Leichte Migräne: Blutwerte, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine weit verbreitete Kopfschmerzerkrankung, die sich in Attacken von 4 bis 72 Stunden Dauer äußert. Die Diagnose stützt sich hauptsächlich auf die Anamnese und neurologische Untersuchung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich der Rolle von Blutwerten.

Was ist Migräne?

Migräne (ICD-10 G43) gehört zu den primären Kopfschmerzerkrankungen, wie auch Spannungskopfschmerzen und die Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzformen. Gemäß der 3. Auflage der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) ist Migräne als wiederkehrende Kopfschmerzerkrankung definiert. Typische Charakteristika sind einseitige Lokalisation, pulsierender Charakter, mäßige bis starke Intensität, Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten und das begleitende Auftreten von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und/oder Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm und Geruch. Vorübergehend sind neurologische Reiz- und Ausfallsymptome im Rahmen einer Aura möglich. Pathophysiologisch geht man von einer dysfunktionalen Regulation neuronaler Netzwerke aus. Im Fokus steht derzeit die Freisetzung des Neuropeptids „calcitonin gene-related peptide“ (CGRP).

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig entschlüsselt. Experten sind sich jedoch einig, dass es nicht nur einen auslösenden Faktor gibt. Eine genetische Komponente mit polygenetischer Disposition gilt als relativ gesichert. Einige der betroffenen Gene spielen bei der Regulation neurologischer Schaltungen eine Rolle, andere beim oxidativen Stresslevel. Über welche biologischen Mechanismen die Mutationen eine Migräne im Detail begünstigen, ist bislang nicht geklärt.

Eine Sonderform stellt die familiäre hemiplegische Migräne (FHM) dar, bei der es sich um eine monogenetische Erkrankung mit dominantem Erbgang handelt. Drei Formen werden unterschieden: Bei der FHM1 finden sich Mutationen im CACNA1A-Gen (Kodierung für einen Kalziumkanal) auf Chromosom 19, bei FHM2 Mutationen im ATP1A2-Gen (Kodierung für eine K/Na-ATPase) auf Chromosom 1 und bei der FHM3 liegen Mutationen im SCN1A-Gen (Kodierung für einen Natriumkanal) auf Chromosom 2 vor. Möglicherweise existieren noch weitere, bisher nicht identifizierte Genloci.

Triggerfaktoren

Etwa 90 Prozent der Migräne-Patienten können als Auslöser der Kopfschmerzattacken interne oder externe Faktoren benennen. Diese Trigger sind von Mensch zu Mensch verschieden. Häufig werden Schlafmangel und Stress als migränefördernd angegeben, bei Frauen ist ein direkter Zusammenhang mit der Menstruation oder Ovulation zu beobachten. Auch sollen bestimmte Nahrungs- und Genussmittel (insbesondere Käse, Rotwein, Schokolade, Zitrusfrüchte, Nikotin, Coffein und Alkohol), Fasten oder Flüssigkeitsmangel einen Migräneanfall provozieren können. Der genaue Pathomechanismus ist bislang unklar. Nach aktueller Lehrmeinung in der Migräneforschung ist die neurogene Entzündungshypothese in Verbindung mit einer neuronalen Überaktivität am wahrscheinlichsten. Demnach verändern biochemische Impulse und mechanische Reize die neuronale elektrische Aktivität im Gehirn.

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Neuronale Theorie

Der neuronalen Theorie zufolge ist Migräne auf eine neurogene Entzündung an den Gefäßen der Pia mater zurückzuführen, die über eine Stimulation afferenter C-Fasern des N. trigeminus die Kopfschmerzen auslöst (trigeminothalamischer Weg). Genauer vermittelt die retrograde Ausschüttung von Neuropeptiden und vasoaktiven Substanzen wie Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), Stickstoffmonoxid (NO), Substanz P (SP) und vasoaktives intestinales Peptid (VIP) aus den Axonendigungen von Aδ- und C‑Fasern eine perivaskuläre neurogene Entzündung der meningealen Blutgefäße. Die dünn myelinisierten Aδ- und nicht myelinisierten C‑Fasern sind pseudounipolare Neurone, deren Zellkörper im Ganglion trigeminale liegen. Von hier laufen die Axone sowohl in die Peripherie zu Meningen und Blutgefäßen als auch nach zentral in das Trigeminuskerngebiet. Augenscheinlich gehen der neurogenen Inflammation eine Vasodilatation und Plasmaextravasation voraus, die eine Sensibilisierung der nozizeptiven Afferenzen zur Folge haben.

