Unser Gehirn ist ein wahres Wunderwerk, das tagtäglich Höchstleistungen vollbringt. Es verarbeitet Sinneseindrücke, speichert Erfahrungen, ermöglicht logisches Denken und erleichtert die Kommunikation. Es steuert überlebenswichtige Grundfunktionen und ist der Ursprung unserer Emotionen. Angesichts dieser komplexen Aufgaben ist es wichtig, unser Gehirn aktiv zu unterstützen und seine Leistungsfähigkeit zu optimieren. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode hierfür ist die Übung der liegenden Acht.
Das Gehirnmodell nach MacLean
Um die Wirkung der liegenden Acht besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen kurzen Blick auf das Gehirnmodell nach Paul D. MacLean zu werfen. Dieses Modell unterteilt das Gehirn in drei evolutionär entstandene Bereiche:
- Stammhirn (Reptiliengehirn): Steuert überlebenswichtige Grundfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck.
- Zwischenhirn (Limbisches System): Verantwortlich für Emotionen, Triebverhalten und die Filterung von Informationen.
- Großhirn: Besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind.
Die linke Gehirnhälfte steuert logisches, rationales und abstraktes Denken sowie die Sprache. Die rechte Gehirnhälfte hingegen ist für Intuition, Kreativität, Bilder, Farben, Symbole und Rhythmik zuständig.
Die Liegende Acht: Ein Symbol der Unendlichkeit und Harmonie
Die liegende Acht, auch bekannt als Unendlichkeitszeichen (∞), ist ein uraltes Symbol, das in verschiedenen Kulturen und Disziplinen eine tiefe Bedeutung trägt. Es repräsentiert Unendlichkeit, Ewigkeit und den ständigen Fluss des Lebens. Die frühesten Darstellungen des Unendlichkeitskonzepts finden sich im alten Ägypten mit dem Symbol des Ouroboros - einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt und somit einen Kreis bildet. Dieses Symbol steht für den ewigen Kreislauf von Geburt und Tod. Die moderne Form der liegenden Acht wurde erstmals 1655 vom englischen Mathematiker John Wallis als Symbol für eine unendliche Zahl eingeführt. Seitdem hat es sich über die Mathematik hinaus in verschiedene kulturelle und spirituelle Bereiche ausgedehnt.
Die Wirkung der Liegenden Acht auf die Gehirnhälften
Wenn wir Konzentrationsschwierigkeiten oder Blockaden haben, ist der Informationsaustausch zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte über das Corpus Callosum, die Verbindungsstelle zwischen den Hemisphären, eingeschränkt. Die liegende Acht kann helfen, diese Verbindung wieder zu öffnen und den Informationsaustausch zu fördern.
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Durch die Überkreuzbewegung der Augen beim Nachzeichnen der liegenden Acht werden beide Gehirnhälften aktiviert und miteinander verknüpft. Dies kann zu einer verbesserten Konzentration, Koordination und Kreativität führen. Die Übung kann den Gedankenstrom stoppen und so für mehr Konzentration sorgen.
Anwendung der Liegenden Acht in der Praxis
Die liegende Acht kann auf verschiedene Arten angewendet werden, um die Gehirnfunktion zu unterstützen:
Mit den Augen nachzeichnen: Stellen Sie sich vor, an der Wand gegenüber oder am Horizont wäre eine große liegende Acht aufgemalt. Zeichnen Sie mit Ihren Augen diese liegende Acht nach, zuerst aufsteigend (von der Mitte nach links oben, dann nach links unten, über die Mitte nach rechts oben und dann nach rechts unten) und dann absteigend (von der Mitte nach rechts unten, dann nach rechts oben, über die Mitte nach links unten und dann nach links oben). Achten Sie darauf, Ihren Nacken und Ihre Schultern zu entspannen und ruhig zu atmen.
Mit den Händen zeichnen: Nehmen Sie einen Stift und ein Blatt Papier. Kleben Sie das Blatt in Augenhöhe an die Wand oder Tür. Zeichnen Sie am Kreuz beginnend schwungvoll nach links oben die liegende Acht mit der Schreibhand ein. Der Kopf bleibt gerade, die Augen folgen dem Stift. Jeweils 3 Runden mit einer Farbe und in einer Richtung wiederholen. Jetzt die Farbe wechseln und einen Richtungswechsel nach rechts unten vornehmen. Anschließend mit beiden Händen und beiden Farben, können auch nochmals neue Farben sein, die liegende Acht in beide Richtungen nachfahren.
