Laute Musik: Folgen und Konsequenzen für die Gesundheit

Lärm ist ein allgegenwärtiges Problem, insbesondere in städtischen Gebieten. Die ständige Beschallung kann nicht nur störend sein, sondern auch ernsthafte Auswirkungen auf unsere körperliche und psychische Gesundheit haben. Dieser Artikel beleuchtet die Folgen von lauter Musik und allgemeiner Lärmbelastung, gibt Einblicke in die Wahrnehmung von Lärm und zeigt Möglichkeiten auf, wie man sich davor schützen kann.

Lärm im Alltag: Eine allgegenwärtige Belastung

Fast jeder Mensch hat schon einmal die Erfahrung gemacht, sich durch laute Geräusche gestört zu fühlen. Lärm kann Stress verursachen, besonders wenn er über einen längeren Zeitraum anhält. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass Lärm eine der größten umweltbedingten Gefahren für unsere Gesundheit darstellt. Viele Menschen sind von anhaltendem Lärm betroffen: Laut Studien fühlen sich 75 Prozent der Deutschen durch Straßenverkehrslärm in ihrem Wohnumfeld gestört, 60 Prozent durch Nachbarschaftslärm, 42 Prozent durch Fluglärm und 35 Prozent durch Bahnlärm.

Jedes Geräusch erzeugt Schallwellen, deren Stärke in Dezibel (dB) gemessen wird. Die Hörschwelle liegt bei etwa 1 dB, dem leisesten Geräusch, das ein Mensch wahrnehmen kann. Eine Erhöhung um 10 dB wird als doppelte Lautstärke empfunden. Lärm wird nachts oft als störender und belastender wahrgenommen als tagsüber.

Auswirkungen von Lärmbelastung auf die Gesundheit

Lärmbelastung kann sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Direkte Auswirkungen auf das Gehör

Das Gehör kann durch kurze, sehr laute Schallimpulse über 130 dB (z. B. sehr naher Donner) oder durch anhaltende laute Geräusche geschädigt werden. Nach einem Konzert (etwa 90 bis 120 dB) kann das Gehör eingeschränkt und dumpf sein. Ohrgeräusche wie Rauschen oder Pfeifen können vorübergehend auftreten oder zu Tinnitus führen, einem ständigen Pfeifen oder Summen ohne äußere Ursache.

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Wenn sehr laute Geräusche die Haarzellen im Innenohr schädigen, werden bestimmte Schallwellen nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet. Hohe Töne (mit hoher Schallfrequenz) verursachen oft Schäden an diesen Haarzellen. Explosionen oder Schüsse in der Nähe des Ohrs, beispielsweise durch Feuerwerkskörper an Silvester, können das Trommelfell schädigen, die dünne Haut am Übergang zwischen Gehörgang und Mittelohr. Obwohl das Trommelfell normalerweise wieder zusammenwächst, können beschädigte Haarzellen nicht wiederhergestellt werden, was zu dauerhaften Hörschäden, also Schwerhörigkeit, führen kann.

Schwerhörigkeit kann auch durch dauerhafte Lärmbelastung entstehen, beispielsweise am Arbeitsplatz. Menschen in bestimmten Berufen, wie z. B. auf Baustellen, sind am Arbeitsplatz hohen Lautstärken ausgesetzt. Es ist wichtig zu wissen, dass ungewöhnliche Ohrgeräusche nach Lärmbelastung - sei es durch einen Presslufthammer oder laute Musik - ein Warnsignal sind.

Indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit

Umgebungslärm schädigt das Gehör in der Regel nicht direkt, aber anhaltender Lärm durch Flugzeuge und Autos kann zu chronischen Stressreaktionen führen und das Risiko für eine Reihe von Gesundheitsproblemen erhöhen. Dazu gehören Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und starke Gefühle von lärmbedingtem Ärger.

Maßnahmen zum Schutz vor Lärm

Es gibt verschiedene Maßnahmen zum Schutz vor Lärm, sowohl auf allgemeiner als auch auf individueller Ebene.

Allgemeine Lärmschutzmaßnahmen

Zu den allgemeinen Lärmschutzmaßnahmen gehören die Einrichtung von Tempo-30- und Ruhezonen in Städten, der Einsatz von Schallschutzwänden und die Entwicklung leiserer Reifenmaterialien für Autos und Motorräder. Auch der Ausbau der Elektromobilität und die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel wie Fahrräder spielen eine wichtige Rolle.

