Leukämie: Ursachen, Symptome und Behandlung von Krebszellen im Nervenwasser

Leukämie, umgangssprachlich als Blutkrebs bekannt, ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. Dabei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von entarteten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark, die die gesunde Blutbildung beeinträchtigen können.

Einführung

Es gibt verschiedene Arten von Leukämie, die sich in ihrem Verlauf, den betroffenen Zelltypen und den Behandlungsmethoden unterscheiden. Obwohl Leukämie in vielen Fällen nicht vollständig heilbar ist, können Patientinnen und Patienten heute dank moderner Therapiekonzepte oft gut damit leben.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Leukämie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen, die im Laufe des Lebens zufällig entstehen können.

Bekannte Risikofaktoren:

  • Chemikalien: Erhöhter Kontakt mit bestimmten Chemikalien wie Benzol.
  • Vorherige Behandlungen: Frühere Chemotherapie oder hohe Dosen radioaktiver Strahlung.
  • Erbliche Vorerkrankungen: Familiäre Vorbelastung, Down-Syndrom oder das Vorliegen des Philadelphia-Chromosoms.
  • Rauchen: Nikotinkonsum erhöht das Risiko für Blutkrebs.
  • Alter: Ein höheres Lebensalter scheint ein möglicher Risikofaktor für bestimmte Leukämieformen zu sein.
  • Virusinfektion: Bei der seltenen humanen T-Zell-Leukämie spielt eine Infektion mit HTL-Viren eine Rolle.

Formen von Leukämie

Leukämien werden anhand verschiedener Kriterien in unterschiedliche Formen unterteilt.

Wichtige Unterscheidungsmerkmale:

  • Krankheitsverlauf: Akut oder chronisch.
  • Betroffene Zellart: Myeloisch (aus Vorläuferzellen der Granulozyten) oder lymphatisch (aus Vorläuferzellen der Lymphozyten).

Die vier häufigsten Leukämieformen sind:

  • Akute myeloische Leukämie (AML): Die häufigste akute Form bei Erwachsenen.
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL): Tritt vor allem bei Kindern auf.
  • Chronische myeloische Leukämie (CML): Betrifft primär mittelalte bis ältere Erwachsene.
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Wird heutzutage nicht mehr dem Blutkrebs zugeordnet, sondern den Lymphomen.

Akute Lymphatische Leukämie (ALL)

Bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) entartet eine frühe Vorstufe der Lymphozyten und vermehrt sich unkontrolliert. Im Verlauf der Erkrankung kann die ALL Organe wie Gehirn und Hirnhäute (Meningen) befallen. Eine andere Bezeichnung für ALL ist akute lymphoblastische Leukämie. Die ALL betrifft insbesondere Kinder zwischen drei und sieben Jahren.

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Symptome

Die Symptome einer Leukämie können vielfältig und unspezifisch sein, insbesondere im Frühstadium. Bei einer akuten Leukämie entwickeln sich die Symptome rasch, während chronische Leukämien oft schleichend verlaufen.

Typische Symptome:

  • Stark herabgesetzte Leistungsfähigkeit
  • Infektanfälligkeit
  • Blässe
  • Erhöhte Blutungsneigung (Haut, Schleimhäute)
  • Schmerzen in Gelenken und Knochen
  • Schmerzhafte Druckgefühle im Bauchraum (vergrößerte Leber und Milz)
  • Müdigkeit und Mattheit
  • Auffällige Blässe
  • Knochenschmerzen
  • Fieber
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Vergrößerung der Lymphknoten

Symptome im fortgeschrittenen Stadium:

  • Schwellung der Lymphknoten
  • Vergrößerung der Milz (seltener der Leber)
  • Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen oder Gesichtslähmungen (bei Befall der Hirnhäute)
  • Knochenschmerzen (vor allem bei Kindern)
  • Hautveränderungen (Flecken, Verdickungen, Knötchen)

Diagnose

Die Diagnose von Leukämie erfordert eine umfassende Untersuchung.

