Lebertransplantation und das Alzheimer-Risiko: Ein umfassender Überblick

Die Lebertransplantation ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von Patienten mit akutem oder chronischem Leberversagen. Während die Lebertransplantation Leben retten kann, ist es wichtig, die potenziellen Risiken und Vorteile abzuwägen. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die möglichen Zusammenhänge zwischen Lebertransplantation und dem Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer zu untersuchen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Lebertransplantation, die Faktoren, die die Eignung für eine Transplantation beeinflussen, und die potenziellen Verbindungen zum Alzheimer-Risiko.

Lebertransplantation: Eine lebensrettende Option

Wenn die Leber ihre Funktion aufgrund verschiedener Krankheiten akut oder kontinuierlich einstellt und alle anderen Therapien ausgeschöpft sind, muss eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden. Wer für eine Transplantation in Frage kommt oder davon ausgeschlossen wird, unterliegt offiziellen und allgemeingültigen Kriterien, die in einem Transplantationszentrum ermittelt werden.

Ursachen für Leberversagen

Die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation ist eine fortgeschrittene Leberzirrhose, die durch eine Leberentzündung oder langjährigen Alkoholmissbrauch entstehen kann. Weitere Erkrankungen, die eine Transplantation erforderlich machen können, sind die primär biliäre Cholangitis (PBC), die primär sklerosierende Cholangitis (PSC), Leberkrebs oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen. Auch ein akutes Leberversagen nach Vergiftungen, Medikamentenüberdosierung oder Infektionen kann eine Indikation sein.

Symptome von Leberversagen

Hinweise auf Leberversagen können Gelbsucht, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheit und Bewusstseinsprobleme sein.

Die Lebertransplantation als Standardverfahren

Die Lebertransplantation ist heute ein Standardverfahren bei Patienten mit Leberversagen. In Deutschland wurden im Jahr 2006 rund 1050 Lebertransplantationen durchgeführt. Trotz der steigenden Anzahl an Lebertransplantationen ist der Bedarf an Spenderorganen höher als das Angebot. Jährlich sterben etwa 20 Prozent der Patienten, die auf eine Leber warten.

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Die Lebendspende als Alternative

Eine mögliche Alternative zur Organtransplantation von verstorbenen Spendern ist die Lebendspende.

Vorteile der Lebendspende

  • Bessere Planbarkeit: Die Transplantation kann frühzeitig und unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden, bevor sich der Gesundheitszustand des Empfängers drastisch verschlechtert.
  • Höhere Organqualität: Die gespendete Leber stammt von einem gesunden, lebenden Spender und hat eine deutlich bessere Qualität als Organe von verstorbenen Spendern.
  • Kürzere Wartezeit: Der Empfänger muss nicht auf ein Organ warten, die Zeit zwischen Entnahme und Einsetzen des Spenderorgans ist vergleichsweise kurz.

Voraussetzungen für eine Lebendspende

Die Voraussetzungen für eine Lebendspende sind gesetzlich streng geregelt. In Frage kommen nur:

  • Verwandte 1. und 2. Grades
  • Verheiratete Partner
  • Verlobte
  • Personen, die nachgewiesenermaßen mit dem Spender persönlich eng verbunden sind.
  • Alter zwischen 18 und 60 Jahren
  • Passende, aber nicht zwingend identische Blutgruppe
  • Body-Mass-Index (BMI) unter 30 kg/m² (kein starkes Übergewicht)
  • Keine chronischen Organ- oder psychischen Erkrankungen
  • Keine vorangegangenen großen Bauchoperationen
  • Keine regelmäßige Medikamenteneinnahme
  • Kein aktueller Nikotin- oder Alkoholkonsum

Untersuchungen vor der Spende

Vor der Entscheidung zur Lebendspende durchläuft der potenzielle Spender eine umfangreiche medizinische und psychologische Evaluierung.

Voraussetzungen für die Vermittlung eines Spenderorgans

Ob ein Patient für eine verfügbare Spenderleber in Frage kommt, hängt von mehreren Aspekten ab:

  • Blutgruppenverträglichkeit: Bei Spender und Empfänger muss eine Blutgruppenverträglichkeit bestehen.
  • Dringlichkeit und der MELD-Score: Patienten mit dem größten Sterberisiko haben die höchste Dringlichkeit für das nächste passende Organ. Der MELD-Score (Model for End-stage Liver Disease) wird aus den Blutwerten Kreatinin, Bilirubin und INR (Gerinnung) berechnet. Je höher er ist, desto dringender ist die Transplantation.
  • Konservierungszeit und Wartezeit: Wichtig ist auch die Konservierungszeit des Spenderorgans, also die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation. Je kürzer sie ist, desto besser. Bei gleichem MELD-Score wird nach Entfernung zum Empfänger und der bereits vergangenen Wartezeit vermittelt.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand: Patienten dürfen zum Zeitpunkt der Transplantation keine Infektionskrankheiten oder metastasierende Tumorerkrankungen haben.

