Die Funktionen der linken Gehirnhälfte: Ein umfassender Überblick

Die Vorstellung, dass die linke und rechte Gehirnhälfte jeweils für bestimmte, klar definierte Aufgaben zuständig sind, ist weit verbreitet. Oft wird von einer "emotionalen rechten Gehirnhälfte" und einer "analytischen linken Gehirnhälfte" gesprochen. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich in dieser Annahme? Dieser Artikel beleuchtet die Funktionen der linken Gehirnhälfte, räumt mit einigen Mythen auf und zeigt, wie beide Hemisphären zusammenarbeiten, um unsere kognitiven Fähigkeiten zu ermöglichen.

Das Gehirn: Mehr als nur zwei Hälften

Das menschliche Gehirn ist zwar in zwei Hälften unterteilt, die jedoch nicht isoliert voneinander agieren. Stattdessen stehen sie in ständigem Austausch und arbeiten eng zusammen. Sie sind in der Mitte durch einen Balken verbunden. Die Aufgaben des Gehirns verteilen sich nicht einfach auf eine rechte und eine linke Seite, sondern auf verschiedene Areale, die meistens sowohl links als auch rechts im Gehirn zu finden sind.

Spezialisierung der Hemisphären: Wo liegen die Unterschiede?

Obwohl die meisten Gehirnareale in beiden Hälften vorhanden sind, gibt es dennoch einige wichtige Unterscheidungen. So ist die linke Gehirnhälfte für die Steuerung und Reizverarbeitung der rechten Körperhälfte zuständig. Zudem gibt es bestimmte Areale, die bei den meisten Menschen nur in einer Gehirnhälfte liegen. Ein bekanntes Beispiel sind das Broca- und Wernicke-Areal, die für die Sprache verantwortlich sind und bei Rechtshändern größtenteils in der linken Hemisphäre lokalisiert sind. Das Broca-Areal ist dabei hauptsächlich für die Sprachproduktion zuständig.

Die Aufgaben der linken Gehirnhälfte im Detail

Die linke Gehirnhälfte ist in der Regel für sprachliche und logische Funktionen zuständig. Sie verarbeitet Informationen sequenziell und analytisch. Konkret bedeutet dies:

  • Sprache: Die linke Gehirnhälfte spielt eine entscheidende Rolle bei der Sprachverarbeitung, einschließlich des Lesens, Schreibens und Sprechens. Das Broca-Areal, das hauptsächlich für die Sprachproduktion verantwortlich ist, befindet sich in der Regel in der linken Hemisphäre.
  • Logik und Analyse: Logisches Denken, das Lösen mathematischer Probleme und das Auswendiglernen von Informationen sind typische Aufgaben der linken Gehirnhälfte. Sie arbeitet nach Regeln und Gesetzen und konzentriert sich auf Details.
  • Detailwahrnehmung: Die linke Gehirnhälfte nimmt Details wahr und denkt in logischen Schritten.
  • Zeitliche Wahrnehmung: Kleine Unterschiede zwischen Zeitabständen werden ebenfalls in der linken Gehirnhälfte verarbeitet.
  • Motorische Sprachsteuerung: Die komplexen Vorgänge während des Sprechens werden dort kontrolliert.
  • Verständnis abstrakter Begriffe: Begriffe wie Glück und Liebe, also Konzepte, die nicht konkret sind, werden vorwiegend in der linken Gehirnhälfte verarbeitet.

Es ist wichtig zu betonen, dass die linke Gehirnhälfte nicht isoliert arbeitet. Viele Aufgaben erfordern die Zusammenarbeit beider Hemisphären.

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Die rechte Gehirnhälfte: Ergänzung und Gegenstück

Die rechte Gehirnhälfte ist in der Regel für räumliche und kreative Funktionen zuständig. Sie verarbeitet Informationen ganzheitlich und intuitiv. Sie ist zuständig für Körpersprache, Bildersprache und Intuition. Sie ist kreativ und spontan und interessiert sich für Neugier, Spielen und Risiko. Die rechte Gehirnhälfte besitzt den Überblick und verarbeitet Informationen ganzheitlich. Sie kontrolliert die Körpersprache, Mimik und Gestik und steuert Bewegungen und physische Aktivität sowie künstlerische Leistungen und Erlebnisse wie Musik, Zeichnen und Malen.