In der Luft malen: Strecken Sie beide Arme vor die Brust und falten Sie die Hände, sodass die Daumen nach oben zeigen. Halten Sie den Kopf gerade und folgen Sie mit den Augen den Daumen, während Sie eine liegende Acht in die Luft malen. Beginnen Sie mit der Bewegung links oben und wechseln Sie dann die Richtung, beginnend rechts unten.
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Motorik Acht: Je ein Mitspieler (Kind, Therapeut, Erwachsener, ..) hält ein Ende der Acht. Gemeinsam wird die Kugel durch die Windungen geführt. Gerne mit Arbeitsaufträgen wie Richtungswechsel und unterschiedliche Formen (O, E, ..). Damit das gelingt, müssen die Mitspieler eine Gemeinschaft bilden und miteinander kommunizieren. Dabei werden automatisch Eigenschaftswörter wie schneller, langsamer, höher, tiefer usw. benutzt, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.
Die Liegende Acht im Unterricht und in der Therapie
Die liegende Acht wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Pädagogik und Therapie eingesetzt, um Kinder und Erwachsene beim Lernen und bei der Bewältigung von Herausforderungen zu unterstützen.
Erfahrungen aus der Montessorischule: Eine langjährige Lehrerin einer Montessorischule berichtet, dass sie den Unterricht täglich mit kinesiologischen Übungen, darunter der liegenden Acht, beginnt. Die Kinder lernen so die Übungen und ihre Wirkung kennen und können sie je nach Stimmungslage oder Aufgabenstellung selbstständig anwenden.
Beispiele für die Anwendung:
- Ein Mädchen mit ungelenker Handschrift schwang die liegende Acht mit verschiedenen Farbstiften, um ihre Schreibfähigkeit zu verbessern.
- Ein Junge mit Leseschwierigkeiten malte die liegende Acht in die Luft, um das flüssige Lesen zu fördern.
- Eine Gruppe von Schülern übte das kleine Einmaleins, indem sie vorab die liegende Acht in die Luft schrieben.
- Ein Junge in einer Lernkrise schwang täglich die liegende Acht, um seine Freude am Lernen wiederzufinden.
Weitere Anwendungsbereiche:
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- Förderung der Auge-Hand-Koordination
- Schulung der Rechts-Links-Koordination
- Verbesserung des Hörverständnisses und des Gleichgewichts
- Unterstützung bei Traumafolgestörungen (EMDR)
- wingwave-Coaching
Weitere Übungen zur Förderung der Gehirnfunktion
Neben der liegenden Acht gibt es noch weitere Übungen, die den Informationsaustausch zwischen den Gehirnhälften fördern können:
Überkreuzbewegungen: Führen Sie den rechten Ellbogen und das linke Knie langsam und bewusst vor dem Körper zusammen. Wechseln Sie dann die Seite und bewegen Sie den linken Ellbogen und das rechte Knie aufeinander zu. Eine weitere Variante ist, im aufrechten Stand den rechten gestreckten Arm seitwärts nach oben auszustrecken und gleichzeitig das linke Bein zur Seite zu bewegen, dann den linken Arm und das rechte Bein.
Ohrmassage: Legen Sie Daumen und Zeigefinger auf beiden Seiten an die äußere Rundung der Ohren. Massieren Sie die Ohren sanft von oben nach unten, indem Sie sie auseinanderfalten.
Achtsamkeit und die Liegende Acht
Achtsamkeit und Unendlichkeit sind kein Widerspruch, sondern gelebte Einheit. Die liegende Acht als Symbol der Ewigkeit ist ein niemals endender Kreislauf in Verbundenheit und grenzenloser Liebe zum Hier und Jetzt. Denn dort wo sich die beiden Kreise kreuzen, entsteht ein kleiner Raum ohne Zeit, ein Übergang zwischen mir und dir, zwischen den Welten der Vergangenheit und Zukunft.
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