Neurologische Versorgung: Von Schlaganfall bis Gedächtnisstörungen

Die neurologische Versorgung umfasst ein breites Spektrum an Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der neurologischen Versorgung, von akuten Notfällen wie Schlaganfällen bis hin zu chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Parkinson. Dabei werden diagnostische und therapeutische Möglichkeiten sowie die Bedeutung einer umfassenden Betreuung der Patienten in den Blick genommen.

Flächendeckende stationäre Versorgung und ambulante Angebote

Die stationäre Versorgung stellt einen zentralen Pfeiler dar. Mit Akutkliniken wird flächendeckend das gesamte medizinische Leistungsspektrum angeboten. Für die wohnortnahe Versorgung stehen Haus- und Fachärzte zur Verfügung, um eine schnelle Terminvereinbarung in einer Arztpraxis zu ermöglichen. Zudem bieten Präventionszentren die Möglichkeit, den eigenen Gesundheitszustand überprüfen zu lassen. Als Gesundheitsdienstleister werden auch Unternehmen in den Bereichen Arbeitsmedizin, Prävention oder Beratung unterstützt, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern.

Schlaganfall: Schnelles Handeln rettet Leben

Der Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. Wenn Blutgefäße im Gehirn durch Blutgerinnsel oder Arterienverkalkung verengt oder verschlossen werden, kommt es zu einer Unterversorgung des Gehirns. Dies kann in jedem Alter auftreten und ist die dritthäufigste Todesursache. Mit jeder Minute sterben Gehirnzellen ab, was zu Sprachstörungen, undeutlicher Sprache oder Lähmungen führen kann.

Der FAST-Test

Der FAST-Test hilft, Schlaganfall-Symptome schnell zu erkennen:

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann die Person beide Arme gleichmäßig heben?
  • Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich?
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf.

Optimale Versorgung in der Stroke Unit

Eine Stroke Unit ist optimal ausgestattet, um Patienten mit einem frischen Schlaganfall rund um die Uhr nach internationalen Standards zu behandeln. Während der Akutphase ist eine intensive Überwachung des Gesundheitszustandes notwendig. Um Folgeschäden zu minimieren, ist ein schnelles Handeln entscheidend. Das Blutgerinnsel kann medikamentös (Lyse) oder direkt (Thrombektomie) entfernt werden.

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Frühzeitige Rehabilitation und Nachsorge

Bereits ab dem ersten Tag beginnt ein Team aus Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten mit der notwendigen Behandlung. Nach wenigen Tagen kann die Verlegung auf eine Normalstation oder in eine Rehabilitationsklinik erfolgen. Sozialdienste und Reha-Manager gewährleisten eine qualifizierte Nachsorge. Schlaganfall-Lotsen, die mit der Deutschen Stiftung für Schlaganfallhilfe kooperieren, bieten Betroffenen und Angehörigen wertvolle Unterstützung durch Hausbesuche und regelmäßige Telefonkontakte. Sie beraten zu Behandlungsoptionen und Unterstützungsmaßnahmen.

Parkinson und andere Bewegungsstörungen

Bewegungsstörungen sind ein wichtiger Teilbereich neurologischer Erkrankungen. Dazu gehören neben der Parkinson-Krankheit auch Dystonien, Tremor-Erkrankungen, das Restless-Legs-Syndrom und Tics.

Parkinson-Krankheit

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems im höheren Lebensalter. Dabei sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Dies führt zu motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteife und Bewegungsarmut. Aber auch nicht-motorische Symptome wie Blasenstörungen, Schlafstörungen, Schmerzen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie depressive Verstimmungen können auftreten.

Diagnostik und Therapie

Zur Diagnostik steht ein umfassendes Spektrum an Methoden zur Verfügung, ergänzt durch Kooperationen mit anderen Fachabteilungen wie Neuroradiologie und Nuklearmedizin. Neben der ausführlichen Krankengeschichte und einer körperlich-neurologischen Untersuchung kommen funktionelle Tests wie der L-Dopa-Test oder ein Riechtest zum Einsatz. Bildgebende Verfahren wie CT und MRT dienen zum Ausschluss anderer Erkrankungen. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um die passende Therapie zu finden, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist. Die akutstationäre Behandlung kann mit einer intensiven rehabilitativen Therapie kombiniert werden, die von einem multidisziplinären Team durchgeführt wird. Auch die endoskopische Schluckdiagnostik und entsprechende Ernährungsempfehlungen können Teil der Behandlung sein.