Immunsuppressive Therapie nach Lebertransplantation

Zur Vermeidung der Transplantatabstoßung ist eine lebenslange immunsuppressive Therapie erforderlich. Diese basiert in der Regel auf den Calcineurininhibitoren Ciclosporin und Tacrolimus, die sich durch eine starke immunsuppressive Wirkung auszeichnen.

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Risiken der Immunsuppression

Calcineurininhibitoren haben eine geringe therapeutische Breite mit ernsten Folgen bei Über- und Unterdosierungen. Eine zu niedrige Dosierung erhöht die Gefahr von Abstoßungen, während eine zu hohe Dosierung das Risiko für Infektionen und Nierenfunktionsstörungen erhöht. Aufgrund des hohen Potenzials an unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist ein sorgfältiges Monitoring, vor allem der Nieren- und Leberfunktion, des Blutdrucks, der Serumelektrolyte (besonders Kaliumkonzentration), der Lipidwerte sowie des Blutbilds angezeigt.

Pharmazeutische Betreuung zur Verbesserung der Compliance

Mangelndes Wissen über die Lebertransplantation und die einzunehmenden Medikamente kann das Auftreten schwerwiegender gesundheitsbezogener Probleme fördern. Durch eine intensive Patientenschulung wird der Patient mit den Besonderheiten der immunsuppressiven Therapie vertraut gemacht. Eine am Universitätsklinikum Mainz durchgeführte Studie belegte, dass durch Pharmazeutische Betreuung die Compliance bei lebertransplantierten Patienten signifikant verbessert werden kann.

Lebererkrankungen und Demenz: Eine mögliche Verbindung

Eine aktuelle Studie an US-Veteranen deutet auf eine mögliche Verbindung zwischen Lebererkrankungen und Demenz hin. Die Forscher fanden heraus, dass 10 Prozent der mit Demenz diagnostizierten Personen eigentlich an einer behandelbaren Lebererkrankung litten.

Hepatische Enzephalopathie als Ursache für Demenzsymptome

Eine Leberzirrhose kann zu einer hepatischen Enzephalopathie führen, einer Gehirnentzündung, die klinisch schwer von einer Demenzerkrankung zu unterscheiden ist. Liegt eine undiagnostizierte Leberzirrhose vor, könnten somit demenzartige Symptome zu einer Fehldiagnose führen.

Studie an US-Kriegsveteranen

In der US-amerikanischen Studie mit Kriegsveteranen wurde ein Hinweis auf bislang unentdeckte, fortgeschrittene Leberschäden (FIB-4 > 3,25) bei den Personen mit Demenzdiagnose seltener bei Weißen (-21 %), bei Personen mit Diabetes (-22 %), erhöhten Blutfettwerten (-16 %), Schlaganfall (-15 %), bei Rauchern (-22 %) oder bei ländlich wohnenden Personen (-8 %) gefunden.

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Empfehlung zur Abklärung von Leberwerten bei Demenzdiagnose

Die Studie demonstrierte somit, dass bei Personen mit Demenzdiagnose mögliche Auffälligkeiten in den Leberwerten abgeklärt werden sollten. Finden sich Hinweise auf eine Fibrose oder Zirrhose der Leber, könnte eine hepatische Enzephalopathie den demenzartigen Symptomen zugrunde liegen.

Alkohol und Demenzrisiko: Eine komplexe Beziehung

Senioren, die täglich in Maßen Alkohol trinken, erkranken vermutlich seltener an einer Demenz. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn bereits leichte kognitive Einschränkungen bestehen. Ob Alkohol den geistigen Abbau beschleunigt, hängt also von Trinkmenge, Konsummuster sowie bereits vorbestehenden kognitiven Einschränkungen ab.

Die Reτain-Studie: Forschung zur Verzögerung von Alzheimer-Symptomen

Die Reτain-Studie untersucht, ob ein Prüfpräparat sicher, verträglich und wirksam bei der Verzögerung des Auftretens von Symptomen der Alzheimer-Krankheit bei Personen mit erhöhtem Risiko ist. Teilnehmer*innen an der Reτain-Studie können über Tests möglicherweise mehr über ihr Risiko für eine Entwicklung der Alzheimer-Krankheit erfahren.

Teilnahmevoraussetzungen für die Reτain-Studie

  • 55 bis 75 Jahre alt
  • Gedächtnis, Stimmung, Denkvermögen und Verhaltensmuster sind unauffällig
  • Es ist eine zuverlässige Person als Studienpartner*in verfügbar

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