Eine zentrale pathophysiologische Bedeutung wird dem vasodilatativ wirkenden CGRP zugeschrieben. Im Rahmen der Migränepathophysiologie sind vermutlich die CGRP-Rezeptoren im Nucleus spinalis nervi trigemini, im Ganglion trigeminale und in den Nervenenden des N. trigeminus entscheidend.

Pathomechanismus der Aura

Bei etwa einem Drittel der Betroffenen geht der Kopfschmerzattacke eine Aura voraus. Pathophysiologisch scheint eine „cortical spreading depression“ (CSD) verantwortlich zu sein. Hierbei vermindert eine sich langsam (wenige Millimeter pro Sekunde) über den Kortex ausbreitende neuronale und gliale Depolarisation die neuronale Aktivität und führt zu entsprechenden Symptomen der betroffenen Hirnregion. Im Okzipitallappen wird dementsprechend eine visuelle Aura mit beispielsweise Fortifikationen, Blitzlichtern oder Skotomen hervorgerufen; eine Ausbreitung in der Postzentralregion ist mit sensiblen Symptomen assoziiert. Wodurch genau die CSD getriggert wird oder ob gar die CSD Initiator der Migräneattacke ist, ist Gegenstand der Forschung und noch nicht abschließend geklärt. Sehr wahrscheinlich bedingen genetische Faktoren eine individuell erhöhte Suszeptibilität für eine CSD, indem sie die Schwelle der Exzitabilität verändern und eine CSD erleichtern.

Die Aura-Symptome treten - abhängig vom betroffenen Areal - meist sequenzartig hintereinander auf und verschwinden wieder. Die mit der verminderten neuronalen Aktivität einhergehende Minderdurchblutung beginnt üblicherweise im hinteren Kortex und dehnt sich nach vorne aus. Sie liegt gewöhnlich über der ischämischen Schwelle.

Symptome und Phasen einer Migräneattacke

Migräne kann unterschiedlich ablaufen. Oft kommt es zu Attacken heftiger, häufig einseitiger pulsierend-pochender Kopfschmerzen. Bei einem Drittel der Patienten - insbesondere bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren - bestehen holokranielle Kopfschmerzen. Die einzelnen Attacken sind begleitet von Appetitlosigkeit (fast immer), Übelkeit (80%), Erbrechen (40-50%), Lichtscheu (60%), Lärmempfindlichkeit (50%) und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen (10%).

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Grundsätzlich wird zwischen einer „Migräne ohne Aura“ und einer „Migräne mit Aura“ inklusive diverser Unterformen unterschieden.

Migräne ohne Aura

Migräne ohne Aura ist die häufigste Migräneform. Typische Kopfschmerzcharakteristika sind:

  • einseitige Lokalisation
  • pulsierender Charakter
  • mäßige bis starke Intensität
  • Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten
  • begleitendes Auftreten von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmüberempfindlichkeit

Die Kopfschmerzen halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an.

Migräne mit Aura

Migräne mit Aura ist sehr viel seltener als Migräne ohne Aura. Eine Aura ist definiert als wiederkehrende, für Minuten anhaltende Attacke mit einseitigen, komplett reversiblen visuellen, somatosensorischen oder motorischen Symptomen, die sich allmählich entwickeln und denen in der Regel Kopfschmerzen und damit verbundene Migränesymptome folgen. Bleibt die Aura ohne begleitenden oder nachfolgenden Migränekopfschmerz wird sie als „Typische Aura ohne Kopfschmerz“ eingestuft.

Migräne-Phasen

Eine Migräneattacke kann grundsätzlich in verschiedenen Phasen ablaufen: dem Prodromalstadium, der Aura, der Kopfschmerzattacke und der Postdromalphase. Diese werden in Gänze aber nicht zwingend von jedem Patienten durchlaufen oder bemerkt. Oft fehlen klare Übergänge der einzelnen Phasen, vielmehr überlappen sich die Symptome.