Multiple Sklerose und andere Entzündungen des Nervensystems

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik, Therapie und Langzeitbetreuung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und verwandten Erkrankungen. Die Klinik ist als "Anerkanntes MS-Schwerpunktzentrum" durch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zertifiziert.

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Multiple Sklerose

MS ist die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist im jungen Erwachsenenalter beginnt. Als Folge von Entzündungsherden in Gehirn, Sehnerv und Rückenmark können Lähmungen, Sehstörungen oder Gefühlsverluste auftreten. Die ambulante Betreuung erfolgt in einer MS-Ambulanz, in der Patienten unter fachärztlicher Leitung versorgt werden. Eine ausgebildete MS-Nurse steht zusätzlich für Rat und Hilfestellung zur Verfügung. Wichtig sind auch symptomatische Therapien, z.B. der Spastik, von Blasenfunktionsstörungen und die Verordnung nicht-medikamentöser Heilmittel wie Physiotherapie, Ergotherapie und REHA-Sport. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit anderen Klinikabteilungen, den ambulanten Versorgungsstrukturen und den Universitätskliniken.

Neurologische Frührehabilitation

Je früher ein Patient nach einem Schlaganfall behandelt wird, desto geringer sind die gesundheitlichen Schäden. Die neurologische Frührehabilitation behandelt Patienten, die noch nicht aktiv an der Behandlung mitwirken können und oft intensivmedizinischer Betreuung bedürfen. Das Merkmal der Frührehabilitation besteht aus ärztlichen Therapien, aktivierender Pflege und aktivierender Therapie durch ein interdisziplinäres Team. Ziele sind u.a. die Wiedererlangung grundlegender Fähigkeiten und die Anleitung der Angehörigen für die häusliche Pflege. Inhalte sind die Diagnostik und Therapie von erworbenen Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie die apparative Dysphagiediagnostik (FEES). Auch die Diagnostik neurokognitiver Fähigkeiten und das gezielte Training beeinträchtigter Funktionen sind Bestandteile der Frührehabilitation.

Epilepsie

Wenn es zu einer gleichzeitigen Aktivierung vieler Nervenzellgruppen im Gehirn kommt, kann dies zu epileptischen Anfällen führen. Diese können sich in Form von plötzlichem Zusammenzucken oder Krämpfen, Sprachschwierigkeiten, unwillkürlichen Bewegungen oder kurzen Bewusstseinsstörungen äußern.

Diagnostik und Therapie

Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein, z.B. Übermüdung, Gehirnverletzungen, Entzündungen, Alkohol, strukturelle Veränderungen nach einem Schädelhirntrauma, Schlaganfall oder Tumor sowie Gefäßveränderungen im Hirn. Nach einem Anfall erfolgt die weitere Diagnostik, um die Ursache zu klären und die medikamentöse Therapie einzuleiten bzw. zu optimieren. Zum Untersuchungsspektrum gehören ein ausführliches ärztliches Gespräch sowie Messungen in der neurologischen Funktionsabteilung mit EEG, EP, Doppler- sowie Duplexsonographie, ENG/EMG und Nerven- und Muskelsonographie. Zusätzlich findet meist ein Schlafentzugs-EEG statt. Die Wahl der Medikamente hängt von der Form und Ursache der Epilepsie, dem Lebensalter, Begleiterkrankungen oder einem möglichen Kinderwunsch ab. Bei bestätigter Epilepsie ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente von großer Bedeutung. In einigen Fällen kann eine Operation oder eine Vagusnerv-Stimulation in Betracht gezogen werden.

Gedächtnisstörungen

Gedächtnisstörungen müssen nicht zwangsläufig auf eine Demenz hinweisen. Sie können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen oder chronische Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson. Auch eine Schädigung des Gehirns, beispielsweise durch einen Schlaganfall, kann sich auf die Funktion des Gehirns auswirken.

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Diagnostik und Differentialdiagnostik

Eine umfassende Diagnostik kognitiver Störungen ist wichtig, um andere, oft behandelbare Erkrankungen abzugrenzen. Erste diagnostische Schritte beinhalten neben einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung und einer Kontrolle der Laborparameter auch eine neuropsychologische Untersuchung. Bei Auffälligkeiten wird eine MRT- und Liquordiagnostik veranlasst. Eine genaue Differentialdiagnostik ist nicht nur wichtig zur zuverlässigen Abgrenzung zu altersentsprechender Vergesslichkeit, sondern auch zur Erkennung früher und seltener Verlaufsformen.

