (sT-LA) unterzogen.

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Anamnese und Diagnostik

Der Patient hatte seit dem Kindesalter Anfälle, die trotz verschiedener Medikamente nicht ausreichend kontrolliert werden konnten. Die MRT-Bildgebung zeigte eine Hippocampussklerose rechts, und das Video-EEG-Monitoring bestätigte einen epileptogenen Fokus im rechten Temporallappen.

Therapieentscheidung und Durchführung

Nach ausführlicher Beratung entschied sich der Patient für die sT-LA aufgrund der geringen Invasivität und der Möglichkeit, bei Bedarf auf ein resektives Verfahren zurückzugreifen. Die Ablation des mesialen Anteils des amygdalohippokampalen Komplexes wurde in 3 Einzelschritten vorgenommen.

Postoperativer Verlauf

Der Patient erholte sich gut von dem Eingriff. Vom 5. bis 12. postoperativen Tag klagte er über Kopfschmerzen und inkonstantes "Kamerawackeln" beim Fernsehschauen, die jedoch am 14. postoperativen Tag vollständig verschwanden. Die präoperative Medikation wurde für mindestens 1 Jahr unverändert fortgeführt.

fMRT-Ergebnisse

Eine prä- und postoperative fMRT-Untersuchung zeigte, dass postoperativ insbesondere die der Läsion abgewandte Seite in ihrer Aktivität verstärkt war. Dies könnte auf Kompensationsmechanismen im Rahmen der Plastizität hindeuten.

Risiken und Kontraindikationen der Lasertherapie

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse und Vorteile der Lasertherapie gibt es bestimmte Risiken und Kontraindikationen, die berücksichtigt werden müssen.

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Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen

  • Augenprotektion: Niemals direkt in den Laserstrahl schauen! Selbst bei Low-Level-Lasern kann eine direkte Exposition die Augen schädigen.
  • Krebserkrankungen: Bei bekanntem oder vermutetem Krebs sollte die Lasertherapie mit Vorsicht angewendet werden, da sie möglicherweise das Tumorwachstum fördern könnte.
  • Schilddrüse: Das Bestrahlen der Schilddrüsenregion kann zu einer Überstimulation des Organs führen.
  • Epilepsie: Bei Patienten mit Epilepsie kann gepulstes Licht in bestimmten Frequenzbereichen Anfälle auslösen.
  • Dunkle Haut, Tätowierungen und Muttermale: Bereiche mit dunkler Pigmentierung können Laserlicht stärker absorbieren, was zu erhöhter Wärmeentwicklung und potenziellen Hautschäden führen kann.
  • Lichtempfindliche Medikamente: Einige Medikamente können die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Licht erhöhen.

Spezifische Risiken der sT-LA

  • Gesichtsfelddefekte: In einigen Fällen kann es zu Gesichtsfelddefekten kommen, die jedoch meist vorübergehend sind.
  • Neurologische Defizite: Selten können neurologische Defizite wie Sprachstörungen oder Gedächtnisstörungen auftreten.
  • Infektionen: Wie bei jedem chirurgischen Eingriff besteht ein geringes Risiko für Infektionen.
  • Blutungen: Blutungen im Gehirn sind eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Komplikation.

Kontraindikationen

  • Akute Infektionen: Bei akuten Infektionen sollte die Lasertherapie verschoben werden.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft sollte die Lasertherapie nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.
  • Herzschrittmacher: Patienten mit Herzschrittmachern sollten in der Regel nicht mit Lasertherapie behandelt werden.

Weitere Anwendungen der Lasertherapie im Gesicht

Neben der Behandlung von Epilepsie wird die Lasertherapie auch in anderen Bereichen des Gesichts eingesetzt, insbesondere in der ästhetischen Medizin.

CO2 Fractional Laser

Der CO2 Fractional Laser ist eine effektive Behandlungsmethode zur Reduzierung von Aknenarben, Falten und Pigmentflecken. Der Laser verwendet eine sichere Technik, um die Haut kontrolliert zu verbessern.

HIFU (Hochintensiver Fokussierter Ultraschall)

HIFU ist eine nicht-invasive Technologie für die ästhetische Medizin, die hochkonzentrierte Ultraschallenergie in die tiefsten Hautschichten freisetzt. Dies führt zu einer starken Regeneration des Gewebes und einem natürlichen Lifting-Effekt. HIFU wird zur Straffung der Haut im Gesicht, am Hals und am Dekolleté eingesetzt.

IPL (Intense Pulsed Light)

Die IPL-Technik wird zur dauerhaften Haarentfernung eingesetzt. Es ist jedoch wichtig, vor der Behandlung die Kontraindikationen zu beachten, wie z. B. die Einnahme von lichtsensibilisierenden Medikamenten, Erkrankungen des Immunsystems oder Schwangerschaft.

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