Leben mit Migräne: Der Kopfschmerzkalender als Schlüssel zur besseren Kontrolle

Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, Strategien zu entwickeln, die helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und zu managen. Ein Kopfschmerzkalender ist dabei ein wertvolles Hilfsmittel. Er ermöglicht es Betroffenen und Behandelnden, Muster zu erkennen, Auslöser zu identifizieren und die Wirkung von Behandlungen besser nachzuvollziehen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stellt im Download- und Studienbereich aktuelle wissenschaftliche Studien, Leitlinien und Informationsmaterialien rund um das Thema Kopfschmerz und Migräne zur Verfügung.

Was ist ein Kopfschmerzkalender?

Ein Kopfschmerzkalender ist ein Hilfsmittel zur Dokumentation von Kopfschmerz- und Migräneattacken. Er kann in Papierform oder als digitale App geführt werden. Ziel ist es, detailliert jeden Kopfschmerz und Spannungskopfschmerz zu notieren: wie sich der Schmerz anfühlt, wie lange er andauert und wie stark er ist.

Lange Zeit bedeutete Kopfschmerzkalender eine Papier-Vorlage und einen Stift. Es waren Vordrucke, die man sich aus dem Internet herunterladen konnte und dann Zeile für Zeile und Monat für Monat ausfüllte.

Warum einen Kopfschmerzkalender führen?

Das regelmäßige Führen eines Kopfschmerztagebuchs stellt einen wichtigen Baustein für die Kopfschmerz- und Migräne-Behandlung dar. Aus verhaltensmedizinischer Sicht fördert diese Form der Selbstbeobachtung nämlich das Bewusstsein für den eigenen Lebensstil und gibt Anstöße zur Verhaltensänderung.

Ein Kopfschmerzkalender kann in vielerlei Hinsicht hilfreich sein:

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  • Erkennung von Mustern und Auslösern: Durch das Führen eines Kalenders können Betroffene und Behandelnde Muster erkennen, Auslöser identifizieren und die Wirkung von Behandlungen besser nachvollziehen. Die Tagebuch-Einträge helfen nicht nur dabei, mögliche Migräneauslöser herauszufinden. Wenn Sie sich Ihre Einträge über längere Zeit anschauen, können Sie auch mehr über Ihre Migräne erfahren - zum Beispiel, ob sie chronisch ist. Sie können ablesen, wie oft es zu Attacken kommt - und wie häufig Sie Medikamente genommen haben.
  • Unterstützung der Diagnose: Ein Migräne-Tagebuch zu führen, kann auch hilfreich sein, wenn noch nicht eindeutig klar ist, ob Sie eine Migräne oder eine andere Kopfschmerzerkrankung haben - zum Beispiel Cluster-Kopfschmerzen.
  • Verbesserung der Kommunikation mit dem Arzt: Ein Kopfschmerztagebuch kann dir auch beim Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt helfen. Sie oder er bekommt damit wertvolle Informationen darüber, wie oft Kopfschmerzen oder Migräneattacken auftreten, wie lange sie dauern und wie stark sie sind. So kann die Migräneart besser eingeordnet werden. Wenn du in deinem Tagebuch notierst, unter welchen Umständen die Migräne aufgetreten ist - etwa nach stressigen Tagen, bei Schlafmangel oder bei Wetterumschwüngen - musst du dich beim Termin nicht mühsam erinnern. Stattdessen hast du alles schwarz auf weiß. Die Ärztin oder der Arzt kann mithilfe des Kopfschmerztagebuches viel besser einschätzen, welche Behandlung wirklich zu dir passt und ob eventuell eine vorbeugende Migränetherapie für dich infrage kommt.
  • Kontrolle des Medikamentenkonsums: Gerade Letzteres ist wichtig, denn nimmt man an mehr als 10 Tagen pro Monat Schmerzmedikamente kann man einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) entwickeln. Dabei hilft das Medikamenten-Tracking einen Überblick zu behalten.
  • Motivation zur Verhaltensänderung: Das regelmäßige Führen eines Kopfschmerztagebuchs stellt einen wichtigen Baustein für die Kopfschmerz- und Migräne-Behandlung dar. Aus verhaltensmedizinischer Sicht fördert diese Form der Selbstbeobachtung nämlich das Bewusstsein für den eigenen Lebensstil und gibt Anstöße zur Verhaltensänderung.

