Im Alltag begegnen wir ständig lauten Menschen. Ob im Café, in der Bahn oder im Büro, es gibt immer jemanden, der durch seine Lautstärke auffällt und stört. Während manche dies kaum wahrnehmen, leiden andere massiv darunter. Die Intensität unserer Reaktion auf laute Menschen sagt oft mehr über uns selbst aus als über die laute Person selbst.
Misophonie: Wenn Alltagsgeräusche zur Qual werden
Einige Menschen leiden unter Misophonie, einer Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Alltagsgeräuschen. Diese sogenannten Triggergeräusche, wie Kauen, Schlucken, Atmen oder Tippen, lösen starke negative Emotionen wie Wut, Frustration, Ärger oder Angst aus.
Ursachen und Anzeichen von Misophonie
Misophonie ist eine neurologische Störung, bei der akustische Reize im Zentralnervensystem falsch interpretiert werden. Die genauen Auslöser sind noch nicht vollständig erforscht. Erste Anzeichen zeigen sich oft in der späten Kindheit oder Pubertät. Betroffene versuchen zunächst, die störenden Geräusche zu ignorieren, was jedoch zunehmend schwerfällt.
Typische Anzeichen für Misophonie sind:
- Intensive emotionale Reaktionen auf bestimmte Geräusche
- Körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schweißausbrüche oder Muskelverspannungen
- Fluchtreaktionen, um den Auslösegeräuschen zu entgehen
Misophonie im Alltag
Misophonie kann den Alltag erheblich beeinträchtigen und familiäre sowie soziale Beziehungen belasten. Betroffene isolieren sich oft oder geraten in Konflikte mit ihrem Umfeld, das ihre Geräuschempfindlichkeit nicht versteht.
Misophonie vs. Hyperakusis
Misophonie ist nicht mit Hyperakusis zu verwechseln. Hyperakusis ist eine allgemeine Überempfindlichkeit des Gehörs gegen Schall, bei der alle Klänge lauter wahrgenommen werden. Bei Misophonie geht es jedoch um einzelne, spezifische Geräusche, unabhängig von ihrer Lautstärke.
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Behandlung von Misophonie
Es gibt keine spezifische Heilung für Misophonie, aber verschiedene Behandlungsansätze können helfen, die Symptome zu lindern. Dazu gehören:
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai Chi können helfen, Stress und Angst zu reduzieren.
- Psychologische Hilfe: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, die Reaktionen auf Triggergeräusche neu zu bewerten und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Offene Kommunikation: Das Sprechen mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen und mit dem eigenen Umfeld kann zu mehr Verständnis und Rücksichtnahme führen.
Warum reden manche Menschen so laut?
Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen laut sprechen. Einige haben kein Gefühl für ihre eigene Lautstärke oder sind schwerhörig. Andere haben es sich angewöhnt, laut zu sprechen, beispielsweise im Umgang mit Schwerhörigen. Wieder andere neigen dazu, sich durch ihre Lautstärke in den Mittelpunkt zu stellen und Aufmerksamkeit zu erregen.
Auswirkungen von Lautstärke auf die Psyche
Lautstärke kann die Psyche nachhaltig schädigen. Studien zeigen, dass Lärmbelästigung zu Konzentrationsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen und Panikattacken führen kann. Anhaltender Lärm führt zu Stress, der den Körper belastet und die Resilienz beeinträchtigt.
Umgang mit lauten Menschen und Geräuschen
Es gibt verschiedene Strategien, um mit lauten Menschen und Geräuschen umzugehen:
- Kommunikation: Sprechen Sie die Person direkt an und bitten Sie sie, leiser zu sein.
- Rückzug: Vermeiden Sie Situationen, in denen Sie lauten Menschen ausgesetzt sind.
- Gehörschutz: Verwenden Sie Ohrstöpsel oder Kopfhörer, um sich vor Lärm zu schützen.
- Entspannungstechniken: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga, um Stress abzubauen.
- Kognitive Umbewertung: Versuchen Sie, die Lärmquelle kognitiv umzubewerten, um Ihr Unbehagen abzumildern.
- Konfrontationstherapie: Gewöhnen Sie sich langsam an bestimmte Geräusche, indem Sie sich ihnen bewusst aussetzen.
- Psychologische Hilfe: Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie unter starker Geräuschempfindlichkeit leiden oder vermuten, dass psychische Ursachen zugrunde liegen.
Was wir von lauten Menschen lernen können
Laute Menschen können uns auch etwas lehren. Sie zeigen uns, dass es möglich ist, offen und ungeniert seine Bedürfnisse und Persönlichkeit auszuleben, ohne sich über die Reaktion anderer Gedanken zu machen. Dies kann eine Inspiration sein, um selbstbewusster und selbstbestimmter zu leben.
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Reflexionsfragen zur eigenen Betroffenheit
Um besser mit der eigenen Betroffenheit durch Lautstärke umzugehen, können folgende Fragen helfen:
- Woher kommt mein Bedürfnis nach Stille und Ruhe?
- Welche Lebensweise oder Situation stärkt dieses Bedürfnis?
- Wann tauchte dieses Bedürfnis zum ersten Mal auf?
- Welche anderen Bedürfnisse, die das Bedürfnis nach Ruhe auslösen, sind nicht erfüllt?
Hochsensibilität und Lärmempfindlichkeit
Lärmempfindlichkeit ist ein häufiges Symptom der Hochsensibilität. Hochsensible Menschen nehmen Sinnesreize bewusster wahr, da sie weniger filtern können. Dies kann leicht zur Überreizung führen.
Umgang mit Lärmempfindlichkeit als hochsensible Person
Hochsensible Menschen können folgende Strategien nutzen, um mit ihrer Lärmempfindlichkeit umzugehen:
- Gehörschutz: Verwenden Sie Ohrstöpsel oder Kopfhörer, um sich vor Lärm zu schützen.
- Rückzug: Suchen Sie sich ruhige Orte, an denen Sie sich entspannen können.
- Entspannungstechniken: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga.
- Selbstfürsorge: Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse und gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und Erholung.
- Konfrontationstherapie: Gewöhnen Sie sich langsam an bestimmte Geräusche, indem Sie sich ihnen bewusst aussetzen.
- Psychologische Hilfe: Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie unter starker Geräuschempfindlichkeit leiden oder vermuten, dass psychische Ursachen zugrunde liegen.
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