Das Klinikum Lippe GmbH, mit seinen Standorten in Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen, stellt einen der größten kommunalen Krankenhausträger Deutschlands dar. Als einziger Anbieter stationärer akutmedizinischer Leistungen im Kreis Lippe, der über 365.000 Einwohner zählt, versorgt das Klinikum jährlich rund 48.000 Patienten stationär. Die drei Krankenhäuser sind optimal vernetzt, wodurch medizinische Kompetenzen standortübergreifend zugänglich sind. Das Klinikum Lippe-Lemgo hat sich insbesondere in der Hämatologie/Onkologie, der Altersmedizin und der Schlaganfallbehandlung spezialisiert.
Einleitung
Das Klinikum Lippe-Lemgo bietet im Bereich der Neurologie ein breites Leistungsspektrum, das von der Akutversorgung bis zur langfristigen Betreuung chronisch neurologischer Erkrankungen reicht. Dabei wird großer Wert auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine individuelle, patientenzentrierte Behandlung gelegt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Schwerpunkte und Angebote der Neurologie am Klinikum Lippe-Lemgo.
Schwerpunkte der Neurologie am Klinikum Lippe-Lemgo
Schlaganfallversorgung auf der Stroke Unit
Ein zentraler Schwerpunkt der neurologischen Abteilung ist die Behandlung von Schlaganfällen. Die spezialisierte Stroke Unit ist mit zehn modernen Betten ausgestattet und ermöglicht eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch qualifiziertes Pflegepersonal und Neurologen. Die Behandlung erfolgt nach internationalen Standards, um Folgeschäden zu minimieren.
Schnelle Reaktion ist entscheidend: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, da mit jeder Minute Gehirnzellen absterben können. Symptome wie Sprach- oder Sprechstörungen, plötzliche Lähmungen oder Sehstörungen sollten daher ernst genommen und umgehend notfallmedizinische Hilfe gerufen werden. Der FAST-Test (Face, Arms, Speech, Time) kann auch von Laien durchgeführt werden, um Schlaganfallsymptome schnell zu erkennen.
Moderne Therapieansätze: Nach der Identifizierung eines Schlaganfalls stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter die medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln (Lyse) oder die direkte Entfernung des Gerinnsels (Thrombektomie). Frühzeitig beginnt ein Team aus Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten mit der Rehabilitation.
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Nachsorge und Unterstützung: Der Sozialdienst und Reha-Manager des Klinikums gewährleisten eine qualifizierte Nachsorge und unterstützen Angehörige. Schlaganfall-Lotsen, in Kooperation mit der Deutschen Stiftung für Schlaganfallhilfe, bieten zusätzliche Unterstützung durch Hausbesuche und regelmäßige Telefonkontakte.
Parkinson und andere Bewegungsstörungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen, einschließlich der Parkinson-Krankheit, Dystonien, Tremor-Erkrankungen, des Restless-Legs-Syndroms und Tics.
Umfassende Diagnostik: Das Klinikum bietet ein umfassendes Spektrum an diagnostischen Methoden, das durch Kooperationen mit anderen Fachabteilungen wie Neuroradiologie und Nuklearmedizin ergänzt wird. Dazu gehören neben der ausführlichen Krankengeschichte und körperlich-neurologischen Untersuchung auch funktionelle Tests wie der L-Dopa-Test oder Riechtest sowie bildgebende Verfahren wie CT und MRT.
Individuelle Therapiekonzepte: Eine frühzeitige Diagnosestellung ist wichtig, um die passende Therapie zu finden, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Die Parkinson-Komplexbehandlung kombiniert die akutstationäre Behandlung mit einer intensiven rehabilitativen Therapie durch ein multidisziplinäres Team.
Multiple Sklerose und andere Entzündungen des Nervensystems
Die Diagnostik, Therapie und Langzeitbetreuung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und verwandten Erkrankungen stellen einen weiteren wichtigen Schwerpunkt dar. Die Klinik ist von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als "Anerkanntes MS-Schwerpunktzentrum" zertifiziert.
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Individuelle Betreuung: Patienten mit MS werden stationär und ambulant betreut, sowohl bei der Erstdiagnose als auch bei akuten Verschlechterungen (Schüben) und im Langzeitverlauf. Die MS-Ambulanz versorgt aktuell ca. 500 Patienten unter fachärztlicher Leitung.
Vielfältige Therapieoptionen: Neben ärztlicher Beratung und der Einleitung von immunologischen Dauertherapien bietet das Klinikum auch symptomatische Therapien, z.B. der Spastik, von Blasenfunktionsstörungen und die Verordnung nicht-medikamentöser Heilmittel wie Physiotherapie und Ergotherapie. Eine ausgebildete MS-Nurse steht den Patienten beratend zur Seite.
Neurologische Frührehabilitation
Die neurologische Frührehabilitation richtet sich an Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen, die noch nicht aktiv an der Behandlung mitwirken können und oft intensivmedizinischer Betreuung bedürfen. Ziel ist es, grundlegende Fähigkeiten wieder zu erlernen und die Angehörigen für die häusliche Pflege anzuleiten.
Interdisziplinäres Team: Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten sowie Neuropsychologen arbeitet eng zusammen, um die Patienten umfassend zu betreuen.