Wichtige diagnostische Maßnahmen:

  • Detaillierte Blutuntersuchungen: Zur Beurteilung der Blutzusammensetzung und zum Nachweis von Tumorzellen.
  • Knochenmarkpunktion: Entnahme einer Knochenmarkprobe zur Untersuchung auf Tumorzellen und zur Bestimmung der genauen Krebsart.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall, CT oder Kernspintomographie zur Überprüfung, ob der Krebs auf Gewebe und Organe übergegriffen hat.
  • Lumbalpunktion: Untersuchung des Nervenwassers, um festzustellen, ob der Krebs das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) befallen hat.

Behandlung

Die Behandlung von Leukämie hängt von der Art der Leukämie, dem Stadium der Erkrankung, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Wichtige Behandlungsansätze:

  • Chemotherapie: Einsatz von Zytostatika, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen.
  • Strahlentherapie: Gezielte Bestrahlung von Krebszellen, insbesondere bei akuter lymphatischer Leukämie (ALL).
  • Stammzelltransplantation: Ersatz des erkrankten Knochenmarks durch gesunde Stammzellen von einem Spender (allogen) oder dem Patienten selbst (autolog).
  • Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI): Medikamente zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML), die das Wachstum der Leukämiezellen blockieren.
  • CAR-T-Zelltherapie: Eine neue Behandlungsmethode, bei der patienteneigene T-Lymphozyten gentechnisch verändert und zur Bekämpfung der Krebszellen eingesetzt werden.

Behandlung der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL)

Bei der ALL ist das Behandlungsziel meist die Heilung. Die Therapie besteht in der Regel aus einer intensiven Chemotherapie, die in verschiedene Phasen unterteilt ist:

  • Vorphasentherapie: Milde Chemotherapie zur schrittweisen Zerstörung der Leukämiezellen.
  • Induktionstherapie: Intensive Chemotherapie zur Zurückdrängung der Leukämiezellen und Wiederherstellung der gesunden Blutbildung.
  • Konsolidierungstherapie: Zweite intensive Behandlungsphase, gegebenenfalls mit Blutstammzelltransplantation.
  • Erhaltungschemotherapie: Milde Chemotherapie zur Aufrechterhaltung der Remission (nur bei Patienten ohne Transplantation).

Zusätzlich zur Chemotherapie werden bei der ALL häufig Chemotherapeutika direkt ins Nervenwasser gespritzt, um ein Ausbreiten der Leukämiezellen ins Gehirn und Rückenmark zu verhindern.

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Prognose und Lebenserwartung

Die Prognose bei Leukämie hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der genauen Form der Erkrankung, dem Alter des Patienten und dem Zeitpunkt der Diagnose. Dank moderner Therapieverfahren haben sich die Heilungs- und Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Wichtige Einflussfaktoren:

  • Art der Leukämie: Akute Leukämien können aggressiver verlaufen als chronische.
  • Alter des Patienten: Kinder und Jugendliche haben oft bessere Heilungschancen als ältere Erwachsene.
  • Allgemeinzustand des Patienten: Begleiterkrankungen können die Prognose beeinflussen.
  • Ansprechen auf die Therapie: Ein schnelles und gutes Ansprechen auf die Behandlung ist ein positives Zeichen.

Nachsorge

Nach einer erfolgreichen Behandlung ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um mögliche Rückfälle oder Spätfolgen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Bestandteile der Nachsorge:

  • Regelmäßige Arztgespräche und körperliche Untersuchungen
  • Kontrolluntersuchungen von Blut und Knochenmark
  • Beachtung möglicher Spätfolgen der Behandlung

Leben mit Leukämie

Eine Leukämieerkrankung und die damit verbundene Behandlung können für Patienten und Angehörige eine große Belastung darstellen.

Unterstützungsangebote:

  • Psychosoziale und psychoonkologische Betreuung
  • Selbsthilfegruppen
  • Beratungsstellen

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