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Prodromalstadium

Etwa ein Drittel der Patienten nimmt Anzeichen wahr, die auf eine kommende Migräneattacke hindeuten. Diese Prodromal- oder Vorbotenphase kann Stunden bis Tage vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auftreten und stark variieren. Typische Prodromi sind:

  • Nackenschmerzen (meist ohne strukturelle Pathologie)
  • häufiges Gähnen
  • unspezifische Magen-Darm-Beschwerden
  • Polyurie
  • übermäßige Gereiztheit
  • Fatigue
  • Schwindel
  • Blässe
  • Heißhungerattacken
  • Inappetenz
  • Obstipation
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Geräuschempfindlichkeit
  • depressive Verstimmung

Aura-Phase

Etwa bis zu 30 Prozent aller Migränepatienten entwickeln unmittelbar vor Einsetzen des Kopfschmerzes nacheinander verschiedene neurologische Symptome.

Als häufigster Auratyp ist die visuelle Aura zu beobachten, die bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit einer „Migräne mit Aura“ zumindest bei einigen Anfällen vorkommt. Charakteristisch ist das sogenannte Fortifikationsphänomen. Darunter wird ein sich langsam öffnendes halbes Oval mit ausgezackter, flimmernd-leuchtender Umrandung nahe dem Fixationspunkt verstanden, das sich entsprechend der kortikalen Retinopathie zur Gesichtsfeldperipherie hin nach links und rechts ausbreitet und in ihrem Zentrum ein graduell unterschiedliches absolutes oder relatives Skotom hinterlässt. Ein Gesichtsfeldausfall ist auch ohne positive visuelle Phänomene möglich.

Zweithäufiges Aurasymptom sind Sensibilitätsstörungen in Form von nadelstichartigen Parästhesien, die sich langsam vom Ursprungsort ausbreiten und größere oder kleinere Teile einer Körperhälfte einschließlich des Gesichts und/oder der Zunge erfassen können. Daran anschließend kann ein sensibles Defizit anhalten.

Weniger häufig sind Sprachschwierigkeiten, üblicherweise aphasische Störungen in Form von Wortfindungsstörungen.

Systematische Studien konnten zeigen, dass viele Patienten mit einer visuellen Aura gelegentlich auch Aurasymptome im Bereich der Extremitäten haben und/oder sprachbezogene Symptome aufweisen. Umgekehrt scheinen bei Symptomen in den Extremitäten und/oder Sprach- und Sprechschwierigkeiten fast immer (zumindest bei einigen Attacken) visuelle Aurasymptome aufzutreten.

Die Aurasymptome folgen gewöhnlich aufeinander, meist beginnend mit visuellen Phänomenen, gefolgt von Sensibilitätsstörungen und gegebenenfalls einer Aphasie. Eine umgekehrte Reihenfolge oder eine andere Reihung ist beschrieben. Die anerkannte Dauer beträgt für die meisten Aurasymptome 60 Minuten, motorische Beschwerden persistieren häufig auch länger als eine Stunde.

Kopfschmerz-Phase

Der klassische Migränekopfschmerz zeigt typische Charakteristika. Meist sind die Kopfschmerzen einseitig lokalisiert, können sich aber auch auf die andere Kopfhälfte ausbreiten oder während einer Attacke die Seite wechseln. Selten beginnen Migränekopfschmerzen beidseitig.

Die Kopfschmerzintensität reicht von mittel bis stark und wird von den Betroffenen als pulsierend, pochend, klopfend, hämmernd oder bohrend beschrieben. Kopfbewegungen und körperliche Anstrengung verstärken die Schmerzen meist. Patienten sind oft blass und wirken schwer krank. Nach Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft hält eine Kopfschmerzattacke zwischen vier und 72 Stunden an.

Häufig bestehen vegetative Begleitsymptome wie Inappetenz, Nausea und Emesis sowie eine Photophobie, Phonophobie oder Osmophobie.

