Die Psychologie lauter Menschen: Was steckt dahinter?

Laute Menschen sind allgegenwärtig. Ob im Café, in der Bahn oder im Büro, es gibt immer jemanden, der durch seine Lautstärke auffällt. Während manche dies kaum wahrnehmen, fühlen sich andere massiv gestört. Die Intensität unserer Reaktion sagt oft mehr über uns selbst aus als über die laute Person. Dieser Artikel beleuchtet die Psychologie lauter Menschen, ihre Motive und die Auswirkungen auf ihr Umfeld. Dabei werden sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch praktische Tipps zum Umgang mit Lautstärke betrachtet.

Lautstärke als Machtinstrument und Kommunikationsmittel

Lautstärke kann ein Machtinstrument sein. Wer lauter spricht, versucht, das Sprechrecht in einem Gespräch zu erwerben. Linguisten bezeichnen dies als "Unterbrechungssignal". In Streitsituationen schaukelt sich die Lautstärke oft nach oben, da jeder versucht, den anderen zu übertönen.

Doch auch das Gegenteil, das Leisesein, kann Macht ausüben. Menschen, die ihre Wünsche oder Befehle fast flüsternd artikulieren, können einen ganzen Raum einnehmen. Die angemessene Lautstärke wird gesellschaftlich reguliert und von bestimmten Personen bestimmt.

Es gibt auch Menschen, die mit lauter Stimme senden, senden, senden, aber gar nicht empfangen, dass sie völlig übersteuern. Laute Menschen werden oft als extrovertiert, selbstbewusst oder grob wahrgenommen, während leise Menschen als introvertiert, schüchtern oder ausgeruht gelten. Manche Forscher sehen solche Rückschlüsse skeptisch. Eine Studie der Uni Göttingen legt jedoch nahe, dass am Klischee des lauten und selbstbewussten Menschen doch etwas dran sein könnte. Sie fand heraus, dass Menschen, die lauter sprechen, eher extrovertiert und weniger neurotisch sind.

Die Lautstärke kann auch antrainiert sein. Sprechforscher haben herausgefunden, dass die Frauenstimme dank der Gleichberechtigung in den letzten 50 Jahren tiefer geworden ist. Margaret Thatcher soll sich ihre Stimme eine Oktave tiefer trainiert haben.

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Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Lautstärke

Ob Sprechen als „zu laut“ empfunden wird, hängt stark vom kulturellen Kontext ab. Untersuchungen zeigen, dass Sprecher ihre Lautstärke unbewusst an die Gesprächsgewohnheiten ihrer Kultur anpassen. In südeuropäischen Ländern ist ein höheres Lautstärkeniveau in Gesprächen normal, während in Nordeuropa leisere Stimmen bevorzugt werden. Die Lautstärke steht also nicht nur für ein individuelles Charaktermerkmal, sondern oft ist es auch die Anpassung an bestehende soziale Regeln.

Wenn Lautstärke Stress verursacht

Untersuchungen am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften zeigen, dass die akustische Gestaltung von Sprache - inklusive Lautstärke - die emotionale Wahrnehmung stark beeinflusst. Zuhörende reagieren messbar: Laute Sprache kann neuronale Stressreaktionen verstärken und so zu Anspannung führen. Lautes Sprechen wirkt nicht nur akustisch, sondern auch physiologisch.

Praktische Tipps für den Umgang mit lauten Menschen

  1. Eigene Stimme kontrollieren: Eine Aufzeichnung der eigenen Stimme hilft, Lautstärke realistisch einzuschätzen.
  2. Bewusstes Atmen: Ruhige, tiefe Atmung senkt automatisch das Lautstärkeniveau, ohne an Präsenz zu verlieren.
  3. Vielfalt trainieren: Wechseln Sie gezielt zwischen lautem und leisem Sprechen - das wirkt rhetorisch geschickter als dauerhaft gleich laut zu reden.
  4. Feedback einholen: Bitten Sie vertraute Personen um Rückmeldung zur wahrgenommenen Lautstärke - oft hilft ein Außenblick erheblich.

Es geht auch darum, klarer zu sprechen, um besser verstanden zu werden. Das kann man oft schon, indem man darauf achtet, die Konsonanten in den Worten zu betonen. Um seine Lautstärke zu verändern, muss man sich selbst zuhören lernen.