Epilepsie
Das Klinikum Lippe-Lemgo bietet eine umfassende Diagnostik und Therapie von Epilepsie an.
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Differenzierte Diagnostik: Nach einem Anfall erfolgt eine sorgfältige Abklärung, um die Ursache zu ermitteln. Dazu gehören ein ausführliches ärztliches Gespräch, Messungen in der neurologischen Funktionsabteilung (EEG, EP, Doppler- und Duplexsonographie, ENG/EMG, Nerven- und Muskelsonographie) und gegebenenfalls ein Schlafentzugs-EEG.
Individuelle Therapie: Die Wahl der Medikamente hängt von der Form und Ursache der Epilepsie, dem Lebensalter, Begleiterkrankungen und einem möglichen Kinderwunsch ab. In einigen Fällen können auch eine Operation oder eine Vagusnerv-Stimulation in Betracht gezogen werden.
Gedächtnisstörungen
Das Klinikum bietet eine umfassende Diagnostik kognitiver Störungen jeder Art, um eine Abgrenzung zu anderen, oft behandelbaren Erkrankungen zu ermöglichen.
Umfassende Diagnostik: Neben einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung und einer Kontrolle der Laborparameter wird auch eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt. Bei Auffälligkeiten werden eine MRT- und Liquordiagnostik veranlasst.
Klinische Neuropsychologie: Die klinische Neuropsychologie beschäftigt sich mit den Folgen von Gehirnerkrankungen auf die geistige Leistungsfähigkeit, das psychische Erleben und das Sozialverhalten. In der neuropsychologischen Untersuchung werden verschiedene kognitive Domänen getestet, darunter Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung, Orientierung, Exekutivfunktionen, visuell-räumliche Wahrnehmung, Sprache und soziale Kognitionen.
Kopfschmerzen
Das Klinikum bietet eine neurologische Abklärung für Kopfschmerzen jeder Art.
Differenzierung: Es wird zwischen primären Kopf- und Gesichtsschmerzen, bei denen verschiedene Faktoren beteiligt sind, und sekundären Kopfschmerzen, bei denen die Ursache innerhalb des Gehirns oder im Bereich des Kopfes liegt, unterschieden.
Individuelle Therapie: Die medikamentöse Behandlung konzentriert sich auf eine Therapie akuter Schmerzen mit dem Ziel, Schmerzen und deren Begleitsymptome schnell zu beseitigen. Bei häufigem Auftreten können durch medikamentöse aber auch nichtmedikamentösen Maßnahmen die Intensität und die Frequenz verringert werden.
Zentrum für Altersmedizin
Das Zentrum für Altersmedizin am Klinikum Lippe-Lemgo bietet eine umfassende Behandlung von Krankheiten und Beeinträchtigungen im höheren Lebensalter. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen.
Geriatrisches Assessment: Neben der üblichen medizinischen Diagnostik kommt ein spezielles geriatrisches Assessment zum Einsatz, dessen Ergebnisse in ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept einfließen.
Schwerpunkte: Zu den Schwerpunkten gehören die Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks (Schlaganfälle), Gang- und Bewegungsstörungen, unklaren Schwindelzuständen sowie Gleichgewichts- und Schlafstörungen im Alter, sowie Muskel- und Nervenerkrankungen.
Neurologische Ambulanz
Die Neurologische Ambulanz des Klinikums Lippe-Lemgo bietet ein breites Spektrum an spezialisierten Sprechstunden an:
- Botulinumtoxin-Sprechstunde: Behandlung von Dystonien, Spastik, chronischer Migräne u.a.
- Spastik-Ambulanz
- Multiple Sklerose Ambulanz
- Neuro-Immunologische Ambulanz: Behandlung von Myasthenie, CIDP, Myositis, NMOSD, limbischer Enzephalitis u.a.
- Neuro-Onkologische Ambulanz
- Alzheimer-Ambulanz
- ALS-Ambulanz
Die Ambulanz bietet auch die Möglichkeit zur Einholung einer neurologischen Zweitmeinung bei unklaren Diagnosen oder Therapieoptionen im neuroimmunologischen Bereich.
Botulinumtoxin-Therapie: Die Therapie mit Botulinumtoxin hat in der Neurologie eine große Bedeutung und wird bei zahlreichen Beschwerdekomplexen eingesetzt. In der Ambulanz werden alle häufigen neurologischen Indikationen abgedeckt.
Neuroimmunologische Erkrankungen: In der Ambulanz ist die komplette Erstdiagnostik dieser Erkrankungen sowie die Weiterbehandlung möglich. Darüber hinaus sind alle immunmodulatorischen oder immunsuppressiven Behandlungen durchführbar, sofern diese nicht einer stationären Behandlung bedürfen.
Neuroonkologische Ambulanz: Die Ambulanz informiert individuell über Tumorerkrankungen des Gehirns und berät umfassend zu den Behandlungsmöglichkeiten. Jeder neuro-onkologische Patient wird in der interdisziplinären neuro-onkologischen Tumorkonferenz vorgestellt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Klinikum Lippe-Lemgo legt großen Wert auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen, niedergelassenen Ärzten und Rehabilitationseinrichtungen. Dies ermöglicht eine umfassende und koordinierte Versorgung der Patienten.
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