Zusammenspiel der Hemisphären: Ein dynamischer Prozess

Die beiden Gehirnhälften arbeiten eng zusammen, um uns ein umfassendes Verständnis der Welt um uns herum zu ermöglichen. Die Großhirnrinde ist verantwortlich für die Vernetzung der beiden Gehirnhälften. Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können. Die linke Hirnhälfte kontrolliert bevorzugt die schnellen, während die rechte parallel hierzu eher die langsamen Abläufe steuert. Das rechte Zentrum lässt uns erst die volle Bedeutung von Sätzen, nicht nur das Gesagte, sondern das Gemeinte verstehen.

Eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt hat das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften beim Sprechen untersucht und neue Erkenntnisse gewonnen. Es konnte festgestellt werden, dass die linke Gehirnhälfte zeitliche Aspekte wie den Übergang von Sprachlauten kontrolliert, während die rechte Hirnhälfte dafür zuständig ist, dass die Laute, die unser Mund formt, auch so klingen wie sie klingen sollen. Des Weiteren wurde herausgefunden, dass die linke Hemisphäre bevorzugt zum Steuern schneller Bewegungen genutzt wird, während die rechte Seite besser langsame Abläufe kalibrieren kann.

Lateralisation: Individuelle Unterschiede in der Aufgabenverteilung

Die Tendenz, dass Hirnregionen Funktionen eher in der linken oder rechten Hirnhälfte verarbeiten, wird als Lateralisation bezeichnet. Diese ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Selbst bei denjenigen, bei denen die Funktionen im Gehirn prinzipiell klassisch angeordnet sind, ist die Asymmetrie unterschiedlich stark ausgeprägt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass sich das wiederum auf die Fähigkeiten selbst auswirken kann. Zu wenig asymmetrisch ausgebildete Sprachareale auf der linken Hirnseite werden zum Beispiel als eine mögliche Ursache für Legasthenie vermutet. Auch bei Krankheiten wie Schizophrenie und Autismus-Spektrum-Störungen oder Hyperaktivität bei Kindern wird mit einer zu schwachen Aufgabenteilung zwischen den beiden Hirnhälften in Zusammenhang gebracht.

Unterschiede in der Hirnasymmetrie verschiedener Personen sind zum Teil vererbbar, zum Teil aber auch auf unterschiedliche Anforderungen und Erfahrungen zurückzuführen. Das menschliche Gehirn ist asymmetrischer als das von Affen. "Vermutlich ergibt sich die Asymmetrie unseres Gehirns aus genetischen Faktoren und solchen, die sich aus persönlichen Erfahrungen ergeben", erklärt Bin Wan, Doktorand am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

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Training des Gehirns: Ganzheitlich ist besser

Einige Fähigkeiten sind zwar hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte angesiedelt, jedoch ist es nicht sinnvoll, nur die linke Gehirnhälfte zu trainieren. Da beide Gehirnhälften miteinander vernetzt arbeiten, ist ein ganzheitliches Training effektiver.

Um die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte zu trainieren, bieten sich vor allem Übungen der Kategorie schlussfolgerndes Denken an, diese werden in der linken Hemisphäre verarbeitet. Diese Übungen trainieren die Logik, sowie Deduktion und Induktion. Damit trainieren Sie die Hauptfähigkeit der linken Gehirnhälfte. Da die linke Gehirnhälfte die rechte Hand kontrolliert, können gerade Linkshänder davon profitieren, einfache Aufgaben wie das Zähneputzen mit der rechten Hand zu erledigen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Übungen, die angeben, lediglich eine Gehirnhälfte zu trainieren, wissenschaftlich nicht fundiert sind. Bei jeglicher Art von Gehirntraining werden immer beide Hälften aktiv, jedoch in unterschiedlicher Form.

Um die Zusammenarbeit und Synchronisation beider Gehirnhälften zu stärken, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Multisensorische Aktivitäten: Durchführen von Tätigkeiten, die mehrere Sinne ansprechen und somit beide Gehirnhälften gleichzeitig aktivieren.
  • Kinesiologische Übungen: Übungen, die die Koordination zwischen beiden Gehirnhälften verbessern sollen.

Das Gedächtnis: Ein Zusammenspiel beider Hemisphären

Das Gedächtnis befindet sich in beiden Gehirnhälften. Das episodische Gedächtnis findet sich in der rechten Hirnregion wieder, während das semantische Gedächtnis in der linken Hemisphäre sitzt. Für die Merkfähigkeit brauchen wir also unser komplettes Gehirn.

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Um das Gedächtnis zu verbessern, müssen Synapsen verstärkt werden. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Verbindung zwischen systematischem Denken und Intuition. Die Erinnerung besteht hauptsächlich aus einer verstärkten Verknüpfung von Nervenzellen.

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