Die Stimme als Spiegel der Persönlichkeit

Forschungen im Bereich der Persönlichkeitspsychologie deuten darauf hin, dass Stimme und Persönlichkeitsmerkmale eng zusammenhängen. Eine Analyse von Sprachaufnahmen zeigte, dass tiefere Stimmen mit höheren Werten in Extraversion und Dominanz verbunden sind. Extravertierte Menschen wirken daher oft automatisch selbstsicherer - unabhängig vom Inhalt ihrer Aussagen.

Allerdings signalisiert Lautstärke nicht immer Selbstvertrauen. Sie kann auch Unsicherheit kaschieren. Wer lauter spricht, lenkt den Fokus vom Inhalt auf die Form. So versuchen manche, fehlende Argumente oder Nervosität zu übertönen.

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Stimmlage und Persönlichkeit

Eine Studie der Universität Göttingen untersuchte den Zusammenhang zwischen Stimmlage und Persönlichkeit. Die Ergebnisse zeigten:

  • Tiefe Stimme: Menschen mit einer tieferen Stimme sind eher extravertiert, dominant und weniger restriktiv in ihrer Soziosexualität. Sie interessieren sich eher für Kurzzeitbeziehungen und hatten auch mehr Sexualpartner. Im Beziehungskontext werden sie jedoch als weniger vertrauenswürdig eingeschätzt.
  • Hohe Stimme: Menschen mit hoher Stimmlage waren im Umkehrschluss introvertierter, weniger dominant und in einer Partnerschaft treuer. Sie bevorzugten eher Langzeitbeziehungen, gingen seltener fremd und hatten weniger Sexualpartner. Sie erwiesen sich auch als etwas neurotischer, also ängstlicher, nervöser und emotional instabiler.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Effekte eher klein sind und sich nicht zwingend auf den Einzelfall übertragen lassen.

Die Stimme bewusst steuern

Menschen können ihre Stimme bewusst steuern. Die Stimmlage ändert sich, wenn das Gegenüber als attraktiv empfunden wird. Männer sprechen demnach besonders tief, wenn sie eine Frau schön finden und auch ein sexuelles Interesse an ihr haben. Frauen senken die Stimmlage bei Männern, die bei anderen Frauen als besonders beliebt gelten. Eine tiefere Stimme signalisiert sexuelles Interesse und Intimität, während eine höhere Stimme die Fortpflanzungsfähigkeit stärker zum Ausdruck bringt.

Weitere Stimmmerkmale und ihre Bedeutung

  • Schnelligkeit: Menschen, die schneller sprechen, werden als extravertierter wahrgenommen, während Menschen, die viele Sprechpausen machen, eher als nervös wahrgenommen werden.

Laute Menschen im Alltag: Ursachen und Umgang

Laute Menschen haben in ihrer Kindheit (meist von den Eltern) gelernt, dass dies die übliche Methode des Umgangs ist. Sie verursachen (Schall-)Druck, wenn sie Angst und Wut haben, ihr Ziel möglicherweise nicht zu erreichen oder zu verlieren. Es handelt sich um ein Machtspiel, bei dem die Lautstärke und Aufplustern ein naturgegebenes Mittel darstellen und die Qualität der Argumente ersetzen oder beweisen sollen.

Manche Menschen neigen zum Brüllen und Keifen, weil sie ein sehr labiles inneres Gleichgewicht haben und leicht in unbeherrschte Umgangsformen kippen. Viele haben hysterische / histrionische oder cholerische Züge. Sie erkennen meist erst in einer therapeutischen Phase, dass sie ein zutiefst unsicheres Selbstwertgefühl haben und sich und anderen mit Lautstärke Sicherheit vorgaukeln müssen.