Postdromalphase

Im Anschluss an einen Migräneanfall kann eine Postdromalphase folgen, in der die Beschwerden allmählich abklingen. Diese Rückbildungsphase ist recht unspezifisch und wird individuell anders wahrgenommen. Viele Betroffene sind müde, erschöpft und reizbar. Selten wird über Euphorie-ähnliche Zustände berichtet. Konzentrationsstörungen, Schwäche und Appetitlosigkeit werden noch Stunden nach der Migräneattacke beschrieben.

Diagnose von Migräne

Die Migräne-Diagnose stützt sich auf die Anamnese und neurologische Untersuchung. Bei Kopfschmerzen mit ungewöhnlicher Klinik - etwa zum Ausschluss einer Subarachnoidalblutung - und bei Kopfschmerzen mit persistierenden neurologischen oder psychopathologischen Auffälligkeiten sind zusätzliche diagnostische Maßnahmen wie Laboruntersuchungen und insbesondere eine Bildgebung notwendig. Ein erstmalig auftretender Kopfschmerzanfall im Kindesalter muss ebenfalls differentialdiagnostisch abgeklärt werden.

Eine sichere Migräne-Diagnose kann erst nach mindestens fünf anamnestischen Migräneattacken gestellt werden. Der neurologische Untersuchungsbefund muss unauffällig sein.

Die Rolle von Blutwerten

Während Blutwerte nicht direkt zur Diagnose von Migräne herangezogen werden, da Migräne eine klinische Diagnose ist, die auf den berichteten Symptomen und der neurologischen Untersuchung basiert, können sie dennoch in bestimmten Situationen nützlich sein:

  • Ausschluss anderer Ursachen: Blutuntersuchungen können helfen, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie Migräne verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Infektionen oder Stoffwechselstörungen.
  • Überwachung von Medikamenten: Bei der Einnahme bestimmter Medikamente zur Migräneprophylaxe können regelmäßige Blutuntersuchungen erforderlich sein, um die Leber- und Nierenfunktion zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
  • Identifizierung von Risikofaktoren: Blutwerte können Informationen über Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern, die bei Migränepatienten möglicherweise relevant sind.

Wann sind zusätzliche diagnostische Maßnahmen erforderlich?

Zusätzliche diagnostische Maßnahmen sind immer dann nötig, wenn der Verdacht auf eine sekundäre Kopfschmerzform besteht. Manchmal veranlassen wir aber auch bei primären Kopfschmerzsyndromen weitere Untersuchungen - immer dann, wenn sich die Art oder Häufigkeit bekannter Kopfschmerzen merklich ändert oder neue Beschwerden dazukommen. Eine Zusatzuntersuchung kann Ihnen auch die Sorge nehmen, an einer schweren Erkrankung, wie einem Hirntumor oder einem Schlaganfall, zu leiden.

  • CT des Kopfes: liefert Schichtaufnahmen des Gehirns, der Knochen sowie der Blutgefäße.
  • MRT: liefert detailliertere Schichtaufnahmen des Gehirns und der Blutgefäße.
  • In manchen Fällen ist es nötig, Nervenwasser im Bereich der Lendenwirbelsäule zu entnehmen.
  • Alle Betroffenen, die an Kopfschmerzen leiden, sollten zumindest einmal labortechnisch untersucht worden sein.

Therapie von Migräne

Grundsätzlich wird bei der Therapie von Migräne zwischen der Akuttherapie und Intervallprophylaxe unterschieden.

Akuttherapie

Bei akuten Migräneattacken wird eine möglichst frühzeitige Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) empfohlen, bei unzureichender Wirksamkeit und mittelschweren bis schweren Attacken die Anwendung von Triptanen. Letztere sind in verschiedenen Applikationsformen erhältlich, zum Beispiel als Schmelztablette, Nasenspray oder subkutane Injektion.

Leichtere Migräneanfälle

Bei leichten Migräneanfällen empfiehlt die aktuelle S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ die Einnahme von Acetylsalicylsäure und NSAR, auch kombiniert mit Coffein.