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Individuelle Schutzmaßnahmen

Es gibt auch viele Möglichkeiten, sich individuell vor Lärm zu schützen:

  • Gehörschutz: Tragen Sie bei lauten Tätigkeiten oder Ereignissen wie Rasenmähen, Konzerten oder Silvester einen geprüften Gehörschutz. Nachts können Ohrstöpsel helfen.
  • Achtsamkeit: Achten Sie im Alltag darauf, ob Sie Geräusche in Ihrer Umgebung als angenehm oder störend empfinden. Wenn sie stören, versuchen Sie, etwas daran zu ändern. Fragen Sie sich, ob Sie die Musik im Hintergrund noch mögen oder ob Sie sie ausschalten könnten. Stört Sie das Ticken der Uhr oder das laute Brummen des Kühlschranks?
  • Um Ruhe bitten: Wenn Sie einen Raum mit anderen Menschen teilen und diese zu laut sind, bitten Sie um Ruhe. Wenn Kollegen immer wieder laut neben Ihnen telefonieren, kann das störend und stressig sein.
  • Ruhige Orte aufsuchen: Wenn Sie in der Stadt wohnen, wählen Sie für Spaziergänge oder den Weg zur Arbeit möglichst Routen entlang kleinerer Straßen oder durch Parks.

Lärmwahrnehmung und Lärmempfindlichkeit

Geräusche können unterschiedlich wahrgenommen werden und bei verschiedenen Menschen unterschiedlich viel Stress verursachen. Manche Menschen sind aufgrund ihrer Wohnsituation, beispielsweise an stark befahrenen Straßen, auch einer größeren Lärmbelastung ausgesetzt. Ob laute Geräusche als Belastung erlebt werden, hängt oft von der Bewertung der Geräusche ab. Eine Gruppe von Jugendlichen freut sich über laute Musik, während sich eine Nachbarin über dieselbe Musik ärgert, weil sie nicht schlafen kann und am nächsten Tag früh aufstehen muss. Die Lärmempfindlichkeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Menschen mit einer größeren Lärmempfindlichkeit empfinden durch Lärm größeren Stress.

Lärm als Gefahr für die öffentliche Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte 2011, dass im westlichen Teil Europas jährlich mindestens eine Million gesunde Lebensjahre durch Verkehrslärm verloren gehen. Daher wird Lärmbelästigung nicht nur als Umweltbeeinträchtigung, sondern auch als Gefahr für die öffentliche Gesundheit angesehen. Zu den wichtigsten gesundheitlichen Folgen gehören ischämische Herzkrankheiten, Schlafstörungen, Tinnitus, kognitive Beeinträchtigungen bei Kindern und Gehörschäden. Auch pränatale Beeinträchtigungen und Fehlgeburten, Auswirkungen auf die Lebensqualität, das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit sowie metabolische Auswirkungen werden genannt.

Die Rolle der Lautstärke und der Frequenz

Lärm definiert sich nicht nur physikalisch als zu lauter Schall, sondern bezieht auch die Perspektive der Betroffenen mit ein. Neben der Lautstärke hängt die Beurteilung als Lärm von der Dauer und der Zusammensetzung der Frequenz ab. Handelt es sich um Töne, Rauschen und Klänge oder um informationshaltige Geräusche wie Sprache oder Signale? Auch Disposition und Erfahrung spielen bei der Wirkung des Schalls eine große Rolle. Ist es ein vertrautes Geräusch? Entspricht es bestimmten Erwartungen und kann der betroffene Mensch das Geräusch beeinflussen? Schließlich kommt noch der Kontext hinzu, da die Schallwirkung auch von der jeweiligen Situation und dem Umfeld der Menschen abhängt. Laute Musik wirkt im Kontext der heimischen Umgebung und kurz vor dem Einschlafen anders als beim Konzertbesuch.

Lärmschutz in der Zukunft

Akustikforscher betonen, dass es mehr denn je gilt, die akustischen Umgebungseinflüsse in nahezu allen Lebensräumen zu erkennen, konkret zu bewerten und in den meisten Fällen geeignet zu behandeln. Dabei sollte nicht nur auf einzelne Aspekte oder Lebensräume geachtet werden, sondern eine nachhaltige Gesamtbilanz in den Vordergrund gestellt werden. Gesicherte Erkenntnisse müssen dafür in verbindliche Regeln und Anreize überführt werden. Akustisch verursachter Stress begegnet uns nicht nur in der Stadt und durch Verkehr. Auch in Unterrichtsräumen oder Sporthallen klagt das Lehrpersonal über Lärmstress, in manchen Fabrikhallen geht es den Menschen genauso, und in Großraumbüros führt die hörbare und verständliche Sprache der anderen Büroinsassen zu Stress, da sie unwillkürlich die Konzentration stört. Hier sind die Architekten und Sound Designer in Zukunft gefragt.

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Lärm und Ruhestörung: Was ist der Unterschied?

Lärm ist jede Form von unerwünschten Geräuschen. Eine Ruhestörung liegt vor, wenn Geräusche bestimmte Lautstärkegrenzen überschreiten. Es gibt jedoch Spannungsfelder zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektivem Sachverhalt, und es gibt je nach Situation rechtlichen Spielraum.