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Tipps für den Umgang mit lauten Menschen im Alltag

  • Ruhe bewahren: Lassen Sie sich von einem lauten Menschen nicht kleinschreien. Er aktiviert sonst in Ihnen Ihr eigenes Minderwertigkeitsgefühl, das Sie in ihm wie in einem Spiegel sehen.
  • Leiser werden: Wenn Ihr Gesprächspartner laut wird, sollten Sie leiser werden. Im Allgemeinen sind brüllende Menschen in diesem Augenblick nicht mit vernünftigen und beruhigenden Worten beeinflussbar, weil sich -biologisch gesprochen- das Wutzentrum (der Mandelkern im Gehirn) verselbständigt hat und im Moment nicht willentlich beeinflussbar ist.
  • Pause einlegen: Wenn gar nichts hilft, bitten Sie um eine Pause, schaffen Sie körperliche Distanz: „Ich denke, das Gespräch bringt uns so nicht weiter, lassen Sie uns eine Pause machen.“ Oder „Jetzt habe ich Ihnen zugehört, ich möchte darüber nachdenken.“ Dann verlassen Sie den Raum, und schließen Sie die Tür leise.
  • Kontrolliert laut werden: Von manchen Menschen werden Sie aber gar nicht wahrgenommen, wenn Sie nicht in gleicher Lautstärke antworten. Wenn dies nötig ist, sollten Sie Ihre Stimme sehr kontrolliert heben und langsam und sehr deutlich werden: „Halt, jetzt möchte ich auch mal was sagen!“ Dabei müssen Sie sich emotional strikt zurückhalten. Sie müssen laut sein, ohne wütend zu werden. Auch dann sollten Sie l-a-n-g-s-a-m r-e-d-e-n!
  • Ignorieren: Sie können das Gebrüll des Platzhirsches auch über sich ergehen lassen und abwarten, bis der Lärm vorbei ist. Dafür brauchen Sie eine Imprägnierung für Ihre Seele wie der Mantel gegen den Regen, damit Sie keinen Schaden nehmen durch die akustische Vergewaltigung.

Lärmempfindlichkeit: Was ist normal?

Lärm ist unerwünschter Schall. Ab 80 Dezibel gefährdet Schall das Gehör. Ab 85 Dezibel muss am Arbeitsplatz Gehörschutz sichergestellt sein. Im unteren Schallpegelbereich gibt es eine große Variationsbreite, was wir als Lärm empfinden und was nicht. Es gibt deutliche Unterschiede in der Lärmempfindlichkeit.

Bestimmte Geräuschcharakteristika sind für alle Menschen schon im unteren und mittleren Pegelbereich unangenehm, wie das Kratzen von Kreide oder Fingernägeln auf einer Tafel. Diese Geräuscheigenschaften bezeichnen wir in der Psychoakustik als Schärfe. Scharfe Geräusche mit ihrem großen Anteil an hohen Frequenzen haben Signalwirkung - Todesschreie von Tieren oder Babygeschrei beispielsweise ziehen sofort unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Wir sind anfälliger für Lärm immer dann, wenn er eine unserer Tätigkeiten unterbricht, besonders, wenn wir unter Stress stehen. Auch der Lärmverursacher spielt eine Rolle. Die eigene Wohnung ist das Territorium, das man schützen und kontrollieren will. Ein Lärmverursacher, der mit seinem Schall durch die Wände in Ihre Wohnung eindringt, ist für Sie gewissermaßen ein Angreifer. Es wird vermutet, dass Lärmempfindlichkeit und Empathiefähigkeit zusammenhängen.

Umgang mit Lärm

  • Kognitive Neubewertung: Versuchen Sie, die Lärmquelle kognitiv umzubewerten, um Ihr Unbehagen abzumildern. Sie können sich sagen, dass der Baulärm sein muss, weil das Haus gebaut werden will, der Rasen auch eines unsympathischen Nachbarn gemäht werden muss und er irgendwann damit fertig sein wird.
  • Musik: Um unangenehmen Lärm zu übertönen, kann man laute Musik hören. Wie sehr laute Musik unser Leistungsvermögen beeinträchtigt, hängt stark von der Art der Musik ab. Sprache, auch wenn sie relativ leise ist, und Gesang stören das Kurzzeitgedächtnis und damit unsere Leistungsfähigkeit stärker als Instrumentalmusik.

Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit

Akut kann Lärm aggressiv machen und Stressreaktionen bewirken. Stresshormone können selbst im Schlaf, wenn wir ihn gar nicht bewusst wahrnehmen, ausgeschüttet werden. Chronischer Lärm kann körperlich krank machen, weil sich der permanente Stress auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt.

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