Was gehört in einen Kopfschmerzkalender?

Welche Informationen werden nun eigentlich in einem Migränekalender festgehalten? Je nach Anbieter des Migränetagebuchs können Umfang und Fragen variieren.

Um dieses regelmäßige Beobachten möglichst einfach und unkomompliziert zu halten, reichen wenige Stichpunkte: Datum, Stärke, Dauer, Art der Schmerzen, Begleitbeschwerden, eingenommene Medikamente und deren Wirkung sowie die aktuelle Lebenssituation. Zusätzlich notierte ich außergewöhnliche Symptome: eine Aura, ein heftig einschießender Blitz, der mich zusammenzucken ließ, oder ungewöhnlich dumpfes Drücken, das mir auch auf den Magen schlug.

Im Wesentlichen sollten folgende Informationen erfasst werden:

  • Datum und Uhrzeit des Beginns und Endes der Kopfschmerzen
  • Art und Stärke der Schmerzen (z.B. pochend, stechend, dumpf; auf einer Skala von 1 bis 10)
  • Lokalisation der Schmerzen (z.B. Stirn, Schläfe, Hinterkopf)
  • Begleitbeschwerden (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit)
  • Mögliche Auslöser (z.B. Stress, bestimmte Nahrungsmittel, Wetterumschwung, Schlafmangel)
  • Eingenommene Medikamente und deren Wirkung
  • Besondere Umstände (z.B. Menstruation, besondere Belastungen)

Kopfschmerzkalender in Papierform oder als App?

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stellt einen Kopfschmerzkalender zur Verfügung, der einfach ausgedruckt und ausgefüllt werden kann. Alternativ gibt es digitale Lösungen wie die DMKG-App, die eine komfor­table und detaillierte Erfassung der Kopfschmer­zen ermöglicht. Aufgrund großer Nachfrage hat die DMKG die App jetzt frei verfügbar gemacht.

Vorteile der Papierform

  • Keine technischen Geräte notwendig
  • Unabhängigkeit von Strom und Internet
  • Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten

Vorteile der App-Lösung

  • Einfache und schnelle Datenerfassung
  • Automatische Auswertung und Darstellung der Daten
  • Erinnerungsfunktion zur regelmäßigen Eintragung
  • Zusätzliche Funktionen wie z.B. Informationen zu Kopfschmerzerkrankungen oder Entspannungsübungen

Die DMKG-App: Ein kostenloser Kopfschmerzkalender

Die DMKG-App als kostenloser, werbefreier Kopfschmerzkalender war bisher nur für Teil­nehmer des Projekts „Kopfschmerzregister“ freigeschaltet. Aufgrund großer Nachfrage hat die DMKG die App jetzt frei verfügbar gemacht.

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Die Migräne-App ist ein digitales Versorgungsangebot, das direkt in die professionelle ärztliche Versorgung eingebunden ist. Sowohl Patienten als auch die behandelnden Ärzte sollen unterstützt werden. Anhand von quantitativen Verlaufsparametern wird es Patient und Arzt möglich, die Therapieanpassung zu optimieren, den Verlauf zu kontrollieren und die Effektivität der Behandlungsmaßnahme zu steigern. Dafür wurde in die Migräne-App die Sprechstunden-Checkliste integriert. Sie kann direkt über die Übersichtsseite der App durch Patient oder Arzt im Cockpit aufgerufen werden. Hier findet sich die Sprechstunden-Checkliste mit den zusammengefassten Datensätzen für das laufende Jahr und für das Vorjahr. Diese Analyse kann auf Wunsch als Pdf-Formular z.B. Damit kann auch eine Speicherung der Daten in der elektronischen Patientenakte ermöglicht werden.

Die Jahresauswertung zeigt die aggregierten Datensätze für den jeweiligen Monat des Jahres. In den ersten vier Spalten werden verschiedene Kopfschmerzphänotypen differenziert. Spalte A enthält die Tage mit einer Migräneaura, Spalte M die Tage mit einer Migräne, Spalte S die Tage mit einem Kopfschmerz vom Spannungstyp und Spalte U für andere unbestimmte Kopfschmerzformen. Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp sind für ca. 92% aller Kopfschmerzen in der Bevölkerung verantwortlich. Daher konzentriert sich die Migräne-App auf diese beiden Hauptformen.