Werden die Kopfschmerzen von vegetativen Reizsymptomen wie Nausea und Emesis begleitet, sollten die Analgetika zwingend mit antiemetischen Wirkstoffen kombiniert werden. Selbst Patienten, die keine Übelkeit zeigen, werden aufgrund der prokinetischen Wirkung Antiemetika nahegelegt, die idealerweise 10-20 Minuten vor den Analgetika eingenommen werden.

Als Analgetika sind empfohlen:

  • Acetylsalicylsäure (ASS 1000 mg oder ASS 900 mg + MCP 10 mg p.o.)
  • Ibuprofen (200/400/600 mg p.o.)
  • Metamizol 1000 mg p.o. oder i.v.
  • Diclofenac-Kalium 50 mg/100 mg p.o.
  • Kombinationsanalgetika: 2 Tabletten ASS 250/265 mg + Paracetamol 200/265 mg + Coffein50/65 mg)

Bei Kontraindikation von NSAR: Paracetamol 1000 mg oder Metamizol 1000 mg p.o.

Bei Übelkeit und Erbrechen empfehlen die Leitlinienexperten 10 mg Metoclopramid p.o. (ggf. supp.) oder 10 mg Domperidon p.o.

Gemäß der Leitlinie:

  • sind Analgetika und NSAR bei der Behandlung von akuten Migräneattacken wirksam.
  • ist die Wirkung für Acetylsalicylsäure und Ibuprofen am besten belegt.
  • liegt die Schwelle für die Entstehung von Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nach ICHD-3 für Kombinationsanalgetika bei ≥ 10 Einnahmetagen/Monat, für Monoanalgetika bei ≥ 15 Einnahmetagen/Monat.
  • sind Opioid-Analgetika und Tranquilizer zur Behandlung akuter Migräneattacken nicht empfohlen.

Migräneprophylaxe

Eine Migräneprophylaxe (Vorbeugebehandlung) sollte erfolgen, wenn es zu häufigen und schweren Migräneattacken kommt. Dies bedeutet:

  • drei oder mehr Migräneattacken pro Monat
  • Migräneattacken, die regelmäßig länger als 24 Stunden anhalten
  • Attacken, die auf eine adäquate Therapie nicht ansprechen oder es zu nicht tolerablen Nebenwirkungen der Therapie kommt
  • Zunahme der Attackenfrequenz und Einnahme von Schmerzmitteln an mehr als 10 Tagen im Monat
  • Komplizierte Migräneattacken mit lang anhaltenden Auren

Für die Migräneprophylaxe werden im wesentlichen Medikamente eingesetzt, die ursprünglich für die Behandlung anderer Krankheiten entwickelt wurden. Auch hier muss eine gründliche Analyse erfolgen und dann eine individuelle Beratung und Verordnung der geeigneten Medikamente.

Nichtmedikamentös ist moderater Ausdauersport ebenso hilfreich wie das Erlernen von Entspannungstechniken sowie die Akupunktur, deren Nutzen bei Migräne in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte und auch von den nationalen und internationalen Kopfschmerzgesellschaften empfohlen wird.

Das Ziel der Prophylaxe ist, bei optimaler Verträglichkeit eine Reduktion der Attackenfrequenz um 50% zu erreichen.

Weitere Kopfschmerzformen

Kopfschmerzen werden unterschieden nach Art und Dauer sowie Charakter ihres Auftretens. Die Internationale Kopfschmerz-Gesellschaft mehr als 220 Kopfschmerzformen definiert. Bei über 90% aller Kopfschmerzfälle handelt es sich dabei um sogenannte primäre oder nichtsymptomatische Kopfschmerzen. Dies sind Kopfschmerzen, die keine andere behandelbare Ursache haben. Dazu zählen der episodische und chronische Spannungskopfschmerz und die Migräne als häufigste Kopfschmerzarten. Daneben gibt es seltener auftretende primäre Kopfschmerzformen wie die paroxysmale Hemikranie, den Clusterkopfschmerz, den medikamenteninduzierten Kopfschmerz, den idiopathisch stechenden Kopfschmerz, die Hemicrania continua, das SUNCT-Syndrom, den Hypnic headache, die Trigeminusneuralgie oder den New daily persistent Headache. Die übrigen 8% entfallen auf sekundäre oder symptomatische Kopfschmerzen, Neuralgien und nicht klassifizierbare Kopfschmerzen. Die häufigsten Kopfschmerzformen Migräne mit und ohne Aura sowie episodischer und chronischer Spannungskopfschmerz und medikamenteninduzierter Kopfschmerz werden aufgrund ihrer Wichtigkeit in separaten Kapiteln behandelt.