Neuropsychologische Untersuchung

In der ausführlichen neuropsychologischen Untersuchung werden die subjektiven Beschwerden und das emotionale Befinden erfragt, ggf. eine Fremdanamnese erhoben und anschließend verschiedene kognitive Domänen getestet. Dazu gehören u.a. Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung, Orientierung, Exekutivfunktionen, visuell-räumliche Wahrnehmung, Sprache und soziale Kognitionen. Eine frühzeitige Abklärung ermöglicht eine optimale und gezielte Therapie.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen werden in primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterschieden. Bei primären Kopfschmerzen sind verschiedene Faktoren an der Entstehung beteiligt, während sekundäre Kopfschmerzen als Symptom einer anderen Krankheit auftreten.

Diagnose und Behandlung

Bei sekundären Kopfschmerzen ist es wichtig, die Grunderkrankung richtig zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln. Spannungskopfschmerzen sind die häufigsten idiopathischen Kopfschmerzen, während Migräne meist einseitig, pulsierend auftritt und mit Übelkeit, Erbrechen und Licht-/Geräuschempfindlichkeit einhergehen kann. Eine neurologische Abklärung ist für Kopfschmerzen jeder Art möglich. Die medikamentöse Behandlung konzentriert sich auf die Therapie akuter Schmerzen und die Verringerung von Intensität und Frequenz bei häufigem Auftreten. Als chronischer Schmerz wird jeder Schmerz bezeichnet, der länger als 3 bis 6 Monate besteht und den Betroffenen seelisch, körperlich und sozial einschränkt.

Universitätsklinik für Neurologie

Als Universitätsklinik für Neurologie werden alle neurologischen Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur behandelt. Es besteht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Kliniken des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg, des Pius-Hospitals und des Klinikums Oldenburg. Die Klinik verfügt über spezialisierte Ambulanzen für Bewegungsstörungen, neuromuskuläre Erkrankungen und Kopfschmerzen.

Schlaganfallzentrum

Die Universitätsklinik für Neurologie verfügt über eine zertifizierte Schlaganfalleinheit (Stroke Unit). Hier erfolgt die weitere Behandlung, wenn die Akutphase eines Schlaganfalls beendet ist. Auf den neurologischen Stationen kommt das gesamte diagnostische und therapeutische Repertoire der Neurologie zum Einsatz. Es besteht ein direkter Zugang zu den Apparaten des Instituts für Radiologie/Neuroradiologie einschließlich CT-Diagnostik, CT-Angiographie, MRT, MR-Angiographie und konventionellem Röntgen.

Neuromuskuläres Zentrum

Die Universitätsklinik für Neurologie ist zertifiziertes Neuromuskuläres Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM). In Oldenburg werden Patienten mit Symptomen einer neuromuskulären Erkrankung wie z.B. Schwäche, Muskelschwund, Gefühlsstörungen und Schmerzen im Bereich der Extremitäten mittels spezieller Untersuchungsverfahren untersucht.

MS-Zentrum

Das Team für neuroimmunologische Erkrankungen führt die für diese Hirnerkrankung spezifische Diagnostik durch und bedient sich in Bezug auf die Behandlung dem gesamten therapeutischen Repertoire der Immunmodulatoren. Das Für und Wider der einzelnen Therapien wird dabei mit dem Patienten genau besprochen.

Epilepsiezentrum

Mittels moderner Verfahren der EEG-Diagnostik und der kernspintomographischen Bilddiagnostik in Kooperation mit dem Institut für Radiologie/Neuroradiologie wird die Ursache für eine Epilepsie aufgespürt, um hieraus die richtige Behandlung abzuleiten.

Labordiagnostik

Die Untersuchung des Liquors ist eine wesentliche Aufgabe des Neurologen. Hier kann als eine der wenigen Neurologischen Kliniken überhaupt eine zytologische Untersuchung des Liquors innerhalb sehr kurzer Zeit durchgeführt werden.

Fallbeispiel: Laura Schorpp

Am Samstag ist Weltkinderkrebstag: Die sechsjährige Laura Schorpp, die am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg betreut wird, hat ihre Leukämie-Erkrankung überwunden. Die Eltern erinnern sich genau an den Tag, als die Diagnose "Akute lymphatische Leukämie" gestellt wurde. Dank der schnellen Reaktion des Teams um Dr. Riester und der anschließenden Behandlung im Olgahospital in Stuttgart konnte Laura geheilt werden. Die Familie lobt die Betreuung in Stuttgart und Ravensburg und betont die Bedeutung der Blutspende für krebskranke Kinder.

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