Rechtliche Aspekte von Lärmbelästigung durch Musik

In Deutschland gibt es keine spezielle gesetzliche Grundlage für Lärmbelästigung durch Musik. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält keine Regelungen zur Ruhestörung, ist aber für das Mietrecht relevant. Mieter haben das Recht, gegen Lärm vorzugehen. Zu laute Musik stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Das Ordnungswidrigkeitengesetz (OwiG) definiert in § 117 Lärm allgemein als Ordnungswidrigkeit. Lärm stellt nach Absatz 1 eine Ordnungswidrigkeit dar, wenn er in einem unzulässigen oder vermeidbaren Ausmaß erregt wird, die Allgemeinheit oder Nachbarschaft erheblich belästigt und die Gesundheit schädigen kann. Das Ordnungswidrigkeitengesetz sieht in § 117 Absatz 2 Geldbußen bis zu 5.000 Euro bei Lärm vor, zu dem auch laute Musik gehört. In den einzelnen Bundesländern gelten unterschiedliche Lärmschutzvorschriften, die im jeweiligen Landesemissionsschutzgesetz der einzelnen Bundesländer festgelegt sind. Auch die Städteverordnung kann Vorschriften zu Lärm enthalten. Mieter können prüfen, ob im Mietvertrag oder in der Hausordnung Regelungen über Lärm enthalten sind, zu dem auch laute Musik gehört.

Zimmerlautstärke und Ruhezeiten

Zu laute Musik kann nicht nur in den Abendstunden und in der Nacht, sondern auch am Tage als Ruhestörung gelten. In der Hausordnung oder im Mietvertrag können Ruhezeiten festgeschrieben sein, doch das ist kein Muss. Gemeinhin stellt laute Musik außerhalb der Ruhezeiten keine Ruhestörung, sondern eine Lärmbelästigung dar. Um eine Ruhestörung handelt es sich bei lauter Musik, wenn Zimmerlautstärke während der Ruhezeiten überschritten wird und Nachbarn die Musik als störend wahrnehmen. Als Zimmerlautstärke gelten 40 Dezibel (dB) am Tage und 30 dB in der Nacht. Wird eine Lautstärke von 40 dB am Tage durch Musik deutlich überschritten, kann das als Ruhestörung gelten. Nachbarn dürfen laute Musik außerhalb der Ruhezeiten hören. Nachtruhe gilt ab 22:00 Uhr. Ab dann dürfen Nachbarn keine laute Musik mehr hören. Mieter müssen auch bei Feiern und Partys Rücksicht auf die Nachbarn nehmen und dürfen nicht einmal im Monat oder einmal im Jahr nach 22:00 Uhr noch laut Musik hören. Wer gegen diese Regelung verstößt, riskiert ein Bußgeld.

Was tun bei Ruhestörung?

Mieter müssen die Ruhestörung oder Lärmbelästigung durch laute Musik nicht hinnehmen. Sie sollten das Gespräch mit den lärmenden Nachbarn suchen und sie freundlich bitten, die Musik abzustellen oder auf Zimmerlautstärke zu drosseln. Verläuft das Gespräch ergebnislos, können Mieter die Polizei benachrichtigen. Die Polizei fordert die Nachbarn auf, den Lärm zu unterlassen. Sie hat auch das Recht, die Musikanlage zu beschlagnahmen, wenn der Verursacher des Lärms der Aufforderung nicht nachkommt. Bei häufiger Lärmbelästigung durch Nachbarn können sich Mieter an das Ordnungsamt oder den Vermieter wenden. Es ist sinnvoll, ein Protokoll über die Lärmbelästigung vorzulegen und darin das Datum und die Uhrzeit sowie die Art der Störung zu beschreiben. Auch die Auswirkungen des Lärms wie Konzentrations- oder Schlafstörungen sollten angegeben werden. Der Vermieter kann den lärmenden Mietern eine Abmahnung erteilen.

Tipps zur Vermeidung von Lärmbelästigung durch Musik

Es gibt viele Möglichkeiten, Lärmbelästigungen zu vermeiden:

  • Gespräch suchen: Nehmen Sie Kontakt zu den Nachbarn auf und informieren Sie sie über planbaren Lärm wie Geburtstagspartys oder Wohnungsrenovierungen.
  • Kopfhörer verwenden: Kopfhörer sind eine gute Lösung, um Lärm zu vermeiden und ungestört Musik, Filme oder Spiele zu genießen.
  • Dynamikreduzierung aktivieren: Die meisten Soundbars, AV-Receiver oder Streaming-Player bieten die Möglichkeit, den Dynamikumfang für die Audiowiedergabe zu reduzieren.
  • Lautsprecher richtig aufstellen: Stellen Sie Lautsprecher nicht direkt an die Wand, um Schallreflexionen zu vermeiden.
  • Bass reduzieren: Schalten Sie den Subwoofer nachts aus oder verwenden Sie einen Klangmodus mit weniger tiefen Frequenzen.
  • Schalldämmung: Verwenden Sie Akustikpaneele oder andere schallabsorbierende Materialien, um den Schall zu dämmen.

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