Spannungskopfschmerz

Symptome

Der episodische Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerz überhaupt. Sowohl beim episodischen wie auch beim chronischen Spannungskopfschmerz kommt es zu dumpf-drückenden Schmerzen, die beidseits vorne am Kopf, am Hinterkopf oder auch im ganzen Kopf lokalisiert werden. Oft wird die Beschreibung eines „engen Bandes um den Kopf“ oder eines „zu engen Hutes“ benutzt. Auch ein „Gefühl der Benommenheit“ kann auftreten. Begleitsymptome in Form von Übelkeit und Licht- oder Lärmempfindlichkeit, wie sie z. B. bei der Migräne vorkommen, sind eher selten. Eine tageszeitliche Bindung der Kopfschmerzen ist in der Regel nicht zu beobachten. Körperliche Anstrengung verschlimmert den Spannungskopfschmerz nur unwesentlich, so dass in den allermeisten Fällen auch die Arbeitsfähigkeit durch den Spannungskopfschmerz nicht oder nicht wesentlich eingeschränkt ist. Eine erhöhte Druck- und Schmerzempfindlichkeit der Hals- und Nackenmuskulatur sowie der Kopfhaut wird von vielen Patienten berichtet und ist am ehesten durch eine Aktivierung von Schmerzrezeptoren in diesem Bereich verursacht.

Die episodische und die chronische Form des Spannungskopfschmerzes werden unterschiedlich behandelt. Wichtig für die richtige Zuordnung ist die Häufigkeit des Auftretens. Tritt der Kopfschmerz an weniger als 15 Tagen pro Monat auf, wird er als episodischer Spannungskopfschmerz bezeichnet. Bei Auftreten von Spannungskopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat oder häufiger als an 180 Tagen pro Jahr handelt es sich um einen chronischen Spannungskopfschmerz. Meist entwickelt sich der chronische Spannungskopfschmerz aus einem bereits bestehenden episodischen Spannungskopfschmerz.

Bei verschiedenen Erkrankungen im Bereich des Kopfes oder auch z. B. bei Bluthochdruck können Kopfschmerzen auftreten, die vom Charakter wie Spannungskopfschmerz aussehen. Zu diesen Erkrankungen gehören Entzündungen in den Nasennebenhöhlen, Blutungen im Gehirn oder in der weichen Hirnhaut, Thrombosen in den gehirnversorgenden Gefäßen oder auch ein Einriss in einer zum Gehirn führenden Arterie. Diese sog. sekundären Kopfschmerzformen müssen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose eines Spannungskopfschmerzes im eigentlichen Sinne gestellt werden darf.

Behandlung

Der episodische Spannungskopfschmerz kann mit sogenannten Antirheumatika behandelt werden. Wichtig ist, dass eine zu häufige Medikamenteneinnahme vermieden wird, um keinen medikamenteninduzierten Kopfschmerz (siehe hierzu folgendes Kapitel) auszulösen.

Der chronische Spannungskopfschmerz wird mit der Gabe trizyklischer Antidepressiva in niedrigen Dosierungen behandelt.

Beim Spannungskopfschmerz sind unterstützende nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Ausdauersportarten und das Erlernen von Entspannungsverfahren wie z.B. der progressiven Relaxation nach Jacobson außerdem wichtige therapeutische Säulen.

Die Wirkung von Akupunktur ist umso besser, je kürzer ein Spannungskopfschmerz besteht.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MIKS)

Symptome

Die Betroffenen haben meist dumpf-drückende, seltener pulsierende Ganzkopfschmerzen, die sich nach mindestens dreimonatiger, jedoch meist jahrelanger und regelmäßiger Einnahme von Medikamenten, insbesondere Kopfschmerzmitteln entwickeln. Der Kopfschmerz ähnelt im Charakter dem Spannungskopfschmerz.

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