Die Nutzung der Migräne-App erfordert einen geschulten Patienten, der seine Kopfschmerzform im Alltag differenzieren kann. Da auch der Patient im Alltag wissen muss, bei welcher Kopfschmerzform er welche Akuttherapie oder sonstige Behandlungsmaßnahmen einsetzt, ist die Unterscheidung des Kopfschmerzphänotyps für ein professionelles Behandlungsgeschehen Voraussetzung.

Der Patient gibt die entsprechenden Merkmale im Menü „Schnelleingabe“ ein und dokumentiert auch die Schwere, die Dauer, die Art des verwendeten Akutmedikamentes sowie dessen Effektivität. Gleichzeitig dokumentiert er die Auswirkungen der Kopfschmerzen auf die Arbeitstätigkeit, auf die Tätigkeit im Haushalt sowie auf die Tätigkeit in der Freizeit. Die Migräne-App erfasst dabei progressiv den Grad der Auswirkung auf diese Tätigkeitsfelder. Eine Einschränkung der Tätigkeit um mehr als 50% wird für die Erfassung des Grades der Behinderung durch Kopfschmerzen dokumentiert. Ebenfalls erfasst die Migräne-App, ob die Aktivität durch Kopfschmerzen für den jeweiligen Bereich komplett unmöglich gemacht wird. Betrifft dies die Arbeit, wird ein Tag mit Arbeitsunfähigkeit registriert. Wird die Tätigkeit im Haushalt oder in der Freizeit komplett unmöglich gemacht, wird dies mit 100%iger Beeinträchtigung dokumentiert. Die Tage der Beeinträchtigung durch die Kopfschmerzen werden pro Monat summiert und in der letzten Spalte als GdBK-Punkte abgebildet, als Grad der Behinderung durch Kopfschmerzen.

Die operationale Bewertung der Wirkung der Akuttherapie kann über die Analyse der Medikamentenwirkung erfolgen. Zunächst werden je Monat die Einnahmetage für die Akuttherapie ausgewiesen. Die Abnahme der Notwendigkeit für die Einnahme von Akutmedikation kann ebenfalls als Hinweis für eine wirksame Prophylaxe interpretiert werden. Auf der anderen Seite kann die Zunahme oder gar das Überschreiten der Einnahmetage pro Monat über 10 und mehr Tage im Monat als Hinweis für eine zunehmende Chronifizierung und Entwicklung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes bewertet werden. Hier gilt es, mit dem Patienten eingehend zu besprechen, dass die 10-20-Regel eingehalten werden muss und dass das Überschreiten der 10er Grenze eine weitere Chronifizierung fördert.

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Viele Nutzer loben die App für ihre Übersichtlichkeit, die Möglichkeit, alle wichtigen Daten einfach zu erfassen und die hilfreichen Zusatzfunktionen.

Kopfschmerzkalender und Blutzuckerschwankungen

In diversen Studien wurde nachgewiesen, dass unser Zuckerhaushalt und insbesondere starke Blutzuckerschwankungen Migräneattacken begünstigen. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält, wird daher als effektive Migräneprophylaxe angesehen.

Mit der digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe kannst du mit einem Blutzuckersensor beobachten, wie dein Blutzucker auf bestimmte Lebensmittel und Nahrungsmittelkombinationen reagiert. Denn das ist individuell ganz verschieden. Mit einer anschließenden Ernährungsempfehlung an der Hand, kannst du dann mit kleinen Anpassungen aktiv Migräneattacken vorbeugen.

Tipps für das Führen eines Kopfschmerzkalenders

  • Regelmäßigkeit: Versuchen Sie, den Kalender täglich oder zumindest bei jedem Auftreten von Kopfschmerzen auszufüllen.
  • Genauigkeit: Notieren Sie alle relevanten Informationen so genau wie möglich.
  • Ehrlichkeit: Seien Sie ehrlich bei der Bewertung Ihrer Schmerzen und der Wirkung von Medikamenten.
  • Kontinuität: Führen Sie den Kalender über einen längeren Zeitraum, um Muster und Auslöser besser erkennen zu können.
  • Nutzen Sie die Informationen: Analysieren Sie die Daten regelmäßig und besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt.

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